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Sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz – ein Problem im Gesundheits- und Sozialwesen?

Beschäftigte im Pflege- und Betreuungskontext sind gefährdet, sexuelle Belästigung ausgehend von KlientInnen / BewohnerInnen / PatientInnen bei ihrer Arbeit zu erleiden (Schablon et al., 2012). Dies ergab eine Studie des Competenzzentrum Epidemiologie und Versorgungsforschung bei Pflegeberufen (CVCare) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Aber welche Art sexueller Belästigung / Gewalt erleiden die Beschäftigten? Handelt es sich um nonverbale Belästigung, wie dem Zeigen anzüglicher Bilder oder Gesten, um verbale Äußerungen oder körperliche sexuelle Übergriffe? Wie stark ist sexuelle Belästigung / Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen verbreitet?

Bislang gibt es kein wissenschaftlich entwickeltes Instrument, welches unterschiedliche Arten sexueller Belästigung / Gewalt misst und speziell auf das Gesundheits- und Sozialwesen ausgerichtet ist. Dies erklärt auch die Unklarheit darüber, wie stark Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen von sexueller Belästigung / Gewalt bei der Arbeit betroffen sind.

Vor diesem Hintergrund hat eine Wissenschaftlerin der Universität Hamburg einen Fragebogen zur Messung verschiedener Arten sexueller Belästigung / Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen entwickelt und erprobt. Die BGW hat die Entwicklung beauftragt und begleitet. Es ist ein validiertes Messinstrument für verschiedene Arten sexueller Belästigung / Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen entstanden. Der Fragebogen besteht aus insgesamt 14 Items. Die Ereignisse sexueller Belästigung / Gewalt lassen sich in drei unterschiedliche Dimensionen einordnen:

  1. Nonverbale Belästigung / Gewalt
  2. Verbale Belästigung / Gewalt
  3. Körperliche sexuelle Gewalt

Dieser Fragebogen kann sowohl in der betrieblichen Praxis, z.B. zum Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung zum Einsatz kommen, als auch für Forschungszwecke verwendet werden.

Im Rahmen der Fragebogenentwicklung wurde auch überprüft, inwiefern die Erfahrung sexueller Belästigung / Gewalt bei der Arbeit im Zusammenhang mit u.a. psychosomatischen Beschwerden und Depressivität der Betroffenen steht.
Es konnten bedeutende Zusammenhänge mit der Gesundheit aufgezeigt werden. Die Erfahrung von sexueller Belästigung / Gewalt ausgehend von Klienten stand in einem signifikanten Zusammenhang mit diversen Befindensbeeinträchtigungen der Betroffenen. Zum Beispiel konnte gezeigt werden, dass körperliche sexuelle Gewalt in einem positiven Zusammenhang mit psychosomatischen Beschwerden und Depressivität steht sowie mit emotionaler Erschöpfung einhergeht. Der gleiche Zusammenhang zeigte sich beim Auftreten von nonverbaler und verbaler Belästigung. Im Vergleich von Frauen und Männern zeigte sich, dass die Erfahrung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bei männlichen Beschäftigten einen stärkeren negativen Zusammenhang auf die Gesundheit hat als bei den weiblichen Kollegen.

Die Ergebnisse verdeutlichen die Wichtigkeit weiterer Forschung speziell für diese Berufsgruppe.

Literatur:

  • Vincent-Höper, S., Adler, M., Stein, M. et al.: Sexually harassing behaviors from patients or clients and care workers’ mental health: Development and validation of a measure (eingereicht). International Journal of Nursing Studies (2018)

Um die Ergebnisse dieser Untersuchung auf eine noch breitere Datenbasis zu stellen, hat die BGW eine größere Studie zur Erfassung von sexueller Belästigung und Gewalt begonnen. Der Fokus liegt auf Übergriffen, die von Patienten, Klienten, Bewohnern und/oder deren An- bzw. Zugehörigen ausgehen. Es werden Mitarbeitende aus Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Einrichtungen der stationären und ambulanten Pflege sowie Werkstätten und Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz befragt.

Unsere Fragestellungen lauten:

  1. Wie häufig kommt sexuelle Belästigung / Gewalt vor?
  2. Welcher Art sind die Übergriffe: nonverbal, verbal oder körperlich?
  3. Gibt es Zusammenhänge zwischen dem Erleben von sexueller Belästigung / Gewalt und dem Gesundheitszustand?
  4. Welche Angebote existieren in den Einrichtungen und welche Hilfsangebote wünschen sich Beschäftigte?

Ziel ist es Art und Häufigkeit von sexueller Belästigung / Gewalt sowie Zusammenhänge solcher Übergriffe mit der Gesundheit zu untersuchen. Es sollen Empfehlungen für präventive Maßnahmen und Möglichkeiten der Nachsorge entwickelt werden.
Erste Ergebnisse werden im Frühjahr 2020 erwartet und anschließend in Fachkreisen veröffentlicht.

Autor(en): C. Vaupel, M. Adler, L. Helms

03.04.2019

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