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Sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz – ein Problem im Gesundheits- und Sozialwesen?

Beschäftigte im Pflege- und Betreuungskontext sind gefährdet, sexuelle Belästigung ausgehend von KlientInnen / BewohnerInnen / PatientInnen bei ihrer Arbeit zu erleiden (Schablon et al., 2012, 2018).

Aber welche Art sexueller Belästigung / Gewalt erleiden die Beschäftigten? Handelt es sich um nonverbale Belästigung, wie dem Zeigen anzüglicher Bilder oder Gesten, um verbale Äußerungen oder körperliche sexuelle Übergriffe? Wie stark ist sexuelle Belästigung / Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen verbreitet?

Bislang gab es kein wissenschaftlich entwickeltes Instrument, welches unterschiedliche Arten sexueller Belästigung / Gewalt misst und speziell auf das Gesundheits- und Sozialwesen ausgerichtet ist. Dies erklärt auch die Unklarheit darüber, wie stark Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen von sexueller Belästigung / Gewalt bei der Arbeit betroffen sind.

Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen einer Kooperation mit einer Wissenschaftlerin der Universität Hamburg und der BGW ein Fragebogen zur Messung verschiedener Arten sexueller Belästigung / Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen entwickelt, erprobt und validiert. Der Fragebogen besteht aus insgesamt 14 Fragen. Es kann zwischen folgenden Formen sexueller Belästigung / Gewalt unterschieden werden:

  1. Nonverbale sexuelle Belästigung / Gewalt
  2. Verbale sexuelle Belästigung / Gewalt
  3. Körperliche sexuelle Gewalt

Der Fragebogen kann sowohl in der betrieblichen Praxis als auch für Forschungszwecke verwendet werden.

In der Studie konnten bedeutende Zusammenhänge von sexueller Belästigung / Gewalt und der psychischen Gesundheit der Betroffenen aufgezeigt werden. Beschäftigte, die in den letzten 12 Monaten körperliche sexuelle Belästigung / Gewalt erlebt haben, berichteten vermehrt Befindensbeeinträchtigungen wie z.B. emotionale Erschöpfung, depressive Symptome oder psychosomatische Beschwerden. Ähnliche Zusammenhänge mit der psychischen Gesundheit der Betroffenen zeigten sich beim Auftreten von nonverbaler und verbaler Belästigung ausgehend von KlientInnen / BewohnerInnen / PatientInnen bei der Arbeit.

Literatur:

  • Vincent-Höper, S., Adler, M., Stein, M. et al.: Sexually Harassing Behaviors from Patients or Clients and Care Workers’ Mental Health: Development and Validation of a Measure (2020). International Journal of Environmental Research and Public Health

Um die Ergebnisse dieser Untersuchung auf eine noch breitere Datenbasis zu stellen, hat die BGW eine größere Studie zur Erfassung von sexueller Belästigung und Gewalt begonnen. Der Fokus liegt auf Übergriffen, die von Patienten, Klienten, Bewohnern und/oder deren An- bzw. Zugehörigen ausgehen. Es werden Mitarbeitende aus Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Einrichtungen der stationären und ambulanten Pflege sowie Werkstätten und Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz befragt.

Unsere Fragestellungen lauten:

  1. Wie häufig kommt sexuelle Belästigung / Gewalt vor?
  2. Welcher Art sind die Übergriffe: nonverbal, verbal oder körperlich?
  3. Gibt es Zusammenhänge zwischen dem Erleben von sexueller Belästigung / Gewalt und dem Gesundheitszustand?
  4. Welche Angebote existieren in den Einrichtungen und welche Hilfsangebote wünschen sich Beschäftigte?

Ziel ist es Art und Häufigkeit von sexueller Belästigung / Gewalt sowie Zusammenhänge solcher Übergriffe mit der Gesundheit zu untersuchen. Es sollen Empfehlungen für präventive Maßnahmen und Möglichkeiten der Nachsorge entwickelt werden.
Erste Ergebnisse werden im Sommer 2020 erwartet und anschließend in Fachkreisen veröffentlicht.

Autor(en): M. Adler

16.04.2020

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