Erschöpfung erkennen – kompetent handeln
In fast allen Branchen und Berufsfeldern nimmt die Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Diagnosen deutlich zu. Gefährdete Beschäftigte zu erkennen und Verhaltensänderungen wahrzunehmen, die auf psychische Erschöpfung oder Burn-out hinweisen, ist für Führungskräfte nicht leicht. Was dabei hilft, ist genaues Hinschauen – und verlässliche Spielregeln im Betrieb.
Sind psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch?
Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Störungen 1997–2023
Kranken- und Rentenversicherungen verzeichnen seit langem einen Zuwachs an psychischen Diagnosen. So vermerkt der TK-Gesundheitsreport 2024: Von 2006 bis 2023 sind Fehlzeiten unter diesen Diagnosen bei Erwerbspersonen altersbereinigt um insgesamt 149 Prozent gestiegen. Frauen waren auch im Jahr 2023 mit 4,5 Fehltagen deutlich stärker als Männer mit 2,8 Tagen betroffen.
Bei diesem Trend ist nicht nur die Häufigkeit der Ausfälle aufgrund psychischer Störungen auffällig, sondern es sind vor allem die hohen durchschnittlichen Ausfallzeiten: Wer aufgrund einer psychischen Diagnose fehlt, fällt oft für längere Zeit aus.
Im Gesundheitswesen wirkt sich diese Entwicklung besonders stark aus: Laut dem DAK-Psychreport 2024 liegt hier die Anzahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Ausfalltage mit 472 Tagen je 100 Versicherten deutlich über dem Durchschnitt aller Branchen (323 Tage).
Aber woran bemerken Vorgesetzte, dass jemand überlastet, erschöpft oder „ausgebrannt“ ist?
Im Arbeitsalltag ist es oft schwierig zu erkennen, wann Beschäftigte die persönliche Belastungsgrenze erreicht haben. Als Führungskraft benötigen Sie eine gute Beobachtungsgabe, aber auch ausreichend Zeit, um kritische Veränderungen an Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wahrzunehmen. Dabei geht es nicht um Kontrolle und Überwachung, sondern darum, ob es Anzeichen dafür gibt, dass jemand über das normale Maß hinaus gefordert ist und deutliche Erschöpfungssymptome zeigt.
Die Checkliste zu auffallenden Verhaltensänderungen hilft Ihnen, Ihre Beobachtungen einzuordnen.
Dafür, wie Sie mit erschöpften Beschäftigten umgehen, kann es keine Standardlösung geben: Die Situationen sind zu vielfältig und die Personen individuell. Deshalb ist es für Führungskräfte so wichtig, aufmerksam zu sein und Veränderungen – ob im Team oder bei einzelnen Beschäftigten – möglichst genau wahrzunehmen. Nur so können Sie angemessen auf Betroffene zugehen.
Was können Führungskräfte tun, wenn jemand verhaltensverändert wirkt?
Wenn Mitarbeitende in Ihrem Team ein verändertes Verhalten zeigen, sollten Sie als Führungskraft möglichst zeitnah das Gespräch suchen. Denn nur so lässt sich die Situation klären, der Belastung auf den Grund gehen und die betroffene Person unterstützen. Wie Sie sich auf solch ein Gespräch vorbereiten, was dabei wichtig ist und worauf Sie für eine gelungene Kommunikation achten sollten, lesen Sie in unserem BGW-Ratgeber "Erschöpfung erkennen – sicher handeln".
Vorgesetzte können mit ihrem Führungsverhalten die Arbeitsbedingungen – und somit die psychische Gesundheit – ihrer Beschäftigten beeinflussen. Dazu gehört beispielsweise auch, psychische Belastungen in der Arbeitssituation offen anzusprechen, und zwar im ganzen Team. So finden Sie gemeinsam konstruktive Lösungen, wie mit Belastungen umgegangen werden kann.