BGW test: Digitale Pflegedokumentation in der stationären Altenpflege
Pressemitteilung
10.02.2026
Digitale Pflegedokumentation soll den Arbeitsalltag in der stationären Altenpflege leichter machen. Unzureichend gestaltete Software kann das Gegenteil bewirken. Wie benutzerfreundlich sind die gängigen Softwarelösungen? Das hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) im Rahmen der Reihe „BGW test“ mit einer Feldstudie untersucht.
Bereits 2018 hatte die BGW Software für Pflegedokumentation geprüft. Dabei war die Gebrauchstauglichkeit bei allen getesteten Programmen mit „befriedigend“ bewertet worden. Haben sich digitale Pflegedokumentationen seitdem weiterentwickelt? Um das herauszufinden, führte die BGW eine Feldstudie im realen Pflegealltag durch. Sechs aktuelle Softwarelösungen wurden in zwölf stationären Einrichtungen systematisch geprüft – jede von ihnen in jeweils zwei der Einrichtungen.
Insgesamt zeigten die untersuchten Angebote eine positive Entwicklung zum Test 2018. Dennoch hat die Feldstudie ergeben, dass die Programme noch stärker an den Bedürfnissen der Nutzenden ausgerichtet sein sollten.
Was wurde geprüft – und wie?
Jede Software wurde in drei Dimensionen geprüft:
Umsetzung des Strukturmodells: Wie gut bildet die Software die fachlichen Anforderungen des Strukturmodells ab? Für den Test wurden 45 Kriterien definiert. Sie basieren auf dem „Anforderungsprofil für die Abbildung des Strukturmodells in Dokumentationssystemen“, das im Rahmen von EinSTEP gemeinsam mit den Verbänden der Softwarehersteller erarbeitet wurde.
Gebrauchstauglichkeit aus Expertensicht: Wie ergonomisch ist die Software gestaltet? Bewertet wurden 39 Kriterien für gute Gestaltung interaktiver Systeme, basierend auf den Gestaltungsgrundsätzen der DIN ISO 9241-110.
Praxistest aus Sicht der Pflegekräfte: Wie gut funktioniert die Software im Alltag? 39 Personen führten typische Dokumentationsaufgaben durch. Bedienbarkeit und Zufriedenheit der Nutzenden standen im Fokus. Die Testpersonen kannten die jeweilige Software bereits aus dem Arbeitsalltag.
Die Versuchsleitung beobachtete, ob die Arbeitsschritte erfolgreich von den Testerinnen und Testern absolviert wurden, und erhob nach jedem Schritt die Zufriedenheit. Final gaben die Pflegekräfte anhand standardisierter Aussagen ein Gesamturteil für die Benutzerfreundlichkeit ab.
Wenig Bedienfehler, aber Luft nach oben
Die Umsetzung des Strukturmodells in den Softwareangeboten zur Pflegedokumentation hat sich seit 2018 positiv entwickelt. Bei der Bewertung der Gebrauchstauglichkeit aus Expertensicht fiel auf, dass vier der sechs Programme nur etwa zwei Drittel der anerkannten Gestaltungsprinzipien von Software erfüllten. Zu diesen zählen unter anderem eine selbsterklärende Bedienung, erwartungskonforme Abläufe und eine gute Unterstützung der tatsächlichen Arbeitsaufgaben. Typische Probleme waren zu viele Klicks, uneinheitlich platzierte Buttons und fehlende Sicherheitsabfragen wie „Wollen Sie wirklich schließen?“ – mit der Folge, dass ganze Einträge unbeabsichtigt verloren gehen konnten. Faktoren wie diese können den Arbeitsalltag erschweren.
Im Praxistest machten die Pflegekräfte nur wenige Fehler bei der Bedienung der Softwarelösungen. Dennoch waren sie nicht in allen Punkten zufrieden.
Bemängelt wurden unter anderem
- überflüssige und repetitive Auswahlmöglichkeiten,
- störende Pop-ups,
- mangelhafte Rechtschreibprüfung.
Positiv bewerteten die Testenden unter anderem
- zeitsparende Shortcuts,
- „Mouseover“-Bedienungserklärungen,
- Statusampeln und visuelle Rückmeldungen.
Tipps für Hersteller und Pflegeeinrichtungen
Für die Herstellerfirmen besteht also weiterhin Potenzial, ihre Produkte besser an den Bedarfen der Nutzenden auszurichten. Dazu gehört, ergonomische Gestaltungsstandards systematisch zu berücksichtigen, Pflegekräfte frühzeitig in die Entwicklung einzubeziehen und Softwarelösungen regelmäßig unter realen Praxisbedingungen zu testen.
Für Einrichtungen ist es sinnvoll, vor der Beschaffung von Software für die Pflegedokumentation die Anforderungen gemeinsam im Team zu erarbeiten. Beschäftigte sollten die Gelegenheit haben, infrage kommende Programme praxisnah zu erproben. Es lohnt sich auch, Bedienprobleme zu erfassen und mit dem Hersteller zu teilen. Auf der Basis können die Systeme stetig den Anforderungen des Arbeitsalltags angepasst werden.
Der vollständige Bericht zur Feldstudie sowie weitere Ausgaben von BGW test stehen auf www.bgw-online.de/test zum Download bereit.
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Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist die gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. Sie ist für rund 9,5 Millionen Versicherte in über 663.000 Unternehmen zuständig. Die BGW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe beim Arbeitsschutz und beim betrieblichen Gesundheitsschutz. Nach einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall sowie bei einer Berufskrankheit gewährleistet sie optimale medizinische Behandlung sowie angemessene Entschädigung und sorgt dafür, dass ihre Versicherten wieder am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
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