Sexuelle Belästigung durch Patienten, Klienten und Bewohner Untersuchung der Prävalenz, Häufigkeit und Zusammenhänge mit Befindensbeeinträchtigungen bei Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen in Deutschland

Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sind einem hohen Risiko ausgesetzt, sexuelle Belästigung und Gewalt bei der Arbeit zu erleben. Obwohl sexuelle Belästigung und Gewalt das Wohlbefinden von Menschen beeinträchtigt, haben bisher nur wenige Studien die Erfahrungen von Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen mit verschiedenen Formen sexuell belästigenden Verhaltens durch Patientinnen und Patienten, Klientinnen und Klienten und Bewohnerinnen und Bewohnern in Deutschland systematisch untersucht.

Diese Studie zielte darauf ab, diese Lücke durch das Untersuchen von Prävalenzraten und der Häufigkeit von nonverbaler, verbaler und körperlicher sexueller Belästigung und Gewalt durch zu Betreuende gegenüber Beschäftigten in Pflege- und Betreuungsberufen zu schließen. Darüber hinaus wurden Zusammenhänge von sexueller Belästigung und Gewalt mit dem Wohlbefinden der Beschäftigten und der Bekanntheitsgrad von Unterstützungsangeboten zur Prävention und Nachsorge von sexueller Belästigung und Gewalt untersucht.

Die Daten wurden von N = 901 Mitarbeitende aus insgesamt 60 Einrichtungen erhoben, darunter stationäre und ambulante Pflege, psychiatrische Einrichtungen, Krankenhäuser und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Während sich die Prävalenz, Häufigkeit und vorherrschende Form sexueller Belästigung und Gewalt in den verschiedenen Branchen unterschieden, zeigte sich insgesamt eine hohe Prävalenz von nonverbaler, verbaler und körperlicher sexuelle Belästigung und Gewalt in der Pflege- und Betreuungsarbeit, bei sowohl Männern als auch Frauen.

Außerdem fanden wir heraus, dass sexuelle Belästigung und Gewalt einen positiven Zusammenhang mit Befindensbeeinträchtigungen (z. B. Depressivität und psychosomatische Beschwerden) aufweist. In Bezug auf Unterstützungsangebote zur Prävention und Nachsorge stellten wir fest, dass etwa ein Drittel der Beschäftigten keine Angebote in ihren Einrichtungen kannten. Neben dem Aufzeigen des Problems der sexuellen Belästigung und Gewalt durch Patientinnen und Patienten, Klientinnen und Klienten und Bewohnerinnen und Bewohnern in sozialen und pflegerischen Einrichtungen gibt diese Studie Empfehlungen für die Entwicklung von Interventionen und schlägt Ansatzmöglichkeiten für zukünftige Forschung vor.

Der Beitrag wurde englischsprachig veröffentlicht unter:

Adler, M.; Vincent-Höper, S.; Vaupel, C.; Gregersen, S.; Schablon, A.; Nienhaus, A. Sexual  Harassment by Patients, Clients, and Residents: Investigating Its Prevalence, Frequency and Associations with ImpairedWell-Being among Social and HealthcareWorkers in Germany.

Int. J. Environ. Res. Public Health 2021, 18, 5198. https://doi.org/10.3390/ijerph18105198.

Veranstaltung "Sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz – ein Problem im Gesundheits- und Sozialwesen?"

In einer gemeinsamen Veranstaltung stellten die BGW die aktuelle Studie und der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) seine Angebote für Betroffene und Betriebe vor. Referierende: Dr. Mareike Adler (BGW), Claudia Vaupel (BGW), Larissa Hassoun (bff), Anita Eckhardt (bff), Dr. Heike Schambortski (BGW) Moderation: Claudia Stiller-Wüsten (BGW)

Hier können Sie sich die Aufzeichnung der Veranstaltung ansehen: