"Prävention von Gewalt und Aggression" – KoBrA-Factsheet Handlungshilfen zum Thema Gewaltprävention in der Pflege
Initiiert, geprüft und aktualisiert von den Unfallversicherungsträgern im Arbeitsschutznetzwerk KoBrA BW, bündelt dieses digitale Factsheet Materialien, Informationen und Angebote zum Thema zum Thema Prävention von Gewalt und Aggression in der ambulanten und stationären Pflege. Das Factsheet soll Sie bei Ihrer innerbetrieblichen Präventionsarbeit unterstützen.
Warum ist eine Beschäftigung mit dem Thema wichtig?
Die aktuelle Studienlage zeigt: Mitarbeitende in der Pflege erleben häufig Gewalt und Aggression. Diese kann zum Beispiel in Form von verbaler Gewalt (Beschimpfen, Bedrohen), körperlicher Gewalt (Tritte, Schläge, Bisse) oder sexualisierter Gewalt von zu Pflegenden oder Angehörigen ausgehen.
Das Erleben von Gewalt und Aggression stellt in nahezu allen Fällen eine negative Beanspruchung dar. Je nach Ereignis und individuellen Ressourcen sind physische und psychische Gesundheitsschäden möglich, wie zum Beispiel Hämatome, Posttraumatische Belastungsstörungen, Depression.
Auswirkungen beschränken sich zudem häufig nicht nur auf die Betroffenen, sondern beeinflussen die gesamte Einrichtung. Der Arbeitgeber hat auch in diesem Bereich eine Fürsorgepflicht. Seine gesetzlich festgeschriebene Aufgabe ist es, für ein möglichst sicheres Arbeitsumfeld zu sorgen.
Aufgaben des Arbeitgebers
Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz durchführen, technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen ableiten und umsetzen, die im Wesentlichen Folgendes beinhalten:
- Einrichtung einer sicheren Arbeitsumgebung durch bauliche und räumliche Maßnahmen
- Alarmierungs- und Überwachungseinrichtungen
- Notfallplan und Unterweisung
- Schulungen zum professionellen Umgang mit Klienten, z.B. Deeskalationstraining
- Nachsorgekonzept (mit internen und externen Unterstützungsangeboten)
- Persönliche Schutzmaßnahmen, wie geeignete Kleidung und Schuhwerk
- Dokumentation und Auswertung der Gewaltvorfälle
- Unfallmeldung an den Unfallversicherungsträger (verpflichtend ab 3 Tage Arbeitsausfall)
Handlungshilfen
BGW:
- Umgang mit Gewalt (Themenseite)
- Kliniken – Mindeststandard für die Gewaltprävention in der Notaufnahme (Themenseite, "Zehn Punkte gegen Gewalt")
- Umgang mit Gewalt (FAQ)
BGW, UK NRW:
- Sicheres Krankenhaus (Portal, Schwerpunkthema "Gewaltprävention")
DGUV:
- #Gewalt angehen (DGUV-Kampagne)
BGW:
- Prävention von Gewalt und Aggression gegen Beschäftigte im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege (Broschüre)
- Trauma – was tun? Damit Sie sich nicht mehr so hilflos fühlen müssen (Broschüre)
- Deeskalationstraining und kollegiale Erstbetreuung. Gewalt vorbeugen, Akutsituationen managen (Flyer)
- Take care – Gesund und sicher im Pflegeberuf (Materialkoffer für Lehrkräfte in Pflegeberufen, Lerneinheit "Gewalt und Belästigung vorbeugen")
UKBW:
- Handlungsleitfaden zur Prävention von Gewalt und Belästigung in öffentlichen Einrichtungen (Broschüre)
DGUV:
- "Gut vorbereitet für den Ernstfall! Mit traumatischen Ereignissen im Betrieb umgehen" DGUV Information 206-017 (Broschüre)
- "Traumatische Ereignisse in Gesundheitsberufen" DGUV Information 207-012 (Broschüre)
- "Traumatische Ereignisse – Prävention und Rehabilitation" DGUV Grundsatz 306-001 (Broschüre)
- "Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen" DGUV Regel 112-139 (Broschüre)
- "Meldung von traumatischen Ereignissen" FBGIB-004 (Informationsblatt mit Handlungsleitfaden)
- Notfallplan Traumatisches Ereignis (Aushang zum Ausfüllen aus der DGUV Information 206-017 "Gut vorbereitet für den Ernstfall! Mit traumatischen Ereignissen im Betrieb umgehen")
UKBW:
- "Umgang mit kritischen Situationen" (Seminar)
- "Tatort Arbeitsplatz – Gewalt in öffentlichen Einrichtungen" (Seminar)
- "Konflikte!? – Haben wir nicht! – Die Dynamik von Konflikten am Arbeitsplatz" (Seminar)
- "Umgang mit schwierigen Kunden" (Seminar)
Buchung sämtlicher Seminare über die Seminar-Plattform der UKBW
BGW:
Hilfe für Versicherte in psychischen Belastungssituationen und Betroffene von Gewaltvorfällen
BGW
BGW-Podcast "Herzschlag – Für ein gesundes Berufsleben"
- #02: Umgang mit Aggression und Gewalt gegen Pflegekräfte
- #08: Sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz
- #125: Gewalt in der Notaufnahme: Was tun? Maßnahmen gegen Aggressionen und Gewalt
- #131: Übergriffe am Arbeitsplatz: Mitarbeitende vor sexualisierter Gewalt schützen
- #132: Wenn der Übergriff nachwirkt – Individualprävention traumatischer Ereignisse
Wir weisen in diesem Zusammenhang eindrücklich darauf hin, dass die Aufzählung der Handlungsfelder nicht als abschließend angesehen werden kann!
Da die betrieblichen Gegebenheiten sehr individuell sein können, hat der Unternehmer im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die mit der Tätigkeit verbundenen Gefährdungen zu ermitteln, zu bewerten und notwendige Schutzmaßnahmen abzuleiten. Im Rahmen des Prozesses der Gefährdungsbeurteilung ist in jedem Fall auch die Überprüfung der Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen geboten. Die digitalen Factsheets können den Prozess der Gefährdungsbeurteilung unterstützen. Es empfiehlt sich aber immer, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt/die Betriebsärztin beratend hinzuzuziehen und die Vertretung der Beschäftigten in den Prozess einzubinden.
Sprechen Sie uns an:
BGW Bezirksstelle Karlsruhe
Unfallkasse Baden-Württemberg