Organisatorische und personenbezogene Maßnahmen zum Hitzeschutz Von der Urlaubsplanung bis zur Kleidung und vieles mehr
Wenn technische Maßnahmen zum Hitzeschutz nicht ausreichen, kommen organisatorische und personenbezogene Maßnahmen ins Spiel. Manche Schritte wie die Urlaubs- und Dienstplangestaltung müssen langfristig geplant und organisiert werden.
Urlaubsplanung und Personalausstattung
- Mit Hitzeperioden rechnen und sie möglichst bei der Urlausplanung berücksichtigen, um Personalengpässen im Hochsommer vorzubeugen.
- Alle Möglichkeiten der Personalgewinnung nutzen – etwa:
- Personalausstattung kurzzeitig durch Zeitarbeitskräfte erhöhen.
- Ehrenamtliche einsetzen, zum Beispiel in Kooperation mit den Kommunen.
Dienstplangestaltung und Arbeitsorganisation
- Dienstplan: Arbeitszeiten und Dienstpläne anpassen, wo möglich.
- Arbeitszeitgestaltung: Vermehrt Kurzpausen zum Trinken und als Abkühlphasen in den Dienstplan integrieren.
- Zeitliche Verschiebungen: Körperlich anstrengende Tätigkeiten – zum Beispiel mit Vollschutz als persönliche Schutzausrüstung – kurzfristig in den frühen Morgen oder den späteren Nachmittag/Abend verlegen.
- Hitzeschutzplan: Als festen Bestandteil des Arbeitsschutzes umsetzen und regelmäßig überprüfen.
- Netzwerkarbeit stärken: mit Kommunen, Unfallkassen, Hausärzten, Nachbarschaftshilfe etc.
- Hitzeschutzbeauftragte/r: Im Betrieb Person benennen.
- Hitzeteams bilden: Achtsamkeit der Mitarbeitenden untereinander erhöhen, um frühzeitig Anzeichen akuter Hitzeerkrankungen zu erkennen und rechtzeitig handeln zu können.
- Erste Hilfe: Schulung in betrieblicher Erster Hilfe zu Hitzeerkrankungen:
- Vermehrt auf vulnerable Gruppen unter den Beschäftigten achten wie ältere Menschen, Schwangere oder Personen mit Vorerkrankungen.
- Erste Hilfe Karte: Akute Hitzeerkrankungen (DGUV Information 204-037) an gut sichtbaren Stellen anbringen.
- Kühle Räume (Coolingspots): Kurzpausen in kühlen Räumen. Es ist ratsam, diese Räume frühzeitig zu identifizieren und im Maßnahmenplan zu kennzeichnen.
- Lüftungs- und Verschattungsplan: zum Beispiel Nacht- und Morgenlüftung
- Zusammenarbeit im Team: Hausmeister, Reinigungspersonal, Küche und Nachtdienst einbinden (zum Beispiel bei der Nacht- und Morgenlüftung).
- Speiseplan anpassen: Gut sind leichtverdauliche Gerichte wie Obst- und Gemüsesalate
sowie Kaltschalen.
Bereitstellen von Getränken
- Lufttemperaturen über +26 °C: Arbeitgebende sollten geeignete Getränke bereitstellen, beispielsweise Trinkwasser (Arbeitsstättenregel ASR A3.5, Abschnitt 4.4).
- Lufttemperaturen über +30 °C: Arbeitgebende sind verpflichtet, Getränke bereitzustellen.
Wichtig: Bei Raumtemperaturen über + 35 °C ist das Arbeiten oder der Aufenthalt im Raum ohne weitere Maßnahmen nicht zumutbar.
Kleidung
- Bekleidungsregeln und betrieblich gestellte Arbeitskleidung anpassen: Leichte und atmungsaktive
Kleidung aus funktionalen Materialien (etwa Lyocell) kann bei sommerlicher Wärme helfen, die individuelle thermische und psychische Beanspruchung zu senken. Sommerliche Arbeitskleidung sollte unter anderem Feuchtigkeit gut aufnehmen und atmungsaktiv sein. Wichtig: Persönliche Schutzausrüstung ist – sofern erforderlich – dennoch unverzichtbar. - Kühlkleidung: Kann zu einer verbesserten Thermoregulation des Körpers beitragen, zum Beispiel Kühlwesten oder Kühlhalstücher.
Kühlkleidung ist mit Kosten verbunden. Eine lohnende Anschaffung, wenn Sie die Belegschaft bei der Auswahl der Produkte mit einbeziehen. Denn das erhöht die Akzeptanz, die Kleidung zu tragen, wenn es darauf ankommt – bei Hitze.
BGW test hat Kühlwesten geprüft.
Unterweisungen und Schulungen für Mitarbeitende
- Unterweisungen: verpflichtende und wiederkehrende (Kurz-)Unterweisungen zum sicheren Verhalten bei Hitze (Trinkpausen, Entwärmungsphasen, Erkennen von Hitzschlag, Lüftungsverhalten, …)
- Verhaltenshinweise:
- An regelmäßiges Trinken erinnern – mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag –, gegebenenfalls kühlende Getränke auch für Tour im Auto bereitstellen.
- Mitarbeitende auffordern, auf Hitzesymptome bei sich und anderen zu achten.
- Sonnenbrille, Kopfbedeckung, UV-Schutz im Außendienst verwenden.
- Pausen möglichst im Schatten oder in klimatisierten Räumen verbringen. - Schulung und Kommunikation:
- Mitarbeitende schulen zu Hitzefolgen, Schutzmaßnahmen, Frühwarnzeichen.
- Kommunikationskaskade etablieren, um Hitzewarnungen weiterzugeben.
Innere thermische Lasten reduzieren
- Elektrogeräte: Gegebenenfalls wärmeemittierende elektrische Geräte nur bei Bedarf oder nachts betreiben.
Sonstige Maßnahmen
- Offene Kommunikationskultur zu Hitzebelastungen fördern.
- Individuelle Risikoanalyse für Mitarbeitende: Alter, Schwangerschaft, Vorerkrankungen – Belastung anpassen.
- Langfristig und strategisch: Thema "Klimaanpassung" in die Unternehmensstrategie aufnehmen.
- Akquise von Fördermitteln: zum Beispiel für E-Autos mit Kühlung
Infos zu Fördermöglichkeiten