Mehr als nur Waschen, Schneiden, Föhnen: Trends und gesundes Arbeiten im Friseurhandwerk #143 BGW-Podcast "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"
Was braucht es, um im Friseurberuf langfristig gesund zu bleiben und welche Trends bestimmen gerade die Branche?
In dieser Folge meldet sich Moderator Ralf Podszus direkt von der Top Hair in Düsseldorf, der führenden Fachmesse für die Friseurbranche in Europa. Vor Ort spricht er mit Expertinnen und Experten aus der Branche über aktuelle Haartrends, nachhaltige Colorationen, Pflege- und Stylingroutinen und vor allem über die gesundheitlichen Belastungen im Friseurhandwerk.
Im Fokus stehen die Themen Hautschutz, Ergonomie, Lärm, langes Stehen und der Umgang mit Chemikalien. Warum sind passende Handschuhe so wichtig? Wie lassen sich Nacken, Rücken und Hände im Salonalltag entlasten? Und wie unterstützt die BGW gerade kleinere Betriebe beim Arbeitsschutz?
Hier kommen Sie zum Transkript dieser Folge
Moderator:
Habt ihr letztes Jahr auch eine Reise von Hamburg nach Rom gemacht? Zu Fuß? Ja, der merkwürdige Podcast-Moderator, der meint das wirklich ernst: von Hamburg nach Rom nur mit den eigenen Beinen. Das ist eine Strecke. Und diese Strecke, die legen alle Mitarbeitenden im Friseurhandwerk zurück. Jedes Jahr während der Arbeit. Untersuchungen zeigen, dass Friseure und Friseurinnen zwischen Kassentresen, Kundenstuhl, Spiegel und Waschplatz ständig in Bewegung sind. Ja, und dann fehlt auch immer wieder mal ein Kamm oder ein Rasierer, und sie düsen wieder ans andere Ende der Scheren- und Schnibbelbude. Das sind dann am Tag vier bis sechs Kilometer, hochgerechnet aufs Jahr um die 1.500 Kilometer. Also die Strecke von Hamburg nach Rom.
Sitzen ist in dem Beruf auch nicht drin. Menschen, die am Haar arbeiten, die stehen überwiegend. Sechs bis acht Stunden stehende Tätigkeit sind hier völlig normal. So lange stehen sonst nur die Leute, die am Frankfurter Hauptbahnhof auf den nächsten verspäteten ICE warten. Langes Stehen gehört zu den zentralen körperlichen Belastungen im Beruf, und dadurch entstehen häufiger Bein-, Gelenk- und Rückenprobleme.
Was kann man also machen, damit Mitarbeitende im Friseurhandwerk gesünder arbeiten? Wie können sie sich besser schützen und worauf sollten sie achten? Da gibt es nämlich noch eine Reihe weiterer Körpergefahren in diesem Beruf. Und die Antworten liefert diese Podcast-Folge. Außerdem erfahrt ihr hier alles zu den aktuellen Trends in der Beauty-Szene. Gibt es Looks, die sich gerade aus Social Media in die reale Welt übertragen, und welche Farben oder Schnitttechniken werden die nächsten Monate dominieren? Kläre ich alles für euch. Ich bin Ralf Podszus und ich bin für Herzschlag bei der Top Hair in Düsseldorf. Das ist die führende Fachmesse für die Friseurbranche in Europa. Ja, und der zentrale Branchentreffpunkt für Friseure, Friseurinnen, Stylistinnen und Saloninhaber. Mein Ziel ist auch: Vielleicht bekomme ich hier endlich mal eine richtige Frisur. Ich hatte ja noch keine. Ich bin gespannt.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Strawberry Tunes, Soft Check, Modern Mullet. Nein, ich hab mir jetzt keinen Cold Brew mit Flavorshot geholt, auch keine Yuzu-Limonade mit abgedrehtem Geschmack. Das sind Frisuren-Trends. Ja, hier sehe ich ganz viel glänzende Haare, höre Föhngeräusche. Es liegt so ein bisschen Haarsprayduft in der Luft und überall sind Menschen mit Bürsten, Scheren und kreativen Ideen. Ja, schön bunt hier bei der Top Hair, Europas führender Fachmesse für die Friseurbranche. Hier treffen sich jedes Jahr Tausende Friseurinnen und Friseure, Auszubildende, Saloninhaber und Inhaberinnen, um sich über Trends, Techniken und alles, was es so gibt im Friseurhandwerk, auszutauschen. Ja, und auch über die Arbeitsbedingungen im Friseurhandwerk.
Jetzt möchte ich erst mal hören, was hier gerade so der heiße Scheiß auf unserer Rübe ist. Ich gehe mal zu so ein paar Ständen, die hier sind. Hier sehe ich einen Stand, da sind ganz viele verschiedene Scheren, das Hauptarbeitsmaterial, was alle Friseurinnen und Friseure haben. Hallo, grüß dich.
Michael Schlömer:
Ja, hallo, grüß dich. Wer bist du denn? Ich bin der Michael Schlömer von der Firma HAARO.
Moderator:
Hallo Michael, du bist der Scherenmann, ne.
Michael Schlömer:
Ja, sozusagen, ja.
Moderator:
Michael mit den Scherenhänden. Hier sind nämlich ganz viele Scheren bei deinem Stand. Ich sehe hier silberne, goldene, große, kleine, ganz viele mit Zacken. Ich bin ja entsetzt, ich wusste gar nicht, wie teuer Friseurscheren sind. Die kosten 195 Euro, eine Schere. Eine Schere. Ja, erklär mal, warum man sich eine Schere für 195 Euro holt.
Michael Schlömer:
Gut, ich sehe, du bist, glaube ich, von der Berufsgenossenschaft, nicht, oder? Ja, und dann erklärt sich das vielleicht auch schon ein bisschen selber. Das ist euer Handwerkszeug. Du bist selber kein aktiver Friseur, nicht? Aber für die, die eure Mitglieder sind, die müssen damit jeden Tag arbeiten. Und die machen so eine Schere, würde ich sagen, im Schnitt so 6.000, 7.000 Mal auf und zu. Vor allem im Schnitt, ja.
Und da ist es schon wichtig, etwas zu haben, was natürlich möglichst, sagen wir mal, kraftlos läuft. Irgendwie was, was ergonomisch ist, was die Armmuskulatur schont, mit der man verschiedene Handhaltungen machen kann. Ihr wisst, ihr steht, ich sag jetzt mal ihr, ja, jeden Tag hinterm Kunden, ja, und müsst so machen und so machen und so machen. Ja, und da ist es wichtig, ’ne Schere zu haben, die natürlich, sagen wir mal, fast kraftlos auf und zugeht. Ja, die dann auch ordentlich schneidet, die auch lange hält. Ja, so, und dafür muss man natürlich entsprechende Materialien verwenden.
Wir nehmen ja hauptsächlich Japanstahl für sowas. Ja, die haben einen sehr aufwendigen Schliff, solche Scheren. Also mit denen schneidet man auch nur Haare und jetzt nicht irgendwie Papier oder sonst irgendwas. Ja, und das hat dann halt eben seinen Preis. Nicht? Und also, das ist jetzt gerade mal hier die Abteilung. Es geht hinten sogar weiter. Wir haben sogar Scheren für 800, 900 Euro.
Moderator:
Ja, also warum ist dann so eine Preisspanne da? Also was macht jetzt die 800-, 900-Euro-Schere noch mal besser als die 195-Euro-Harmony-Matt-Gold zum Beispiel?
Michael Schlömer:
Man muss es immer so ein bisschen relativieren. Das ist natürlich, wenn die Preise richtig hochgehen, auch immer so ein bisschen Liebhaberei mit dabei. Es ist oftmals auch so ein bisschen das Design, was eine Rolle spielt. Die Marke, ich sag mal, das sind größtenteils japanische Scheren, sehr renommierte Marken, die natürlich dann auch ähnlich wie bei Schuhen oder bei Modeartikeln eben auch ihren Preis haben, ne. Aber hauptsächlich geht es drum: Je teurer das Material ist, was verwendet wird, desto schärfer wird die Schere, desto angenehmer kannst du damit arbeiten und desto länger hält die Schere auch. Ja, und das sind eben so ein paar Punkte, ne. Es gibt eben sehr, sehr, sehr viele verschiedene. Ich will jetzt gar nicht so sehr ins Detail.
Moderator:
Aber was macht zum Beispiel jetzt so eine goldene Schere besser als so eine schwarze? Gar nicht? Groß Gold, 40 Prozent?
Michael Schlömer:
Nein, die Gold-, die Farbe spielt eigentlich keine Rolle. Also die Farbe ist wirklich tatsächlich nur eine optische Sache. Es gibt so ein paar Kollegen, die leiden unter Nickelallergie, ja, und da ist natürlich eine Schere mit einer Beschichtung, ja, also eine Farbe drumherum, das sind oft Titanbeschichtungen, ist dann halt eben auch so ein bisschen allergiehemmend vielleicht.
Moderator:
Ja, interessant. Also man hat das den ganzen Tag in der Hand und dann soll das natürlich auch ein gutes Handwerkszeug sein.
Michael Schlömer:
Das ist wichtig, ne. Und ich sag mal, da kannst du jeden Handwerker fragen, ob es jetzt ein Schreiner ist oder ein Sanitärinstallateur oder sonst irgendwas, ne. Also sein Werkzeug, eine Schere ist nun mal halt, würde ich mal sagen, das wichtigste Werkzeug für einen Friseur.
Moderator:
Dann hat vielleicht auch bald der Handwerker einen güldenen Mörteltopf mit Harmony Matt Gold.
Michael Schlömer:
Das lasse ich jetzt mal so dahingestellt, nicht. Aber ihr wisst, dass die Friseurbranche natürlich die einzige Branche ist, die, sagen wir mal so, die Symbiose zwischen Handwerk und Künstlerdasein so ein bisschen hat, ne. Ich mein, es gibt kaum Schreiner, die auf einer Bühne stehen und dort Schränke zimmern vor 500 Leuten, ja. Aber bei den Friseuren gibt es so was. Und da ist natürlich, ich sag mal, so eine Schere eben auch optisch wichtig. Für einen Schreiner ist die Säge wahrscheinlich nicht so sehr wichtig. Für einen Friseur ist eine Schere eben auch so ein sehr intimes Handwerkszeug, ne?
Moderator:
Neben mir steht Jutta von Wella. Hallo, grüße dich.
Jutta Gsell:
Hallo, hi.
Moderator:
Dich kennt man auch auf Instagram. Da gibst du ganz viele Tipps und Tricks. Und was ist das Allerwichtigste, was du in diesem Jahr für die Friseurbranche als Tipp hast?
Jutta Gsell:
Als Tipp? Guckt euch die Menschen an. Es war noch nie im Leben so leicht, Geld zu verdienen.
Moderator:
Warum?
Jutta Gsell:
Weil ich glaube, dass Menschen wirklich Geld ausgeben für das, wenn sie wahrgenommen werden, wie sie wirklich sind.
Moderator:
Liegt das eben auch an Instagram oder an Reality-TV-Formaten und an ganz vielen Influencerinnen und Influencern, die sich halt permanent optimieren, zeigen und da natürlich auch ordentlich nachhelfen, eben auch zum Beispiel mit Styling?
Jutta Gsell:
Na ja, ich glaube, man kann sich ganz viele Ideen und ganz viele Tipps aus dem Internet holen, also Instagram, TikTok, prädestiniert dafür, und diese Dinge sollte man nutzen.
Moderator:
Was sind denn da so die Trends in diesem Jahr?
Jutta Gsell:
Die Trends? Es ist immer noch sehr nachhaltig. Die Trends, also wenn du Haarschnitte fragst, da ist es wirklich der Bixie, für mich so eine Kombination aus Bob und Pixie, der unglaublich variabel ist und schön zu stylen ist. Und der Rest ist immer eigentlich noch so ’n bisschen mitgenommen. Also es gibt so Maxitrends, das ist eben immer noch Balayage, aber eben auch diese kleinen Mikrotrends, und da ist es im Moment der Pixie.
Moderator:
Es geht zu pflanzenbasierten Tönungen. Was kannst du dazu sagen?
Jutta Gsell:
Megatoll. Ein Produkt, das wirklich zu 98 Prozent pflanzlich ist. Die Verpackung ist aus recyceltem Plastik, megatoll. Eine hundertprozentige Deckkraft bei Grautönen. Eine kürzere Einwirkzeit, als ich sie noch kenne. Unglaublich schön, weil Pflanzenfarbe ging immer über Orange-Kupfertöne. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Ich habe ein viel breiteres Spektrum, wo ich es anwenden kann.
Moderator:
Wie lang ist denn jetzt die Einwirkzeit?
Jutta Gsell:
20 Minuten.
Moderator:
Das heißt, man verkürzt mal um die Hälfte.
Jutta Gsell:
Ja, genau so ist es.
Moderator:
Das heißt, das ändert ja auch dann den Friseurkalender total, weil jetzt können mehr Kundinnen und Kunden dann drankommen an einem Tag.
Jutta Gsell:
Na ja, also ich glaube, man kann einfach für die Damen, die sehr nachhaltig sind, natürlich auch Herren, die einfach sagen: Hey, ich möchte keine Chemie auf dem Kopf haben, da habe ich eine superschöne Alternative, die nicht mehr Zeitaufwand hat als bisher Haarfarben hatten.
Moderator:
Ich habe hier bei der Top Hair von einigen Friseurinnen und Friseuren so ein paar Formulierungen aufgeschnappt, die finde ich sehr schön. Vielleicht kannst du mir noch ein paar mehr geben, was so typische sind. Zum Beispiel: Deine Haare sind beleidigt, wenn sie nicht mehr ganz so schön sind.
Jutta Gsell:
Das ist auch richtig.
Moderator:
Wenn man sie nicht gut behandelt hat am Ende. Was gibt es da noch so für Formulierungen?
Jutta Gsell:
Wenn Haare schreien könnten, wäre es hier drin ganz schön laut.
Moderator:
Gib uns noch mehr, bitte.
Jutta Gsell:
Mein Lieblingssatz, und den liebe ich wirklich: weißes T-Shirt, Jeanshose. Das kann von Kik sein. Wenn du tolle Haare hast, wirst du immer toll aussehen. Weißes T-Shirt, Jeanshose. Wenn die Haare schrecklich sind, so viel Gucci und Prada kann ich gar nicht draufschmeißen.
Moderator:
Interessanter Gedankengang. Das heißt, die Klamotten eher ein bisschen reduzieren, aber dafür ordentlich was auf der Birne haben.
Jutta Gsell:
Absolut. Das ist das, was oben rausguckt. Wenn du tolle Haare hast, siehst du immer toll aus. Immer, immer, immer.
Moderator:
Was sagst du zum Trend, dass auch immer mehr Männer mittlerweile mit ihren Haaren mehr machen? Das ist natürlich für Friseurinnen und Friseure schön, aber jetzt sitzen die eben auch mal zwei Stunden oder länger auf dem Friseurstuhl.
Jutta Gsell:
Auch das. Also die Welt kann schön werden, und wenn es geht, auf Köpfen. Und es ist egal, ob das Männlein oder Weiblein ist. Also ich mache da keinen Unterschied. Ich hab mein Portfolio, das ich für Frauen brauche, brauche ich auch für Männer.
Moderator:
Jetzt ist ja gerade die Zeit, in der wir leben, nicht ganz so harmonisch, wenn wir mal so auf die weltpolitische Situation schauen. Es macht ja auch viel mit Menschen und einige sind auch schon echt depressiv. Kann man in Bezug auf eigene Schönheit für sein Seelenheil auch einiges verbessern?
Jutta Gsell:
Die eigene Schönheit und das, was ich erlebe dabei, also den Friseurbesuch, den stelle ich wirklich in den Vordergrund, dass es noch nie so schön und so wichtig war, den Kunden abzuholen oder die Kundin. Und das ist etwas: Wenn wir das verstehen, dann ist es wirklich genau richtig. Wir können was Gutes tun. In diesen drei, vier Stunden können die Kunden und Kundinnen abschalten. Die können wirklich nur an sich denken. Dieses wirklich nur an sich denken, und das macht es besonders wertvoll.
Moderator:
So, ich kenne ja das Applausometer, das misst den Erfolg, wie gut irgendwas ankommt. Aber hier bei L’Oréal bin ich jetzt beim Stand und hier gibt es ein anderes Meter. Was gibt es jetzt hier auf Meterebene?
Sebastiano Buca:
Auf Meterebene? Hier gibt es einen Hydrometer. Hier kannst du die Feuchtigkeit deines Körpers und deiner Haare anhand dessen messen, indem du deine Hand drauflegst. Und er berechnet dir ganz genau, wie hoch deine Feuchtigkeit gerade ist.
Moderator:
Warum brauche ich das, warum muss ich das wissen?
Sebastiano Buca:
Das Gesicht braucht Feuchtigkeit, also unsere Haut, und unsere Haare brauchen Feuchtigkeit. Und wenn ich weiß, wie hoch mein Feuchtigkeitshaushalt ist, kann ich danach messen, also nachdem ich das gemessen hab, dann gehen und gucken: Okay, mit welcher Coloration oder mit welchem Service kann ich noch mehr Feuchtigkeit meinem Haar geben? Und du kannst es gerne mal testen, so lange halte ich dein Mikro.
Moderator:
Ja, danke Sebastiano auch mal.
Sebastiano Buca:
So ist es. Sebastiano. Du hältst die Hand da drauf. Genau. Schau mal, jetzt berechnet er da oben.
Moderator:
Ja.
Sebastiano Buca:
Und danach wird, jetzt braucht das Gerät ja auch ein bisschen, ne? Der geht durch die Blutbahn rein, guckt, okay, Herzschlag, hast du nicht gesehen. Hier steht doch alles, hey. Du machst viel Sport, aber du trinkst noch zu wenig?
Moderator:
Um Gottes willen, 46 Prozent. Was bedeutet das umgesetzt jetzt?
Sebastiano Buca:
Umgesetzt: Okay, da ist noch viel Luft nach oben.
Moderator:
Das höre ich mein Leben lang.
Sebastiano Buca:
Jetzt wissen wir, okay, dein Feuchtigkeitshaushalt. Jetzt gehen wir einmal kurz zur Seite, damit wir nicht mehr in der Schlange stören. So, dann hast du einmal deine Feuchtigkeit gemessen. Jetzt kannst du dir was aussuchen: Möchtest du eine Feuchtigkeitsmaske oder möchtest du eine Wasserflasche, einmal um den Feuchtigkeitshaushalt in deinem Körper wiederzugeben? Aber auf das Haar übersetzt: Möchtest du jetzt ein Hyaluron-Glossing für deine Haare? Du hast trockene Haare und jetzt geben wir dir die Möglichkeit, dir ein Glossing für die Haare zu geben, also eine Coloration ohne Ammoniak auf saurer Ebene mit einem Inhaltsstoff, der sich Hyaluron nennt.
Schau mal, es gibt Hyaluron als Inhaltsstoff für einen Smoothie. Gesundheit. Ein bisschen Sellerie, ein bisschen Avocado und ein Schuss Hyaluron. Und somit kannst du deinen Körper heilen.
Moderator:
Also ihr macht jetzt quasi Smoothie für die Frisur und dann ist am Ende der Feuchtigkeitsgehalt einfach viel besser im Haar.
Sebastiano Buca:
Ja, er wird einfach beibehalten. Plus, ich füge es hinzu. Du musst wissen, bei jeder Coloration kann natürlich der Feuchtigkeitshaushalt des Haares immer ein bisschen geringer werden, weil es ist trotzdem Chemie.
Moderator:
Warum soll denn das Haar überhaupt feucht sein?
Sebastiano Buca:
Es trocknet aus. Wenn das Haar austrocknet, neigt es natürlich dazu, eher abzubrechen, empfindlicher zu werden. Und das ist ja nicht nur das, sondern du musst ja Haare waschen, Haare föhnen. Und du hast wahrscheinlich hier auch einige Tools gesehen, die es so gibt, um Haare umzuformen. Da ein Lockeneisen, da ein Glätteisen und da noch irgendwas, wo Hitze ist. Und die Hitze geht meistens bis zu 220 Grad. Das nimmt dir noch mehr Feuchtigkeit aus den Haaren. Damit das immer konstant bleibt, bieten wir dir einen Service an. Cooler Service, schneller Service. Du kannst es beim Haareschneiden, während des Haarefärbens, kannst du das alles integrieren und gleichzeitig, neben viel Glanz, neben viel Haltbarkeit, viel Reflex, hast du noch einen Feuchtigkeitsbooster als Hyaluronid in der Coloration.
Moderator:
Wie gefährlich ist denn Wärme für das Haar? Stichwort langes Föhnen nach dem Duschen. Je länger die Haare sind, desto mehr muss man föhnen, aber eigentlich schädigt man damit doch ständig sein Haar.
Sebastiano Buca:
Na ja, deswegen empfehlen wir immer und deswegen sind wir Pros und sagen: Okay, wenn du deine Haare föhnst, bitte nimm die Hitzestufe nicht ganz so heiß. Aber viel wichtiger ist, vor dem Föhnen einen Hitzeschutz zu benutzen, vor dem Föhnen Produkte zu nehmen, die deine Haare vor Hitze schützen. Und dann bist du erst einmal geschützt.
Moderator:
Reden wir noch mal ganz kurz über das, was man so in die Haare reinmacht. Was sind da so die aktuellen Trends? Was sagt da vielleicht auch die Wissenschaft? Was sollte man tun, wenn man seine Haare stylt? Was ist da jetzt das Beste?
Sebastiano Buca:
Also eine Routine, ne, das ist für mich ein Trend. Ein Service, ein Service im Salon, ein Trend, den du im Salon beginnst, wo du hergehst und sagst: Okay, ich wasche meine Haare, ich pflege meine Haare mit Conditioner, mit Haarmaske. Und das ist ja ein Service, den ich ja im Salon anfange. Diesen solltest du zu Hause weitermachen, damit du dir das Erlebnis, was du im Salon bekommen hast, weiter zu Hause machen kannst. Da hast du erst mal deine Pflegeroutine gemacht, Styling-Routine, und da kannst du ganz viele Styling-Cocktails machen. Brauchst du Volumen, brauchst du Glättung, brauchst du mehr Struktur, hast du viele, viele Möglichkeiten. Wichtig ist: vor dem Föhnen immer einen Hitzeschutz benutzen.
Moderator:
Das habe ich mir abgespeichert. Aber wie sieht dieser Hitzeschutz aus?
Sebastiano Buca:
Entweder in Form von einem Serum, in Form von einem Öl oder in Form von einer Creme. Das machst du vorher ins nasse Haar rein, also nach dem Waschen, nach der Routine. Vor dem Föhnen machst du das drauf und schon ist das Haar vor Hitze geschützt.
Moderator:
Darija Jeftić ist Aufsichtsperson g. D. bei der BGW Bezirksstelle Bochum und wir beide stehen direkt beim BGW-Stand auf der Top Hair. Hi, ich grüße dich, Darija.
Darija Jeftić:
Hallo.
Moderator:
Darija, wie bringt ihr das eher spröde Sicherheitsthema zu den Besucherinnen und Besuchern hier in der haarigen Halle? Denn hier ist alles bunt, grün, silber, golden, schillernd und ganz viele Farben. Und jetzt kommt ihr her und sagt: Leute, Party ist gut auf dem Kopf, aber es geht ja auch um Sicherheit.
Darija Jeftić:
Genau, ja. Arbeitsschutz hat oft den Ruf, sehr trocken zu sein, aber genau das versuchen wir hier in der Halle aufzubrechen und zu zeigen, dass es doch alles sehr praxisnah und sinnvoll ist. Man kann hier bei uns sich verschiedene Sachen angucken, zum Beispiel kann man verschiedene Hautschutz- und Hautpflegeprodukte, Handschuhe ausprobieren. Man kann mit dem Dermalux-Gerät mal testen, ob denn die Haut so gut geschützt und gepflegt ist, wie sie sein sollte oder halt auch nicht.
Moderator:
Wie geht das, was macht man da mit dem Gerät?
Darija Jeftić:
Da schmiert man sich die Hände mit einer speziellen Creme ein und schaut mal unter UV-Licht, ob man die dann vernünftig eingecremt hat und die ja gut geschützt ist.
Moderator:
Und wenn da überall so Lücken aufklaffen, dann weiß man: Hä, guck mal, da ist noch ein Punkt, da noch. Creme mal länger deine Hände ein oder ausführlicher. Das ist so der beste Tipp: einfach immer generell mehr Creme nehmen, dann kann da nichts falsch sein, oder? Da sollte man nicht geizen.
Darija Jeftić:
Jein. Vor allem das richtige Auftragen ist wichtig, dass man den Handrücken vernünftig einschmiert und zwischen den Fingern schmiert. Das ist ein Thema. Man hat immer in der Innenhand ganz viel, aber der Rest bleibt trocken.
Moderator:
So, das ist dein Applaus dafür, dass du es so schön erzählt hast. Hier ist links und rechts, wie gesagt, überall immer Party und hier wird sich den ganzen Tag durchmotiviert. Wahnsinn. Darija, wenn du Salons besuchst, was sind aktuell die größten gesundheitlichen Belastungen für Friseurinnen und Friseure?
Darija Jeftić:
Ja, ich würde sagen, das ist so ein bunter Mix aus verschiedenen Belastungen. Man hat Lärm, man hat das Thema Umgang mit Chemikalien, man hat das Thema Ergonomie und die hautbelastenden Tätigkeiten sind natürlich der größte Faktor, denn die Hände sind ja das Arbeitsmittel und die werden dann doch ganz schön belastet mit verschiedenen Sachen. Also vor allen Dingen mit Wasser. Das ist unser größter Gefahrstoff, den wir ...
Moderator:
Die kann man dann gar nicht mehr eincremen, wenn die ganze Zeit Wasser da drauf klatscht, ne?
Darija Jeftić:
Genau, also man muss gut nachcremen, vor allen Dingen mit der richtigen Creme.
Moderator:
Du hast eben schon über den Hautschutz gesprochen. Jetzt habe ich durch unseren Podcast schon gelernt: Mit den richtigen Handschuhen lässt sich das meiste eigentlich schon vermeiden. Das klingt jetzt total banal. Warum ist der Hautschutz trotzdem immer wieder ein Thema?
Darija Jeftić:
Ja, das stimmt, mit dem richtigen Handschuh lässt sich ganz schön viel vermeiden und tatsächlich ist Hautschutz ein sehr wichtiges Thema. Wir sehen in der Praxis, dass es nicht am Wissen in dem Sinne scheitert, sondern eher so am Alltag, der halt stressig ist und da die Umsetzung halt ein bisschen hapert. Zum Beispiel werden Handschuhe nicht richtig getragen oder nicht durchgehend getragen.
Moderator:
Aber wie kann man die Handschuhe nicht richtig tragen? Macht man mal den kleinen Finger mit zum Mittelfinger rein oder wie?
Darija Jeftić:
Nein, nein. Also der ist zu groß zum Beispiel und dann hat man da nicht so viel Gefühl drin. Oder er passt nicht zu den Produkten, er bricht zu schnell durch, man hat vielleicht das falsche Material. Dann ist es halt auch so, dass man vielleicht die falschen Hautschutzprodukte wählt und das dann nicht so gut mit dem Handschuh funktioniert und das rutscht oder sonstiges.
Moderator:
Was macht jetzt eine Friseurin, wenn Werner sagt: „Hier mal, aber bitte nicht mit dem Handschuh die Haare waschen.“ Das ist schon ein bisschen eklig.
Darija Jeftić:
Na ja, dann sagt Werner: Ist aber wichtig für meine Gesundheit, weil meine Haut soll ja gesund bleiben, denn ich will ja lange in diesem Beruf arbeiten. Weil, wie gesagt, die Haut beziehungsweise die Hände sind ja das Hauptwerkzeug von Friseuren. Und was auch wichtig ist: Hauterkrankungen sind die häufigste Berufskrankheit bei den Friseuren. Deshalb ist es halt auch so wichtig, die Haut gut zu schützen und die richtigen Arbeitsmittel zu verwenden.
Moderator:
Die Haut kommt ja auch nicht nur ständig mit Wasser in Berührung, sondern auch mit chemischen Mitteln beim Färben, beim Blondieren zum Beispiel. Worauf sollten Beschäftigte besonders achten, wenn sie mit Farb- und Pflegeprodukten arbeiten?
Darija Jeftić:
Ja, sie sollten vor allen Dingen wirklich konsequent Handschuhe tragen, und zwar nicht erst mittendrin, sondern wirklich von Anfang an. Also die Haut sollte nicht zwischendurch immer mal nass werden oder mit den Produkten in Kontakt kommen, dass man dann erst den Handschuh anzieht, sondern wirklich von Anfang an und durchgehend. Und wichtig ist, dass die Handschuhe zu den Produkten passen, also dass man zu den ...
Moderator:
Farblich abgestimmt.
Darija Jeftić:
Genau, pink zu der pinken Soße. Nein, es sollte das richtige Material sein, die richtige Größe vor allen Dingen, weil, wie gesagt, dann kann man auch vernünftig damit arbeiten. Und vor allen Dingen: Man sollte wirklich Hautkontakt mit diesen Chemikalien, mit den verschiedenen Stylingprodukten vermeiden, sauber arbeiten, Direktspritzer wegmachen et cetera. Was halt auch extrem wichtig ist, ist halt die richtige Hautschutzcreme vor und während der Arbeit und dann anschließend zum Feierabend hin die richtige Hautpflege. Und was sehr, sehr wichtig ist, ist halt, der Haut genügend Pause zu gönnen. Man muss die Tätigkeiten halt so timen, dass man Pausen hat und abwechselnd Haare schneidet, Haare föhnt, Haare blondiert et cetera, dass da einfach die Haut nicht durchgehend belastet wird.
Moderator:
Das kann man sich ja merken wie beim Bürojob, da soll man auch nicht den ganzen Tag am Arbeitsplatz sitzen, sondern auch mal den Tisch nach oben verschieben, stehen, wenn das nicht geht, einfach mal das Treppenhaus hoch und runter laufen, einfach mal andere Tätigkeiten machen, nicht immer nur eine Körperstelle dauerhaft belasten.
Darija Jeftić:
So sieht es aus.
Moderator:
Der Beruf verlangt viel körperlichen Einsatz. Welche Rolle spielen zum Beispiel Arbeiten über Schulterhöhe, Haltungsschäden oder langes Stehen?
Darija Jeftić:
Ja, der körperliche Einsatz ist tatsächlich enorm, weil man macht es halt über Stunden hinweg, zum Beispiel Strähnchen machen oder Färben oder Blondieren, und da gibt es das Thema Arbeiten über Schulterhöhe, die immer wiederkehrenden ähnlichen Bewegungsabläufe und halt auch das viele Stehen. Und das belastet vor allen Dingen den Nacken, Schultern und den Rücken. Deshalb ist Ergonomie sehr wichtig bei dem Thema. Das fängt bei kleinen Sachen an. Wie halte ich den Föhn, wie stelle ich den Stuhl ein und auf welcher Höhe arbeite ich allgemein. Das ist superwichtig.
Moderator:
Föhnen ist auch so ein Stichwort. Hier hört man ja auch die ganze Zeit ein Föhnen. Das kann ja auch ganz schön eine Lärmbelästigung sein, wenn man den ganzen Tag immer nur diese Düse am Ohr hat.
Darija Jeftić:
Absolut. Also Lärm ist ein richtig großes Thema. Es gibt halt Töne, die extrem laut sind. Das führt zu psychischer Belastung einfach. Dann hat man halt noch Menschen, die reden et cetera. Das zusammen ist halt ein großer Belastungsfaktor. Und deshalb ist es wichtig, dass man auch bei der Auswahl der Geräte darauf achtet, dass die möglichst leise sind.
Moderator:
Welche Schutzmaßnahmen lassen sich im Arbeitsalltag gut umsetzen, ohne dass sie den kreativen Prozess behindern?
Darija Jeftić:
Also, erst mal: Gute Schutzmaßnahmen machen den Alltag nicht komplizierter, sondern bestenfalls sind die supergut zu integrieren. Und da ist halt wichtig, was wir gerade gesagt haben: auf der vernünftigen Höhe arbeiten, ergonomische Mittel benutzen, die richtigen Handschuhe benutzen und auf Timing und Abläufe zu achten. Und dann ist es eigentlich gar nicht so schwierig, sich gut zu schützen.
Moderator:
Das noch mal als Reminder. Und viele Friseursalons sind kleine Betriebe. Wie unterstützt die BGW gerade kleinere Unternehmen beim Arbeitsschutz?
Darija Jeftić:
Ja, also wir versuchen wirklich praxisnah zu unterstützen. Und weil wir wissen, dass vor allen Dingen in diesen Betrieben das Thema Zeit und Ressourcen einfach sehr schwierig ist, versuchen wir mit praktischen Sachen, wie zum Beispiel konkreten Handlungshilfen, Checklisten, verschiedenen Plänen, die schon fertig sind, wie der Hygieneplan oder die Betriebsanweisung für die Friseure oder auch der Hautschutzplan, dass wir da unterstützen können.
Und außerdem bieten wir Beratung direkt im Betrieb an und zeigen ganz konkret, wo kleine Veränderungen was bewirken. Wir bieten verschiedene Schulungen für Unternehmer und Unternehmerinnen an, damit sie lernen, wie man Arbeitsschutz praktisch in den Arbeitsalltag integriert. Wir haben verschiedene digitale Tools, wie zum Beispiel die App „Sicher starten“. Da kriegt man einen ganz leichten Eindruck, wie man Arbeitsschutz organisieren kann. Dann haben wir noch die Sicheren Seiten für das Friseurhandwerk, wo alles zum Thema Arbeitsschutz supergut aufgearbeitet ist. Wir haben eine Online-Gefährdungsbeurteilung, die für die Betriebe unterstützend zur Verfügung steht. Und noch eine ganz spannende Geschichte: Wir fördern ein Mobilitätstraining, also ein Fahrsicherheitstraining für Fahrradfahrer und auch für Autofahrer. Denn es passieren sehr viele Unfälle auf dem Weg zur Arbeit und zurück und das sind natürlich auch versicherte Wege.
Moderator:
Und wenn dann Darija kommt und nachschaut, ob dann auch alles gut ist im kleinen Friseursalon: ein Tipp auch noch, bei der Prosecco-Bar die Pappbecher nehmen und nicht die Gläser, weil sonst gibt es vielleicht Scherben, die auf dem Boden liegen.
Darija Jeftić:
Absolut richtig.
Moderator:
Gesundes Arbeiten bedeutet also nicht nur Schutz vor akuten Gefahren, sondern vor allem Prävention im Alltag. Die BGW arbeitet eng mit dem Zentralverband des Friseurhandwerks zusammen. Der Verband, der vertritt die Interessen der Branche und setzt sich für Ausbildung, Qualität und Arbeitsbedingungen ein. Bei mir ist Manuela Härtelt-Dören. Sie ist die Präsidentin des Zentralverbands Friseurhandwerk. Hallo, grüß dich.
Manuela Härtelt-Dören:
Hallo, ich grüß euch.
Moderator:
Ja, guck mal, und weil du jetzt so viel mit Friseurinnen und Friseuren zu tun hast, hast du dir heute auch dein Leoparden-Sakko angezogen, oder? Weil ich sehe diese Farbe und dieses Muster hier sehr viel heute.
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, der absolute Animal Print, sag ich nur. Und ja, die Tiger sind auf dem Vormarsch.
Moderator:
Warum ist das Thema Arbeitssicherheit für das Friseurhandwerk aktuell besonders wichtig?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, ich denke da gerade in der Branche für unsere jungen Leute ist es wichtig, dass sie eben auch auf sicheren Beinen stehen. Und dass wir das auch vermitteln, was im arbeitssicherheitsmäßigen Bereich zu tun ist für unsere jungen Leute. Und daher denke ich auch, dass viele junge Leute in diesem Work-Life-Balance-Leben, und dazu gehört natürlich auch die Gesundheit. Und wie kann ich die Gesundheit weiter erhalten? Und da ist die BGW natürlich unser toller Partner, der uns da immer mit Rat und Tat zur Seite steht, was wir tun können für unsere jungen Leute. Und da sind wir wirklich sehr positiv eingestellt. Und auch ich freue mich immer wieder, wenn wir Tipps bekommen.
Moderator:
Welche Entwicklung beobachtet ihr in der Branche, jetzt zum Beispiel beim Nachwuchs oder auch bei den Arbeitsbedingungen?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, also die Arbeitsbedingungen werden immer besser. Also es werden ja ergonomische Scheren angeboten oder eben auch das Sitzen wird vereinfacht mit dem entsprechenden Hocker, dass man nicht zusammensackt. Also dass man aus diesem Rundrücken rauskommt. Und all das wird uns ja vorgelebt von der BGW und da werden ja auch viele Dinge entwickelt mit der BGW zusammen. Und das hilft uns natürlich sehr, sehr weit nach vorne, um eben auch die Gesunderhaltung unserer Mitarbeiter ja zu bringen.
Moderator:
Habt ihr auch mal so einen Blick auf den Mitarbeiterinnenraum? Also früher war einfach der Friseursalon, dann hatte man vielleicht Glück, dass es noch so einen halben Quadratmeter für die Angestellten irgendwie gibt. Da konnte man sich ja gar nicht hinsetzen zum Beispiel. Ist das mittlerweile besser geworden? Also gibt es auch so Verweilbereiche, wo man auch mal vielleicht das Bein ausstrecken kann sitzend?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, also da arbeiten wir in den Betrieben sehr stark dran, dass also auch wirklich diese Pausenräume dementsprechend eingerichtet sind, wo ich also den Blick nach draußen habe, wenn ich die Möglichkeit habe, für meine Mitarbeiter auch den Garten mal zu öffnen, damit sie auch in ihrer Mittagspause oder mal fünf Minuten frische Luft schnuppern können, dann ist das schon toll. Und ja, natürlich auch hier einfach mal die Beine hochzulegen ist einfach wichtig. Und man soll es ja auch bequem und schön haben. Also von daher finde ich das gar nicht schlecht, auch in den Pausenbereichen mal Fünfe gerade sein lassen zu können und vielleicht auch mal drei Minuten die Augen zuzumachen. Dafür haben wir ja genug Stress, wenn wir da am Kunden sind, und der psychologische Druck ist auch schon enorm hoch bei uns. Und da brauche ich wirklich Entspannungsphasen. Es ist gut, dass wir da immer wieder auch ein Auge drauf haben und auch immer wieder mal von der BGW aufmerksam gemacht werden: Schau mal, das kannst du anders machen. Und das ist auch gut so.
Moderator:
Ich finde es auch sehr gut, wenn die Friseurinnen mal in der Pause die Augen zumachen und weniger, wenn sie gerade meine Haare schneiden, auf jeden Fall. Viele junge Menschen interessieren sich für kreative Berufe. Wie gelingt es dabei gleichzeitig, ein Bewusstsein für Gesundheit und Prävention zu schaffen?
Manuela Härtelt-Dören:
Also ich glaube, das haben heute mittlerweile die jungen Menschen verinnerlicht, weil die machen ja schon viel Sport, die gehen viel weg auch. Und wenn man das weiter fördert in einem Betrieb, also wenn man dann zusammenwächst und man mehrere zusammen hat, dann kann man auch Sportangebote im Geschäft durchaus anbieten. Das funktioniert sehr gut und ich hab das also selber durchexerziert bei mir im Betrieb. Wir haben zum Beispiel einmal in der Woche morgens früh eine Yogadame bei uns gehabt, die hat mit uns ’ne Stunde, bevor wir angefangen haben zu arbeiten, mal Yoga gemacht. Das war einfach genial. Und das ist natürlich was, was meine jungen Leute auch dann immer weitererzählen: Hier bei uns wird das und das gemacht. Und das ist ’n guter Weg.
Moderator:
Ist ja auch Teambuilding, ist ja auch nicht so verkehrt auf jeden Fall. Welche Rolle spielen moderne Salonkonzepte, ergonomische Arbeitsplätze oder auch neue Technologien für sicheres Arbeiten?
Manuela Härtelt-Dören:
Also das ist ’ne ganz, ganz spannende Geschichte auch, aber es wird immer mehr und man richtet sich auch immer mehr darauf ein. Also auch andere Anbieter, Salonanbieter, die wirklich solche Verweilzonen schaffen, und das ist auch dann für unsere Mitarbeiter schön.
Moderator:
Was erwartet jetzt Besucherinnen und Besucher auf der Top-Hair-Messe über die Trends hinaus hier?
Manuela Härtelt-Dören:
Also ich glaube, wichtig ist der Austausch, das Netzwerken, was wir hier ganz gut können, und auch einfach mal wieder ein bisschen andere Dinge zu sehen, über den Tellerrand zu sehen und einfach auch mal ein bisschen Spaß zu haben.
Moderator:
Ja, was mir aufgefallen ist hier bei der Top Hair: Ich glaube, die Sektindustrie, die freut sich immer, wenn einmal im Jahr diese Messe ist, weil die Pulle ist ja an jedem Stand am Start.
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, also das ist jetzt kein Manko, sondern da sieht man einfach: Friseure können auch ein bisschen feiern.
Moderator:
Abschließend möchte ich noch was wissen: Wie sieht es eigentlich aus, KI und Friseurhandwerk, generell Digitalisierung, die alten staubigen Bücher zur Ausbildung, braucht man die heute noch?
Manuela Härtelt-Dören:
Also, man braucht tatsächlich auch noch Bücher, weil Lesen bildet, ja allgemein bekannt. Aber es ist natürlich so, durch unsere neue Meisterprüfungsordnung, die wir jetzt bekommen, ist auch die Digitalisierung ein wesentlich höherer Bestandteil. Und auch die Friseurbranche muss sich ja weiterentwickeln und man sollte auch KI als Chance nutzen, sage ich auch immer wieder. Es ist einfach ein Blick in die Zukunft und wir können uns davon nicht sperren. Und zum Beispiel KI in der Beratung mit einzusetzen, ist auch ein mega gutes Tool, was wir an die Hand nehmen können.
Moderator:
Genau, weil die Friseurin oder der Friseur wird ja jetzt nicht von der KI abgelöst. Weil wenn ich sage: Chatty, mach mir mal ein Vokuhila, dann sagt das Programm: Ja, kann ich nicht, aber ich kann dir ein lustiges Bild dazu zeigen.
Manuela Härtelt-Dören:
Genau. Aber über Bilder können wir ja kommunizieren und wir können dann eben sagen: Das geht oder das geht nicht. Dafür sind wir ja ehrliche Handwerker, die dann auch mal sagen: Oh, das funktioniert jetzt gar nicht, weil du hast zum Beispiel in den Ponypartien ’nen riesen Wirbel und da können wir jetzt nicht unbedingt ’nen tollen Pony draus zaubern, ja, also.
Moderator:
Wie findest du denn meine Ponypartie?
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, super.
Moderator:
Ja, okay, vielen Dank und viel Freude hier, ne, und ich sag mal: Prösterchen.
Manuela Härtelt-Dören:
Ja, Prösterchen. Tschüssi, vielen Dank.
Moderator:
Ich habe heute schon viel erlebt bei der Top Hair in Düsseldorf, aber ich habe noch nicht meine neue Frisur gefunden. Das werde ich auf jeden Fall in der zweiten Podcast-Folge bei Herzschlag. Es gibt noch eine direkt hier von der Top Hair. Und da klären wir auch, wie der Seelenzustand in der Friseurbranche ist. Ja, da klagen viele ihr Leid, aktuelle Weltlage, alles düster, alles bedrohlich. Und dann wird alles beim Friseur und bei der Friseurin erzählt. Was macht das mit denen, wenn man den ganzen Tag schlechte, negative Erfahrungen von Menschen gerade mitbekommt?
Und wir reden natürlich auch weiterhin über Gesundheitsaspekte im Friseurhandwerk. Da gibt es noch mehr, was wir dazulernen können. Und natürlich gibt es weiter Styles und Trends. Wie soll unsere Friese am besten sein? Bleibt also dran bei Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben. Abonniert am besten auch diesen Podcast, schaut gerne mal vorbei auf www.bgw-online.de/podcast. Dort findet ihr nämlich alle weiteren Folgen rund um Sicherheit und Gesundheit im Berufsleben. Ich bin Ralf Podszus, habe noch meine alte Frisur. Ich bin gespannt auf das nächste Mal. Gleich im Anschluss direkt Teil zwei von der Top Hair in Düsseldorf hören. Bis gleich.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Interviewgäste
Michael Schlömer
Scherenexperte, Inhaber HAARO Friseurbedarf
Jutta Gsell
Friseurmeisterin Salon Kopf-Kunst Bad Mergentheim,
Wella-Markenbotschafterin
Sebastiano Buca
Hairstylist, Brand Expert L'Oréal Professionel
Darija Jeftić
Aufsichtsperson g.D.
BGW Bezirksstelle Bochum
Manuela Härtelt-Dören
Präsidentin Zentralverband Friseurhandwerk
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