Welche medizinische Konsequenz hat ein einmaliger positiver IGRA bei einer arbeitsmedizinischen Vorsorge (ohne vorangegangenen frischen Kontakt) für einen gesunden Beschäftigten ohne Krankheitszeichen?

Nach einem ersten positiven IGRA ohne frischen Kontakt mit einem Tuberkuloseerkrankten muss geklärt werden, ob beim Beschäftigten eine aktive Form der Tuberkulose vorliegt, die auf andere übertragen werden könnte. Deshalb wird der Beschäftigte zeitnah erneut eingeladen und eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs erstellt. (Das Vorgehen unterscheidet sich von der Umgebungsuntersuchung nach frischem Kontakt: Hier wird das Lungenröntgen erst drei Monate nach dem Kontakt empfohlen, um die Strahlenbelastung durch Folgeuntersuchungen gering zu halten.)

Empfehlung zur betriebsärztlichen Beratung und Untersuchung nach TB-Kontakt in Anlehnung an die DZK-Empfehlungen

Ergeben sich Hinweise auf eine aktive Tuberkulose im Röntgenbild, muss eine weitere diagnostische Abklärung (Sputum, Bronchoskopie, Kultur etc.) erfolgen, eine aktive TB muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden und die Behandlung eingeleitet werden. Ist eine aktive Lungen-TB mittels Röntgenbild jedoch ausgeschlossen, stellt sich die Frage, ob eine präventive Chemotherapie der latenten Tuberkulose-Infektion (LTI) angeboten werden sollte, um die Entwicklung einer aktiven TB zu verhindern. Das betrifft im Allgemeinen unter 5% aller frischen latenten Infektionen. Für Beschäftigte im Gesundheitswesen gibt es aber bisher nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie oft sich bei einem ansonsten gesunden Beschäftigten mit einem positiven= auffälligem IGRA-Ergebnis tatsächlich eine aktive TB-Erkrankung entwickelt. Das Risiko scheint aber geringer zu sein als bisher angenommen. Deshalb sollte mit einem ansonsten symptomlosen Beschäftigten sorgfältig abgewogen werden, ob eine Chemotherapie nur auf Grund eines positiven Testergebnisses überhaupt begonnen werden sollte. Unabhängig davon, ob eine präventive Chemotherapie bei einer LTI eingenommen wird oder nicht, sollte nach 9 Monaten (etwa 12 Monate nach letztem Kontakt zum infektiösen Patienten oder zu infektiösen Materialien) ein erneutes Röntgenbild zum Ausschluss einer aktiven TB durchgeführt werden. Ein erneutes Röntgenbild 24 Monate nach dem letzten Kontakt wird in Deutschland nicht mehr empfohlen.