Warum werden für psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen oder Burnout) keine Leistungen erbracht?

Bei anderen psychischen Erkrankungen wie einer Depression oder einer Angststörung ist es hingegen so, dass diese regelmäßig nicht durch ein einzelnes Ereignis ausgelöst werden sondern eine jeweils lange eigene Entstehungsgeschichte haben. Dies gilt auch für das in letzter Zeit häufig diskutierte Burnout-Syndrom. Dadurch wird es rechtlich unmöglich, sie wie einen Arbeitsunfall zu behandeln. Auch als Berufskrankheit können sie nicht anerkannt werden, da diese bis dato in der Berufskrankheitenverordnung nicht aufgeführt sind. Dazu findet sich in § 9 des SGB VII: „Die Bundesregierung wird ermächtigt, in der Rechtsverordnung solche Krankheiten als Berufskrankheiten zu bezeichnen, die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind…“.

In letzter Zeit verstärkt diskutiert wird das Phänomen des „Burnout“. Eine arbeitswissenschaftliche Definition kennzeichnet dieses als „Zustand charakterisiert durch wahrgenommene geistige, emotionale und/oder physische Erschöpfung, eine distanzierte Einstellung zur eigenen Arbeit und durch eine wahrgenommene reduzierte Leistungsfähigkeit, resultierend aus einer längerfristigen Exposition gegenüber psychischer Belastung, die bereits kurzfristig zu beeinträchtigenden Effekten führt“ (DIN-Spezifikation 33418). Da Burnout häufig als ein Problem der Arbeitswelt angesehen wird, liegt die Frage nahe, inwieweit die gesetzliche Unfallversicherung hierfür zuständig ist. Unstrittig dabei ist wie bereits beschrieben, dass die Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren – und dazu zählt auch psychische Belastung – zum Zuständigkeitsbereich der gesetzlichen Unfallversicherung gehört. Bislang fällt jedoch die Behandlung der von Burnout betroffenen Menschen in den Zuständigkeitsbereich der gesetzlichen Krankenversicherung, wo sie eine bedarfsorientierte Heilbehandlung wie z.B. eine Psychotherapie erhalten können.

Die Unfallversicherungsträger haben nicht die Befugnis, für Menschen mit psychischer Erkrankung wie einer Depression oder für Burnout-Betroffene Leistungen aus den Bereichen Rehabilitation und Entschädigung zu erbringen, da diese Erkrankungen aus versicherungsrechtlichen Gründen weder als Arbeitsunfall noch als Berufskrankheit anerkannt werden können: Ein Arbeitsunfall ist als kurzfristig einwirkendes Ereignis definiert – Depression, Angststörung oder Burnout haben jedoch stets eine eher langfristige Entstehungsgeschichte. Auch als Berufskrankheit können diese nicht anerkannt werden, da sie in der Berufskrankheitenverordnung bis dato nicht aufgeführt wird. Ob die Liste der Berufskrankheiten zukünftig entsprechend erweitert werden kann, ist unsicher. Üblicherweise sind hierzu umfangreiche Forschungsergebnisse notwendig, mithilfe derer klar belegt werden müsste, dass bestimmte psychische Erkrankungen in bestimmten Berufen überdurchschnittlich häufig auftreten. Da psychische Erkrankungen jedoch in nahezu allen Branchen und Berufsgruppen vorzufinden sind ist eine Anerkennung als Berufskrankheit in nächster Zukunft eher unwahrscheinlich.