BGW test: Wie sicher und hilfreich sind Kühlwesten, Bedmover und Abwurfbehälter? #138 BGW-Podcast "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"
Welche medizinischen Geräte erleichtern den Arbeitsalltag wirklich und welche machen ihn sogar noch komplizierter oder sogar unsicher? In dieser Folge spricht Moderator Ralf Podszus mit den Produkttestern Lorenz Müller und Dr. Niels Hinricher. Sie gehen der Frage nach, wie praxistauglich medizinische Hilfsmittel in Kliniken und Pflegeeinrichtungen tatsächlich sind.
Getestet wurden drei Produkttypen: Bedmover, die das Schieben schwerer Krankenhausbetten erleichtern sollen, Sicherheitsprodukte wie Venenverweilkanülen und Abwurfbehälter zum Schutz vor Nadelstichverletzungen sowie Kühlwesten, die bei großer Hitze für Entlastung sorgen sollen.
Die Produkttester berichten aus dem Klinikalltag, erklären Testaufbauten und zeigen, woran sich gute Produkte erkennen lassen und warum manche Geräte trotz hoher Investitionen am Ende ungenutzt in der Ecke stehen. Die Folge liefert praxisnahe Einblicke in das BGW-Testverfahren, benennt konkrete Stärken und Schwächen aktueller Produkte und zeigt, warum die Einbindung der Anwenderinnen und Anwender bei der Produktauswahl entscheidend ist.
Hier kommen Sie zum Transkript dieser Folge
Moderator:
Habt ihr schon mal ein junges Rind hochgehoben? Ja, das ist, das ist ganz schön schwer. Oder fünfundzwanzig volle Getränkekisten voller Wasser und zwar auf einmal heben, ne? Oder habt ihr alleine ein Sofa gestemmt? Natürlich so ein Dreisitzer mit Metallrahmen, auch nicht einfach. Ich weiß, das klingt jetzt etwas verrückt. Pflegekräfte machen das jedoch tatsächlich täglich, mehrfach.
Jetzt werfen die keine Kühe hin und her. Ein junges Rind und die anderen erwähnten Gegenstände, die wiegen alle circa 250 Kilogramm. Ja, und so schwer ist auch der Patiententransport mit Betten. Das ist körperlich herausfordernd. Und Krankenhausbetten oder auch Dialysegeräte und mobile Personenlifter, die sollten das Pflegepersonal eigentlich nicht zusätzlich belasten, also unhandlich oder schwergängig sein.
Ich bin Ralf Podszus. Und vor zweieinhalb Jahren, da hab ich in einer Herzschlag-Folge medizinische Geräte getestet. Ja, die müssen stabil sein, alles Mögliche aushalten und verlässlich funktionieren. Und das nicht nur für die Menschen, die damit behandelt werden. Es muss auch für die Pflegekräfte leicht zu bedienen sein. Regelmäßig 250 Kilogramm oder sogar mehr bewegen, das ist eine Herausforderung für das Muskel-Skelett-System.
Darum schaut die BGW hier besonders genau hin und testet medizinische Geräte. Das habe ich dann ja auch gemacht. Ich war bei Herzschlag im BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin in der Podcast-Folge „Medizinprodukte auf dem Prüfstand“. Hört noch mal rein.
Die BGW-Tests sollen Kliniken und Pflegeeinrichtungen bei der Auswahl von geeigneten Geräten und Produkten helfen, damit diese perfekt zu den Beschäftigten passen. Mit solchen Untersuchungen weiß man dann, was gut oder schlecht ist. Ja, und schlecht sollte es bei der ohnehin schon oft herausfordernden Arbeit auf jeden Fall nicht sein.
Was eignet sich für den Praxisalltag? Welche Geräte unterstützen das Personal wirklich? Ja, und was sollte es nicht mehr so in Gesundheitseinrichtungen geben? Drei BGW-Tests habe ich für euch heute. Einmal die sogenannten Bedmover, dann habe ich einen Test zu Sicherheitsgeräten und Abwurfbehältern und als drittes Kühlwesten.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Vier von fünf Beschäftigten in Deutschland haben Rückenprobleme. Ja, und der vierte, der vermeidet es wahrscheinlich nur, sich zu bücken. Man kann es ihm nicht verübeln. Das sind echt viele Betroffene. Rückenbelastung, die gilt es also besonders im Job zu vermeiden oder so erträglich wie möglich zu machen.
Bei mir sind jetzt zwei Tester, welche Produkte ganz genau unter die Lupe nehmen. Und deshalb können sie uns auch verraten, wann der Daumen hochgeht oder runter oder wo er geklemmt wird. Hallo Lorenz Müller und Doktor Niels Hinricher, beide sind von BGW test und sie sind BGW-Referenten bei Modellvorhaben und Kongresse in Berlin. Schön, dass ihr da seid.
Lorenz Müller:
Hi Ralf.
Dr. Niels Hinricher:
Hi Ralf.
Moderator:
Mit BGW test erhalten Gesundheitseinrichtungen Unterstützung beim Produktkauf. Lorenz, wir kennen uns bereits seit unserer letzten gemeinsamen Testfolge. Sag bitte noch mal kurz, wie wichtig ist die Beschaffung geeigneter Medizinprodukte, worauf sollte man achten?
Lorenz Müller:
Ja, schön, dass wir uns mal wieder austauschen können, Ralf. Du hast es bei der Einleitung ja eigentlich gesagt, Medizinprodukte oder Produkte sollten nicht belasten. Das ist schon so, dass Pflegekräfte und das Personal genug zu tun haben, da sollen die Produkte nicht auch noch stören.
Das ist jetzt so, wir im Büro, wir bedienen vielleicht mal ’n Laptop und ’n Drucker, der uns dann schon echt dolle nervt. Im Krankenhaus, richtig dolle nervende Drucker, genau, der kann eigentlich, meidet man ihn schon, das ist so der Mitarbeiter, die mit, wo man eigentlich gar nicht mehr hingehen möchte. Und im Krankenhaus, in den Pflegeeinrichtungen, ist es so, die bedienen nicht nur ’n Drucker und ’n Laptop, sondern ganz, ganz viele Produkte. Du hast gerade schon gesagt, ein Dialysegerät, ein Krankenhausbett, ein Lifter, aber auch Spritzenpumpen.
Das heißt, sie müssen wirklich mit vielen verschiedenen Produkten umgehen können. Und wenn dann nur eins stört, ja, dann ist die Arbeit noch mal schwerer, als sie eigentlich sein sollte.
Moderator:
Was könnt ihr über den bisherigen Verlauf von BGW test sagen, was ist seitdem passiert und wie kommt das an?
Lorenz Müller:
Ja, passiert ist eine Menge. Wir haben jetzt Niels noch als Kollegen mit dabei. Uns gibt es jetzt mittlerweile seit zehn Jahren und wir haben in den letzten Jahren fünf weitere Tests veröffentlicht, seitdem wir uns gesehen haben. Und wir sind mit dem Verlauf wirklich sehr zufrieden.
Das heißt, wir bekommen positives Feedback zum einen von den Betrieben, dass sie es wirklich nutzen können, die Ergebnisse. Wir bekommen es BGW-intern auch, dass gerade auch die Aufsichtspersonen von uns gerne mit den Ergebnissen arbeiten in der Beratung. Und tatsächlich auch kriegen wir gutes Feedback von den Herstellern, dass die sagen, ist es wirklich gut, dass ihr das macht, dass ihr uns auch vergleichend unabhängig prüft.
Moderator:
Welche zentralen Erkenntnisse konntet ihr bislang aus diesen ganzen Produkttests gewinnen?
Dr. Niels Hinricher:
Eine spannende Erkenntnis, was wir uns vorher auch nicht so richtig gedacht haben, ist eigentlich, dass wir immer was finden. Das haben wir am Anfang nicht gedacht, weil auch gerade Medizinprodukte ist ein regulierter Markt, die Hersteller testen die Produkte eigentlich vorher auch.
Und es ist schon so, egal welches Produkt wir testen, ob es Dialysegeräte sind, Bedmover, es sind immer gute Produkte dabei und es sind immer sehr schlechte Produkte dabei. Und diese Spannweite macht es auch eigentlich total spannend.
Moderator:
Jetzt nehmen wir uns mal drei Tests von euch genau vor. Starten wir mit den am Podcast-Anfang erwähnten schweren Betten. Krankenhausbetten zu bewegen gehört für Pflegekräfte zum Tagesgeschäft. Sogenannte Bedmover können die Beschäftigten unterstützen. Was sind eigentlich Bedmover und taugen die Dinge auch in der Praxis?
Dr. Niels Hinricher:
Ja, vielleicht erst mal dazu, was sind Bedmover? Bedmover sind quasi große Maschinen. Man kennt das doch vielleicht aus dem Logistikbereich, Ameisen oder Hubwagen, die werden an das Bett quasi dran montiert oder mit dem Bett verbunden und helfen dann beim Schieben. Die haben meistens einen dicken E-Motor, relativ starken Motor. Und dann können die Pflegekräfte mit dem Bedmover das schwere Krankenhausbett bewegen.
Da gibt es unterschiedliche Arten. Also es gibt welche, da steht man auf so einer Plattform und steuert dann das Bett mit dem Bedmover mit einem Joystick. Macht doch tatsächlich relativ viel Spaß.
Moderator:
Bist du schon mitgefahren, so ’ne?
Dr. Niels Hinricher:
Ja, wir mussten natürlich auch unseren Testparcours, vielleicht konnte man das später noch so ausgiebig testen, und das macht schon Spaß. Und dann gibt es welche klassisch aus der Logistik mit einer Deichsel, und dann zieht man das Bett hinter sich her.
Und wir hatten noch einen Hybriden im Test. Also wird das quasi das Bett gezogen, aber die Pflegekraft steht hinten am Kopfteil mit einem Joystick und geht dann dabei. Und ja, taugen die Dinger was?
Das hängt sehr stark von der Krankenhausarchitektur ab. Also Krankenhäuser sind sehr, sehr unterschiedlich. Kleine Gänge, enge Ecken, lange Wege. Viele Hersteller kommen aus anderen Bereichen, zum Beispiel aus der Logistik oder vom Flughafenbereich, und versuchen dann, ihre Produkte für Krankenhäuser anzupassen. Das klappt nicht immer gut.
Der Testsieger war ein Produkt, das von Anfang an speziell für Krankenhäuser entwickelt wurde. Und das merkt man.
Moderator:
Woran merkt man das konkret?
Dr. Niels Hinricher:
Ein großes Thema sind Fahrstühle. Die sind häufig sehr klein. Wenn der Bedmover dann noch einen halben oder sogar einen Meter länger ist, dann kommt man da nicht rein. Bedmover sind teuer, teilweise so teuer wie ein Kleinwagen. Wenn man dann auf jeder Etage einen braucht, wird das natürlich schwierig.
Der Testsieger war sehr kompakt gebaut, passte in die meisten Fahrstühle und man konnte auch seitwärts fahren. Das hilft im Alltag enorm, gerade wenn man schnell in einen Fahrstuhl rein muss.
Lorenz Müller:
Man darf aber nicht vergessen, es gibt nicht den perfekten Bedmover. Manche sind super geeignet für lange, gerade Flure, andere eher für enge Bereiche. Das hängt wirklich sehr stark von der jeweiligen Einrichtung ab.
Und man muss sich als Gesundheitseinrichtung schon am Anfang Gedanken machen: Wann soll der eingesetzt werden, von welchen Leuten und wie sind die Abläufe.
Moderator:
Ihr testet also wirklich unter realen Bedingungen?
Dr. Niels Hinricher:
Ja, auf jeden Fall. Wir versuchen immer, Standardisierbarkeit und Praxisnähe zu verbinden. Wenn möglich, testen wir vor Ort und immer mit Pflegekräften, also mit den späteren Nutzenden.
Ihre Einschätzung macht ungefähr fünfzig Prozent der Bewertung aus. Ziel von BGW test ist es, den Anwenderinnen und Anwendern Gehör zu verschaffen und nicht nur den Preis entscheiden zu lassen.
Moderator:
Gab es bei eurem Bedmover-Test auch Produkte, die richtig schlecht abgeschnitten haben?
Dr. Niels Hinricher:
Ja, definitiv. Wir hatten ein Produkt im Test, das ursprünglich aus dem Flughafenbereich kam. Das war für ein verwinkeltes Krankenhaus völlig ungeeignet. Der Bedmover war sehr groß, hatte einen extrem starken Motor und ließ sich schlecht manövrieren.
Also wir haben damit im Test tatsächlich sogar eine Türklinke abgefahren. Das Produkt war einfach nicht auf die Anforderungen im Krankenhaus angepasst und ist bei uns auf dem letzten Platz gelandet. Viele Hersteller passen ihre Produkte einfach nicht ausreichend an die Anforderungen im Gesundheitswesen an.
Moderator:
Das ist ja schon heftig, schließlich geht es hier um Menschen.
Dr. Niels Hinricher:
Absolut. Schlechte Produkte werden von den Anwenderinnen und Anwendern irgendwann einfach nicht mehr genutzt. Das ist schade, weil die Idee von Bedmovern grundsätzlich sehr gut ist.
Unsere Messungen zeigen auch ganz klar: Bedmover entlasten das Muskel-Skelett-System deutlich. Aber sie müssen eben zur Architektur und zu den Abläufen passen, sonst funktionieren sie im Alltag nicht.
Moderator:
Kommen wir zum nächsten Test: Sicherheitsgeräte und Abwurfbehälter. Die BGW hat im Jahr 2023 rund fünfundvierzigtausend Stich- und Schnittverletzungen erfasst. Warum geht da immer noch so viel schief?
Lorenz Müller:
Nadelstichverletzungen sind nach wie vor ein großes Thema. Besonders problematisch ist die Entsorgung. Abwurfbehälter werden zu voll gemacht, Deckel schließen nicht richtig oder Nadeln ragen heraus.
Dazu kommen Stress, Zeitdruck oder unruhige Patientinnen und Patienten. All das begünstigt solche Verletzungen.
Moderator:
Was habt ihr bei den Sicherheitsgeräten festgestellt?
Lorenz Müller:
Wir haben aktive und passive Sicherheitsmechanismen getestet. Aktive Sicherheitsmechanismen müssen bewusst ausgelöst werden. Und das wird im stressigen Arbeitsalltag oft vergessen.
Passive Sicherheitsmechanismen lösen automatisch aus. Das klingt erst mal gut, aber nicht bei allen Produkten funktioniert das zuverlässig. Und das ist gefährlich, weil man sich dann in falscher Sicherheit wiegt.
Moderator:
Wie seid ihr bei den Tests konkret vorgegangen?
Lorenz Müller:
Wir haben im Labor unter standardisierten Bedingungen getestet, gemeinsam mit Pflegekräften. Dafür haben wir Dummyarme mit Kunstblut eingesetzt. Insgesamt haben wir dreiundfünfzig Produkte getestet. Das war wirklich sehr aufwendig.
Moderator:
Gab es denn auch gute Ergebnisse?
Lorenz Müller:
Ja, auf jeden Fall. Es gab Produkte mit zuverlässig funktionierenden Sicherheitsmechanismen und gutem Handling. Aber es gab eben auch Produkte, die deutliche Mängel hatten, und das haben wir dann auch entsprechend bewertet.
Moderator:
Dann kommen wir zum dritten Test: Kühlwesten. Können die bei Hitze im Arbeitsalltag helfen?
Dr. Niels Hinricher:
Kurzzeitig ja, aber der Aufwand ist relativ hoch. Also es gibt Verdunstungswesten und sogenannte PCM-Westen mit Kühlpacks. Große Themen sind Hygiene, Lagerung und Organisation.
Verdunstungswesten funktionieren zum Beispiel nur dann gut, wenn Luft zirkulieren kann. Unter Schutzkitteln verlieren sie fast vollständig ihre Wirkung.
Moderator:
Also Kühlwesten, hast du gerade schon gesagt, sind keine Dauerlösung. Vielleicht kannst du das noch mal ein bisschen genauer erklären. Warum ist das so? Warum sind die nur bedingt geeignet?
Lorenz Müller:
Ja, also Kühlwesten sind sogenannte personenbezogene Maßnahmen. Und nach dem TOP-Prinzip, also technisch, organisatorisch, personenbezogen, stehen die personenbezogenen Maßnahmen immer ganz am Ende.
Das heißt, man sollte eigentlich immer erst schauen: Kann ich technisch was machen, also zum Beispiel Verschattung, bessere Lüftung, Klimatisierung? Kann ich organisatorisch was machen, also Arbeitszeiten anpassen, Pausen verlängern, Tätigkeiten verlagern? Und erst, wenn das alles nicht reicht oder nicht möglich ist, dann kommen personenbezogene Maßnahmen wie Kühlwesten.
Moderator:
Und wie sieht das dann konkret im Alltag aus?
Lorenz Müller:
Im Alltag ist das tatsächlich gar nicht so trivial. Also man braucht zum Beispiel Kühlschränke oder Gefriergeräte, um die Kühlpacks zu lagern. Dann muss geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist, dass die Westen sauber sind, hygienisch einwandfrei.
Man muss auch schauen: Wer trägt die Westen wann, wie lange, wie werden die weitergegeben? Das ist organisatorisch ein relativ hoher Aufwand. Und man kann nicht einfach sagen: Wir kaufen jetzt Kühlwesten und dann ist das Hitzeproblem gelöst. So funktioniert das nicht.
Moderator:
Niels, wie habt ihr das im Test erlebt? Haben die Westen denn überhaupt einen spürbaren Effekt?
Dr. Niels Hinricher:
Ja, also einen Effekt gibt es auf jeden Fall. Gerade die PCM-Westen mit den Kühlpacks, die haben einen spürbaren Kühleffekt, zumindest für eine gewisse Zeit. Aber der Effekt ist eben begrenzt.
Und was man auch sagen muss: Je nachdem, was man darüber trägt, funktioniert das Ganze besser oder schlechter. Unter einem normalen Kasack kann das durchaus sinnvoll sein. Unter Schutzkitteln oder Schutzkleidung funktioniert das Ganze deutlich schlechter oder fast gar nicht, gerade bei Verdunstungswesten.
Moderator:
Also eher was für bestimmte Situationen?
Dr. Niels Hinricher:
Genau. Eher für kurzzeitige Belastungsspitzen. Zum Beispiel an besonders heißen Tagen oder bei bestimmten Tätigkeiten. Aber nicht als generelle Lösung für Hitzeprobleme im Betrieb.
Moderator:
Gab es bei den Kühlwesten auch große Unterschiede zwischen den getesteten Produkten?
Lorenz Müller:
Ja, definitiv. Es gab große Unterschiede beim Tragekomfort, beim Gewicht, bei der Handhabung und auch bei der Kühlleistung. Manche Westen waren sehr schwer, andere relativ leicht. Manche waren einfach anzulegen, andere sehr umständlich.
Und auch hier gilt: Es gab sehr gute Produkte, aber eben auch Produkte, die aus unserer Sicht nicht praxistauglich waren.
Moderator:
Ihr habt ja vorhin schon gesagt, dass Pflegekräfte bei euch immer mit testen. Gab es bei den Kühlwesten auch Rückmeldungen aus der Praxis?
Dr. Niels Hinricher:
Ja, absolut. Und die Rückmeldungen waren auch hier sehr ehrlich. Einige Pflegekräfte haben gesagt: Ja, das ist ganz angenehm, gerade am Anfang. Andere haben gesagt: Nach einer halben Stunde ist das Ding warm und dann trägt man eigentlich nur noch zusätzliches Gewicht mit sich rum.
Solche Aussagen sind für uns extrem wichtig, weil sie zeigen, wie ein Produkt wirklich im Alltag ankommt und nicht nur unter Laborbedingungen.
Moderator:
Jetzt habt ihr schon mehrfach gesagt, wie wichtig euch die Rückmeldungen aus der Praxis sind. Vielleicht könnt ihr das noch mal ein bisschen genauer erklären: Wie laufen diese Tests eigentlich konkret ab und wie fließen die Stimmen der Pflegekräfte da ein?
Lorenz Müller:
Ja, das ist tatsächlich ein ganz zentraler Punkt bei BGW test. Wir testen die Produkte nicht nur im Labor oder am Schreibtisch, sondern immer mit den späteren Anwenderinnen und Anwendern. Das heißt, Pflegekräfte, Beschäftigte aus den Einrichtungen, die mit diesen Produkten im Alltag arbeiten, sind von Anfang an mit dabei.
Die testen die Produkte, geben Rückmeldung zum Handling, zum Gewicht, zur Bedienbarkeit, zu Kleinigkeiten wie: Wo ist ein Knopf? Wie fühlt sich das Material an? Kann ich das mit Handschuhen bedienen oder nicht? Und diese Rückmeldungen sammeln wir systematisch.
Dr. Niels Hinricher:
Und das sind manchmal auch ganz banale Dinge, die aber im Alltag einen riesigen Unterschied machen. Zum Beispiel, ob ein Gerät laut ist oder leise. Oder ob es ruckelt beim Anfahren. Oder ob man ständig irgendwo aneckt.
Und diese Dinge sieht man eben nur, wenn man mit den Leuten spricht, die das jeden Tag nutzen. Deswegen fließen diese Rückmeldungen bei uns auch sehr stark in die Bewertung ein.
Moderator:
Und wie reagieren die Hersteller darauf? Sind die eher genervt oder dankbar?
Lorenz Müller:
Ganz ehrlich, wir hatten am Anfang auch gedacht, dass das vielleicht nicht so gut ankommt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Hersteller sind tatsächlich dankbar für das Feedback.
Wir spiegeln ihnen die Ergebnisse zurück, also nicht nur eine Note oder eine Platzierung, sondern auch die Kommentare aus der Praxis. Und das ist für viele Hersteller extrem wertvoll, weil sie sonst oft gar nicht so direktes Feedback bekommen.
Dr. Niels Hinricher:
Und man darf nicht vergessen: Wir sagen ja nicht nur, was schlecht ist, sondern auch, was gut ist. Also wir sagen auch ganz klar: Dieses Produkt ist gut, das funktioniert gut, das wird von den Pflegekräften gern genutzt.
Und das ist für Hersteller natürlich auch wichtig, um zu wissen, was sie richtig machen und wo sie vielleicht ansetzen können, um Produkte weiterzuentwickeln.
Moderator:
Gab es denn auch schon mal Fälle, wo Hersteller wirklich nachgebessert haben, nachdem ihr getestet habt?
Lorenz Müller:
Ja, das gab es tatsächlich schon. Also wir haben Rückmeldungen bekommen, dass Produkte überarbeitet wurden, dass bestimmte Bauteile verändert wurden oder dass die Bedienung angepasst wurde.
Das ist natürlich nicht immer sofort der Fall und nicht bei allen Herstellern, aber es zeigt, dass unsere Tests auch eine Wirkung haben und nicht einfach nur irgendwo im Internet stehen.
Moderator:
Das heißt, BGW test ist nicht nur eine Entscheidungshilfe für Betriebe, sondern hat auch Einfluss auf die Produktentwicklung?
Dr. Niels Hinricher:
Ja, genau. Das ist zumindest unser Anspruch. Wir wollen natürlich in erster Linie die Betriebe und die Beschäftigten unterstützen. Aber wenn wir darüber hinaus auch noch dazu beitragen können, dass Produkte besser werden, dann ist das ein großer Mehrwert.
Moderator:
Wenn man jetzt als Einrichtung oder als Beschäftigte oder Beschäftigter mehr über BGW test erfahren möchte, wo findet man denn die Ergebnisse?
Lorenz Müller:
Die Ergebnisse findet man auf der BGW-Website. Also einfach auf www.bgw-online.de gehen und dort nach BGW test suchen. Da findet man alle veröffentlichten Tests mit ausführlichen Berichten, Tabellen und auch Handlungsempfehlungen. Und man kann sich dort auch informieren, welche Tests gerade laufen oder geplant sind.
Moderator:
Zum Schluss würde mich noch interessieren: Wenn ihr jetzt aus all den Tests eine zentrale Botschaft ableiten müsstet, wie würde die lauten?
Lorenz Müller:
Die zentrale Botschaft ist: Produkte machen einen Unterschied. Gute Produkte können die Arbeit erleichtern, schlechte Produkte machen sie deutlich schwerer. Deshalb lohnt es sich, Zeit und Energie in die Auswahl von Produkten zu stecken und nicht nur auf den Preis zu schauen.
Dr. Niels Hinricher:
Und ich würde ergänzen: Die Beschäftigten sollten immer mit einbezogen werden. Die wissen am besten, was sie brauchen und was im Alltag funktioniert. Wenn man das berücksichtigt, kann man sehr viel erreichen.
Moderator:
Vielen Dank euch beiden für das Gespräch und für die spannenden Einblicke in eure Arbeit bei BGW test.
Lorenz Müller:
Danke, Ralf.
Dr. Niels Hinricher:
Vielen Dank.
Moderator:
Alle Herzschlag-Folgen gibt es überall, wo es Podcasts gibt, und natürlich auf www.bgw-online.de/podcast. Dort findet ihr auch alle weiteren Infos zu dieser Folge. Die nächste Folge gibt es wie immer in zwei Wochen. Bis dahin, bleibt gesund.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Interviewgäste
Lorenz Müller
Referent BGW test,
Modellvorhaben und Kongresse, BGW Berlin
Dr. Niels Hinricher
Referent BGW test,
Modellvorhaben und Kongresse, BGW Berlin
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