KI im Klinikalltag: Entlastung oder neue Belastung?
Fachkräftemangel, Zeitnot und steigende psychische Belastungen prägen den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter. KI gilt als vielversprechender Hebel, um Entlastung zu schaffen – doch wie erleben Ärztinnen, Ärzte und beratende Fachpersonen den KI-Einsatz tatsächlich?
Diese qualitative Studie geht genau dieser Frage nach. Auf Basis von 30 leitfadengestützten Interviews wird untersucht, ob KI im Klinikalltag eher als hilfreiche Ressource oder als zusätzlicher Stressfaktor wahrgenommen wird – und welche Auswirkungen das auf das psychische Wohlbefinden hat.
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild
KI wird überwiegend als entlastend erlebt, insbesondere durch weniger administrative Aufgaben, geringeren Zeitdruck und Unterstützung bei Entscheidungen. Gleichzeitig entstehen jedoch auch neue Herausforderungen, etwa durch höhere kognitive Anforderungen, notwendige Lernprozesse und eine teils eingeschränkte technische Verlässlichkeit.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist eine praxisnahe Checkliste, die Organisationen dabei unterstützt, den Einsatz von KI gesundheitsförderlich zu gestalten. Sie hilft, Entlastungs- und Belastungspotenziale systematisch zu erkennen – zum Beispiel im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen.
Fazit
KI kann einen wichtigen Beitrag zu gesünderer Arbeit im Gesundheitswesen leisten – vorausgesetzt, ihr Einsatz wird aktiv, menschenzentriert und reflektiert gestaltet. Die Studie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Handlungshilfen und bietet damit eine wertvolle Grundlage für eine zukunftsfähige und gesundheitsorientierte Arbeitsgestaltung im KI-Zeitalter.
Eine wissenschaftliche Publikation sowie ein Praxisbeitrag erscheinen in Kürze.
Vincent-Höper, S., Ausborn, L., Kersten, M., Gregersen, S., Janneck, M.: Künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen: Ressource oder Stressor? Eine qualitative Untersuchung zu den Auswirkungen von künstlicher Intelligenz. BAuA KI-Werkstatt 2026 (eingereicht)