Sieben Schritte So geht Gefährdungsbeurteilung

Bild vergrößern Die Grafik zeigt einen in sieben gleichmäßige Abschnitte unterteilten Kreis, davon ist der erste farblich hervorgehoben und aus dem Kreis herausgelöst.


Die Grafik zeigt einen in sieben gleichmäßige Abschnitte unterteilten Kreis, davon ist der erste farblich hervorgehoben und aus dem Kreis herausgelöst.

Womit fange ich an?

Nutzen Sie die Online-Gefährdungsbeurteilung als praktische Handlungshilfe.

Abhängig vom Arbeitsplatz und den Arbeitsbedingungen können Beschäftigte verschiedenen Gesundheitsgefahren ausgesetzt sein. Daher ist es sinnvoll, bei der Gefährdungsbeurteilung Gefährdungen nach Arbeitsbereichen oder nach Tätigkeiten zu betrachten.

Bei der arbeitsbereichsbezogenen Gefährdungsbeurteilung legen Sie räumliche Bereiche oder Arbeitsplätze als Arbeitsbereiche fest und ermitteln dort die jeweiligen Gefährdungen.

Bei der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung ermitteln Sie die Gefährdungen, die bei der jeweiligen Tätigkeit auftreten.

Für Arbeitsbereiche oder Tätigkeiten mit vergleichbaren Gefährdungen wie verwendeten Arbeitsmittel oder Arbeitsstoffe reicht es in der Regel aus, die Gefährdung einmal zu betrachten.

Es ist zweckmäßig, allgemeine Anforderungen, beispielsweise an den Brandschutz, die elektrische Sicherheit, die Beleuchtung, oder betriebsweite Regelungen, zum Beispiel zum Gefahrstoffmanagement oder zu allgemeinen Hygienemaßnahmen, bereichsübergreifend für den gesamten Betrieb zu ermitteln.

Personenbezogene Gefährdungsbeurteilung

Für werdende oder stillende Mütter und für Jugendliche ist eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung gesetzlich vorgeschrieben.

Hinweis: Das Mutterschutzgesetz schreibt vor, dass alle Gefährdungen vorsorglich auch nach dem Risiko für Schwangere oder stillende Mütter beurteilt werden müssen.

Auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit wechselnden Tätigkeiten, für Allergiker, chronisch Kranke oder Mitarbeiter mit Behinderungen bietet sich diese Form der Gefährdungsbeurteilung an.

Die Grafik zeigt einen in sieben gleichmäßige Abschnitte unterteilten Kreis, davon ist einer farblich hervorgehoben: der zweite Abschnitt "Gefährdungen ermitteln".

Was ermittle ich?

Eine Gefährdung wird unter anderem durch chemische, biologische und mechanische Einwirkungen ausgelöst, wie zum Beispiel Gefahrstoffe, Infektionserreger oder Maschinen und Geräte am Arbeitsplatz. Von Belastung spricht man, wenn Beschäftigte durch äußere Bedingungen und Anforderungen am Arbeitsplatz physisch oder psychisch beeinträchtigt werden, beispielsweise durch Termindruck, einseitige körperliche Belastungen, Über- oder Unterforderung oder unzureichende Qualifikation und Unterweisung.

Wie gehe ich vor?

Basis für die vorausschauende Ermittlung möglicher Gefährdungen und Belastungen ist deren Analyse. Überprüfen Sie für jeden Arbeitsbereich oder Tätigkeit in Ihrem Unternehmen, welche Gefährdungen und Belastungen dort auftreten können. Hilfsmittel sind Stellenbeschreibungen, Arbeits- oder Verfahrensanweisungen.

Befragen Sie außerdem Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!


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Wie bewerte ich Risiken?

Betrachten Sie jede einzelne Gefährdung, die Sie ermittelt haben, und stellen Sie fest, ob Handlungsbedarf für Arbeitsschutzmaßnahmen besteht. Schätzen Sie ein, ob ein Risiko vernachlässigbar, noch akzeptabel oder inakzeptabel ist. Dies richtet sich danach, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Gefährdung, ein Unfall oder eine Belastung eintreten kann und wie gravierend die Folgen sein können.

Bei der Ableitung des Handlungsbedarfs, bietet sich eine Einteilung in drei Risikokategorien an:

  • Risikokategorie grün: Gefährdungen, die selten eintreten und deren möglicher Gesundheitsschaden leicht ausfallen, sind mit einem niedrigen Risiko zu bewerten. Diese Risiken sind als Restrisiko oder allgemeines Lebensrisiko tolerierbar, weshalb kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht.
  • Risikokategorie gelb: Bei Gefährdungen, die potentiell eintreten und gesundheitliche Schäden hervorrufen können, besteht Handlungsbedarf. Solche Gefährdungen sollten mittel- bis langfristig beseitigt oder ihre Eintrittswahrscheinlichkeit durch geeignete Maßnahmen reduziert werden.
  • Risikokategorie rot: Gefährdungen dieser Kategorien werden sehr wahrscheinlich eintreten und schwere Folgen für die Gesundheit haben. Es besteht dringender Handlungsbedarf, weshalb unverzüglich Maßnahmen getroffen werden müssen. Unter Umständen ist eine sofortige Einstellung der Arbeit notwendig.
    Grafik zur Risikoeinschätzung der Wahrscheinlichkeit möglicher Gesundheitsgefahren.

    Grafik zur Risikoeinschätzung der Wahrscheinlichkeit möglicher Gesundheitsgefahren.


Dieses Modell der Risikobewertung ist als Vorschlag zu verstehen, der sich in der Praxis bewährt hat. Es existieren weitere, alternative Modelle der Risikobewertung.

Auch in den Online-Gefährdungsbeurteilungen, die wir als praktische Handlungshilfe für viele Branchen schon bieten, können Sie ein Ampelsystem zur Risikobewertung nutzen.


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Welche Maßnahmen und Lösungen gibt es?

Aus den Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes leitet sich eine Hierarchie von Maßnahmen und Lösungen ab.

Folgen Sie dabei dem STOP-Prinzip:

  • S = Substitution
  • T = technische Ebene
  • O = organisatorische Ebene
  • P = personelle Ebene

Begonnen wird auf der obersten Stufe bei der Sie überprüfen, ob eine potentielle Gefahr / Belastungsfaktor (z.B. Gefahrstoff) durch ein alternatives (ungefährliches) Produkt ersetzt werden kann (Substitution).

Ist dies nicht möglich, stellen Sie sich in der darauffolgenden Stufe die Frage, ob die Gefahr durch eine technische Lösung beseitigt werden kann? Oder können technische Vorrichtungen oder bauliche Maßnahmen die Gefährlichkeit reduzieren?

Ist dies nicht möglich, sollten Sie überprüfen, ob sich die Gefahr mit Hilfe organisatorischer Lösungen vermeiden lässt? Können beispielsweise Arbeitsabläufe / Arbeitsorganisation so gestaltet werden, dass die Gefährdung vermieden wird?

Sind dann noch Gefahren übrig, die nicht beseitigt oder vermieden werden können, greifen personen- und verhaltensbezogene Maßnahmen. Diese zielen darauf ab, die Beschäftigten vor den Gefahren zu schützen. Hierzu zählen z.B. die Benutzung von persönlicher Schutzausrüstung, Schulungen oder Unterweisungen.

Legen Sie dabei fest: Wer macht was bis wann?

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Was sollte ich bei der Durchführung der Maßnahmen beachten?

Binden Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Festlegung der Maßnahmen und deren Durchführung ein. Auf diese Weise erhöhen Sie das Engagement Ihres Teams, die Akzeptanz der Maßnahme und den Erfolg in der täglichen Arbeit.

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Wann erfolgt die Überprüfung?

Überprüfen Sie Durchführung und Wirksamkeit der Maßnahmen direkt nach den vereinbarten Terminen und dann in festgelegten Abständen fortlaufend.

Was sollte ich überprüfen?

Um zu beurteilen, ob die getroffenen Maßnahmen ihre Wirkung erzielt haben, ist es sehr wichtig, dass Sie diese hinsichtlich ihrer Wirksamkeit überprüfen.

  • Kontrollieren Sie, ob die Maßnahmen durch die von Ihnen beauftragten Personen termingerecht ausgeführt wurden.
  • Prüfen Sie, ob die Gefährdungen auch wirklich beseitigt sind und ob durch die Maßnahmen eventuell neue, zusätzliche Gefährdungen entstanden sind.
  • Halten Sie die Ergebnisse schriftlich fest, etwa mit der Online-Gefährdungsbeurteilung für Ihre Branche. Sie sind Bestandteil der Dokumentation.

Was mache ich, wenn eine Gefährdung nicht vollständig beseitigt wurde?

Stellen Sie zunächst fest, warum diese Gefährdung noch besteht. Zögern Sie nicht, Experten zu Rate zu ziehen, wenn sich bestimmte Gefährdungen ständig wiederholen. Legen Sie erneut Maßnahmen fest, um die Gefährdung zu beseitigen, und vergewissern Sie sich abschließend von der Wirksamkeit.

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Wann sollte die Gefährdungsbeurteilung fortgeschrieben werden?

Arbeitsschutz ist ein kontinuierlicher Prozess, der nie ganz abgeschlossen ist. Schreiben Sie deshalb die Gefährdungsbeurteilung immer, wenn neue Gefährdungen in Ihrer Organisation aufgetreten sind oder auftreten könnten, fort.

Anhaltspunkte sind:

  • eine Häufung von Arbeitsunfällen und Beinaheunfällen
  • ein erhöhter Krankenstand
  • neue therapeutische Verfahren
  • die Verwendung neuer Arbeitsstoffe, neuer Desinfektionsmittel
  • die Umgestaltung von Arbeitsbereichen
  • eine Änderung der Arbeitsorganisation und des Arbeitsablaufs
  • neue und geänderte Gesetze und Verordnungen

Konzentrieren Sie sich bei der Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung auf die Veränderungen und Gefährdungen, die noch nicht beseitigt wurden. Eine vollständige Wiederholung ist nicht notwendig.

Die Grafik zeigt einen in sieben gleichmäßige Abschnitte unterteilten Kreis, in der Mitte ist ein kleinere Kreis mit der Aufschrift "Dokumentieren" farblich hervorgehoben.

Dokumentieren Sie online: Für viele Branchen gibt es die Online-Gefährdungsbeurteilung als praktische Handlungshilfe.

Warum muss ich eine Dokumentation erstellen?

Die schriftliche Dokumentation ist eine wertvolle Basis für die Sicherheit in Ihrer Organisation. Sie erleichtert es Ihnen und Ihrem Team, Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Termine für die Durchführung der Arbeitsschutzmaßnahmen festzuhalten, und dient der Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Die Dokumentationspflicht besteht nach § 6 (1) Arbeitsschutzgesetz.

Was soll eine Dokumentation enthalten?

Sie sollte das Ergebnis Ihrer Gefährdungsbeurteilung abbilden: Welchen Gefährdungen sind die Mitarbeiter ausgesetzt? Wie groß ist das Ausmaß der Gefährdungen? Ist das Risiko vernachlässigbar, kurzfristig akzeptabel oder nicht akzeptabel? Wie dringlich ist die Beseitigung der Gefährdungen? Sofort, kurz-, mittel, langfristig?

Ebenso die von Ihnen festgelegten Maßnahmen sind Bestandteile der Dokumentation: Welche Maßnahmen sind durchzuführen? Wer ist für die Durchführung verantwortlich? Bis wann sind die Maßnahmen zu realisieren? Und das Ergebnis Ihrer Überprüfung: Wie wirksam sind die durchgeführten Maßnahmen? Was muss zusätzlich veranlasst werden?

In welcher Form muss die Dokumentation vorliegen?

Die Dokumentation muss in schriftlicher Form erfolgen. Vermeiden Sie unnötigen Dokumentationsaufwand: Prüfen Sie, welche Angaben zu Gefährdungen Sie bereits zu anderen Anlässen gemacht haben, und verweisen Sie gegebenenfalls darauf. Die Dokumentation ist demnach nicht als eigenständiger Schritt zu verstehen, sondern gilt von der Vorbereitung bis zur Fortschreibung für die gesamte Gefährdungsbeurteilung.

Nutzen Sie die Online-Gefährdungsbeurteilung als praktische Handlungshilfe.  Dokumentationshilfen der BGW für Ihre Gefährdungsbeurteilung.

Muster, wie Sie die Arbeitsblätter ausfüllen, finden Sie in der Schrift BGW check für Ihre Branche.