Zwei Arme mit verschränkten Händen, ein weiterer Arm, dessen Hand über die beiden Hände gelegt ist.

Tod und Trauer

Nichts ist so sicher, wie der Tod – und doch kommt er meist überraschend. Er erschüttert unsere Welt, bringt Trauer, Unsicherheit und Veränderung mit sich. Ein Todesfall im eigenen Umfeld – egal ob nah oder erweitert – macht oft sprachlos. Daneben kann er auch unbewusst eigene Verlusterfahrungen berühren. 

Der Trauerprozess ist eine zutiefst persönliche Erfahrung, für die es keine allgemeingültigen Regeln oder eine festgelegte Abfolge von Phasen gibt. Es ist nicht unüblich, dass Emotionen komplex, unerwartet und sogar widersprüchlich auftreten. Gefühle wie tiefer Schmerz können sich mit Momenten der Wut, Leere, Selbstvorwürfen oder sogar unerwarteter Erleichterung abwechseln. 

Es gibt keine vorgegebene Zeitspanne oder eine bestimmte Art, wie man trauern sollte. Auch nach Monaten oder Jahren kann Trauer wieder sehr präsent und intensiv sein – vor allem an Jahrestagen oder besonderen Erinnerungsmomenten. Es ist normal und menschlich, dass solche Gefühle immer wieder aufbrechen können. Daher gilt für Trauernde selbst und auch das Umfeld, geduldig zu sein und alle Erwartungen an den Trauerprozess loszulassen. 

Umgang mit Trauernden

Eine Frau mit traurigem Gesichtsausdruck und geschlossenen Augen umarmt eine andere Frau.

Es ist nicht immer leicht, die richtigen Worte zu finden. Manchmal hilft es, einfach nur schweigend für jemanden da zu sein.

„It`s okay not to be okay“

Der Umgang mit trauernden Menschen führt häufig zu Verunsicherung. Unsere Empfehlungen geben Hinweise für ein einfühlsames Verhalten. 

Hilfreich:

  • Gespräch oder Gesellschaft anbieten
  • Sprachlosigkeit und Trauer aushalten – schweigend einfach da sein
  • Bei Unsicherheiten aktiv nach den Bedürfnissen der trauernden Person fragen und welches Verhalten gewünscht ist (zum Beispiel "Wie kann ich dich unterstützen?")
  • Verständnis im Umgang mit dem Verlust aufbringen
  • (konkrete) Hilfe anbieten; Ablehnung akzeptieren
  • in Kontakt bleiben
  • über die akute Trauerphase hinaus unterstützen und im Austausch bleiben


Nicht hilfreich:

  • den trauernden Menschen oder das Thema meiden
  • Hilfe oder Gespräche aufdrängen
  • Phrasen oder Plattitüden wie "Schau nach vorn." oder "Wenigstens hat er nicht gelitten."
  • den Verlust vergleichen oder relativieren, etwa: "Sie war ja schon alt."
  • unerwünschte Ratschläge erteilen
  • Trauerreaktionen und -prozess bewerten und Erwartungen stellen
  • Versprechen oder Zusagen tätigen, die nicht eingehalten werden
  • schneller Rückgang von Unterstützungs- und Gesprächsangeboten

Trauer am Arbeitsplatz 

Berührungspunkte mit Tod und Trauer im Arbeitskontext ergeben sich, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin stirbt oder wenn Mitarbeitende selbst von einem Trauerfall betroffen sind. Jede Situation erfordert individuelles Handeln, abhängig von den jeweiligen Umständen und Gegebenheiten. Unsere Hinweise zeigen Ihnen eine Richtung für entsprechende Maßnahmen.

Viele brennende, braune Kerzen neben- und hintereinander

Auch gemeinsam der verstorbenen Person zu gedenken kann helfen.

Tod eines oder einer Mitarbeitenden 

Verstirbt jemand aus dem Team, ist vom Management neben organisatorischen Maßnahmen ein sensibler Umgang mit dem Ereignis gefragt. Transparenz und Partizipation der Kolleginnen und Kollegen kann eine gemeinsame Bewältigung fördern und die Unternehmensverbundenheit stärken. Führungskräfte sollten in dieser herausfordernden Situation besonders auf Selbstfürsorge achten. Neben der Stärkung eigener Ressourcen kann der Austausch mit verständnisvollen Menschen und/oder Fachkräften entlasten, zum Beispiel in Form von Supervision oder Trauerbegleitung. 

Erste Schritte des Managements nach Bekanntwerden des Todesfalls:

  • Belegschaft möglichst persönlich und zeitnah informieren: offene Kommunikation, dabei die Privatsphäre der verstorbenen Person und Hinterbliebener wahren
  • Trauer an geeigneter Stelle symbolisch ausdrücken, beispielsweise Licht und Foto aufstellen an geeignetem Ort
  • arbeitsorganisatorisch Nötiges regeln, etwa Vertretung benennen für weiteren Geschäftsbetrieb
  • gegebenenfalls Unfallanzeige beim zuständigen Unfallversicherungsträger stellen

Weitere Schritte:

  • Transparenz gegenüber der Belegschaft über aktuelle und geplante Maßnahmen
  • Fürsorge für die Mitarbeitenden: Gespräche anbieten, individuelle Bedürfnisse erfassen
  • Trauerbewältigung im Team unterrstützen, zum Beispiel interne Gedenkveranstaltung organisieren, wenn möglich: Freistellung zur Beisetzung
  • Abstimmung mit den Hinterbliebenen zu organisatorischen Belangen
  • falls nötig: externe Kommunikation wie Geschäftskontakte informieren, Nachruf veröffentlichen, Internetauftritt anpassen

Eine Frau mit traurigem Gesichtsausdruck und geschlossenen Augen in schwarzer Kleidung. Sie hält eine weiß-rote Rose in der Hand. Ein Mann mit Brille legt von hinten eine Hand um ihre Schulter

Wenn möglich, stellen Sie Beschäftigte für die  Trauerfeier frei von ihrer Arbeit.

Bitte achten Sie darauf, dass Maßnahmen – beispielsweise zur externen Kommunikation oder zur Teilnahme an der Beerdigung – mit den Hinterbliebenen abgestimmt sind und deren Zustimmung vorliegt. 

Mitarbeitende mit persönlichem Trauerfall   

Als Vorgesetzte sprechen Sie möglichst umgehend ihr Beileid aus, um Anteilnahme zu zeigen. Klären Sie, ob und welche Informationen Sie an die Kolleginnen und Kollegen weitergeben dürfen. Prüfen Sie Möglichkeiten einer Freistellung und bieten Sie diese an. Bleiben Sie auch während längerer Abwesenheit in Kontakt mit der Person. Bereiten Sie die Rückkehr an den Arbeitsplatz und den Umgang im Team gemeinsam vor.

Rückkehr an den Arbeitsplatz 

Manche Menschen empfinden es als hilfreich, bereits nach kurzer Zeit an den Arbeitsplatz zurückzukehren – sei es, um einen trauerfreien Raum zu haben, oder um im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen Stabilität zu finden. Andere wiederum benötigen mehr Zeit und Abstand, bevor sie sich dazu bereit fühlen. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln – wie lange eine Auszeit sinnvoll ist, hängt vom individuellen Empfinden ab.

Für die Rückkehr an den Arbeitsplatz kann es für Trauernde hilfreich sein, vorübergehend die Arbeitsgestaltung anzupassen. Sprechen Sie gemeinsam über Bedürfnisse und umsetzbare Möglichkeiten, um eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden. Dazu können beispielsweise flexible Arbeitszeiten, eine stufenweise Wiedereingliederung, ein erhöhter Telearbeitsanteil oder auch eine vorübergehende Entlastung durch veränderte Aufgaben gehören. 

Neben den organisatorischen Aspekten ist es ratsam, zeitnah offen über den gewünschten Umgang in Austausch zu gehen. Oft herrscht bei Kolleginnen und Kollegen Unsicherheit, wie sie sich verhalten sollen, was zu Rückzug und Schweigen führen kann. Trauernde können sich dadurch sozial ausgegrenzt fühlen, was unbedingt verhindert werden sollte.

Vorgesetzte und das Team können Trauernde zudem unterstützen, indem Sie: 

  • Eine Arbeitsumgebung schaffen, in der Trauer ihren Platz haben darf.
  • Bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit Verständnis zeigen.
  • Mit kleinen Gesten signalisieren, dass sie der/dem Trauernden beistehen.

BGW-Beratungsmöglichkeiten für Trauernde und betroffene Teams 

Unterstützungsangebote bei Trauer

Trauer ist ein natürlicher und wichtiger Prozess nach einem Verlust. Viele Menschen finden ihren eigenen und individuellen Weg, um damit umzugehen. Für die Bewältigung kann aber auch weitere Unterstützung hilfreich sein. Im Folgenden finden Sie Anlaufstellen, die Sie in dieser schweren Zeit begleiten können:

Regionale Beratungsmöglichkeiten für Trauernde

Von: Susann Dietze

Beiträge zum Thema Psyche und Gesundheit