Gegen die eigenen Werte handeln: Moralische Verletzungen im Job #145 BGW-Podcast "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"
Was passiert, wenn Menschen im Beruf immer wieder Entscheidungen treffen müssen, die ihren eigenen Werten widersprechen?
In dieser Folge spricht Moderator Ralf Podszus mit Dr. Philipp Herzog über das Phänomen der moralischen Verletzung. Er ist Psychotherapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Die beiden sprechen darüber, wie sich moralische Verletzungen von Burnout oder einer posttraumatischen Belastungsstörung unterscheiden, welche Berufsgruppen besonders gefährdet sind und warum strukturelle Bedingungen dabei oft eine entscheidende Rolle spielen.
Anhand von Beispielen aus Pflege, Rettungsdienst, Polizei, Jugendhilfe und Justiz wird deutlich, wie belastend es sein kann, gegen den eigenen moralischen Kompass handeln zu müssen. Außerdem geht es um Warnsignale, Prävention, Resilienz und die Frage, was Organisationen und Führungskräfte tun können, um Betroffene besser zu unterstützen.
Hier kommen Sie zum Transkript dieser Folge
Moderator:
Eine Intensivstation, komplett überfüllt mit Patientinnen und Patienten. Es ist die Hochphase der Corona-Pandemie. Viele Menschen brauchen dringend intensive medizinische Betreuung. Das Problem: Die Beatmungsgeräte reichen nicht für alle. Das Team muss jetzt entscheiden, wer eins bekommt und wer nicht. Wer nach so einem Arbeitstag nach Hause kommt, trägt die Ereignisse weiter mit sich. Denn die Bilder des Tages, die lassen einen nicht los.
Wir alle haben Werte, nach denen wir handeln, im Privaten und auch im Beruf. Und dann gibt es diese Momente, da wissen wir eigentlich, was richtig wäre, können jedoch trotzdem nicht danach handeln. Was macht das mit uns, wenn wir immer wieder gegen unsere eigenen Werte handeln? Damit beschäftigt sich Dr. Philipp Herzog. Er ist Psychotherapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter für Klinische Psychologie an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Mit ihm spreche ich jetzt über das Phänomen der moralischen Verletzung. Und ich bin gespannt, welche Tipps er uns geben kann, wie Betroffene selbst und auch Arbeitgebende besser damit umgehen können.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Philipp, herzlich willkommen.
Dr. Philipp Herzog:
Ja, vielen lieben Dank, Ralf, für die Einladung. Ich freue mich wirklich sehr, hier zu sein, um über wirklich ein Herzensthema von mir zu reden.
Moderator:
Was war denn dein letztes moralisches Dilemma?
Dr. Philipp Herzog:
Puh, das ist wirklich eine sehr gute Frage. Ich glaube, ich habe bisher noch nicht in Berufen gearbeitet, in denen ich wirklich extrem gefordert war, hochmoralische Entscheidungen in kurzer Zeit zu treffen. Deswegen bewundere ich auch immer die Menschen, die in solchen Berufsfeldern arbeiten und irgendwie täglich mit so einem Stress und mit solchen Ereignissen und Situationen konfrontiert sind.
Und da machst du im Prinzip auch schon so ein bisschen eine Kernfrage bei diesem Thema auf, und zwar: Ab wann sprechen wir eigentlich von moralisch verletzenden Ereignissen, die quasi der psychischen Belastung, die daraus folgt, vorangeht? Und da kann man im Prinzip schon sagen, das ist gar nicht so klar abgrenzbar und definierbar, sondern wird jetzt aus der aktuellen Forschungsperspektive auch eher auf so einem Kontinuum gesehen. Also von eher täglichen moralischen leichten Stressoren über wirklich heftige Stressoren bis wirklich moralisch verletzende Ereignisse mit einer klar benennbaren Situation, die so einprägsam war, dass man sich danach immer noch wieder häufig daran erinnert und darüber nachgrübelt und von Schuldgefühlen auch häufig geprägt ist.
Moderator:
Wie fühlt sich für Betroffene denn nun so eine moralische Verletzung an?
Dr. Philipp Herzog:
Also zuallererst mal muss man sagen, dass eine moralische Verletzung verschiedene Formen annehmen kann und eine Form von psychischer Belastung ist, die nach gewissen Ereignissen auftreten können, die eben den eigenen moralischen Grundüberzeugungen widersprechen oder sie erschüttern. Gemeint sind häufig Situationen, nicht nur in denen man etwas tut, daran denkt man häufig zuerst, wo man selber in der Handlung ist, quasi aus der Ich-Perspektive oder auch bis hin zu der Täter-Täterin-, sondern auch etwas nicht verhindert, was man hätte verhindern können, oder eben etwas mit ansieht oder von Handlungen erfährt, die eben genau gegen diesen eigenen moralischen Kompass gehen.
Wie sich das genau anfühlt? Also die Folgen dessen können sehr verheerend sein, wenn das Ereignis sehr schwerwiegend war. Viele Betroffene erleben starke Gewissensbisse, Schuldgefühle, aber auch Scham. Scham über sich, Scham über die eigene Existenz, was man getan hat. Ärger, teilweise auch, wenn das Ereignis viel mit so einem Verrat zu tun hat, einem Vertrauensbruch in das System, in die Institution, für die man arbeitet. Selbstzweifel, aber auch bis hin zu so einem Sinnverlust im Leben oder auch einem sozialen Rückzug.
Moderator:
Das sind ganz schön viele negative Gefühle. Was ist der Unterschied zu Burn-out oder einer posttraumatischen Belastungsstörung? Klingt so, als wenn es Schnittmengen gibt.
Dr. Philipp Herzog:
Das ist tatsächlich auch eine extrem gute Frage, die, ich würde sagen, aus der Forschung nicht ganz klar geklärt ist. Also genau diese nicht ganz trennscharfe Abgrenzung beschäftigt viele Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen wie mich auch gerade. Die aktuelle Haltung ist, dass es zwar Überschneidungsmengen gibt, aber auch viel Unabhängiges, was eben nicht durch eine posttraumatische Belastungsstörung oder ein berufsbedingtes Burn-out oder Depressionen in dem Fall auch erklärbar ist.
Vielleicht, um das ein bisschen besser einordnen zu können und zu verstehen: Moralische Verletzung ist keine offizielle Diagnose nach einem aktuell gültigen Klassifikationssystem. Das heißt, es ist eine Form von psychischer Belastung, klinischen Problemen, was bei verschiedenen psychischen Störungen, psychischen Erkrankungen auftreten kann, wie unter anderem während einer Depression, unter anderem auch berufsbedingt, oder einer posttraumatischen Belastungsstörung, wenn das Ereignis, was stattgefunden hat, eben nicht nur gegen die eigenen moralischen Werte verstoßen hat, sondern auch wenn man gleichzeitig vielleicht in Lebensgefahr gewesen ist. Da denkt man als Erstes vor allem an Soldaten, Soldatinnen, die aus dem Krieg kommen, wo die Situation häufig beide Aspekte einfach umfasst. Dass die eigene Lebensgefahr betroffen ist, gleichzeitig aber auch man vielleicht im Zuge des Geschehens Handlungen unternimmt, wo man zum Beispiel ins Gefecht kommt und Zivilisten, Zivilistinnen quasi neben den gegnerischen Einheiten des Feindes oder der Feinde quasi handeln muss.
Moderator:
Ist das Thema moralische Verletzung in der Arbeitswelt in Deutschland schon richtig angekommen? Wenn wir jetzt mal weggehen vom Schlachtfeld, auch für den einen oder für die andere ist ja mitunter auch ein Büro ein Schlachtfeld, aber gibt es ein Bewusstsein dafür und wird darüber auch gesprochen?
Dr. Philipp Herzog:
Das Thema moralische Verletzung, vor allem in Deutschland, würde ich sagen, ist noch recht neu, und vor allem hier auch in der Berufswelt. Ursprünglich, wie ich eben gesagt habe, kommt das Phänomen, wie es untersucht wurde, ich würde sagen, so das erste Mal, dass es erwähnt wurde, war so in den Neunzigern von Jonathan Shay in einem Buch, wo es um den Vietnamkrieg quasi ging, also sehr militärisch geprägt. Dann wurde es quasi in der Forschung 2009 von Brett Litz noch mal ein bisschen stärker aufgegriffen, konzeptualisiert, eine erste Theorie wurde entwickelt, aber auch alles aus dem militärischen Kontext.
Und ich würde sagen, wenn wir uns die Timeline anschauen, so richtig in andere Gesellschaftsbereiche außerhalb des Militärs und der USA, muss man sagen, die Forschung war sehr USA-lastig, militärnationgeprägt, kam es so während der Corona-Pandemie, als man gesehen hat, dass im Gesundheitsversorgungssystem viele Mitarbeitende genau von ähnlichen Symptomen berichtet haben aufgrund von fehlenden Ressourcen, überfüllten Notaufnahmen und kaum Personal oder Personalmangel, die gleichzeitig viel schwierige, moralisch schwierige Entscheidungen treffen mussten aufgrund begrenzter Beatmungsgeräte zum Beispiel.
Und daraufhin im Prinzip als Folge so ein bisschen so der ersten Wellen der Corona-Pandemie hat man sich genau diese Berufsgruppe, also im Gesundheitswesen, angeschaut, ob die das auch betrifft, also die moralische Verletzung als klinisches Problem. Genau, da gibt es Studien, die das eindrücklich quasi gezeigt haben. Und es hat aber ein bisschen gebraucht, quasi um nach Deutschland zu kommen. Und tatsächlich haben wir hier an der Universität, an der ich arbeite, eine Studie durchgeführt, die das erstmals in Deutschland mit verschiedenen Sektoren und Berufsgruppen untersucht hat. Und wir konnten sehen, dass das Mittel über verschiedene Berufsgruppen auch außerhalb des Militärs tatsächlich fünf bis zehn Prozent der Menschen betrifft, die solchen Ereignissen ausgesetzt sind.
Also ich sage mal, Berufsgruppen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, dazu zählen Menschen im Gesundheitssystem, aber auch Menschen im Justizsystem, Menschen im sozialen Bereich, auch viele Menschen im Journalismus, in der Presse teilweise, aber auch andere besonders vulnerable Gruppen, so was wie Geflüchtete auf dem Fluchtweg quasi. Das heißt, es betrifft viele verschiedene, eigentlich nicht nur Berufsgruppen, sondern gesellschaftliche Gruppen. Und die Forschung da, vor allem in Deutschland, ist gerade noch sehr, sehr am Anfang, sage ich mal, aber aufkommend.
Moderator:
Topaktuelle Studie also hier bei Herzschlag. Und du hast es gerade angesprochen, moralische Verletzungen können in manchen Berufen häufiger vorkommen, jetzt weniger der Buchhalter, aber zum Beispiel in der Pflege, bei Ärztinnen und Ärzten, Polizistinnen, Polizisten, auch Mitarbeitende im Jugendamt. Warum sind gerade diese Berufsgruppen besonders betroffen?
Dr. Philipp Herzog:
Diese Berufsgruppen sind besonders betroffen, weil sie zum einen unter einem hohen Zeitdruck häufig stehen, also schnell Entscheidungen treffen müssen, und gleichzeitig häufig nicht genügend Informationen haben oder nicht ausreichend Informationen haben, um vielleicht die moralisch am wenigsten verwerfliche Entscheidung zu treffen, sondern häufig eine schnelle Entscheidung treffen müssen. Manche Situationen, da ist es schwierig zu benennen: Was ist richtig, was ist falsch? Es gibt Situationen, die einfach sehr unübersichtlich sind, sehr unklar sind, und gleichzeitig müssen Entscheidungen getroffen werden.
Das ist so der eine Aspekt. Der andere Aspekt, der sich immer wieder auch zeigt, ist, dass das System, in dem man arbeitet, was gewisse Vorgaben macht, auch ihre Mitarbeitenden in Situationen bringt, moralisch fragwürdiges Verhalten an den Tag zu legen, sei es durch Anweisungen, also Hierarchien, wie wir es natürlich im Gesundheitswesen, aber auch im Militär natürlich kennen, aber auch in anderen Berufsgruppen. Und dass diese schwierigen Rahmenbedingungen häufig die Personen genau in diese Situation bringen und gleichzeitig sich in gewissen Berufen natürlich das Thema Ressourcen noch mal verschärft, weil Ressourcen eher gekürzt werden, als hinzukommen. Genau, und andererseits die Welt durch Digitalisierung und andere Aspekte deutlich komplexer wird und unübersichtlicher.
Moderator:
Ein eindrückliches Beispiel, das habe ich ja am Anfang der Podcast-Folge genannt, die Hochphase der Corona-Pandemie, die ist mittlerweile zum Glück einige Jahre schon her. Kannst du uns noch andere Beispiele für moralische Konflikte nennen, also die es in der Pflege oder auch in anderen Berufen gibt? So direkt mal Konflikte, die vielleicht sogar immer wieder im Arbeitsalltag auftauchen?
Dr. Philipp Herzog:
Mhm. Da denke ich vor allem unter anderem an Ersthelfer, Ersthelferinnen, Sanitäter, Sanitäterinnen, die an eine Unfallstelle kommen und gegebenenfalls schnell Entscheidungen treffen müssen, triagieren müssen, überlegen müssen: Wem helfen sie, wem helfen sie nicht? Gleichzeitig auch in unübersichtlichen Situationen, wo vielleicht tatsächlich die eigene Sicherheit gefährdet ist und sie vielleicht deswegen gar nicht zu der Person kommen, der sie helfen müssten, weil Wege versperrt werden oder es eine gewisse Gruppierung gibt, die das Hilfspersonal bedroht. Also sie selber gleichzeitig in so eine Bedrohungssituation kommen, in der sie eigentlich helfen wollen und auch die Mittel haben, aber daran gehindert werden. Das heißt, da denke ich vor allem an dieses Personal, also im Rettungsdienst oder auch Feuerwehr, würde mir jetzt einfallen, wenn es um Brände geht.
Auf der anderen Seite denke ich natürlich auch an Polizisten, Polizistinnen, die miterleben, dass zum Beispiel Kollegen, Kolleginnen unverhältnismäßige Gewalt gegen vielleicht auch gewisse Gruppierungen ausüben. Dann denke ich auch an Lehrer, Lehrerinnen, also jetzt so im Bildungssektor, denen vielleicht auffällt, dass irgendwie eine Kindeswohlgefährdung vielleicht vorliegen könnte, die das melden und gleichzeitig zusehen müssen, dass das Jugendamt oder andere Institutionen nicht schnell genug agieren und das Kind weiterhin gefährdet ist. Gleichzeitig denke ich da auch an Jugendamt, Jugendhilfe, denen vielleicht die Hände gebunden sind, obwohl sie Indizien haben, die eine Handlung erfordern, die eine schnelle Handlung vielleicht auch erfordern, aber das System das nicht hergibt.
Genau, und die anderen Beispiele ergeben sich, glaube ich, so aus dem Kontext des Militärs und Soldaten, Soldatinnen, gerade im Zuge jetzt der Kriege und der Welt, die sich verändert, wo immer mehr die Frage auch tagesaktuell ist, ob die Bundeswehr sich einschaltet oder nicht, die NATO.
Moderator:
Du hast doch eben das Jugendamt erwähnt, wie die Hände da gebunden sind. Das nimmt man dann auch mit nach Hause und da hört ja nicht der Kopf dann um 18 Uhr oder um 22:30 Uhr auf, danach zu ticken irgendwie, ne.
Dr. Philipp Herzog:
Ganz genau, also das kann wirklich Menschen über längere Zeit verfolgen tatsächlich in Form von Schuldgefühlen, Grübeln, sich die Situation immer wieder irgendwie vor Augen halten. Gleichzeitig aber auch häufig immer wieder konfrontiert werden damit. Also das sind viele Berufsgruppen, die tagtäglich oder zumindest relativ regelmäßig mit diesen Ereignissen konfrontiert sind.
Um mal ein Beispiel zu nennen: Wenn ich mir jetzt so Mitarbeitende vielleicht auch in der Jugendhilfe anschaue, die häufig ja irgendwie auch diesen Beruf wählen aus einem gewissen Berufsethos, weil sie irgendwie einer vulnerablen, also einer Gruppe, die schutzbedürftig ist, wie Kindern und Jugendlichen helfen wollen, sie unterstützen wollen, damit konfrontiert werden, dass zum Beispiel das System eigentlich versagt, weil es nicht genügend sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen gibt, um eine bestmögliche Unterstützung für diese Gruppe an Jugendlichen und Kindern zu gewährleisten. Und sie dann im Prinzip merken, dass obwohl sie vielleicht Fehlverhalten gemeldet haben dem Jugendamt und Kinder eigentlich aus Familien vielleicht herausgenommen werden müssten, weil das Kindeswohl gefährdet ist, und dann zusehen müssen, dass auf der anderen Seite im Prinzip ebenso wenig Ressourcen da sind, diesem zeitnah nachzugehen, sie sich die ganze Zeit auch nach der Arbeit fragen: Habe ich genug getan, hätte ich was anders tun sollen, hätte ich einen anderen Weg einschlagen sollen, hätte ich über andere Ecken noch mehr Druck auslösen und der Klarheit dessen, was ich eigentlich beobachtet habe und was getan werden müsste, Ausdruck verleihen sollen?
All das kann dazu führen, dass man immer wieder so das eigene Handeln in Frage stellt und es einen quasi nicht mit erledigter Arbeit ad acta legen kann, weil es immer noch um andere Menschen geht und in dem Fall eine besonders schutzbedürftige Gruppe eigentlich in unserer Gesellschaft. Und dann immer wieder an den Arbeitsplatz zu gehen, führt dazu im Prinzip, dass man immer wieder ja auch entweder mit dem Fall und oder mit anderen Fällen auch von Kollegen und Kolleginnen konfrontiert wird, sodass man dem ja gar nicht irgendwie ausweichen kann oder das ja nicht vermeiden kann. Also man hat seinen Arbeitsvertrag, man geht zur Arbeit alltäglich und es ist vielleicht noch genau das, was von gestern und gestern Nacht da war, vorhanden. Und ich meine, du kannst dir vorstellen, je mehr man darüber nachgrübelt und das in Frage stellt, desto stärker sind die Gefühle, die dadurch ausgelöst werden und desto häufiger resultieren durchaus auch Schlafprobleme, die dann wiederum die Arbeit am nächsten Tag beeinträchtigen können, bis hin zu depressiven Episoden.
Moderator:
Das kann ich mir sehr gut vorstellen, was du erzählst, gerade jetzt, um beim Jugendamt zu bleiben. Dann ist es 21 Uhr, du sitzt auf deinem Sofa, guckst eine Lieblingsserie, aber es kreisen deine Gedanken permanent um das betreuende Kind, weil du genau weißt, jetzt um diese Uhrzeit könnte das gerade wieder gewalttätig sein in der Familie.
In meiner Recherche habe ich auch von moralischem Stress gelesen. Das ist so eine Art Vorstufe zur moralischen Verletzung, oder? Also kommt der schleichend und kracht dann auf einmal voll rein?
Dr. Philipp Herzog:
Das ist eine sehr gute Frage. Also die moralischen Dilemmata, denen man ausgesetzt ist und in denen man eigentlich immer wieder gewisse Entscheidungen treffen muss, die andere Menschen und das Wohl anderer Menschen beeinträchtigen, das kann, ich würde sagen, sich schon quasi aufaddieren, so über die Zeit, über das Berufsleben. Das kann dazu führen, dass die eigene Resilienz, also die eigene Widerstandsfähigkeit, über die Zeit nachlässt, sodass irgendwann dann das passiert, was man früher im Prinzip im Bereich berufsbedingtes Burn-out klassifiziert hat oder eingeordnet hat. Und gleichzeitig ist das Ausmaß dessen, würde ich sagen, nicht so schleichend, weil das schon natürlich Sachen sind, die einen dann täglich so beschäftigen und man so mitnimmt.
Um vielleicht noch mal ein Beispiel zu nennen, eine junge Richterin, die im Bereich Migrationsentscheiden, Asylanträge eingesetzt wurde, direkt nach dem Studium. Und die musste dann, weil sich auch gewisse Vorgaben dann geändert haben, teilweise Asylanträge aufgrund des aktuell gültigen Rechts und der aktuell gültigen Entscheidungen treffen, die aber teilweise tatsächlich gegen ihre eigenen Werte und Wertvorstellungen gehandelt haben.
Moderator:
Kann man so aussprechen, da musste halt die Familie abgeschoben werden oder die Kinder oder die schon länger hier leben.
Dr. Philipp Herzog:
Genau, also weil es häufig ja persönliche Schicksale sind, individuelle Schicksale. Man baut in irgendeiner Form, wenn sich so ein Prozess auch länger zieht, man ein bisschen mehr Infos hat aus den Akten, ein bisschen mehr die Person vielleicht auch kennenlernt, jetzt keine Beziehung auf, aber zumindest hat man in irgendeiner Form eine Person vor sich, über die man sehr viele Informationen hat, wo man vielleicht auch emotional mitschwingen kann oder emotional das Leid zumindest sieht. Und in solchen Situationen dann entgegen quasi der eigenen moralischen Intuition zu handeln und zu sagen: Okay, das ist aber Rechtslage, jetzt wird abgeschoben, kann tatsächlich dazu führen, wenn man damit täglich, also es gab eine Zeit, wo sehr viele Asylanträge natürlich eingegangen sind, kann dazu führen, dass sich das innerhalb kürzester Zeit sehr schnell quasi so aufsummiert, sage ich mal. Sodass die Person, um wieder bei dem Beispiel zu bleiben, tatsächlich auch dann das Berufsfeld gewechselt hat nach recht kurzer Zeit. Also ich glaube, es waren so zwei, drei Jahre oder so.
Moderator:
Woran merke ich als betroffene Person dann, dass es kippt? Also dass aus moralischem Stress eine moralische Verletzung wird? Gibt es da typische Warnsignale?
Dr. Philipp Herzog:
Warnsignale kann man, glaube ich, am besten beobachten an sich, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird oder selber bemerkt, dass man sich anders verhält und dass man Dinge anders wahrnimmt, anders einschätzt. Also da zählt vor allem dazu so ein sozialer Rückzug. Also dass man sich zunehmend mehr aus Schuldgefühlen, Schamgefühlen aus der Gesellschaft herauszieht, weil man nicht darüber sprechen möchte. Gleichzeitig sind es aber auch starke Hoffnungslosigkeit und so fatalistische Überzeugungen, die sich verändern können: Die ganze Welt ist ungerecht, zum Beispiel. Übermäßig starke emotionale Reaktionen außerhalb der Arbeit, auch die dauerhaft in einer gewissen Intensität da sind, die dazu führen, dass man damit nicht mehr so gut umgehen kann. Also zum Beispiel, dass man vielleicht Sachen macht, die dazu führen, dass man vermeintlich besser damit umgehen kann, aber langfristig alles nicht hilft, wie zum Beispiel vermehrt Alkohol trinken, vermehrt andere Formen von Substanzen konsumieren in hohem Maße, um nicht mehr darüber nachzudenken, übermäßiger starker Medikamentenkonsum bis hin zu so einem Gefühl, nicht mehr dieselbe Person zu sein, was manche Patienten, Patientinnen berichten.
Moderator:
Also wenn man auf seinem Sofa sitzt und sich wieder mal ertappt, an dem Klebstoff zu schnüffeln, dann sind das schon sehr deutliche Warnsignale. Spielt dabei auch die Persönlichkeit eine Rolle? Es gibt ja Menschen, die haben ein ziemlich starkes Gerechtigkeitsempfinden, sind sehr empathisch oder auch pflichtbewusst. Und Menschen bringen ja auch immer ihre ganz eigene Geschichte mit, also Erfahrung, Prägung, vielleicht auch alte Belastung. Würdest du jetzt sagen, dass solche Menschen stärker davon betroffen sind?
Dr. Philipp Herzog:
Das ist auch eine Frage, die letztlich noch nicht ganz geklärt ist, wo es aber zumindest so intuitive Hinweise dafür gibt, würde ich sagen. Im Prinzip das, was du gesagt hast, sind, glaube ich, alles Faktoren, die einen eher dazu führen. Man kann sich vorstellen, solche Ereignisse sind immer dann natürlich noch moralisch verletzender, je stärker der eigene Moralkompass und je stärker sie abweichen von dem eigenen Moralkompass und als solche auch wahrgenommen werden. Das heißt aber auch: Je, ich sage mal, steifer, rigider würde man jetzt sagen, die eigenen Überzeugungen sind oder der eigene Moralkodex. Das heißt, das sind natürlich alles Personen, die wahrscheinlich eine höhere Anfälligkeit dafür haben. Und das ist ja das, was man häufig genau in diesen Berufen findet. Nein, das sind ja häufig Menschen, vor allem im sozialen Bereich, jetzt in der Jugendhilfe, in der Pflege, im Gesundheitswesen. Die haben häufig eine sehr hohe Verantwortung, aber auch Verantwortungsbewusstsein und eine starke moralische Vorstellung, die für die Arbeit als solche, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden, eigentlich total förderlich und gut wären, weil sie für andere sorgen, dafür sorgen, dass es anderen Personen im Prinzip besser geht, sei es jetzt gesundheitlich oder im Leben.
Moderator:
Wer steckt alles am besten weg? Helfen auch Charaktereigenschaften?
Dr. Philipp Herzog:
Wer steckt am besten weg, ist, glaube ich, gar nicht so leicht zu beantworten, weil man, glaube ich, ein bisschen wegkommen muss von, ich sage mal, so festen Eigenschaften hin zu, ich glaube, Personen stecken das an sich besser weg, zumindest für eine gewisse Zeit. Ich glaube, bei allen, die moralisch integer sind, ist irgendwann das Maß voll und das Maß erreicht und können dem ausgesetzt sein. Aber es sind solche Personen, glaube ich, widerstandsfähiger oder resilienter, wie wir sagen, die mehr Ausgleich schaffen. Also die tatsächlich, man sagt, mehr Ressourcen haben, also mehr Sachen haben, die die eigene psychische und körperliche Gesundheit fördern. Also zum Beispiel regelmäßig Hobbys nachgehen und in dem Bereich vor allem auch ein festes soziales Umfeld, ein festes Unterstützungsnetzwerk.
Und da gab es tatsächlich eine Studie, die mir so noch sehr in Erinnerung ist. Da ist es quasi nicht nur so, dass man ein festes soziales Netzwerk hat, sondern auch, welche Art der Beziehung man zu denen führt. Also, kann man mit denen offen über diese Situation reden? Also die Art der sozialen Unterstützung spielt auch eine Rolle, nicht nur, dass man quasi sein Umfeld hat, sein familiäres oder soziales Umfeld, seine Freunde, sondern auch: Kann ich dort für Entlastung schaffen, kann ich das dort ansprechen, kann ich dort Emotionen zeigen, also Gefühle zeigen? Genau, also die Art der sozialen Unterstützung spielt, glaube ich, eine Rolle und die Art, wie man für Ausgleich im eigenen Beruf schafft.
Moderator:
Wäre es nicht einfacher, den eigenen moralischen Kompass etwas runterzufahren, also auch einfach mal abstumpfen und zynischer werden, gerade jetzt in unserer, ich sage mal, düsteren Zeit?
Dr. Philipp Herzog:
Das ist eine recht provokative Frage, wirklich, habe ich jetzt so wahrgenommen.
Moderator:
Ja, einfach empathielos sein und dann juckt es auch nicht.
Dr. Philipp Herzog:
Wäre naheliegend, würde ich aber als provokative Frage weiterhin einordnen. Würde dem nicht zustimmen tatsächlich. Ich würde sagen, wir sollten genau diese Form von Ärger teilweise auf Institutionen, auf Systeme in was Produktives versuchen umzuwandeln, indem wir für bessere Bedingungen, eine bessere Systemreform, also Veränderungen am Arbeitsplatz, Veränderungen im Führungsverhalten, auch uns einsetzen quasi. Weil darüber kann man im Prinzip schon so einen großen Hebel setzen als Prävention, also als vorbeugende Maßnahme letztlich.
Moderator:
Welche Rolle spielen denn dabei Organisationen und Führungskräfte? Du hast es eben angesprochen, liegt es manchmal vielleicht gar nicht an den Menschen selbst, sondern eher an den Strukturen?
Dr. Philipp Herzog:
Ja, dem würde ich auch zustimmen, auf jeden Fall. Die Forschung ist tatsächlich, vor allem die Präventionsforschung in dem Bereich, extrem begrenzt, muss man sagen. Es gibt keine wirklichen Präventionsprogramme, die schon sehr gut untersucht wurden. Aber ich glaube, es braucht in vielen Bereichen, gerade in Berufen, in solchen Berufen, über die wir heute gesprochen haben, systemische Reformen. Ich glaube, es braucht aber auch mehr Schulungen für Führungskräfte, Trainings für Führungskräfte, die dafür sorgen, dass mehr psychologische Sicherheit im Team auch hergestellt ist, um über solche Themen offener zu reden. Also auch einfach Strukturen zu schaffen innerhalb des Systems, sage ich mal, die das ermöglichen. Ich glaube auch, es könnte im Rahmen der Ausbildung für solche Berufe auch besser integriert werden in Form von Vorbereitungstrainings, wie man damit umgeht. Und gleichzeitig letztlich eine Form innerhalb von Unternehmen, innerhalb von Organisationen, Institutionen, strukturierte Reflexionsmöglichkeiten geschaffen werden und gegenseitige Unterstützung zwischen Kollegen und Kolleginnen. Das kann aber auch einfach wirklich hands-on, sich einbringen in die eigene Organisation sein, um Sachen zu verändern, um Sachen klar irgendwie nach oben zu tragen. Und dafür muss es aber eine gewisse Kultur geben, dass es möglich ist, und gewisse Strukturen auch, nicht nur eine Kultur, würde ich sagen.
Moderator:
Was hilft Betroffenen konkret, die unter moralischem Stress oder unter einer moralischen Verletzung leiden? Welche therapeutischen Ansätze gibt es?
Dr. Philipp Herzog:
Also erst mal muss man sagen, die Geschichte des Phänomens ist ja noch gar nicht so alt. Das heißt, die systematische Forschung auch nicht. Es gibt jetzt keine Intervention oder Psychotherapie, wo man sagt, das ist jetzt so der Goldstandard. Gleichzeitig hat sich schon gezeigt, dass vielen eine Psychotherapie hilft, die zum Beispiel auch traumafokussiert ist. Also bei Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung helfen kann oder Menschen, die traumatische Erlebnisse hatten. Gleichzeitig greifen die manchmal zu kurz, immer dann, wenn nicht gleichzeitig auch ein Trauma erlebt wurde. Da werden tatsächlich einige neuartige und angepasste Interventionen erforscht, die vor allem aber sehr militärfokussiert sind.
Das heißt, psychotherapeutische Ansätze, die wirklich zivile Gruppen oder Berufsgruppen betreffen, da wird gerade viel geforscht. Die Acceptance and Commitment Therapy wird in dem Bereich häufig beforscht in der Einzeltherapie oder auch in der Gruppentherapie. Es gibt auch quasi andere Formen von Psychotherapien, die eher, ich sage mal, schuldreduzierende, werteorientierte Verfahren einsetzen, bis hin aber auch zu, je nachdem, wie religiös-spirituell man ist, auch spirituell integrierten Ansätzen. Da haben wir allerdings noch sehr gemischte Ergebnisse, muss man sagen. Vieles liegt auch daran, dass es methodische Einschränkungen gibt bei einigen Studien. So oder so, glaube ich, haben wir Verfahren, die vielleicht nicht für jeden helfen, wo man individuell schauen muss, was hilft am besten. Und gleichzeitig würde ich schon auch sagen, dass wir noch einiges an Forschung brauchen, um zu untersuchen, welche Art von Psychotherapie hilft bei welchem Individuum oder bei welcher Person, also in Form von so einer personalisierten Psychotherapie.
Moderator:
Wie sieht es speziell bei Führungskräften aus? Gerade die müssen ja viele Entscheidungen treffen und dabei kommen sie sicher auch immer wieder in Situationen, in denen sie gegen ihre eigenen Werte handeln. Welche Tipps würdest du ihnen geben? Wie und wo können sich Führungskräfte Unterstützung holen?
Dr. Philipp Herzog:
Führungskräfte können sich zum einen natürlich unter den eigenen Kollegen, Kolleginnen Unterstützung holen. Das heißt mit anderen Führungskräften, sage ich mal. Häufig gibt es ja nicht nur diese eine Führungskraft in den Institutionen, Unternehmen. Genau, das wäre, glaube ich, so eine Form von kollegialer Unterstützung. Dazu braucht es aber häufig auch aus meiner Sicht gewisse Strukturen. Gleichzeitig kann man gegebenenfalls auch von der Institution, für die man arbeitet, sich tatsächlich auch gewisse Trainings einfordern, die genau darauf fokussieren. Also genau auf das Thema Resilienz, Umgang mit kritisch, gegebenenfalls auch moralisch kritischen Situationen. Das ist so das, was mir einfallen würde.
Moderator:
Ja, Resilienz ist immer so ein Begriff, der bei Konflikten und Krisen immer wieder erwähnt wird. Also so eine Art Schutzschild oder Widerstandskraft der Psyche. Wie können wir unsere eigene Resilienz stärken? Was ist der Ingwertee für unsere Seele?
Dr. Philipp Herzog:
Der Ingwertee für unsere Seele ist im Prinzip kein Ingwertee.
Moderator:
Glaube ich, obwohl ich den mag tatsächlich.
Dr. Philipp Herzog:
Ja, ich finde den eigentlich auch ganz gut. Was für den einen der Ingwertee ist, der dazu führt, dass man sich widerstandsfähiger gegenüber dem Alltag und den Stressoren im Alltag fühlt, ist für den anderen vielleicht tatsächlich der Minztee. Einmal, um in dem Beispiel zu bleiben. Das heißt, Resilienz, Resilienzstärkung ist tatsächlich etwas, was hoch individuell ist, würde ich sagen.
Natürlich gibt es so ein paar Bereiche, ein paar Facetten, Faktoren, die darauf einwirken. Einer der stärksten, der natürlich immer wieder diskutiert wird und der ist in dem Bereich, glaube ich, auch echt zentral, ist so das Thema unterstützendes Umfeld. Entweder in Form von Familie. Dann gibt es natürlich auch Personen, die entweder keine Familie mehr haben oder die zu weit weg sind, nicht so greifbar sind. Dann wären das in dem Bereich tatsächlich enge Freunde, Freundinnen, die einen so durch das Leben begleiten, die auch in schwierigen Zeiten da sind. Das heißt, Zeit und Energie immer wieder in den Aufbau, aber auch in die Pflege des eigenen sozialen Umfelds zu stecken.
Moderator:
Und vielleicht auch in die Ablenkung. Also letztendlich kann man ja zusammenfassen: Freunde, Freundinnen helfen, ablenken, Hobbys, einfach auch mal die Birne freimachen mit einer Lieblingsserie oder eine Stunde joggen.
Dr. Philipp Herzog:
Ja, absolut. Genau, jegliche Form von anderen Lebensbereichen, die für einen auch sinnstiftend sind. Ich hatte vorhin gesagt, ein Kernmerkmal ein Stück weit auch kann von wirklich moralischen Verletzungen, also einer sehr starken psychischen Belastung, ein Sinnverlust im Leben sein. Und das ist umso stärker, je stärker man wiederum identifiziert mit dem eigenen Beruf ist und je weniger andere Lebensbereiche man pflegt. Also wenn man alles nur für diesen einen Lebensbereich Beruf lebt und alles andere gleichzeitig vernachlässigt, hat man wenig, was im Prinzip dazu führt, dass, wenn man in diesem Beruf diesen Sinnverlust durch solche Ereignisse hat, einen auffangen kann. Also eine Quelle oder der Ingwertee ist quasi eine Quelle der Resilienzstärkung.
Moderator:
Oder einfach mal wie eine Folge Meister Eder und sein Pumuckl und dann kommt man auf andere Gedanken.
Ja, nehmen wir mal an, ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin oder eine Führungskraft, die leidet unter einer moralischen Verletzung. Was passiert, wenn das ignoriert wird? Also welche Auswirkungen kann das auch aufs gesamte Arbeitsklima haben?
Dr. Philipp Herzog:
Das kann tatsächlich noch mal dazu führen, dass aus quasi genau der eigenen Belastung noch mal eine zusätzliche Belastung herrscht, indem man sich nicht ernst genommen fühlt in dem, was man erlebt hat. Und das wiederum nicht nur quasi über das, was man erlebt hat, das eigene Gewissen belastet, sondern dann zusätzlich gegebenenfalls noch zu starken Gefühlen in Form von sich verraten fühlen, also so starkem Ärger gegenüber den Vorgesetzten, gegenüber dem System.
Moderator:
Und das frisst die Seele auf, auf jeden Fall. Das ist dieser tiefe Groll im Herzen, der macht nie was gut.
Dr. Philipp Herzog:
Das kann fast eine Doppelbelastung dann sein. Also dann hat man quasi zum einen diese moralische Verletzung, mit der man umgehen muss, dieses Ereignis, und dann wird man auch noch nicht ernst genommen, quasi von entweder den Vorgesetzten, der eigenen Führungskraft oder der Institution. Institutioneller Verrat wird das manchmal genannt.
Moderator:
Mhm, ich mache mir jetzt das Wasser heiß für den nächsten Ingwertee, Philipp. Ja, und du bist auf einen Schluck mit eingeladen, auf jeden Fall.
Dr. Philipp Herzog:
Ja, danke schön, vielleicht für mich der Minztee.
Moderator:
Ach so, stimmt, ich habe ja gemerkt, Ingwertee ist nicht so dein Fall. Okay.
Moralischer Stress und moralische Verletzungen sind keine individuellen Schwächen oder persönliches Versagen. Gerade jetzt in Zeiten, wo es heißt: Hier malochen und konzentrier dich auf die Arbeit, auf den Job, muss man das immer mal wieder deutlich auch an die Wand schreiben. Sie entstehen dort, wo die eigenen Werte mit realen Arbeitsbedingungen zusammenprallen, und im schlimmsten Fall machen sie krank. Und damit ist niemandem geholfen.
Viele Betroffene tragen diese Konflikte still mit sich. Umso wichtiger ist es, sie sichtbar zu machen. Das ist ein sehr wichtiger erster Schritt, um Veränderungen anzustoßen. Miteinander reden, Ausgleich schaffen und zusammen gemeinsam das Problem angehen. Die BGW unterstützt Betriebe mit verschiedenen Angeboten, damit die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch psychisch gesund bleiben, zum Beispiel mit Workshops oder telefonischer Krisenberatung. Ja, in den Shownotes dieser Podcast-Folge findet ihr mehr Infos dazu.
Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann empfehlt den Podcast gerne weiter. Und wenn ihr selbst Fragen zum Thema moralische Verletzungen habt, die ihr unbedingt mal geklärt haben wollt, dann schreibt gerne etwas in die Kommentare eurer Podcast-App. Bis zum nächsten Mal.
Dr. Philipp Herzog:
Vielen lieben Dank für die Einladung.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Interviewgast
Dr. Philipp Herzog
Psychotherapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (Fachbereich Psychologie)
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„Ohne Gesundheit keine Schönheit“: Was ist los in der Friseurbranche? #144 BGW-Podcast "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"
Teil 2 von der Top Hair in Düsseldorf: Moderator Ralf Podszus stürzt sich wieder ins Messegeschehen und spricht mit Friseurinnen und Friseuren, Auszubildenden und Branchenprofis über das, was das Friseurhandwerk aktuell bewegt. Es geht um Trends, Kreativität, Gesundheit und vor allem mentale Belastung im Berufsalltag.
Auf der Messe bekommt Ralf außerdem eine Kopfhaut-Analyse, erfährt mehr über gesundes Arbeiten in der Ausbildung und lässt sich live umstylen. Dabei wird deutlich, dass es im Friseurberuf nicht nur um Technik und Styling geht, sondern auch um Hygiene, Arbeitsschutz und den Umgang mit emotionalen Anforderungen.
Hier kommen Sie zum Transkript dieser Folge
O-Ton:
Yeah, this is Jatta. We would like to welcome you to Top Hair Messe 2026. We wish you an informative visit and a successful run of the event as well as a pleasant stay in Düsseldorf. Thank you.
Moderator:
Hallo, grüß euch.
O-Ton:
Hi.
Moderator:
Darf ich euch mal ganz kurz stören?
O-Ton:
Bestimmt, ja. Hier, komm.
Moderator:
Ihr seid hier als Mädelsgruppe gerade unterwegs. Ihr habt euch mal den lila Slushy geholt. Was ist das denn?
O-Ton:
Irgendwas mit Blaubeer, ja, aber ohne Schuss.
Moderator:
Ohne Schuss. Das ist eher ungewöhnlich hier bei der Top Hair, ne.
O-Ton:
Wir müssen noch fahren.
Moderator:
Wo kommt ihr her?
O-Ton:
Aus Duisburg.
Moderator:
Ja, was erwartet ihr euch heute von der Messe, von der Top Hair? Warum seid ihr da?
O-Ton:
Neue Inspiration, neue Techniken, ob es jetzt Clip-in-Extensions oder Hochstecken.
Moderator:
Seid ihr alle drei Friseurinnen?
O-Ton:
Ja.
Moderator:
Und wie lange macht ihr das schon?
O-Ton:
Ich bin ganz frisch ausgelernt seit diesem Jahr.
O-Ton:
Die Mandy macht das schon ein bisschen länger und das ist unsere Chefin, die macht das schon ...
Moderator:
Du hast schon die Haare geschnitten, da gab es noch kaum Haare auf dem Kopf. So sieht das aus. Ja, genau. Aber super. Und warum hast du dich jetzt fürs Friseurhandwerk entschieden?
O-Ton:
Weil diese Vielfältigkeit und diese Kreativität mir einfach sehr viel Spaß macht und auch, dass ich selber verantwortlich bin für das, was am Ende des Tages da für eine Farbe oder für einen Schnitt rauskommt, freut mich einfach zu sehen.
Moderator:
Man sieht ja auch, dass du Lust drauf hast. Du hast sehr lange Wimpern.
O-Ton:
Dankeschön.
Moderator:
Dann hast du sehr bunte Haare. Ich sehe rosa, lila. Ist das auch ein bisschen schwarz? Oben ist es hellblond, unten dunkelblond. Also ja, da machst du einiges mit deiner Frisur, auf jeden Fall.
O-Ton:
Ich trag Perücken. Ich variiere sehr gerne zwischen kurz, lang, lockig, glatt. Einfach die Vielfältigkeit, dass du wirklich aus Leuten, die sich eigentlich nichts trauen, sehr viel herausholen kannst, wenn man einfach sagt: Komm, darf ich mal? Ich hab was im Kopf, darf ich es aussuchen? Und die sagen so: Ja, genau, es ist viel besser als meine Vorstellung.
Moderator:
Das heißt, deine langen Haare, die so runtergezwirbelt, sehr wellig sind, die sind gar nicht echt?
O-Ton:
Nein, nein.
O-Ton:
Ich hab darunter einen Afro, der ist weggeklemmt.
Moderator:
Aber sieht auch gut aus.
O-Ton:
Ja, aber heute wollte ich mal wieder was anderes haben.
Moderator:
Ich wünsche euch viel Freude hier bei der Top Hair.
O-Ton:
Dankeschön.
Moderator:
Und ich schaue mir ja auch in dieser Podcast-Folge wieder an: Was gibt es so für Friseur-Trends, Haare, die ganzen Haarfärbemöglichkeiten? Ja, und vor allem suche ich auch meine neue Frisur. Mal gucken, was dabei rauskommt. Und wir erklären bei dieser Herzschlag-Folge, wie es mit dem Seelenheil in der Friseurbranche aussieht. Ja, es gibt viele Belastungen, nicht nur im Beruf, sondern auch von den Kundinnen und Kunden, die auf dem Friseurstuhl sitzen. Die haben alle Sorgen in der Zeit von heute. Ich bin gespannt auf unsere zweite Podcast-Folge direkt hier aus Düsseldorf. Ich bin Ralf Podszus und ich freue mich, dass ihr dabei seid.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Ich stürz mich mal hier ins Getümmel. Sehr, sehr viele Menschen sind hier, unter anderem auch ...
O-Ton:
Noemi und Jule.
Moderator:
Was macht ihr hier bei der Top Hair? Was wollt ihr hier alles noch sehen?
O-Ton:
Neue Innovationen, ja, alles aufschnappen, was es quasi Neues gibt, sich inspirieren lassen.
Moderator:
Seid ihr Friseurinnen?
O-Ton:
In der Ausbildung.
Moderator:
Wo denn genau? Und was erwartest du dir von deinem Beruf?
O-Ton:
In Stuttgart. Und einfach Spaß an meinem Beruf, meine Kreativität ausleben.
Moderator:
Wie bist du auf die Idee gekommen, Friseurin zu werden?
O-Ton:
Ich war schon immer als kleines Kind, also sie ist meine Tante, und ich habe ihr auch schon immer als Kind die Haare gemacht und meiner Oma und allem Möglichen und ja.
Moderator:
Also die Schere wurde dir in die Wiege gelegt.
O-Ton:
Ja, genau, ungefähr.
Moderator:
Und hast du dich zum Thema Sicherheit mal bei deinem Beruf erkundigt?
O-Ton:
Ja, in der Schule lernt man das ja.
Moderator:
Was ist so hängen geblieben? Gerade als Friseurin musst du so ein bisschen beachten ...
O-Ton:
Auf jeden Fall gute Hygiene und natürlich auch Handschuhe tragen, immer, vor allem beim Haarewaschen, ganz wichtig. Sonst eigentlich gar nicht so viel.
Moderator:
Rückenbelastung und den ganzen Tag stehen, das ist auch ein Thema, wenn man Friseurin ist. Was machst du da für den Ausgleich?
O-Ton:
Zu wenig, glaube ich.
Moderator:
Was machst du denn bisher?
O-Ton:
Mich dehnen, meinen Rücken knacken.
Moderator:
Klingt ja schon mal ganz gut. Dann wünsche ich euch viel Freude hier bei der Top Hair, viel Inspiration und ’ne gute Gesundheit im Job.
O-Ton:
Dankeschön.
Moderator:
Hallo, bist du hier der richtige Ansprechpartner? Hab ich die Boss-Aura? Du siehst so ’n bisschen so aus, ja.
O-Ton:
Merci.
Moderator:
Aber ich entnehme deiner Antwort: nein.
O-Ton:
Das ist richtig.
Moderator:
Wo ist denn hier der Herr der Herren?
O-Ton:
Das ist der Elvis Kallac. Wir schauen mal, er ist gerade wahrscheinlich im Tunnelblick.
Moderator:
Hi, grüß dich. Bist du Elvis?
O-Ton:
Ich bin nicht der Elvis, aber wir können ihn gleich gern mal zusammen suchen, wenn du magst. Worum geht es denn?
Moderator:
Aber ich wollte einfach nur so ’n paar Infos hier vom Stand haben. Ich seh hier ganz viele Typen. Hier ist so der Ober-Bro-Stand, oder?
O-Ton:
Ober-Bro, was meinst du damit?
Moderator:
Also hier sind nur die Männer, die Typen. Was geht hier ab? Alle mit weißen Hemden, mit schwarzen Fliegen. Und werde ich hier der richtige Mann?
O-Ton:
So ist es. Zum Glück haben wir auch die Ladys mit dabei. Und zwar wollen wir den Friseuren, den Kosmetikern das Leben vereinfachen. Also wir sind hier, um gute Laune zu machen, die Branche noch mehr zu verschönern und vor allem dafür zu sorgen, dass es insgesamt attraktiver wird.
Moderator:
Wie macht ihr das denn?
O-Ton:
Unter anderem damit, dass wir den Endverbrauchern einen einfachen Zugang zu den Salons ermöglichen, aber auch den Salons einen einfacheren Arbeitsablauf. Und damit ist es im Prinzip das Beste aus zwei Welten, dass wir uns als Endverbraucher, aber natürlich auch die Salons cool unterstützen.
Moderator:
Und mit einem konkreten Beispiel, wie gelingt das? Weil nur mit einem weißen Hemd und einer schwarzen Fliege geht das ja nicht.
O-Ton:
Zum Beispiel: Wann bist du heute Abend zu Hause?
Moderator:
Wenn ich das wüsste. Ich bin ja heute bei der Top Hair, das geht noch ein bisschen.
O-Ton:
Genauso sieht’s aus. Also schätz mal, ungefähr 21, 22 Uhr wahrscheinlich.
Moderator:
Ja, würde ich sagen.
O-Ton:
Und stell dir mal vor, du würdest jetzt aber noch einen Termin haben wollen bei deinem Friseur. Würdest du den telefonisch noch kriegen? Schwierig. Jetzt haben wir heute Samstag, Friseur am Montag zu. Das heißt, der nächste Termin wäre am Dienstag, wo du telefonieren könntest. Und durch unsere App kriegst du es hin, heute Abend um 21 Uhr noch deinen Termin zu buchen, während der Friseur hier mit uns am Feiern ist. Du kriegst den Termin und der Friseur macht den Umsatz.
Moderator:
Also ihr wollt die Friseurinnen- und Friseur-Community zusammenbringen, damit alles digitaler wird.
O-Ton:
Genau so sieht das aus. Im Endeffekt sind wir genau dafür verantwortlich, dass wir die Branche wieder schön machen und dass immer mehr Azubis anfangen, immer mehr angehende Friseure eben in die Branche einsteigen.
Moderator:
Ich muss ein bisschen in Deckung gehen, weil hier wird alle drei Sekunden eine Sektflasche aufgemacht.
O-Ton:
Aber da siehst du, was hier abgeht, oder?
Moderator:
Also das heißt, ihr umarmt alle und bringt die mal alle an einen virtuellen Tisch, damit man besser zusammenrückt mit den Kundinnen und Kunden.
O-Ton:
Im Prinzip. Wir bringen die Drinks und am Ende wollen sie uns umarmen. Und dann wollen wir natürlich auch zurück umarmen und dann sind wir irgendwie alle happy. Aber so sieht’s aus, hast du top zusammengefasst.
Moderator:
Hier erfahren wir jetzt etwas über die aktuellen Frisurtrends. Hallo, wer bist du denn?
O-Ton:
Hallo, ich bin die Melia.
Moderator:
Hallo, grüße dich. Was ist denn gerade so angesagt auf der Rübe?
O-Ton:
Also eher Bewegung, wellige Haare, ganz viel Styling mit Blowouts, mit Föhn, also quasi das, was ich gerade hier gemacht habe am Puppenkopf. Beach Waves auch mit dem Glätteisen, also alles, was ein bisschen mehr Struktur bringt.
Moderator:
Vor dir ist so ein Puppenkopf mit einer großen Friese und da ist jetzt ganz viel zusammengeknotet. Ich sehe einfach, die Haare sind mehr oder weniger wie so ein Handtuch zusammengeknuddelt oben auf dem Kopf. Das heißt ganz viel Bewegung.
O-Ton:
Genau, ja.
Moderator:
Aber ganz viel Bewegung heißt, dass es mit ganz viel Haarklammern festgesteckt ist.
O-Ton:
Ja, also das ist ja jetzt nur im Prinzip, um den Anfang zu machen, ne. Wenn ich jetzt die Bürste hier einmal kurz rausnehme, sieht man dann schon, dass da in dem Puppenkopf ein bisschen mehr Bewegung drin ist und einfach mal eine Welle.
Moderator:
Also ich halte fest: Welle und ganz viel Strubbelei auf dem Kopf.
O-Ton:
Genau.
Moderator:
Was ist jetzt in Sachen Farbe so angesagt?
O-Ton:
Farbe, es ist immer unterschiedlich, also blond ist jetzt auch ganz gut angesagt oder halt Root Shadowing, dass man halt den Ansatz ’n bisschen satter macht. Alles, was mehr Natürlichkeit bringt.
Moderator:
Nun redest du gerade von ganz viel Bewegung und Zusammenstecken, aber du hast einen wunderbaren Lockenkopf. Also wie sieht es mit der Locke aus gerade aktuell?
O-Ton:
Ja, das ist auch eher unterschiedlich, weil es gibt ja unterschiedliche Strukturen für Locken. Also ich trag ganz gerne meine so, wie ich die jetzt habe.
Moderator:
Lang und lockig auf jeden Fall. Okay, also ich nehme mit: Ich brauch mehr Bewegung. Was kann ich mit meinem Haar denn machen? Gibt es da noch Hoffnung überhaupt für, oder?
O-Ton:
Ja, vielleicht ’ne Dauerwelle, ist jetzt auch gut angesagt bei den ...
Moderator:
Um Gottes willen, die 80er Jahre sind zurück. Ein Mann mit Dauerwelle oder so, ja. Okay, ich entscheide mich für Plan B. Was gibt es noch?
O-Ton:
Oder einfach mal mit einer Skelettbürste föhnen, mit ein bisschen Modeling Paste, alles, was mehr Struktur bringt.
Moderator:
Also ein bisschen wilder und nach oben.
O-Ton:
Genau, richtig, ja.
Moderator:
Ich danke dir.
O-Ton:
Gerne, gerne.
Moderator:
So, hier bekomme ich jetzt eine Haaranalyse, auch interessant. Hallo, wer bist du denn?
Romina Grieger-Bramkamp:
Hallo, ich bin die Romina, Romina Grieger-Bramkamp, und ich bin Kopfhaut- und Haarspezialistin sowie auch Friseurmeisterin.
Moderator:
Was passiert denn jetzt genau hier mit meiner Kopfhaut?
Romina Grieger-Bramkamp:
Wir analysieren die mit einem Gerät. Das ist ein Trichoskop, mit dem man vergrößert sich die Kopfhaut anguckt. Und dann kann ich halt ganz genau die Kopfhautsituation, Beschaffenheit, aber eben auch die Haarbeschaffenheit mir angucken. Wie viele Haare wachsen denn jetzt letzten Endes aus meiner Haaröffnung, ja. Immer mehr mein Eindruck. Ich sehe bei vielen immer weniger leider und es ist nicht nur ein Trend, aber es ist wirklich etwas, wo ich den Kunden einfach noch viel mehr helfen kann, die Haargesundheit zu erhalten.
Moderator:
Das heißt, du guckst in die Zukunft, was mit der Birne passiert, und dann kannst du schon sagen: Guck mal, du solltest jetzt vielleicht mal die nächsten zehn Jahre ein anderes Shampoo nehmen oder vielleicht mal diese Friese stylen lassen.
Romina Grieger-Bramkamp:
Ganz genau. Das ist natürlich Oberfläche von außen. Das heißt, du kannst supergut auf welche Serie ist jetzt für dich die richtige, welches Shampoo, welches Serum, welche Lotion kannst du verwenden, aber wie kannst du auch deine Haargesundheit von innen fördern, weil letzten Endes wächst das Haar ja im Körper und nicht außerhalb des Körpers. Deswegen geht es bei diesen Themen auch immer um das Thema Gesundheit, weil ohne Gesundheit keine Schönheit.
Moderator:
Da bin ich mal gespannt, was bei meiner Haaranalyse jetzt herauskommt. Jetzt werdet ihr auf jeden Fall feststellen, dass ich mir wahrscheinlich viel zu viel kratze am Kopf.
Romina Grieger-Bramkamp:
Juckreiz ist auf jeden Fall ein Thema bei ganz vielen, vor allem auch Männern. Womit das zusammenhängt, das ist sehr spannend, weil natürlich du viel mehr Testosteron bildest und deswegen wahrscheinlich auch ’ne etwas fettigere Kopfhaut von Natur hast und da fängt dann oft auch der Juckreiz an bis hin, das kennen ja viele Friseure, das Schuppen-Thema.
Moderator:
Bei mir ist es dann so nach einem langen Arbeitstag, du sitzt noch auf dem Sofa und dann denkst du dir: Jetzt kratz ich mal so irgendwie. Das ist so ein Ich-komm-jetzt-runter-Moment-Ding.
Romina Grieger-Bramkamp:
Ja, kann ’ne Angewohnheit sein oder man spürt endlich mal seinen Körper am Ende des Abends.
Moderator:
Ich spüre mich wieder.
Romina Grieger-Bramkamp:
Aber das kann auch tatsächlich jetzt so ganz wissenschaftlich mit der Anzahl der Bakterien auf der Kopfhaut zu tun haben.
Moderator:
Na dann erzähl mir die jetzt mal bei mir, ich bin gespannt.
Romina Grieger-Bramkamp:
Ja, wir schauen uns das mal an, oder? So, ich weiß nicht, ob du dich hier ... Hast du Platz?
Moderator:
Soll ich mich hinsetzen oder was?
Romina Grieger-Bramkamp:
Gerne.
Moderator:
So, jetzt kommt so ein länglicher Stift auf meinen Kopf. Was ist das genau für ’n Teil?
Romina Grieger-Bramkamp:
Das ist ein Trichoskop, mit dem man eine Kopfhautanalyse wunderbar machen kann. Mhm. Dieses Trichoskop hat zwei verschiedene Lichtverhältnisse, einmal ultraviolettes Licht und einmal ein polarisierendes Licht. Schau mal, und da sehen wir bei dir schon den Grund, warum du kratzt und warum der Juckreiz kommt. Weil mit dem UV-Licht kann ich ganz genau sehen, wo sich Bakterien bei dir ansammeln.
Moderator:
Man sieht so ein paar rote Punkte tatsächlich.
Romina Grieger-Bramkamp:
Die roten Punkte, das sind wirklich kumulierte Bakterien, die sich da in der Öffnung quasi ansiedeln.
Moderator:
Da, wo das Haar rauskommt.
Romina Grieger-Bramkamp:
Genau, da, wo das Haar rauskommt. Das führt dann oft zu Juckreiz und Mikroentzündungen an der Haarwurzel.
Moderator:
Das ist ekelhaft. Was mache ich jetzt?
Romina Grieger-Bramkamp:
Säubern. Richtiges Kopfhautshampoo.
Moderator:
Aber ich wasche mir jeden Tag meine Haare. Mit was denn? Mit ganz normalen, herkömmlichen Shampoos.
Romina Grieger-Bramkamp:
Genau, das ist wahrscheinlich das Problem. Weil so wie wir eine typgerechte Gesichtspflege brauchen, brauchen wir auch eine typgerechte Kopfhautpflege. Das heißt, für eine fettende Kopfhaut ist das meistens etwas antiseptischer und das empfehle ich sehr oft auch Männern, vor allem einfach wegen der hormonellen Lage, weil da die Kopfhaut schneller nachfettet.
Moderator:
Also ich muss nach einem antiseptischen Shampoo schauen.
Romina Grieger-Bramkamp:
Ja, etwas, was kopfhautberuhigend ist und bakterienreduzierend ist. Je besser wir die Kopfhaut reinigen, desto weniger Probleme haben wir. Und dann könntest du immer noch eine Lotion oder ein Serum verwenden, zum Beispiel hier von Benevaganic. Da haben wir ein super Serum für die Kopfhaut, was nicht nur Haarwuchs fördert, sondern auch das Hautmikrobiom in Balance bringt.
Moderator:
Wenn ich jetzt in den Drogeriemarkt gehe, in den normalen Laden und da nach Shampoos gucke, dann steht da für Männer „drei in eins, fertig“. Also da steht aber nicht irgendwie „antiseptisch“ oder sowas drauf. Aber das brauche ich ja nun.
Romina Grieger-Bramkamp:
Nein. Ich würde für dich jetzt einfach empfehlen: ein Shampoo für eine fettende Kopfhaut. Das steht da meistens dann auch. Ja, ein Shampoo für fettende Kopfhaut. Oder hier, du bist ja auf der Top Hair, da gibt es ja genug Ansprechpartner für das Thema. Ansonsten kann ich dir sehr das Serum empfehlen.
Moderator:
Vielen Dank. Ich gehe mit anderen Augen, mit Kopf durch die Welt.
Romina Grieger-Bramkamp:
Sehr gut, sehr gut.
Moderator:
Danke dir. Ja, sehr interessant. Sariana, hallo.
Sariana Schmeling:
Hallo.
Moderator:
Du bist Friseurmeisterin. Das trifft sich ganz gut, denn du als Profi hast wahrscheinlich schon von Weitem erkannt, dass an meiner Matte schon länger kein Friseur oder eine Friseurin dran war, ne. Da nutze ich doch jetzt direkt mal meine Gelegenheit. Was würdest du mir empfehlen, frisurtechnisch? Was ist bei meinen Haaren überhaupt möglich?
Sariana Schmeling:
Also, hallo Ralf. Zuerst mal muss ich sagen, du hast richtig tolle Haare, dick und griffig. Also da kannst du erst mal sehr ...
Moderator:
Sehr schön, dass du das auf meine Haare beziehst.
Sariana Schmeling:
Ja, die Haare, die alle machen es so dick und griffig, also ganz toll. Und mit den längeren Haaren liegst du auch tatsächlich richtig im Trend. Wir Friseure und auch die Kunden haben sich so ein bisschen sattgesehen an den ganz, ganz kurz rasierten Schnitten. Und im Moment ist tatsächlich so ’ne moderne Form des Vokuhila angesagt, der sogenannte ...
Moderator:
Auch die Dauerwelle kommt zurück.
Sariana Schmeling:
Die kommt auch wieder, ja. Machen wir auch schon ganz viel im Herrenbereich. Also das ist der sogenannte Mullet. Und den könnten wir bei dir richtig cool umsetzen. Dafür müsste der Nacken noch ein bisschen länger wachsen. Der Rest der Haare würde ein bisschen mehr Struktur bekommen, mehr Textur. Und da könnten wir richtig was gut dran umsetzen, auf jeden Fall.
Moderator:
Da sind ja auch ein paar Wirbel. Ich zeig dir mal meine hier, ne.
Sariana Schmeling:
Aber das ist kein Problem. Die können wir sogar ganz gut für den Schnitt brauchen. Muss mal ein bisschen mehr Textur reinkommen.
Moderator:
Man arbeitet immer mit dem, was der Kopf so hergibt natürlich. Und da ist dann auch so die Musterschablone, die man jetzt hat für eine Frisur, am Ende gar nicht so möglich, nicht?
Sariana Schmeling:
Nein. Da muss man individuell gestalten.
Moderator:
Also eine Dauerwelle glaube ich nicht bei mir. Und bei Vokuhila, da drehen sich bei mir ja meine gar nicht so vorhandenen Nackenhaare, wie du festgestellt hast, dann doch hoch. Da denke ich ja so an, keine Ahnung, 80er Jahre, Lude, Reeperbahn.
Sariana Schmeling:
Ja, das kann sein. Aber jetzt mittlerweile, wenn du dich mal gleich hier umschaust auf der Messe und auch vor allen Dingen hier gerade im Herrenbereich, wirst du ganz viel diesen Haarschnitt entdecken, teilweise auch mit kurzen Konturen. Aber das ist sehr, sehr stark im Trend. Also gerade auch so diese längeren Haargeschichten bei den Männern, da kommt alles wieder.
Moderator:
Na, ich bin auf jeden Fall mal gespannt. So, du bist nicht nur Friseurmeisterin, sondern seit sieben Jahren auch Dozentin im Studio 78. Das ist ein Lehrsalon der BGW. Friseur-Azubis können dort an verschiedenen Seminaren teilnehmen und unter Realbedingungen üben. Wie ist das immer so, wenn man da jetzt quasi in so einem Projekt ist und in so einem Arbeitskreis Haare schnibbelt?
Sariana Schmeling:
Ja, also wir schnibbeln ja nicht nur Haare, sondern es geht ja primär darum, dass wir die Themen der BGW halt eben vermitteln den Azubis. Und wir Friseure sind natürlich immer sehr praxisorientiert.
Moderator:
Ja, hier wird immer gefeiert, ich hab das schon mitbekommen. Top Hair ist eine Party.
Sariana Schmeling:
Absolut, wir Friseure können auch Party. Ja, und du musst dir vorstellen, wir versuchen immer, das so möglichst schmackhaft zu verkaufen. Weil wenn wir das immer paaren mit einer Praxisaufgabe, zum Beispiel Haarschnitt, Hochstecken, Färben, dann können wir die Azubis natürlich da sehr gut ins Boot holen und das interessant gestalten und aufbereiten.
Moderator:
Wie sehr hat sich deine Arbeit in den letzten Jahren verändert? Stichwort Corona-Pandemie, da waren auch längere Zeit mal die ganzen Läden geschlossen. Es gibt auch im Friseurbereich einige Pleiten, auch weniger Kundinnen und Kunden. Gerade durch die Pandemie haben einige auch selbst das Schnibbeln gelernt. Da konnte man ja nicht zum Friseur, zur Friseurin, da musste man selbst Hand anlegen. Ja, und dann ist die Welt auch viel teurer geworden, Energiekrise, Kriege. Alles wird teurer, auch der Friseurbesuch. Und da gehen eben welche nicht mehr so zwölfmal im Jahr zum Friseur, sondern vielleicht nur noch viermal.
Sariana Schmeling:
Ja, also ich muss dir sagen, während der Corona-Zeit, gerade weil die Kunden eben nicht mehr kommen durften, ist vielen erst mal bewusst geworden, wie wichtig der Friseur für jeden Einzelnen überhaupt ist. Also ich denke, der Verzicht auf das gepflegte äußere Erscheinungsbild, weil die Haare nicht mehr geschnitten und gefärbt werden konnten, und aber auch der Verzicht auf die Gespräche, gerade für die ältere Kundschaft, die sonst niemanden haben, hat viele eben hart getroffen.
Und nach der Corona-Zeit haben wir dann einen regelrechten Run auf die Friseursalons erlebt, muss ich ganz klar sagen. Auch die notwendigen Preiserhöhungen, die dann gemacht werden mussten, waren erst mal für die Kundschaft kein Problem. Also die haben sich wirklich gefreut, dass sie wieder kommen durften.
Bezogen auf das BGW Studio 78 kann ich sagen, wir hatten die Möglichkeit, ein bestehendes Präsenzseminar in ein Onlineformat umzukonzipieren, sodass wir da auch einigen Berufsschulklassen ein Angebot machen konnten. Mittlerweile muss ich sagen, was ich schade finde, ist, dass viele Kunden auch wieder krank in den Friseursalon kommen. Das war ja kurz nach der Pandemie und drumherum völlig verpönt, aber das ist so ’n bisschen aus den Köpfen wieder.
Moderator:
Man fällt in alte Muster, ja. Auch im Zug wird wieder nur gehustet und geniest und man schleppt sich krank zur Arbeit. Schade, wir hatten das doch nun eigentlich alle gelernt, ja. Aber ich sehe halt auch in allen möglichen Läden mitunter noch Desinfektionsständer, wenn sie nicht schon wieder abgeräumt sind. Aber wenn sie da stehen, sind sie zu 95 Prozent leer. Auch das ist leider so ’n Manko, was mich nervt.
Sariana Schmeling:
Auf jeden Fall, ja. Und im Moment haben wir leider ’n ganz anderes Thema, weil seit einiger Zeit hat sich ein Kopfhautpilz vermehrt ausgebreitet durch leider fehlende oder mangelnde Desinfektion und Reinigung der Werkzeuge und Arbeitsgeräte. Und da sind schon einige Friseursalons jetzt wieder sehr stark im Thema und alarmiert und geben das auch den Mitarbeitern und den Azubis weiter, dass wir darauf noch mal verstärkt achten.
Moderator:
Da bekomme ich ja als Hypochonder gleich wieder Panik. Also wenn ich jetzt zur Friseurin, zum Friseursalon gehe, dann handle ich mir eventuell einen Pilz ein, weil der auf den Scheren klebt.
Sariana Schmeling:
Ja, man muss natürlich vorsichtig sein. Als Kunde würde ich mir auch immer angucken: Wie sehen denn die hygienischen Standards aus?
Moderator:
Also nicht die rostige Schere zulassen.
Sariana Schmeling:
Ganz genau.
Moderator:
Ja, aber ich kann die einfach mal absprühen. Dann kann ich sagen: Danke, dass du mit der Schere jetzt schneiden willst, aber Achtung, ich sprühe noch mal kurz da was drauf.
Sariana Schmeling:
Zum Beispiel, ja, genau.
Moderator:
Ja, interessant zu wissen. Okay, aber ich vertraue da mal in den Friseursalon sehr, da bin ich ja immer sehr gerne.
Sariana Schmeling:
Wir wollen jetzt keine Panik verbreiten, aber es ist halt einfach gerade ein Thema, was die Friseure sehr beschäftigt und worauf wir auch achten müssen, auch als BGW verstärkt. Die Bezirksregierung hat sich da auch schon verstärkt eingeschaltet und ich denke, das werden wir gut in den Griff bekommen.
Moderator:
Friseure und Friseurinnen sind oft auch Seelenklempner, weil die Menschen gerne beim Haareschneiden von ihren Sorgen erzählen. Du hast doch eben erzählt, die alten Leute, die nicht mehr diesen Austausch hatten damals auch in der Pandemie, war schlimm für viele. Nicht mit Sorgen überstülpt werden. Was macht das aber mit denen, die in diesem Beruf arbeiten? Gerade jetzt Kriege, Inflation, es ist ja nicht einfacher geworden.
Sariana Schmeling:
Ja, richtig. Also ich denke, was man zunächst erst mal sagen muss: Friseure sind generell sehr kontaktfreudige und empathische Menschen, weil das Berufsbild bringt das ja schon mit und setzt das voraus. Wir sind den ganzen Tag von Menschen umgeben, müssen den ganzen Tag mit Menschen kommunizieren.
Und ich muss aber auch ehrlich sagen, bei mir persönlich ist es so, dass es mir früher auch leichter gefallen ist, diesen ganzen seelischen Ballast nach Feierabend auch dann wirklich nicht mit nach Hause zu nehmen. Weil du hörst natürlich von den Kunden auch sehr viel, ne, was du auch schon gesagt hast. Du hörst von den ganzen Schicksalsschlägen oder die haben den Arbeitsplatz verloren oder die haben einen Angehörigen verloren. Das nimmt man schon manchmal mit nach Hause.
Ich muss aber sagen, ich sehe dann auch das Positive, weil ich genieße nach wie vor den Austausch mit den unterschiedlichen Menschen total, weil wir haben ja Kundschaft von jung bis alt, aus allen politischen Lagern, aus jeder gesellschaftlichen Schicht. Und das ist superinteressant. Man kann da sehr viel von der Lebenserfahrung auch mitnehmen und davon profitieren. Und man merkt dann auf der anderen Seite auch, dass die Gespräche den Kunden und den Kundinnen total helfen. Und dadurch ist das auch sehr bereichernd und erfüllend auf der anderen Seite.
Aber du hast natürlich auch so Geschichten, die dich dann schon bewegen. Ich habe eine Stammkundin, da kommt auch nach wie vor die ganze Familie zu mir, und die ist leider sehr schwer erkrankt. Und die konnte auch nicht mehr das Haus verlassen. Dann bin ich zu ihr nach Hause gefahren, um sie dort zu bedienen, und die ist dann leider auch irgendwann verstorben. Also den ganzen Weg geht man dann mit.
Moderator:
Was machst du, damit dich das insgesamt nicht runterzieht, weil die Belastung ja schon höher geworden ist?
Sariana Schmeling:
Ich denke, dass wie in allen Berufen, die eng am Menschen oder mit Menschen zu tun haben, die Mitarbeiter einfach lernen müssen, sich da auch von abzugrenzen, nicht jede Sorge oder jedes Problem zum eigenen zu machen. Und natürlich fällt das je nach Thema oder Tagesform, wie man auch selber drauf ist, mal mehr und mal weniger schwer. Aber ich denke, dass es da gute Techniken und Tools gibt, um halt eben die eigene Resilienz auch zu stärken. Und das ist auch ein Thema, was wir in letzter Zeit auch vermehrt für die Azubis im Studio 78 mit aufgreifen, damit denen bewusst gemacht wird, wie wichtig das ist, auch wirklich mal richtig abzuschalten.
Weil du weißt es selber, du wirst es auch kennen, ich kenne es von mir auch: Wir sind heute natürlich ganz viel alle am Handy unterwegs und legen das kaum noch aus der Hand. Und das ist natürlich auch ’n großes Problem, weil wir eben ständigen Reizen ausgesetzt sind und immer dieser Reizüberflutung. Und da würde ich auch jedem, der im Job ist, mal wirklich den Tipp geben, das Handy mal wegzulegen. Und wenn es nur fünf Minuten sind. Heute haben wir auch wunderschönes Wetter, einfach mal in die Sonne setzen, mit einem Kaffee, das genießen.
Moderator:
Wenn jetzt Friseurinnen und Friseure gerade die Haare schneiden, können sie ja zumindest da nicht am ...
Sariana Schmeling:
Das hoffe ich zumindest.
Moderator:
Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell meine Friseurin mir ’ne WhatsApp beantwortet. Ja, ja, okay.
Sariana Schmeling:
Ja, ist auch natürlich ’n Thema.
Moderator:
Aber das war auch so was. Es ist natürlich praktisch, dass du mal eben über WhatsApp auch deinen Friseurtermin klarmachen kannst. Auf der anderen Seite, dann motiviert das natürlich viel mehr, mit dem Handy rumzumachen, als wenn man halt einfach mal im Laden selbst den nächsten Termin macht oder auf ’ner Online-Seite.
Sariana Schmeling:
Absolut. Dadurch hast du auf der anderen Seite aber auch weniger Anrufe im Salon. Dadurch hat man schon wieder ’n bisschen die Geräuschkulisse minimiert. Also man muss auch immer die positive Seite ...
Moderator:
Weniger hin und her rennen. Stichwort Belastung, Füße, Beine und so weiter, ja. Jetzt haben wir von dir so ’n bisschen was gehört zum eigenen Seelenleben, wie das so ein bisschen besser gestaltet werden kann. Was würdest du jetzt sagen, ist zurzeit am anstrengendsten im Beruf: körperliche Arbeit oder die mentale?
Sariana Schmeling:
Hier kommen wir zu einem meiner Lieblingsthemen, weil viele gar nicht wissen, wie anspruchsvoll der Friseurberuf überhaupt ist, was man da alles mitbringen muss. Also nicht nur die Kreativität, chemische Kenntnisse, Gestaltungslehre, handwerkliche Fertigkeiten. Es ist ja auch so, dass wir wirklich den ganzen Tag kommunizieren, also es gibt wirklich kaum Ruhepausen.
Ich habe zum Beispiel auch einen direkten Vergleich, weil ich nicht nur Friseurmeisterin bin, sondern ich habe auch noch, wenn du so willst, einen Bürojob bei der Kreishandwerkerschaft. Und jeder Job bringt seine eigenen Herausforderungen mit und seine eigenen Ansprüche. Es ist halt wichtig, dass man sich da auf die Themen zum Beispiel Ergonomie, bewegte Pausengestaltung fokussiert und dass man da eben lernt: Wie kann ich damit umgehen? Was kann ich halt eben tun, zum Beispiel im Friseurberuf, einen Wechsel aus Stehen, Sitzen, Laufen mal einzubauen? Da hast du schon ganz viele Möglichkeiten, Schmerzen und Belastungen und Verspannungen entgegenzuwirken.
Ja, und um auf deine Frage noch mal zurückzukommen, ob das körperlich anstrengender ist oder mental, das kann man so gar nicht sagen, ist wirklich tagesformabhängig. Weil du hast halt Tage dabei, wo du wirklich viel stehen musst, weil du zum Beispiel viele Strähnenkundinnen hast.
Moderator:
Strähnenkundinnen, sieht man ja im Kalender dann schon, ne, was heute dran ist. Strähnen.
Sariana Schmeling:
Ja, ganz genau.
Moderator:
Und da musst du dann halt gucken, dass du dir vielleicht doch mal die ein oder andere Sitzpause einbaust.
Sariana Schmeling:
Manche Tage sind mental anstrengender, wenn du wirklich von vielen Sorgen und Nöten hörst, von der Kundschaft. Und ich denke mir, wenn du jetzt gleich mal so ’ne Umfrage starten würdest, dann würdest du auch von jedem Friseur noch mal ’ne individuelle Antwort bekommen. Aber was kann man natürlich machen, um sein Seelenleben gesund zu erhalten und seinen Körper? Ich denke mir, da gibt es ja dieses berühmte Zitat: Nur in einem gesunden Körper kann auch ein gesunder Geist leben. Und das ist ganz, ganz wichtig. Also wenn wir an Bewegung denken, Sport, ausgewogene Ernährung, auch mal mit Freunden treffen, unbeschwerte Zeit genießen, gerade in diesen Zeiten, wo man wirklich, wenn man die Nachrichten anmacht, nur schlechte Infos hört.
Moderator:
Hier lassen alle die Sau raus, auf jeden Fall, das hab ich schon gesehen.
Sariana Schmeling:
Genau, einfach mal ’ne coole Zeit haben.
Moderator:
Wie sensibilisierst du Auszubildende für das Thema gesundes Arbeiten?
Sariana Schmeling:
Mhm, also was oft tatsächlich am besten funktioniert ist, wenn du den Azubis diesen sogenannten Aha-Effekt verschaffst, ne. Also in den Seminaren ...
Moderator:
Jetzt hast du dir den Finger abgeschnitten, jetzt merkst du, ist dumm, ne.
Sariana Schmeling:
Schließ die besser auf, genau. Nein, aber tatsächlich, wir machen das in den Seminaren so, dass wir entweder eine bewusst falsche Szene simulieren oder präsentieren. Zum Beispiel setze ich mich dann in einer völlig unbequemen, unergonomischen Haltung auf den Friseurhocker. Und die Azubis, die schreien natürlich direkt auf, die sagen: Oh mein Gott, ne, wie sitzt du denn da? Und die dürfen mich dann korrigieren, die dürfen alles nennen, was wirklich falsch läuft.
Wir haben auch in einem Hochsteckseminar, dass wir da eine völlige Stresssituation mit einer extremen Geräuschkulisse simulieren. Das lassen wir dann so für fünf Minuten laufen und im Anschluss sammeln wir diese ganzen Stressoren und wie man das eben optimieren kann, ne. Es ist immer wichtig im Lernprozess: Wie bleibt das Ganze am besten hängen? Die Azubis müssen so aktiv wie möglich da beteiligt werden. Also was wir auch sehr gerne machen, ist mit einem Brainstorming zu arbeiten, mit Metaplanwänden, wo wir dann eben zum Beispiel ’ne Tätigkeit in Einzelschritte zerlegen und dann die ganzen Gefahren sammeln lassen in der Gruppenarbeit und dann aber auch eben die Maßnahmen dagegen. Und je aktiver die Azubis da sich einbringen können, desto besser bleibt unsere Message am Ende des Tages eben auch hängen. Dass wir ganz gezielt in einer praktischen Arbeitssituation die mit ins Boot holen.
Und was wir jetzt auch in den neueren Seminaren ganz, ganz stark beachtet haben, ist, dass wir keine reinen Theorieanteile mehr haben, weil die neue Generation, die schläft ein bei Frontalvorträgen.
Moderator:
Und zwar nach einer Minute.
Sariana Schmeling:
Ganz genau, weil so lange geht kein TikTok-Video. Und deswegen haben wir darauf geachtet, dass die Seminarteile immer, also Praxis und Theorie, fließend ineinanderlaufen und wir dann eben in einer konkreten Arbeitssituation die Gefahr und die Maßnahme direkt eruieren.
Moderator:
Gibt es typische Fehler, die gerade junge Beschäftigte machen, vielleicht am Anfang ihrer Arbeit?
Sariana Schmeling:
Absolut, ist auch ein Thema, worüber ich gerade schon geredet habe. Also die Gen Z, Generation Z, ist natürlich komplett im digitalen Zeitalter groß geworden und kann sich ein Leben ohne Smartphone überhaupt nicht mehr vorstellen. Ich denke, wie gesagt, dass das ein Riesenproblem werden wird, weil unser Gehirn einfach für diese permanente Reizüberflutung nicht gemacht ist. Dadurch können wir einfach nicht mehr runterfahren und es ist auch wichtig, die junge Generation dafür zu sensibilisieren. Und denen auch zu sagen: Handy-Detox oder zwischendurch, was ich vorhin schon gesagt habe, nur mal an der frischen Luft oder nur mal fünf Minuten ganz kurz bei sich sein.
Im Seminar zeigen wir denen eine coole Atemtechnik. Hast du vielleicht auch schon mal gehört, die 4-7-8-Methode. Vier Sekunden einatmen.
Moderator:
Ich atme immer so ein und aus, also so ein-zwei-mäßig wahrscheinlich.
Sariana Schmeling:
Und das geht uns allen ja so, weil wir atmen zum Beispiel in diesen Stresssituationen viel zu flach, ja. Und diese 4-7-8-Methode, also vier Sekunden einatmen ...
Moderator:
Mach doch mal vor eben.
Sariana Schmeling:
Ja, mach mal zusammen. Bitte atme mal ein auf vier. Sieben Sekunden halten.
Moderator:
Okay.
Sariana Schmeling:
Und dann acht Sekunden ausatmen. Genau, acht Sekunden ist lange, lange, lange, lange, lange, lange. Genau. Und jetzt müsstest du eigentlich schon merken, dass ...
Moderator:
Ja, du beschäftigst dich mehr einfach auch genau mit deinem Atem und kommst wieder runter.
Sariana Schmeling:
Ja, genau. ’N Riesenproblem ist halt auch, dass wir leider immer noch von den Azubis hören, dass die Betriebe nicht die geeigneten Arbeitsmittel zur Verfügung stellen, beispielsweise die von der BGW empfohlenen Handschuhe und Hautschutzcremes, um halt eben die Hautgesundheit der Friseure auf Dauer zu gewährleisten. Und da machen wir die Azubis natürlich darauf aufmerksam, dass sie auch ganz klar für ihre Rechte einstehen können. Und wir als BGW stehen da auch unterstützend zur Seite, auch mit unserem Schulungs- und Beratungszentrum.
Aber ich kann dir auf jeden Fall sagen, was ich total positiv finde an der neuen Generation ist: Gerade durch KI und Social Media, die sind wirklich top informiert, die haben Bock und die haben natürlich dadurch, dass wir Fachkräftemangel haben, eine sehr, sehr rosige Zukunft vor sich. Das finde ich sehr positiv.
Moderator:
Good News am Ende unseres Gesprächs. Und ja, wir gehen mal hier weiterhin zur Bühne, weil jetzt wird hier Heavy Metal aufgelegt als Nächstes. Lange Haare sind in, dann kann man wieder gut Headbanging machen auf jeden Fall, ja. Genau. Also wir gehen mal hierhin, wo der Schall immer lauter wird. Sariana, vielen Dank für deine Tipps und vor allem auch für deine fachliche Einschätzung zu meiner Friese, ja. Ich bin gespannt, was da heute bei der Top Hair noch bei rauskommen wird. In die Umsetzung gehe ich nachher noch mal, ne.
So. Und wenn ich gleich noch einen freien Stuhl finde, dann werde ich die Gelegenheit beim Schopfe packen.
Sariana Schmeling:
Ja, mach das.
Moderator:
Und dann wünsche ich dir weiterhin ganz viel Freude mit den ganzen Auszubildenden.
Sariana Schmeling:
Dankeschön. Ich wünsche dir auch noch viel Freude. Viel Spaß.
Moderator:
Jetzt ist es so weit, jetzt werde ich umgestylt. Ich verliere gleich, glaube ich, ein paar Haare, aber ich weiß es ja nicht. Ich lass mich da ganz doll überraschen. Ich bin bei Olivia Garden und bei mir ist Chiara. Ich grüße dich.
Chiara:
Hi.
Moderator:
Hallo Chiara. So, du bist jetzt diejenige, die mir ’ne andere Frise gleich verschaffen wird.
Chiara:
Genau.
Moderator:
Bist du genauso aufgeregt wie ich?
Chiara:
Nee. Ich bin nicht aufgeregt. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir das wieder frisch machen.
Moderator:
Frisch, sehe ich so was von nicht frisch aus, oder wie?
Chiara:
Nein, aber ich glaube, du warst ja nicht beim Friseur.
Moderator:
Ich glaube, so sechs, sieben Wochen waren das, oder? Mehr? Ja, genau. Was kannst du zu meinem Haar sagen? Was ist das für Haar?
Chiara:
Also, ich finde, du hast sehr viel Haar. Du bist auf jeden Fall gesegnet, was Haare angeht. Schon fein, aber du hast viel und dichtes Haar. Also man kann auf jeden Fall viel machen mit dem, was du auf dem Kopf hast.
Moderator:
Das ist schon mal gut. Dafür habe ich sehr wenig gemacht die letzten Jahrzehnte.
Chiara:
Auch gut.
Moderator:
Ich bin gespannt. Sollte man die Haare auch regelmäßig mal so einer, ja, Komplettrasur unterziehen oder mal was ganz anderes machen, dass da mal Bewegung auf den Kopf kommt?
Chiara:
Also ich finde, wenn man sowas macht, dann eher fürs Wohlbefinden, einfach mal um frischen Wind für sich selber reinzubringen. Aber jetzt, was die Haare angeht, muss man das nicht. Natürlich regelmäßig schneiden. Gerade wenn man viel Produkt benutzt oder viel stylt mit Hitze, Wärme, was auch immer, sollte man schon regelmäßig schneiden. Aber so ’ne Komplettrasur, weiß ich nicht, einmal im Jahr, das muss man nicht machen.
Moderator:
Jetzt gibt es ja ganz verschiedene Trends, ganz verrückte auch. Ich hab gehört, Lachssperma ist jetzt für die Haare der letzte Schrei.
Chiara:
Um Gottes willen.
Moderator:
Was ist das genau? Und was kennst du noch so für, ja ich sag mal, abgefahrene Trends?
Chiara:
Also ich muss sagen, ich kenne gar nicht so viel abgefahrene Trends, würd ich sagen. Auf jeden Fall auch nichts, was mit Sperma zu tun hat, weil ich hör mir ehrlich gesagt den Quatsch gar nicht an. Also wenn ich so was schon lese, irgendwas mit Tiergedöns oder solchen Sachen, Fäkalien, was auch immer, dann denk ich mir immer, hör ich gar nicht hin.
Moderator:
Was gibt’s denn da alles mit Fäkalien?
Chiara:
Urin, gibt es auch irgendwelche Trends mit. Aber wie gesagt, ich ...
Moderator:
Da kann dann auch kein Friseur oder ’ne Friseurin ... Oder da bin ich raus.
Chiara:
Also das ist mehr so, was so auf Social Media gesagt wird, von zum Beispiel Heilpraktikern oder so was. Aber nein, von Kosmetikern, von Menschen, die mit Beauty und Pflege zu tun haben, kommt so was definitiv nicht.
Moderator:
Gut, also da bin ich schon mal ganz beruhigt, dass nichts vom Fisch gleich in meinem Haar ist und dass Urin da bleibt, wo es hingehört, auf jeden Fall. Ja, perfekt. Also jetzt hast du ja so ein bisschen meinen Kopf und meine Haare gescannt. Hast du schon was im Kopf, was daraus jetzt werden soll?
Chiara:
Ja, also ich hab schon direkt ein Bild im Kopf gehabt. Ich hab mir deinen Style angeguckt, deine Kopfform, Gesichtszüge und auch deine Haare. Und ich finde, dass das alles einfach aus der Form gewachsen ist. Wenn du sagst, sechs bis acht Wochen ist dein letzter Haarschnitt her, dann kommt das auf jeden Fall hin, dass ich die mindestens abnehme. Aber ich möchte eigentlich noch mehr wegnehmen. Und da du gesagt hast, ich darf, werde ich das auch machen.
Moderator:
Ich habe schon befürchtet, dass da jetzt viel mehr runterfällt. Warum haben immer Friseurinnen und Friseure so viel Lust, so viel nach unten zu toben?
Chiara:
Also wir haben immer sehr viel Lust, es anzupassen, den Menschen. Nicht nur den Haaren oder dem Kopf, sondern auch das Gesamtbild. Und ich finde, dass das gerade nicht mehr so stimmt. Also ich würde es einfach jetzt auch der Jahreszeit tatsächlich anpassen. Es wird wieder wärmer draußen. Ich würde dir einfach gerne einen frischeren Look verpassen, dass wir deine Seiten kürzer machen. Nicht so, dass man jetzt die Haut durchsieht, aber dass es erstens zu dir passt und zweitens zu der Jahreszeit wieder ein bisschen frischer.
Moderator:
Dann mach mich mal frisch, finde ich gut. Los geht’s.
Chiara:
Los geht’s. Ich fang jetzt erst mal mit dem 13er-Aufsatz an, um erst mal die längste Länge, die ich erreichen möchte, zu erreichen.
Moderator:
Der Rasierer wird angepasst, ah ja. Aber du legst schon ganz schön los. Was da gerade runterfällt, das ist nicht wenig, Chiara.
Chiara:
Zum Glück ist hier kein Spiegel.
Moderator:
Stimmt. Ich sehe hier nichts, hier auf der Messe. Du hast auch keinen. Also du haust da richtig runter.
Chiara:
Genau.
Moderator:
Aber Haare bleiben schon noch drauf.
Chiara:
Es bleiben noch Haare drauf. Keine Sorge. So, ich wechsle einmal den Aufsatz auf sechs Millimeter. Damit mach ich nur deinen Nacken sauber, damit wir einen schönen Übergang im Nacken erreichen und ich dir das nicht abstecken muss. Also ich möchte nicht, dass wir eine gerade Linie im Nacken haben, sondern dass es ein schöner Übergang ist, damit es auch natürlicher ist und du auch länger was davon hast. Ich muss zwischendurch immer ein bisschen die Aufsätze wechseln, um auch den Übergang zwischen den sechs Millimetern und den 13 Millimetern zu erreichen.
Moderator:
Meine Ohren sind frei, das spüre ich.
Chiara:
Sehr gut, ist schon luftiger, schon sommertauglich.
Moderator:
Über meine Ohren liegt sonst immer sehr viel Haar drüber, das fand ich eigentlich immer ganz cool.
Chiara:
Ja, jetzt bekommst du auch mal die Geräuschkulisse von der Messe.
Moderator:
Endlich höre ich mal was hier.
Chiara:
So, ich habe jetzt den Übergang zwischen den sechs Millimetern und den 13 Millimetern erreicht. Ich gehe jetzt noch eben mit drei Millimeter bis null in den Nacken, wie gesagt, um einen natürlichen Übergang zu schaffen.
Moderator:
Das ist schon viel zu viel Mathematik für mich, Chiara. Ich höre nur Zahlen gerade, aber ich vertraue dir ganz.
Chiara:
Hauptsache, es passt am Ende.
Moderator:
Genau.
Chiara:
So, ich mache dir noch eben die Kontur sauber.
Moderator:
Ja, ich merke schon, du magst am liebsten mit einem Rasierer arbeiten. Eine Schere hast du noch nie in der Hand gehabt gerade bei mir.
Chiara:
Nee, hatte ich generell noch nie.
Moderator:
Verdammt, wen habt ihr mir hier hingestellt.
Chiara:
Konturen sind auch frisch, wie du schon gesagt hast. Ohren sind wieder frei, die Seiten sind kürzer, du siehst wieder sommerfrischer aus. Und jetzt pass ich dir eigentlich nur noch das Deckhaar an. Ich lass das auch so, wie das vorher war, dass du das schön nach links tragen kannst, dass du dir auch nicht zu viel Aufwand und Zeit morgens nehmen musst, sondern das ist ganz easy wie vorher, nur kürzer.
Moderator:
Das hast du schon ganz gut durchschaut. Das klingt so nach mir nach dem Aufstehen und Duschen.
Chiara:
Sehr gut.
Moderator:
Willst du weiter nach unten schnippeln? Dann haben wir einen Abstand. Jetzt hat sie eine Schere in die Hand genommen, aber ist nur ein Alibi, weil ich das wollte, oder?
Chiara:
Eigentlich wollte ich die auch oben abrasieren.
Moderator:
Ja, natürlich. Das haben wir verhindert.
Chiara:
Ich stuf dir das auch oben an, damit du eine schöne Struktur hast. Du hast sehr glatte und feine Haare und wenn ich die jetzt nicht anstufe, sondern einfach nur so lasse, dann fällt es einfach nur. Da ist keine Bewegung drin, keine Struktur. Du kannst die nicht wirklich hochstylen, weil die durch die Schwere dann einfach wieder zur Seite fallen würden. Deswegen stufe ich die noch so ’n bisschen an und dann hat das Ganze auch ’n beweglicheren Look.
Moderator:
Dann macht es endlich mal einen Sinn, ja.
Chiara:
So nämlich. So.
Moderator:
Ah ja. Jetzt wird es noch ein bisschen nasser werden hier. So, das ist jetzt auch nur Flüssigkeit und nichts mit Lachs da drin in der Flasche.
Chiara:
Um Gottes willen. Nur ein bisschen Wasser, dann kann ich die besser schneiden. Dann würde ich sagen, wir föhnen die. Im geföhnten Zustand schaue ich noch mal, ob ich irgendwo drübergehen muss, ob das alles so passt. Dann können wir die schon stylen.
Moderator:
Ja, cool. Dann mal los. Jetzt wird’s laut.
Chiara:
So, ich föhne die jetzt so, wie die vorher auch waren, einfach zur linken Seite, so wie du die immer trägst. Und ich hab die dir auch so geschnitten, dass du eigentlich gar nicht gucken musst, welche Haare gehören auf welche Seite, welche nach links, welche nach rechts.
Moderator:
Du hast mich schon so analysiert: Ach, ich muss das ganz easy machen bei dem Typen, ne, schon klar.
Chiara:
So einfach wie möglich. So, ich mach dir jetzt einfach nur noch ’n bisschen Haarspray rein. Das kannst du auch zu Hause machen und dir dann einfach, nachdem du es reingesprüht hast, schön aus bisschen weiterer Entfernung, einfach nur bisschen durch die Haare gehen und dann sitzt das schon.
Moderator:
Sehr schön. Also ich sehe hier rings um den Friseurstuhl sehr viele Haare und als ich mich hingesetzt habe, waren da keine Haare. Das sind also meine Haare.
Chiara:
Ja.
Moderator:
Wenn du magst, kannst du sie mitnehmen.
Chiara:
Oh, vielen Dank. Ich werde sie in Ehren halten.
Moderator:
So, jetzt muss ich aber mal einen Spiegel haben. Jetzt muss ich erst mal sehen. Wir sind fertig, oder?
Chiara:
Ja.
Moderator:
Es fühlt sich auf jeden Fall schon mal gut an. Ich merke an den Seiten, da ist kein Haar mehr. Ich bin gespannt. So, jetzt schauen wir mal in den Spiegel. Der entscheidet jetzt sehr darüber, wie unsere Beziehung endet.
Chiara:
Ja, ich bin gespannt.
Moderator:
Und ja, wunderbar.
Chiara:
Gefällt’s dir?
Moderator:
Ganz anders auch tatsächlich, ja.
Chiara:
Sehr gut.
Moderator:
Also die Seiten sind rappelkürz, oben ist auch was weg, aber es ist immer noch genug da, dass man drin rumwuscheln kann. Das finde ich wichtig. Ja. Sieht sehr schön aus, Chiara.
Chiara:
Gefällt’s dir?
Moderator:
Das ist die Hauptsache.
Chiara:
Sehr gut.
Moderator:
Finde ich sehr gut. Also frisch hast du gesagt und frisch gehe ich jetzt in diese Jahreszeit rein.
Chiara:
Super, freut mich.
Moderator:
Klasse. Vielen, vielen Dank.
Chiara:
Sehr, sehr gerne.
Moderator:
Die Top-Hair-Messe in Düsseldorf zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig das Friseurhandwerk ist. Kreativität, Technik und Trendbewusstsein treffen hier auf unternehmerische Verantwortung und auf Arbeitsschutz. Gesundes Arbeiten, das bedeutet: Arbeitsplätze sinnvoll gestalten, sich selbst schützen, Wissen weitergeben und offen über Belastungen sprechen. Die BGW unterstützt dabei gemeinsam mit Partnern und Partnerinnen wie dem Zentralverband des Friseurhandwerks.
Ich nehme von dieser Messe vor allem eins mit: eine neue Frisur. Ja, das hätte ich auch nicht gedacht. Und ich habe auch eine Erkenntnis: Gute Arbeit im Friseurhandwerk braucht nicht nur Talent und Kreativität, sondern auch Aufmerksamkeit für Gesundheit und Sicherheit. Das war es hier von der Top Hair in Düsseldorf. Abonniert gerne Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben und schaut auch vorbei auf www.bgw-online.de/podcast. Dort findet ihr weitere Folgen rund um Sicherheit und Gesundheit im Berufsleben. Ich bin Ralf Podszus, bis zum nächsten Mal.
So, und wo ist jetzt eigentlich mal hier die Gin-Tonic-Bar?
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Interviewgäste
Romina Grieger-Bramkamp
Kopfhaut- und Haarspezialistin, Friseurmeisterin
Sariana Schmeling
Friseurmeisterin, BGW Dozentin Studio 78
Chiara
Friseurmeisterin,
GFG Hair & Styling Friseur Düsseldorf
Für unseren BGW-Podcast "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben" nutzen wir den Podcast-Hosting-Dienst Podigee des Anbieters Podigee GmbH, Schlesische Straße 20, 10997 Berlin, Deutschland. Die Podcasts werden dabei von Podigee geladen oder über Podigee übertragen.
Wenn Sie unseren Podcast anhören, erfolgt eine Datenverarbeitung auf Grundlage unserer berechtigten Interessen, d.h. Interesse an einer sicheren und effizienten Bereitstellung, Analyse sowie Optimierung unseres Podcastangebotes gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO.
Podigee verarbeitet dann IP-Adressen und Geräteinformationen, um Podcast-Downloads/ Wiedergaben zu ermöglichen und statistische Daten, wie zum Beispiel Abrufzahlen zu ermitteln. Diese Daten werden vor der Speicherung in der Datenbank von Podigee anonymisiert oder pseudonymisiert, sofern Sie für die Bereitstellung der Podcasts nicht erforderlich sind.
Weitere Informationen und Widerspruchsmöglichkeiten finden sich in der Datenschutzerklärung von Podigee: podigee.com/de/about/privacy/.
Mehr als nur Waschen, Schneiden, Föhnen: Trends und gesundes Arbeiten im Friseurhandwerk #143 BGW-Podcast "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"
Was braucht es, um im Friseurberuf langfristig gesund zu bleiben und welche Trends bestimmen gerade die Branche?
In dieser Folge meldet sich Moderator Ralf Podszus direkt von der Top Hair in Düsseldorf, der führenden Fachmesse für die Friseurbranche in Europa. Vor Ort spricht er mit Expertinnen und Experten aus der Branche über aktuelle Haartrends, nachhaltige Colorationen, Pflege- und Stylingroutinen und vor allem über die gesundheitlichen Belastungen im Friseurhandwerk.
Im Fokus stehen die Themen Hautschutz, Ergonomie, Lärm, langes Stehen und der Umgang mit Chemikalien. Warum sind passende Handschuhe so wichtig? Wie lassen sich Nacken, Rücken und Hände im Salonalltag entlasten? Und wie unterstützt die BGW gerade kleinere Betriebe beim Arbeitsschutz?
Hier kommen Sie zum Transkript dieser Folge
Moderator:
Habt ihr letztes Jahr auch eine Reise von Hamburg nach Rom gemacht? Zu Fuß? Ja, der merkwürdige Podcast-Moderator, der meint das wirklich ernst: von Hamburg nach Rom nur mit den eigenen Beinen. Das ist eine Strecke. Und diese Strecke, die legen alle Mitarbeitenden im Friseurhandwerk zurück. Jedes Jahr während der Arbeit. Untersuchungen zeigen, dass Friseure und Friseurinnen zwischen Kassentresen, Kundenstuhl, Spiegel und Waschplatz ständig in Bewegung sind. Ja, und dann fehlt auch immer wieder mal ein Kamm oder ein Rasierer, und sie düsen wieder ans andere Ende der Scheren- und Schnibbelbude. Das sind dann am Tag vier bis sechs Kilometer, hochgerechnet aufs Jahr um die 1.500 Kilometer. Also die Strecke von Hamburg nach Rom.
Sitzen ist in dem Beruf auch nicht drin. Menschen, die am Haar arbeiten, die stehen überwiegend. Sechs bis acht Stunden stehende Tätigkeit sind hier völlig normal. So lange stehen sonst nur die Leute, die am Frankfurter Hauptbahnhof auf den nächsten verspäteten ICE warten. Langes Stehen gehört zu den zentralen körperlichen Belastungen im Beruf, und dadurch entstehen häufiger Bein-, Gelenk- und Rückenprobleme.
Was kann man also machen, damit Mitarbeitende im Friseurhandwerk gesünder arbeiten? Wie können sie sich besser schützen und worauf sollten sie achten? Da gibt es nämlich noch eine Reihe weiterer Körpergefahren in diesem Beruf. Und die Antworten liefert diese Podcast-Folge. Außerdem erfahrt ihr hier alles zu den aktuellen Trends in der Beauty-Szene. Gibt es Looks, die sich gerade aus Social Media in die reale Welt übertragen, und welche Farben oder Schnitttechniken werden die nächsten Monate dominieren? Kläre ich alles für euch. Ich bin Ralf Podszus und ich bin für Herzschlag bei der Top Hair in Düsseldorf. Das ist die führende Fachmesse für die Friseurbranche in Europa. Ja, und der zentrale Branchentreffpunkt für Friseure, Friseurinnen, Stylistinnen und Saloninhaber. Mein Ziel ist auch: Vielleicht bekomme ich hier endlich mal eine richtige Frisur. Ich hatte ja noch keine. Ich bin gespannt.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Strawberry Tunes, Soft Check, Modern Mullet. Nein, ich hab mir jetzt keinen Cold Brew mit Flavorshot geholt, auch keine Yuzu-Limonade mit abgedrehtem Geschmack. Das sind Frisuren-Trends. Ja, hier sehe ich ganz viel glänzende Haare, höre Föhngeräusche. Es liegt so ein bisschen Haarsprayduft in der Luft und überall sind Menschen mit Bürsten, Scheren und kreativen Ideen. Ja, schön bunt hier bei der Top Hair, Europas führender Fachmesse für die Friseurbranche. Hier treffen sich jedes Jahr Tausende Friseurinnen und Friseure, Auszubildende, Saloninhaber und Inhaberinnen, um sich über Trends, Techniken und alles, was es so gibt im Friseurhandwerk, auszutauschen. Ja, und auch über die Arbeitsbedingungen im Friseurhandwerk.
Jetzt möchte ich erst mal hören, was hier gerade so der heiße Scheiß auf unserer Rübe ist. Ich gehe mal zu so ein paar Ständen, die hier sind. Hier sehe ich einen Stand, da sind ganz viele verschiedene Scheren, das Hauptarbeitsmaterial, was alle Friseurinnen und Friseure haben. Hallo, grüß dich.
Michael Schlömer:
Ja, hallo, grüß dich. Wer bist du denn? Ich bin der Michael Schlömer von der Firma HAARO.
Moderator:
Hallo Michael, du bist der Scherenmann, ne.
Michael Schlömer:
Ja, sozusagen, ja.
Moderator:
Michael mit den Scherenhänden. Hier sind nämlich ganz viele Scheren bei deinem Stand. Ich sehe hier silberne, goldene, große, kleine, ganz viele mit Zacken. Ich bin ja entsetzt, ich wusste gar nicht, wie teuer Friseurscheren sind. Die kosten 195 Euro, eine Schere. Eine Schere. Ja, erklär mal, warum man sich eine Schere für 195 Euro holt.
Michael Schlömer:
Gut, ich sehe, du bist, glaube ich, von der Berufsgenossenschaft, nicht, oder? Ja, und dann erklärt sich das vielleicht auch schon ein bisschen selber. Das ist euer Handwerkszeug. Du bist selber kein aktiver Friseur, nicht? Aber für die, die eure Mitglieder sind, die müssen damit jeden Tag arbeiten. Und die machen so eine Schere, würde ich sagen, im Schnitt so 6.000, 7.000 Mal auf und zu. Vor allem im Schnitt, ja.
Und da ist es schon wichtig, etwas zu haben, was natürlich möglichst, sagen wir mal, kraftlos läuft. Irgendwie was, was ergonomisch ist, was die Armmuskulatur schont, mit der man verschiedene Handhaltungen machen kann. Ihr wisst, ihr steht, ich sag jetzt mal ihr, ja, jeden Tag hinterm Kunden, ja, und müsst so machen und so machen und so machen. Ja, und da ist es wichtig, ’ne Schere zu haben, die natürlich, sagen wir mal, fast kraftlos auf und zugeht. Ja, die dann auch ordentlich schneidet, die auch lange hält. Ja, so, und dafür muss man natürlich entsprechende Materialien verwenden.
Wir nehmen ja hauptsächlich Japanstahl für sowas. Ja, die haben einen sehr aufwendigen Schliff, solche Scheren. Also mit denen schneidet man auch nur Haare und jetzt nicht irgendwie Papier oder sonst irgendwas. Ja, und das hat dann halt eben seinen Preis. Nicht? Und also, das ist jetzt gerade mal hier die Abteilung. Es geht hinten sogar weiter. Wir haben sogar Scheren für 800, 900 Euro.
Moderator:
Ja, also warum ist dann so eine Preisspanne da? Also was macht jetzt die 800-, 900-Euro-Schere noch mal besser als die 195-Euro-Harmony-Matt-Gold zum Beispiel?
Michael Schlömer:
Man muss es immer so ein bisschen relativieren. Das ist natürlich, wenn die Preise richtig hochgehen, auch immer so ein bisschen Liebhaberei mit dabei. Es ist oftmals auch so ein bisschen das Design, was eine Rolle spielt. Die Marke, ich sag mal, das sind größtenteils japanische Scheren, sehr renommierte Marken, die natürlich dann auch ähnlich wie bei Schuhen oder bei Modeartikeln eben auch ihren Preis haben, ne. Aber hauptsächlich geht es drum: Je teurer das Material ist, was verwendet wird, desto schärfer wird die Schere, desto angenehmer kannst du damit arbeiten und desto länger hält die Schere auch. Ja, und das sind eben so ein paar Punkte, ne. Es gibt eben sehr, sehr, sehr viele verschiedene. Ich will jetzt gar nicht so sehr ins Detail.
Moderator:
Aber was macht zum Beispiel jetzt so eine goldene Schere besser als so eine schwarze? Gar nicht? Groß Gold, 40 Prozent?
Michael Schlömer:
Nein, die Gold-, die Farbe spielt eigentlich keine Rolle. Also die Farbe ist wirklich tatsächlich nur eine optische Sache. Es gibt so ein paar Kollegen, die leiden unter Nickelallergie, ja, und da ist natürlich eine Schere mit einer Beschichtung, ja, also eine Farbe drumherum, das sind oft Titanbeschichtungen, ist dann halt eben auch so ein bisschen allergiehemmend vielleicht.
Moderator:
Ja, interessant. Also man hat das den ganzen Tag in der Hand und dann soll das natürlich auch ein gutes Handwerkszeug sein.
Michael Schlömer:
Das ist wichtig, ne. Und ich sag mal, da kannst du jeden Handwerker fragen, ob es jetzt ein Schreiner ist oder ein Sanitärinstallateur oder sonst irgendwas, ne. Also sein Werkzeug, eine Schere ist nun mal halt, würde ich mal sagen, das wichtigste Werkzeug für einen Friseur.
Moderator:
Dann hat vielleicht auch bald der Handwerker einen güldenen Mörteltopf mit Harmony Matt Gold.
Michael Schlömer:
Das lasse ich jetzt mal so dahingestellt, nicht. Aber ihr wisst, dass die Friseurbranche natürlich die einzige Branche ist, die, sagen wir mal so, die Symbiose zwischen Handwerk und Künstlerdasein so ein bisschen hat, ne. Ich mein, es gibt kaum Schreiner, die auf einer Bühne stehen und dort Schränke zimmern vor 500 Leuten, ja. Aber bei den Friseuren gibt es so was. Und da ist natürlich, ich sag mal, so eine Schere eben auch optisch wichtig. Für einen Schreiner ist die Säge wahrscheinlich nicht so sehr wichtig. Für einen Friseur ist eine Schere eben auch so ein sehr intimes Handwerkszeug, ne?
Moderator:
Neben mir steht Jutta von Wella. Hallo, grüße dich.
Jutta Gsell:
Hallo, hi.
Moderator:
Dich kennt man auch auf Instagram. Da gibst du ganz viele Tipps und Tricks. Und was ist das Allerwichtigste, was du in diesem Jahr für die Friseurbranche als Tipp hast?
Jutta Gsell:
Als Tipp? Guckt euch die Menschen an. Es war noch nie im Leben so leicht, Geld zu verdienen.
Moderator:
Warum?
Jutta Gsell:
Weil ich glaube, dass Menschen wirklich Geld ausgeben für das, wenn sie wahrgenommen werden, wie sie wirklich sind.
Moderator:
Liegt das eben auch an Instagram oder an Reality-TV-Formaten und an ganz vielen Influencerinnen und Influencern, die sich halt permanent optimieren, zeigen und da natürlich auch ordentlich nachhelfen, eben auch zum Beispiel mit Styling?
Jutta Gsell:
Na ja, ich glaube, man kann sich ganz viele Ideen und ganz viele Tipps aus dem Internet holen, also Instagram, TikTok, prädestiniert dafür, und diese Dinge sollte man nutzen.
Moderator:
Was sind denn da so die Trends in diesem Jahr?
Jutta Gsell:
Die Trends? Es ist immer noch sehr nachhaltig. Die Trends, also wenn du Haarschnitte fragst, da ist es wirklich der Bixie, für mich so eine Kombination aus Bob und Pixie, der unglaublich variabel ist und schön zu stylen ist. Und der Rest ist immer eigentlich noch so ’n bisschen mitgenommen. Also es gibt so Maxitrends, das ist eben immer noch Balayage, aber eben auch diese kleinen Mikrotrends, und da ist es im Moment der Pixie.
Moderator:
Es geht zu pflanzenbasierten Tönungen. Was kannst du dazu sagen?
Jutta Gsell:
Megatoll. Ein Produkt, das wirklich zu 98 Prozent pflanzlich ist. Die Verpackung ist aus recyceltem Plastik, megatoll. Eine hundertprozentige Deckkraft bei Grautönen. Eine kürzere Einwirkzeit, als ich sie noch kenne. Unglaublich schön, weil Pflanzenfarbe ging immer über Orange-Kupfertöne. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Ich habe ein viel breiteres Spektrum, wo ich es anwenden kann.
Moderator:
Wie lang ist denn jetzt die Einwirkzeit?
Jutta Gsell:
20 Minuten.
Moderator:
Das heißt, man verkürzt mal um die Hälfte.
Jutta Gsell:
Ja, genau so ist es.
Moderator:
Das heißt, das ändert ja auch dann den Friseurkalender total, weil jetzt können mehr Kundinnen und Kunden dann drankommen an einem Tag.
Jutta Gsell:
Na ja, also ich glaube, man kann einfach für die Damen, die sehr nachhaltig sind, natürlich auch Herren, die einfach sagen: Hey, ich möchte keine Chemie auf dem Kopf haben, da habe ich eine superschöne Alternative, die nicht mehr Zeitaufwand hat als bisher Haarfarben hatten.
Moderator:
Ich habe hier bei der Top Hair von einigen Friseurinnen und Friseuren so ein paar Formulierungen aufgeschnappt, die finde ich sehr schön. Vielleicht kannst du mir noch ein paar mehr geben, was so typische sind. Zum Beispiel: Deine Haare sind beleidigt, wenn sie nicht mehr ganz so schön sind.
Jutta Gsell:
Das ist auch richtig.
Moderator:
Wenn man sie nicht gut behandelt hat am Ende. Was gibt es da noch so für Formulierungen?
Jutta Gsell:
Wenn Haare schreien könnten, wäre es hier drin ganz schön laut.
Moderator:
Gib uns noch mehr, bitte.
Jutta Gsell:
Mein Lieblingssatz, und den liebe ich wirklich: weißes T-Shirt, Jeanshose. Das kann von Kik sein. Wenn du tolle Haare hast, wirst du immer toll aussehen. Weißes T-Shirt, Jeanshose. Wenn die Haare schrecklich sind, so viel Gucci und Prada kann ich gar nicht draufschmeißen.
Moderator:
Interessanter Gedankengang. Das heißt, die Klamotten eher ein bisschen reduzieren, aber dafür ordentlich was auf der Birne haben.
Jutta Gsell:
Absolut. Das ist das, was oben rausguckt. Wenn du tolle Haare hast, siehst du immer toll aus. Immer, immer, immer.
Moderator:
Was sagst du zum Trend, dass auch immer mehr Männer mittlerweile mit ihren Haaren mehr machen? Das ist natürlich für Friseurinnen und Friseure schön, aber jetzt sitzen die eben auch mal zwei Stunden oder länger auf dem Friseurstuhl.
Jutta Gsell:
Auch das. Also die Welt kann schön werden, und wenn es geht, auf Köpfen. Und es ist egal, ob das Männlein oder Weiblein ist. Also ich mache da keinen Unterschied. Ich hab mein Portfolio, das ich für Frauen brauche, brauche ich auch für Männer.
Moderator:
Jetzt ist ja gerade die Zeit, in der wir leben, nicht ganz so harmonisch, wenn wir mal so auf die weltpolitische Situation schauen. Es macht ja auch viel mit Menschen und einige sind auch schon echt depressiv. Kann man in Bezug auf eigene Schönheit für sein Seelenheil auch einiges verbessern?
Jutta Gsell:
Die eigene Schönheit und das, was ich erlebe dabei, also den Friseurbesuch, den stelle ich wirklich in den Vordergrund, dass es noch nie so schön und so wichtig war, den Kunden abzuholen oder die Kundin. Und das ist etwas: Wenn wir das verstehen, dann ist es wirklich genau richtig. Wir können was Gutes tun. In diesen drei, vier Stunden können die Kunden und Kundinnen abschalten. Die können wirklich nur an sich denken. Dieses wirklich nur an sich denken, und das macht es besonders wertvoll.
Moderator:
So, ich kenne ja das Applausometer, das misst den Erfolg, wie gut irgendwas ankommt. Aber hier bei L’Oréal bin ich jetzt beim Stand und hier gibt es ein anderes Meter. Was gibt es jetzt hier auf Meterebene?
Sebastiano Buca:
Auf Meterebene? Hier gibt es einen Hydrometer. Hier kannst du die Feuchtigkeit deines Körpers und deiner Haare anhand dessen messen, indem du deine Hand drauflegst. Und er berechnet dir ganz genau, wie hoch deine Feuchtigkeit gerade ist.
Moderator:
Warum brauche ich das, warum muss ich das wissen?
Sebastiano Buca:
Das Gesicht braucht Feuchtigkeit, also unsere Haut, und unsere Haare brauchen Feuchtigkeit. Und wenn ich weiß, wie hoch mein Feuchtigkeitshaushalt ist, kann ich danach messen, also nachdem ich das gemessen hab, dann gehen und gucken: Okay, mit welcher Coloration oder mit welchem Service kann ich noch mehr Feuchtigkeit meinem Haar geben? Und du kannst es gerne mal testen, so lange halte ich dein Mikro.
Moderator:
Ja, danke Sebastiano auch mal.
Sebastiano Buca:
So ist es. Sebastiano. Du hältst die Hand da drauf. Genau. Schau mal, jetzt berechnet er da oben.
Moderator:
Ja.
Sebastiano Buca:
Und danach wird, jetzt braucht das Gerät ja auch ein bisschen, ne? Der geht durch die Blutbahn rein, guckt, okay, Herzschlag, hast du nicht gesehen. Hier steht doch alles, hey. Du machst viel Sport, aber du trinkst noch zu wenig?
Moderator:
Um Gottes willen, 46 Prozent. Was bedeutet das umgesetzt jetzt?
Sebastiano Buca:
Umgesetzt: Okay, da ist noch viel Luft nach oben.
Moderator:
Das höre ich mein Leben lang.
Sebastiano Buca:
Jetzt wissen wir, okay, dein Feuchtigkeitshaushalt. Jetzt gehen wir einmal kurz zur Seite, damit wir nicht mehr in der Schlange stören. So, dann hast du einmal deine Feuchtigkeit gemessen. Jetzt kannst du dir was aussuchen: Möchtest du eine Feuchtigkeitsmaske oder möchtest du eine Wasserflasche, einmal um den Feuchtigkeitshaushalt in deinem Körper wiederzugeben? Aber auf das Haar übersetzt: Möchtest du jetzt ein Hyaluron-Glossing für deine Haare? Du hast trockene Haare und jetzt geben wir dir die Möglichkeit, dir ein Glossing für die Haare zu geben, also eine Coloration ohne Ammoniak auf saurer Ebene mit einem Inhaltsstoff, der sich Hyaluron nennt.
Schau mal, es gibt Hyaluron als Inhaltsstoff für einen Smoothie. Gesundheit. Ein bisschen Sellerie, ein bisschen Avocado und ein Schuss Hyaluron. Und somit kannst du deinen Körper heilen.
Moderator:
Also ihr macht jetzt quasi Smoothie für die Frisur und dann ist am Ende der Feuchtigkeitsgehalt einfach viel besser im Haar.
Sebastiano Buca:
Ja, er wird einfach beibehalten. Plus, ich füge es hinzu. Du musst wissen, bei jeder Coloration kann natürlich der Feuchtigkeitshaushalt des Haares immer ein bisschen geringer werden, weil es ist trotzdem Chemie.
Moderator:
Warum soll denn das Haar überhaupt feucht sein?
Sebastiano Buca:
Es trocknet aus. Wenn das Haar austrocknet, neigt es natürlich dazu, eher abzubrechen, empfindlicher zu werden. Und das ist ja nicht nur das, sondern du musst ja Haare waschen, Haare föhnen. Und du hast wahrscheinlich hier auch einige Tools gesehen, die es so gibt, um Haare umzuformen. Da ein Lockeneisen, da ein Glätteisen und da noch irgendwas, wo Hitze ist. Und die Hitze geht meistens bis zu 220 Grad. Das nimmt dir noch mehr Feuchtigkeit aus den Haaren. Damit das immer konstant bleibt, bieten wir dir einen Service an. Cooler Service, schneller Service. Du kannst es beim Haareschneiden, während des Haarefärbens, kannst du das alles integrieren und gleichzeitig, neben viel Glanz, neben viel Haltbarkeit, viel Reflex, hast du noch einen Feuchtigkeitsbooster als Hyaluronid in der Coloration.
Moderator:
Wie gefährlich ist denn Wärme für das Haar? Stichwort langes Föhnen nach dem Duschen. Je länger die Haare sind, desto mehr muss man föhnen, aber eigentlich schädigt man damit doch ständig sein Haar.
Sebastiano Buca:
Na ja, deswegen empfehlen wir immer und deswegen sind wir Pros und sagen: Okay, wenn du deine Haare föhnst, bitte nimm die Hitzestufe nicht ganz so heiß. Aber viel wichtiger ist, vor dem Föhnen einen Hitzeschutz zu benutzen, vor dem Föhnen Produkte zu nehmen, die deine Haare vor Hitze schützen. Und dann bist du erst einmal geschützt.
Moderator:
Reden wir noch mal ganz kurz über das, was man so in die Haare reinmacht. Was sind da so die aktuellen Trends? Was sagt da vielleicht auch die Wissenschaft? Was sollte man tun, wenn man seine Haare stylt? Was ist da jetzt das Beste?
Sebastiano Buca:
Also eine Routine, ne, das ist für mich ein Trend. Ein Service, ein Service im Salon, ein Trend, den du im Salon beginnst, wo du hergehst und sagst: Okay, ich wasche meine Haare, ich pflege meine Haare mit Conditioner, mit Haarmaske. Und das ist ja ein Service, den ich ja im Salon anfange. Diesen solltest du zu Hause weitermachen, damit du dir das Erlebnis, was du im Salon bekommen hast, weiter zu Hause machen kannst. Da hast du erst mal deine Pflegeroutine gemacht, Styling-Routine, und da kannst du ganz viele Styling-Cocktails machen. Brauchst du Volumen, brauchst du Glättung, brauchst du mehr Struktur, hast du viele, viele Möglichkeiten. Wichtig ist: vor dem Föhnen immer einen Hitzeschutz benutzen.
Moderator:
Das habe ich mir abgespeichert. Aber wie sieht dieser Hitzeschutz aus?
Sebastiano Buca:
Entweder in Form von einem Serum, in Form von einem Öl oder in Form von einer Creme. Das machst du vorher ins nasse Haar rein, also nach dem Waschen, nach der Routine. Vor dem Föhnen machst du das drauf und schon ist das Haar vor Hitze geschützt.
Moderator:
Darija Jeftić ist Aufsichtsperson g. D. bei der BGW Bezirksstelle Bochum und wir beide stehen direkt beim BGW-Stand auf der Top Hair. Hi, ich grüße dich, Darija.
Darija Jeftić:
Hallo.
Moderator:
Darija, wie bringt ihr das eher spröde Sicherheitsthema zu den Besucherinnen und Besuchern hier in der haarigen Halle? Denn hier ist alles bunt, grün, silber, golden, schillernd und ganz viele Farben. Und jetzt kommt ihr her und sagt: Leute, Party ist gut auf dem Kopf, aber es geht ja auch um Sicherheit.
Darija Jeftić:
Genau, ja. Arbeitsschutz hat oft den Ruf, sehr trocken zu sein, aber genau das versuchen wir hier in der Halle aufzubrechen und zu zeigen, dass es doch alles sehr praxisnah und sinnvoll ist. Man kann hier bei uns sich verschiedene Sachen angucken, zum Beispiel kann man verschiedene Hautschutz- und Hautpflegeprodukte, Handschuhe ausprobieren. Man kann mit dem Dermalux-Gerät mal testen, ob denn die Haut so gut geschützt und gepflegt ist, wie sie sein sollte oder halt auch nicht.
Moderator:
Wie geht das, was macht man da mit dem Gerät?
Darija Jeftić:
Da schmiert man sich die Hände mit einer speziellen Creme ein und schaut mal unter UV-Licht, ob man die dann vernünftig eingecremt hat und die ja gut geschützt ist.
Moderator:
Und wenn da überall so Lücken aufklaffen, dann weiß man: Hä, guck mal, da ist noch ein Punkt, da noch. Creme mal länger deine Hände ein oder ausführlicher. Das ist so der beste Tipp: einfach immer generell mehr Creme nehmen, dann kann da nichts falsch sein, oder? Da sollte man nicht geizen.
Darija Jeftić:
Jein. Vor allem das richtige Auftragen ist wichtig, dass man den Handrücken vernünftig einschmiert und zwischen den Fingern schmiert. Das ist ein Thema. Man hat immer in der Innenhand ganz viel, aber der Rest bleibt trocken.
Moderator:
So, das ist dein Applaus dafür, dass du es so schön erzählt hast. Hier ist links und rechts, wie gesagt, überall immer Party und hier wird sich den ganzen Tag durchmotiviert. Wahnsinn. Darija, wenn du Salons besuchst, was sind aktuell die größten gesundheitlichen Belastungen für Friseurinnen und Friseure?
Darija Jeftić:
Ja, ich würde sagen, das ist so ein bunter Mix aus verschiedenen Belastungen. Man hat Lärm, man hat das Thema Umgang mit Chemikalien, man hat das Thema Ergonomie und die hautbelastenden Tätigkeiten sind natürlich der größte Faktor, denn die Hände sind ja das Arbeitsmittel und die werden dann doch ganz schön belastet mit verschiedenen Sachen. Also vor allen Dingen mit Wasser. Das ist unser größter Gefahrstoff, den wir ...
Moderator:
Die kann man dann gar nicht mehr eincremen, wenn die ganze Zeit Wasser da drauf klatscht, ne?
Darija Jeftić:
Genau, also man muss gut nachcremen, vor allen Dingen mit der richtigen Creme.
Moderator:
Du hast eben schon über den Hautschutz gesprochen. Jetzt habe ich durch unseren Podcast schon gelernt: Mit den richtigen Handschuhen lässt sich das meiste eigentlich schon vermeiden. Das klingt jetzt total banal. Warum ist der Hautschutz trotzdem immer wieder ein Thema?
Darija Jeftić:
Ja, das stimmt, mit dem richtigen Handschuh lässt sich ganz schön viel vermeiden und tatsächlich ist Hautschutz ein sehr wichtiges Thema. Wir sehen in der Praxis, dass es nicht am Wissen in dem Sinne scheitert, sondern eher so am Alltag, der halt stressig ist und da die Umsetzung halt ein bisschen hapert. Zum Beispiel werden Handschuhe nicht richtig getragen oder nicht durchgehend getragen.
Moderator:
Aber wie kann man die Handschuhe nicht richtig tragen? Macht man mal den kleinen Finger mit zum Mittelfinger rein oder wie?
Darija Jeftić:
Nein, nein. Also der ist zu groß zum Beispiel und dann hat man da nicht so viel Gefühl drin. Oder er passt nicht zu den Produkten, er bricht zu schnell durch, man hat vielleicht das falsche Material. Dann ist es halt auch so, dass man vielleicht die falschen Hautschutzprodukte wählt und das dann nicht so gut mit dem Handschuh funktioniert und das rutscht oder sonstiges.
Moderator:
Was macht jetzt eine Friseurin, wenn Werner sagt: „Hier mal, aber bitte nicht mit dem Handschuh die Haare waschen.“ Das ist schon ein bisschen eklig.
Darija Jeftić:
Na ja, dann sagt Werner: Ist aber wichtig für meine Gesundheit, weil meine Haut soll ja gesund bleiben, denn ich will ja lange in diesem Beruf arbeiten. Weil, wie gesagt, die Haut beziehungsweise die Hände sind ja das Hauptwerkzeug von Friseuren. Und was auch wichtig ist: Hauterkrankungen sind die häufigste Berufskrankheit bei den Friseuren. Deshalb ist es halt auch so wichtig, die Haut gut zu schützen und die richtigen Arbeitsmittel zu verwenden.
Moderator:
Die Haut kommt ja auch nicht nur ständig mit Wasser in Berührung, sondern auch mit chemischen Mitteln beim Färben, beim Blondieren zum Beispiel. Worauf sollten Beschäftigte besonders achten, wenn sie mit Farb- und Pflegeprodukten arbeiten?
Darija Jeftić:
Ja, sie sollten vor allen Dingen wirklich konsequent Handschuhe tragen, und zwar nicht erst mittendrin, sondern wirklich von Anfang an. Also die Haut sollte nicht zwischendurch immer mal nass werden oder mit den Produkten in Kontakt kommen, dass man dann erst den Handschuh anzieht, sondern wirklich von Anfang an und durchgehend. Und wichtig ist, dass die Handschuhe zu den Produkten passen, also dass man zu den ...
Moderator:
Farblich abgestimmt.
Darija Jeftić:
Genau, pink zu der pinken Soße. Nein, es sollte das richtige Material sein, die richtige Größe vor allen Dingen, weil, wie gesagt, dann kann man auch vernünftig damit arbeiten. Und vor allen Dingen: Man sollte wirklich Hautkontakt mit diesen Chemikalien, mit den verschiedenen Stylingprodukten vermeiden, sauber arbeiten, Direktspritzer wegmachen et cetera. Was halt auch extrem wichtig ist, ist halt die richtige Hautschutzcreme vor und während der Arbeit und dann anschließend zum Feierabend hin die richtige Hautpflege. Und was sehr, sehr wichtig ist, ist halt, der Haut genügend Pause zu gönnen. Man muss die Tätigkeiten halt so timen, dass man Pausen hat und abwechselnd Haare schneidet, Haare föhnt, Haare blondiert et cetera, dass da einfach die Haut nicht durchgehend belastet wird.
Moderator:
Das kann man sich ja merken wie beim Bürojob, da soll man auch nicht den ganzen Tag am Arbeitsplatz sitzen, sondern auch mal den Tisch nach oben verschieben, stehen, wenn das nicht geht, einfach mal das Treppenhaus hoch und runter laufen, einfach mal andere Tätigkeiten machen, nicht immer nur eine Körperstelle dauerhaft belasten.
Darija Jeftić:
So sieht es aus.
Moderator:
Der Beruf verlangt viel körperlichen Einsatz. Welche Rolle spielen zum Beispiel Arbeiten über Schulterhöhe, Haltungsschäden oder langes Stehen?
Darija Jeftić:
Ja, der körperliche Einsatz ist tatsächlich enorm, weil man macht es halt über Stunden hinweg, zum Beispiel Strähnchen machen oder Färben oder Blondieren, und da gibt es das Thema Arbeiten über Schulterhöhe, die immer wiederkehrenden ähnlichen Bewegungsabläufe und halt auch das viele Stehen. Und das belastet vor allen Dingen den Nacken, Schultern und den Rücken. Deshalb ist Ergonomie sehr wichtig bei dem Thema. Das fängt bei kleinen Sachen an. Wie halte ich den Föhn, wie stelle ich den Stuhl ein und auf welcher Höhe arbeite ich allgemein. Das ist superwichtig.
Moderator:
Föhnen ist auch so ein Stichwort. Hier hört man ja auch die ganze Zeit ein Föhnen. Das kann ja auch ganz schön eine Lärmbelästigung sein, wenn man den ganzen Tag immer nur diese Düse am Ohr hat.
Darija Jeftić:
Absolut. Also Lärm ist ein richtig großes Thema. Es gibt halt Töne, die extrem laut sind. Das führt zu psychischer Belastung einfach. Dann hat man halt noch Menschen, die reden et cetera. Das zusammen ist halt ein großer Belastungsfaktor. Und deshalb ist es wichtig, dass man auch bei der Auswahl der Geräte darauf achtet, dass die möglichst leise sind.
Moderator:
Welche Schutzmaßnahmen lassen sich im Arbeitsalltag gut umsetzen, ohne dass sie den kreativen Prozess behindern?
Darija Jeftić:
Also, erst mal: Gute Schutzmaßnahmen machen den Alltag nicht komplizierter, sondern bestenfalls sind die supergut zu integrieren. Und da ist halt wichtig, was wir gerade gesagt haben: auf der vernünftigen Höhe arbeiten, ergonomische Mittel benutzen, die richtigen Handschuhe benutzen und auf Timing und Abläufe zu achten. Und dann ist es eigentlich gar nicht so schwierig, sich gut zu schützen.
Moderator:
Das noch mal als Reminder. Und viele Friseursalons sind kleine Betriebe. Wie unterstützt die BGW gerade kleinere Unternehmen beim Arbeitsschutz?
Darija Jeftić:
Ja, also wir versuchen wirklich praxisnah zu unterstützen. Und weil wir wissen, dass vor allen Dingen in diesen Betrieben das Thema Zeit und Ressourcen einfach sehr schwierig ist, versuchen wir mit praktischen Sachen, wie zum Beispiel konkreten Handlungshilfen, Checklisten, verschiedenen Plänen, die schon fertig sind, wie der Hygieneplan oder die Betriebsanweisung für die Friseure oder auch der Hautschutzplan, dass wir da unterstützen können.
Und außerdem bieten wir Beratung direkt im Betrieb an und zeigen ganz konkret, wo kleine Veränderungen was bewirken. Wir bieten verschiedene Schulungen für Unternehmer und Unternehmerinnen an, damit sie lernen, wie man Arbeitsschutz praktisch in den Arbeitsalltag integriert. Wir haben verschiedene digitale Tools, wie zum Beispiel die App „Sicher starten“. Da kriegt man einen ganz leichten Eindruck, wie man Arbeitsschutz organisieren kann. Dann haben wir noch die Sicheren Seiten für das Friseurhandwerk, wo alles zum Thema Arbeitsschutz supergut aufgearbeitet ist. Wir haben eine Online-Gefährdungsbeurteilung, die für die Betriebe unterstützend zur Verfügung steht. Und noch eine ganz spannende Geschichte: Wir fördern ein Mobilitätstraining, also ein Fahrsicherheitstraining für Fahrradfahrer und auch für Autofahrer. Denn es passieren sehr viele Unfälle auf dem Weg zur Arbeit und zurück und das sind natürlich auch versicherte Wege.
Moderator:
Und wenn dann Darija kommt und nachschaut, ob dann auch alles gut ist im kleinen Friseursalon: ein Tipp auch noch, bei der Prosecco-Bar die Pappbecher nehmen und nicht die Gläser, weil sonst gibt es vielleicht Scherben, die auf dem Boden liegen.
Darija Jeftić:
Absolut richtig.
Moderator:
Gesundes Arbeiten bedeutet also nicht nur Schutz vor akuten Gefahren, sondern vor allem Prävention im Alltag. Die BGW arbeitet eng mit dem Zentralverband des Friseurhandwerks zusammen. Der Verband, der vertritt die Interessen der Branche und setzt sich für Ausbildung, Qualität und Arbeitsbedingungen ein. Bei mir ist Manuela Härtelt-Dören. Sie ist die Präsidentin des Zentralverbands Friseurhandwerk. Hallo, grüß dich.
Manuela Härtelt-Dören:
Hallo, ich grüß euch.
Moderator:
Ja, guck mal, und weil du jetzt so viel mit Friseurinnen und Friseuren zu tun hast, hast du dir heute auch dein Leoparden-Sakko angezogen, oder? Weil ich sehe diese Farbe und dieses Muster hier sehr viel heute.
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, der absolute Animal Print, sag ich nur. Und ja, die Tiger sind auf dem Vormarsch.
Moderator:
Warum ist das Thema Arbeitssicherheit für das Friseurhandwerk aktuell besonders wichtig?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, ich denke da gerade in der Branche für unsere jungen Leute ist es wichtig, dass sie eben auch auf sicheren Beinen stehen. Und dass wir das auch vermitteln, was im arbeitssicherheitsmäßigen Bereich zu tun ist für unsere jungen Leute. Und daher denke ich auch, dass viele junge Leute in diesem Work-Life-Balance-Leben, und dazu gehört natürlich auch die Gesundheit. Und wie kann ich die Gesundheit weiter erhalten? Und da ist die BGW natürlich unser toller Partner, der uns da immer mit Rat und Tat zur Seite steht, was wir tun können für unsere jungen Leute. Und da sind wir wirklich sehr positiv eingestellt. Und auch ich freue mich immer wieder, wenn wir Tipps bekommen.
Moderator:
Welche Entwicklung beobachtet ihr in der Branche, jetzt zum Beispiel beim Nachwuchs oder auch bei den Arbeitsbedingungen?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, also die Arbeitsbedingungen werden immer besser. Also es werden ja ergonomische Scheren angeboten oder eben auch das Sitzen wird vereinfacht mit dem entsprechenden Hocker, dass man nicht zusammensackt. Also dass man aus diesem Rundrücken rauskommt. Und all das wird uns ja vorgelebt von der BGW und da werden ja auch viele Dinge entwickelt mit der BGW zusammen. Und das hilft uns natürlich sehr, sehr weit nach vorne, um eben auch die Gesunderhaltung unserer Mitarbeiter ja zu bringen.
Moderator:
Habt ihr auch mal so einen Blick auf den Mitarbeiterinnenraum? Also früher war einfach der Friseursalon, dann hatte man vielleicht Glück, dass es noch so einen halben Quadratmeter für die Angestellten irgendwie gibt. Da konnte man sich ja gar nicht hinsetzen zum Beispiel. Ist das mittlerweile besser geworden? Also gibt es auch so Verweilbereiche, wo man auch mal vielleicht das Bein ausstrecken kann sitzend?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, also da arbeiten wir in den Betrieben sehr stark dran, dass also auch wirklich diese Pausenräume dementsprechend eingerichtet sind, wo ich also den Blick nach draußen habe, wenn ich die Möglichkeit habe, für meine Mitarbeiter auch den Garten mal zu öffnen, damit sie auch in ihrer Mittagspause oder mal fünf Minuten frische Luft schnuppern können, dann ist das schon toll. Und ja, natürlich auch hier einfach mal die Beine hochzulegen ist einfach wichtig. Und man soll es ja auch bequem und schön haben. Also von daher finde ich das gar nicht schlecht, auch in den Pausenbereichen mal Fünfe gerade sein lassen zu können und vielleicht auch mal drei Minuten die Augen zuzumachen. Dafür haben wir ja genug Stress, wenn wir da am Kunden sind, und der psychologische Druck ist auch schon enorm hoch bei uns. Und da brauche ich wirklich Entspannungsphasen. Es ist gut, dass wir da immer wieder auch ein Auge drauf haben und auch immer wieder mal von der BGW aufmerksam gemacht werden: Schau mal, das kannst du anders machen. Und das ist auch gut so.
Moderator:
Ich finde es auch sehr gut, wenn die Friseurinnen mal in der Pause die Augen zumachen und weniger, wenn sie gerade meine Haare schneiden, auf jeden Fall. Viele junge Menschen interessieren sich für kreative Berufe. Wie gelingt es dabei gleichzeitig, ein Bewusstsein für Gesundheit und Prävention zu schaffen?
Manuela Härtelt-Dören:
Also ich glaube, das haben heute mittlerweile die jungen Menschen verinnerlicht, weil die machen ja schon viel Sport, die gehen viel weg auch. Und wenn man das weiter fördert in einem Betrieb, also wenn man dann zusammenwächst und man mehrere zusammen hat, dann kann man auch Sportangebote im Geschäft durchaus anbieten. Das funktioniert sehr gut und ich hab das also selber durchexerziert bei mir im Betrieb. Wir haben zum Beispiel einmal in der Woche morgens früh eine Yogadame bei uns gehabt, die hat mit uns ’ne Stunde, bevor wir angefangen haben zu arbeiten, mal Yoga gemacht. Das war einfach genial. Und das ist natürlich was, was meine jungen Leute auch dann immer weitererzählen: Hier bei uns wird das und das gemacht. Und das ist ’n guter Weg.
Moderator:
Ist ja auch Teambuilding, ist ja auch nicht so verkehrt auf jeden Fall. Welche Rolle spielen moderne Salonkonzepte, ergonomische Arbeitsplätze oder auch neue Technologien für sicheres Arbeiten?
Manuela Härtelt-Dören:
Also das ist ’ne ganz, ganz spannende Geschichte auch, aber es wird immer mehr und man richtet sich auch immer mehr darauf ein. Also auch andere Anbieter, Salonanbieter, die wirklich solche Verweilzonen schaffen, und das ist auch dann für unsere Mitarbeiter schön.
Moderator:
Was erwartet jetzt Besucherinnen und Besucher auf der Top-Hair-Messe über die Trends hinaus hier?
Manuela Härtelt-Dören:
Also ich glaube, wichtig ist der Austausch, das Netzwerken, was wir hier ganz gut können, und auch einfach mal wieder ein bisschen andere Dinge zu sehen, über den Tellerrand zu sehen und einfach auch mal ein bisschen Spaß zu haben.
Moderator:
Ja, was mir aufgefallen ist hier bei der Top Hair: Ich glaube, die Sektindustrie, die freut sich immer, wenn einmal im Jahr diese Messe ist, weil die Pulle ist ja an jedem Stand am Start.
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, also das ist jetzt kein Manko, sondern da sieht man einfach: Friseure können auch ein bisschen feiern.
Moderator:
Abschließend möchte ich noch was wissen: Wie sieht es eigentlich aus, KI und Friseurhandwerk, generell Digitalisierung, die alten staubigen Bücher zur Ausbildung, braucht man die heute noch?
Manuela Härtelt-Dören:
Also, man braucht tatsächlich auch noch Bücher, weil Lesen bildet, ja allgemein bekannt. Aber es ist natürlich so, durch unsere neue Meisterprüfungsordnung, die wir jetzt bekommen, ist auch die Digitalisierung ein wesentlich höherer Bestandteil. Und auch die Friseurbranche muss sich ja weiterentwickeln und man sollte auch KI als Chance nutzen, sage ich auch immer wieder. Es ist einfach ein Blick in die Zukunft und wir können uns davon nicht sperren. Und zum Beispiel KI in der Beratung mit einzusetzen, ist auch ein mega gutes Tool, was wir an die Hand nehmen können.
Moderator:
Genau, weil die Friseurin oder der Friseur wird ja jetzt nicht von der KI abgelöst. Weil wenn ich sage: Chatty, mach mir mal ein Vokuhila, dann sagt das Programm: Ja, kann ich nicht, aber ich kann dir ein lustiges Bild dazu zeigen.
Manuela Härtelt-Dören:
Genau. Aber über Bilder können wir ja kommunizieren und wir können dann eben sagen: Das geht oder das geht nicht. Dafür sind wir ja ehrliche Handwerker, die dann auch mal sagen: Oh, das funktioniert jetzt gar nicht, weil du hast zum Beispiel in den Ponypartien ’nen riesen Wirbel und da können wir jetzt nicht unbedingt ’nen tollen Pony draus zaubern, ja, also.
Moderator:
Wie findest du denn meine Ponypartie?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, super.
Moderator:
Ja, okay, vielen Dank und viel Freude hier, ne, und ich sag mal: Prösterchen.
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, Prösterchen. Tschüssi, vielen Dank.
Moderator:
Ich habe heute schon viel erlebt bei der Top Hair in Düsseldorf, aber ich habe noch nicht meine neue Frisur gefunden. Das werde ich auf jeden Fall in der zweiten Podcast-Folge bei Herzschlag. Es gibt noch eine direkt hier von der Top Hair. Und da klären wir auch, wie der Seelenzustand in der Friseurbranche ist. Ja, da klagen viele ihr Leid, aktuelle Weltlage, alles düster, alles bedrohlich. Und dann wird alles beim Friseur und bei der Friseurin erzählt. Was macht das mit denen, wenn man den ganzen Tag schlechte, negative Erfahrungen von Menschen gerade mitbekommt?
Und wir reden natürlich auch weiterhin über Gesundheitsaspekte im Friseurhandwerk. Da gibt es noch mehr, was wir dazulernen können. Und natürlich gibt es weiter Styles und Trends. Wie soll unsere Friese am besten sein? Bleibt also dran bei Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben. Abonniert am besten auch diesen Podcast, schaut gerne mal vorbei auf www.bgw-online.de/podcast. Dort findet ihr nämlich alle weiteren Folgen rund um Sicherheit und Gesundheit im Berufsleben. Ich bin Ralf Podszus, habe noch meine alte Frisur. Ich bin gespannt auf das nächste Mal. Gleich im Anschluss direkt Teil zwei von der Top Hair in Düsseldorf hören. Bis gleich.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Interviewgäste
Michael Schlömer
Scherenexperte, Inhaber HAARO Friseurbedarf
Jutta Gsell
Friseurmeisterin Salon Kopf-Kunst Bad Mergentheim,
Wella-Markenbotschafterin
Sebastiano Buca
Hairstylist, Brand Expert L'Oréal Professionel
Darija Jeftić
Aufsichtsperson g.D.
BGW Bezirksstelle Bochum
Manuela Härtelt-Dören
Präsidentin Zentralverband Friseurhandwerk
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