Forschungsprojekt im Arbeitsfeld Logopädie/ Sprachtherapie

Die BGW hat ein Forschungsprojekt der Universität Hildesheim zur Arbeits- und Gesundheitssituation von sprachtherapeutischen Fachkräften unterstützt. In einer Online-Befragung wurden psychische Belastungsfaktoren sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten untersucht. Die Befragungsdaten wurden im Rahmen einer Online-Studie von der Universität Hildesheim erhoben und ausgewertet.

Die BGW schafft Basiswissen für die Prävention

Die logopädische Arbeit ist im Gegensatz zu anderen Gesundheitsfachberufen (z. B. der Pflege oder der Physiotherapie) mit eher geringen körperlichen Belastungen verbunden. Sie geht hingegen vorwiegend mit einer psychischen Belastung der Fachkräfte einher, welche sich z. B. aus dem direkten Patientenkontakt, aus den Kooperationserfordernissen mit Ärzten und Ärztinnen und dem bürokratischen Aufwand der Tätigkeit ergibt. Die Arbeitsbelastung der Berufsgruppe sprachtherapeutischer Fachkräfte ist bisher kaum wissenschaftlich erforscht. Eine Sichtung diverser Studien zeigte, dass sich wenig Aussagen über Belastungsfaktoren bezüglich der Organisation, der Inhalte und dem sozialen Umfeld bei der Arbeit finden.

Online-Befragung bei sprachtherapeutischen Fachkräften

Per Zufall wurden 2.000 versicherte Mitglieder der BGW aus dem Bereich Logopädie/Sprachtherapie ausgewählt. Diese wurden zu einer Teilnahme an der Studie eingeladen. Der Online-Fragebogen für die Teilnehmenden wurde auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt.

Teilnehmen konnten sowohl der Unternehmer bzw. die Unternehmerin und bis zu 15 Beschäftigte der Praxis, die derzeit als therapeutische Fachkräfte im Arbeitsfeld Logopädie/Sprachtherapie (z. B. Logopädin/Logopäde, Sprachheilpädagogin/Spracheilpädagoge, Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin/Atem-, Sprech- und Stimmlehrer) tätig sind. Auch Geschäftspartnerinnen und -partner in einer Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft durften mitmachen.

Erste Erkenntnisse 

Es wurde beispielsweise untersucht, inwieweit tätigkeitsrelevante Stressoren und Ressourcen in einem Zusammenhang mit Erschöpfung und Arbeitsengagement stehen:

  • Stressoren und Ressourcen im Zusammenhang mit Erschöpfung
    Erschöpfung wird verstärkt durch hohe quantitative Anforderungen (z.B. nicht genügend Zeit für die Aufgabenbewältigung), emotionale Anforderungen (z.B. Gefühle unterdrücken) sowie Stressoren im Umgang mit Patient*innen/Angehörigen (z.B. Nichteinhaltung von Absprachen). Wo hingegen ein hohes Maß an Abgrenzungsfähigkeit mit geringerer Erschöpfung in einem Zusammenhang steht. Durch die einbezogenen Stressoren und Ressourcen konnten insgesamt 44% der Varianz der Erschöpfung erklärt werden.
  • Ressourcen und Stressoren im Zusammenhang mit Arbeitsengagement
    Arbeitsengagement wird verstärkt durch eine hohe Autonomie (z.B. Arbeit selbst planen) und Abgrenzungsfähigkeit (z.B. persönliche Grenze ziehen). Während Stressoren im Umgang mit Patient*innen/Angehörigen (z.B. Nichteinhaltung von Absprachen) das Arbeitsengagement verringern. Durch die einbezogenen Ressourcen und Stressoren konnte insgesamt 17% der Varianz des Arbeitsengagements erklärt werden.

Die Erkenntnisse daraus sollen dabei helfen, konkrete Präventionsmaßnahmen für die Gesundheit dieser Berufsgruppe zu entwickeln.

Datenschutz und Datensicherheit

Um den Datenschutz zu gewährleisten, fand die Befragung auf anonymer Basis statt, d. h. dass über die in der Studie erhobenen Daten keinerlei Rückschlüsse auf die teilnehmende Person oder Praxis gezogen werden konnte. Die Daten wurden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken erhoben und ausgewertet. Einflüsse auf das Kundenverhältnis zur BGW waren durch das methodische Vorgehen und die Organisation der Studie ausgeschlossen.