Erste Hilfe in der Kita: Richtig reagieren, wenn’s ernst wird #157 BGW-Podcast "Herzschlag – Für ein gesundes Berufsleben"
Was tun, wenn ein Kind in der Kita stürzt, sich verschluckt, stark blutet oder plötzlich benommen wirkt?
In dieser Folge sprechen Ralf Podszus und Dominik Köpple, Erste-Hilfe-Ausbilder und Notfallsanitäter, über typische Notfälle in Kitas und Kindergärten. Es geht um Ruhe im Ernstfall, rechtliche Unsicherheiten, die richtige Kommunikation mit Kindern, den Umgang mit Eltern und die Frage, wie Einrichtungen Erste Hilfe organisatorisch gut vorbereiten können.
Dominik erklärt, wann der Rettungsdienst gerufen werden sollte, warum regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse so wichtig sind und wie das Kasperle-Schema dabei helfen kann, Kinder in Notfallsituationen kindgerecht zu begleiten. Außerdem geht es um praktische Fragen: Was gehört in den Verbandskasten? Was sollte auf einem Notfalldatenblatt stehen? Und wie werden Zecken, Wunden oder sensible Situationen richtig gehandhabt?
Hier kommen Sie zum Transkript dieser Folge
Moderator:
Lachen, Rennen, Toben und manchmal natürlich auch Weinen. In der Kita ist immer was los. Ein blauer Fleck, eine Schürfwunde am Knie oder ein Streit gehören zum Alltag dazu. Was, wenn aus einem kleinen Wehwehchen plötzlich ein echter Notfall wird, wenn ein Kind stürzt, sich verschluckt, stark blutet oder sogar kaum noch ansprechbar ist? Dann zählt jede Minute. Ruhe bewahren, ganz wichtig immer. Die Situation einschätzen und wissen, was zu tun ist. Genau darüber spreche ich heute mit Dominik Köpple. Er ist Erste-Hilfe-Ausbilder, Notfallsanitäter und regelmäßig in Kitas, um pädagogische Fachkräfte auf genau solche Situationen vorzubereiten. Was müssen Erzieherinnen und Erzieher können? Wie geht man mit Angst, Unsicherheit und auch aufgeregten Eltern um? Ja, da hopsen dann vielleicht auch die um einen rum. Verständlich, es geht um ihr Kind. Auch eine wichtige Frage: Wie kann man Kinder selbst altersgerecht auf Notfälle vorbereiten? Die Antworten, die hört ihr jetzt.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Dominik Köpple war schon mal bei mir im BGW-Podcast. Ich hab mit ihm über betriebliche Ersthelfer gesprochen. Ja, scrollt mal in eurer Podcast-App herum und dann findet ihr die Herzschlagfolge. So wichtig sind Ersthelfende im Betrieb. Hi Dominik, schön, dass du wieder bei mir bist.
Dominik Köpple:
Ja, hallo, schön, dass ich wieder da sein darf.
Moderator:
Die Folge mit dir, die verlinken wir natürlich auch in den Shownotes dieser Podcast-Folge. Dann müsst ihr gar nicht lange suchen, könnt ihr einfach dann draufklicken. Heute geht es um Erste Hilfe in Kitas und Kindergärten. Kannst du dich an deinen letzten Notfall, an deinen Einsatz mit Kind erinnern?
Dominik Köpple:
Ja klar, die merkt man sich dann doch ein bisschen eher. War zum Glück halb so wild, nur ein bisschen ein verstauchtes Sprunggelenk. Aber trotzdem, für ein Kind ist das natürlich immer dann der Notfall, der lange im Gedächtnis bleibt. Aber zum Glück, heute wird er wieder auf den Füßen sein.
Moderator:
Sehr schön, emotional fordert einen wahrscheinlich jeder Notfall. Die meisten, die sagen jedoch, bei Kindern ist das noch mal etwas anderes. Du hast es ja auch eben schon so ein bisschen mitschwingen lassen, als du das gesagt hast. Wie ist das bei dir?
Dominik Köpple:
Ja, das ist bei mir natürlich nicht anders. Das Schwierige ist immer, Kinder reagieren dann doch alle ein bisschen anders. Man kann ihnen nicht einfach sachlich was erklären und erwarten, dass sie das verstehen. Und zusätzlich hat man natürlich immer noch die Eltern mit dabei, die man auch betreuen muss. Sprich, man muss da einfach extra feinfühlig sein.
Moderator:
Du und dein Team, ihr seid regelmäßig in Kindergärten und Kitas unterwegs, um Erste-Hilfe-Kurse zu geben. Welche Fragen werden euch da besonders oft gestellt?
Dominik Köpple:
Hauptsächlich würde ich sagen, geht es da so immer um ein bisschen rechtliche Unsicherheiten. Viele haben Angst, nachher im Notfall irgendwas falsch zu machen, und irgendwie alles schlimmer zu machen oder mit irgendwas belangt zu werden. Muss man tatsächlich in den meisten Fällen aber überhaupt gar nicht haben. Oft macht man da sich nachher viel, viel, viel mehr Gedanken, als es eigentlich sein müsste.
Moderator:
Mal ganz grundsätzlich, was unterscheidet die Erste Hilfe am Kind vom Erwachsenen?
Dominik Köpple:
Also, wie gerade schon gesagt, Kindern kann man nicht einfach sachlich erklären, warum sie sich jetzt nicht bewegen dürfen oder warum sie jetzt irgendwas Bestimmtes tun sollen. Wenn sie das nicht machen wollen, dann werden sie das nicht machen. Dann muss man also schon ganz anders Überzeugungsarbeit leisten, auch gerade wenn es vielleicht wichtig wäre, sich jetzt nicht zu bewegen oder eine bestimmte Bewegung nicht zu machen. Das ist da natürlich ein Riesenunterschied mit einem Erwachsenen. Erklärt man das, dann funktioniert das in der Regel, ist es beim Kind nicht ganz so einfach.
Moderator:
Was sind typische Notfälle in der Kita oder im Kindergarten?
Dominik Köpple:
Hauptsächlich, wenn draußen gespielt wird, kleinere Wunden, Schürfwunden, vielleicht mal eine kleine Schnittwunde oder eben Stürze von Spielgeräten runter, vielleicht mal von einem Klettergerüst runter oder ein Stolperer, solche Sachen.
Moderator:
Ja, und was ich immer so beeindruckend finde, kennst du diese Schaukeln, diese, ich sag mal, diese Reifenschaukeln, da können mehrere Kinder reingehen, also bestimmt fünf, sechs, sieben. Und das sind schon so echt große, wuchtige Teile und die siehst du auf allen möglichen Kinderspielplätzen. Und wenn so ganz kleine Kinder damit schaukeln, dann denk ich mir immer so: Alter, was ist das denn für eine Geschwindigkeit und wie hoch machen die das? Und die sitzen da drin und dann denk ich, um Gottes Willen, doch nicht so hoch und nicht so schnell. Und das ist dann bei Kindergärten und die ganzen Erzieherinnen und Erzieher sitzen nur alle völlig gechillt da durch die Gegend und ich seh im Geiste quasi nur Kinder durch die Gegend fliegen, irgendwie. Man muss sich da auch bei der Arbeit mit Kindern. Runterchillen auf jeden Fall, ne.
Dominik Köpple:
Ja, definitiv, definitiv. Ich hab auch immer Angst, dass die Kinder nicht einschätzen können, dass dieses Teil ja gleich wieder zurückgeschwungen kommt, wenn sie dann in dem Moment hinlaufen. Aber ja, die Erzieher und das sag ich auch immer, die haben da immer ein ganz gutes Gespür dafür, die machen das jeden Tag mit den Kindern und da sag ich auch ganz oft, nicht zu viele Gedanken machen, gesundes Vertrauen auch in die Kinder haben.
Moderator:
Gibt es Situationen, bei denen man als Erzieherin oder Erzieher besonders aufmerksam sein sollte, entweder weil sie schnell unterschätzt werden oder weil sie erst mal schlimmer aussehen als sie sind?
Dominik Köpple:
Ja, schwierig, da eine Situation zu nennen. Schlimm aussehen tut es natürlich immer schnell, weil die Kinder natürlich auch, wenn es nur durch den Schreck ist, schnell anfangen zu heulen, zu schreien. Was aber natürlich immer so ein bisschen ist, nach Stürzen, wenn sich die Kinder dann irgendwie plötzlich anders verhalten als sonst, nicht nur nach Stürzen, so allgemein.
Moderator:
Wenn sie nämlich überhaupt nicht schreien.
Dominik Köpple:
Nee, ja, genau, wenn sie gar nicht schreien, dann ist natürlich auch komisch. So im Allgemeinen, um es so ein bisschen allgemein zu halten, Verhaltensveränderung. Ja, auch wenn ein Kind morgens kommt und irgendwie ganz ruhig ist, obwohl es vielleicht eigentlich ein sehr aktives Kind ist, dann lohnt es sich schon mal, sich mit dem Kind auseinanderzusetzen, zu fragen, was denn los sei. Besonders natürlich, wenn ein Kind gestürzt ist, da war wieder alles in Ordnung und dann wird es doch ein bisschen ruhig. Dann tut vielleicht doch was weh oder man muss vielleicht doch noch mal sich näher mit dem Kind befassen.
Moderator:
Ich selbst hab es im nahen Umfeld mitbekommen, dass im Kindergarten ein Kind beim Essen an einer Erbse erstickt ist. Also sehr dramatisch, sehr traurig. Und ich hab mir zuvor keine Gedanken dazu gemacht, dass Gemüse tödlich sein kann. Ich kann es auch nicht beurteilen, wie da die Situation vor Ort war. Auf jeden Fall kann offenbar bei vielen kleinen Kindern jederzeit etwas passieren. Wie kann man Mitarbeitende in Einrichtungen mit Kindern hier beruhigen? Und welche Fälle kennst du, die auf den ersten Blick völlig harmlos anfingen, wie eben ein Mittagessen im Kindergarten?
Dominik Köpple:
Also, was mir da einmal ganz besonders auffällt, nicht nur in den Kitas, sondern auch so allgemein. Man hat da so ein bisschen anderen Blick drauf, wenn man im Restaurant ist, zum Beispiel, ist jegliches Rumalbern und Spielen während des Essens am Tisch. Das ist eigentlich so das Hauptgefährliche, sag ich mal, weil ein Kind kann essen erst mal so. Ja, man achtet auf ein paar Sachen. Aber alles, was so Rumgehampel ist am Tisch, immer schwierig und natürlich vielleicht so Sachen wie Bonbons, die sich dann wunderbar auch im Hals festkleben können. Das fängt bei Tic Tacs an, ja, Erbsen, je nach Größe des Kindes. Ja, irgendwann sind Erbsen kein Problem mehr, aber vielleicht ein Bonbon schon noch. Also da kann man auf solche Sachen dann doch achten, ja.
Moderator:
Etwas weniger dramatisch und ganz praktisch, stellen wir uns vor, ein Kind stürzt beim Klettern. Weint dann stark und wirkt auch so ein bisschen benommen. Was sollte man als Erstes tun und wie geht es dann weiter?
Dominik Köpple:
Erst mal, auch wenn es sich natürlich immer einfacher sagt, als es nachher getan ist, möglichst ruhig bleiben. Das überträgt sich dann doch auf das Kind, wenn man selbst kontrolliert und ruhig handelt, so gut es eben geht. Natürlich ist man da aufgeregt, aber doch das möglichst versuchen und dann einfach mal auf das Kind zugehen und schauen, wie es sich verhält. Jetzt haben wir schon gesagt, es weint. Klar, das kann sich auch einfach mal erschreckt haben, ist aber benommen. Benommen bedeutet schon erstmal, es hat sich auf jeden Fall den Kopf angeschlagen. Ja, da würde ich es jetzt im nächsten Schritt ein bisschen davon abhängig machen. Steht das Kind sofort selbst wieder auf, setzt es sich auf, dann darf es das natürlich. Wir können es sowieso nicht zwingen, liegen zu bleiben, wenn es aufstehen möchte. Dann einfach sagen, dass es sich bitte kurz hinsetzen soll und man da einfach mit dem Kind spricht, was denn weh tut und da so ein bisschen drauf achtet. Situationsangepasst, was das Kind eben dann auch macht. Anders sieht es aus, wenn es liegen bleibt. Also, wenn das Kind schon vor Schmerzen liegen bleibt oder wirklich so benommen ist, dass es gar nicht mehr weiß, was es tun soll oder tut, ist auf jeden Fall dann schon mal der Punkt, dass wir den Rettungsdienst alarmieren. Das machen wir dann von Anfang an und dann, wenn das Kind dort tatsächlich sicher liegen kann, sprich wir haben keine Gefahr, dass irgendwie was auf das Kind drauf fallen könnte, dann lassen wir das Kind auch besser erst mal da liegen, wenn es, wie gesagt, sowieso nicht von selbst aufsteht, zudecken, für Wärmeerhalt sorgen, eng betreuen. Natürlich bei dem Kind bleiben, nicht alleine lassen, Verständnis zeigen und es dann aber auch nicht unnötig bewegen, wenn sich das Kind nicht selbst bewegt. Natürlich ganz klar, Wunden, blutende Wunden, müssen versorgt werden in jeder Situation. Das hat dann oberste Priorität zusätzlich.
Moderator:
Woran erkennt man, dass wirklich der Rettungsdienst gerufen werden sollte? Also, lieber bei Kindern nicht zögern.
Dominik Köpple:
Ja genau, das ist auch das, was ich immer sag. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Natürlich soll der Rettungsdienst nicht einfach immer zur Sicherheit einfach gerufen werden, das ist nicht das Ziel. Aber wenn man sich unsicher ist, gerne einmal mehr als einmal zu wenig, weil rückgängig machen können wir es nicht mehr. Und ich würd auf jeden Fall so Punkte nennen wollen, wo wir den Rettungsdienst alarmieren sollten, ist bei starken Schmerzen, ja nicht nur bei Kindern, das kann man auch allgemein halten, die Punkte bei starken Schmerzen, wenn jemand bewusstlos ist oder war, wenn jemand wirklich benommen ist, wie wir es im Fallbeispiel gerade kurz hatten. Also Benommenheit ist es dann wirklich, vor allem nach dem Sturz, da hat das Gehirn dann doch einen ordentlichen Schlag abbekommen. Und natürlich bei allen größeren Wunden, vor allem wenn sie stark bluten, ja, also da darf dann schon der Rettungsdienst hinzugezogen werden.
Moderator:
Und der zögert auch keine Sekunde, natürlich generell nicht, aber ich hab es auch selbst erlebt. Kind mit Atemnot, Rettungswagen angerufen, es hat eine Minute gedauert und es waren zwei Rettungswagen da. Also da war ich dann echt baff.
Dominik Köpple:
Da waren sie gerade ums Eck, ja, da hatte man Glück.
Moderator:
Schon drauf gewartet, irgendwie sozusagen. Haben dann nur kurz Schnick, Schnack, Schnuck gemacht, das ging auch sehr schnell, die haben sich sehr schnell verständigt, wer macht was, aber der andere Wagen ist geblieben, also die sind dann tatsächlich mit beiden Teams vor Ort geblieben und als es sich beruhigt hat, ist dann das eine Team wieder weggefahren.
Dominik Köpple:
Ja, natürlich, man darf das nicht falsch verstehen. Ich versuch es vorsichtig auszudrücken, die Notrufnummer ist natürlich keine Servicehotline, aber im Notfall bekommt man natürlich dort auch Tipps und Ratschläge. Man wird auch so angeleitet, wenn man jetzt wirklich gar nicht weiß, was man tun soll. Ja, die schicken die Rettungsmittel raus, die werden alarmiert und der Disponent bleibt aber auch am Telefon und sagt, jetzt überprüfen wir mal das, überprüfen wir mal das. Besonders bei Kindernotfällen, wo ja doch viele unsicher sind, man bekommt da auch zusätzlich Unterstützung.
Moderator:
Viele haben ja Angst in so einem Moment, wenn gerade mit einem Kind etwas passiert, was falsch zu machen. Ganz kleine Geschöpfe, was hilft, um nicht in Panik zu geraten und man muss ja auf jeden Fall helfen?
Dominik Köpple:
Ja, klar, unbedingt. Das Beste ist tatsächlich, regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kurs besucht zu haben. Ja, die Berufsgenossenschaft gibt ja alle zwei Jahre vor für betriebliche Ersthelfer. Das sollte man auf jeden Fall einhalten. Ja, also 2 Jahre sind dann doch lang. Da kann man einfach praxisnah, zumindest in meinen Kursen, wird alles praxisnah geschult, die ganzen Notfallsituationen besprochen, offene Fragen geklärt, das ist dann schon was, was einem hilft. Wenn man jetzt sagt, das ist natürlich doch lang, 2 Jahre, dann kann man sich, das hat mir auch in der Ausbildung geholfen, so ein bisschen selbst mit so Gedankenfallbeispielen, sag ich mal, helfen, einfach zu überlegen, was würde ich denn in welcher Situation jetzt konkret tun. Ja, also man stellt sich einfach Notfall X oder Y vor und überlegt dann für sich, Ja, was würde ich jetzt eigentlich machen? Die Fragen dann entweder im nächsten Erste-Hilfe-Kurs, wenn er vor der Tür steht, klären lassen oder für sich selber klären. Manches kann man ja doch recherchieren oder einfach auch nachfragen und dann hat man da schon so ein bisschen für sich selbst die wichtigsten Situationen. Ah, wenn das passiert, hole ich dort mein Erste-Hilfe-Material, hole ich mir dort das Hilfsmittel, wie auch immer. Dann hat man aber einfach schon mal so ein bisschen 'ne Idee und sich selbst quasi vorbereitet. Das hilft doch auch immer.
Moderator:
In der Kita muss Erste Hilfe verlässlich organisiert sein. Sie ist da kein Nice-to-have. Der Träger ist gesetzlich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass im Notfall alles bereitsteht, also Material, klare Abläufe und Menschen im Team, die wissen, was zu tun ist. Bei zwei bis 20 anwesenden Versicherten muss mindestens eine Ersthelferin oder ein Ersthelfer vor Ort sein und bei mehr als 20 gilt in Kitas eine Ersthelferin oder ein Ersthelfer pro Kindergruppe. Es gibt ja verschiedene Größen von Kindergruppen, aber muss man genau gucken, dass das passt. Dominik, was heißt das jetzt ganz praktisch für den Alltag in der Einrichtung? Welches Erste-Hilfe-Material sollte jede Einrichtung vor Ort griffbereit haben?
Dominik Köpple:
Was vorgeschrieben ist, reicht im Prinzip aus. Wir haben einen betrieblichen Verbandkasten, nennt er sich, den man haben muss und dort ist alles drin, was man braucht. Ja, da gibt es größere und kleinere, je nach Einrichtung. Für die allermeisten wird der kleinere reichen und dort hat man tatsächlich die ganzen wichtigen Verbände und so weiter alles da, das reicht. Woran man nur zusätzlich denken muss, der hängt meistens an der Wand und man nimmt den nicht mit, wenn man irgendwo hingeht, dass man einfach einen kleinen mobilen Erste-Hilfe-Kasten, Verbandkasten für Ausflüge hat und den dann dabei hat, ne, da passiert auch schnell was und dann weiß man zwar, wo er in der Einrichtung hängt, aber man ist halt ganz woanders.
Moderator:
Was sollte eine Kita organisatorisch vorbereiten, damit im Notfall nicht erst lange abgestimmt werden muss? Also zum Beispiel, wo das Erste-Hilfe-Material liegt, wer die Eltern informiert und wer die Gruppe im Blick behält, denn dann rennen ja alle nur panisch mit Händen nach oben durch die Gegend im Kreis.
Dominik Köpple:
Ja genau, das ist oft das Problem. Wer was genau macht, find ich schwierig vorher festzulegen, aber wichtig sind so Sachen, dass man tatsächlich weiß und jeder im Team weiß, wo ist der Verbandkasten, ne, der sollte wirklich immer, immer am gleichen Ort liegen. Dann geht es weiter, was ich wichtig finde mit Notfalldatenblättern. Ich empfehle immer, für jedes Kind ein Notfalldatenblatt zu haben, wo einfach draufsteht, zum Beispiel: Hat das Kind Allergien? Hat das Kind irgendwelche Unverträglichkeiten? Wie erreichen wir die Eltern? Ja, da auch einfach vielleicht verschiedene Telefonnummern, vielleicht eine Telefonnummer vom Arbeitgeber der Eltern, wenn man sie auf dem Handy nicht erreichen kann. Solche Sachen griffbereit zentral auf einem Blatt Papier, dass man das alles hat. Im besten Fall hat man gleich eine Kopie davon, die man im allerschlimmsten Fall, wenn es sogar zu einem Rettungsdiensteinsatz kommt, dem Rettungsdienst mitgeben kann und damit ist man dann schon tatsächlich gut bedient. Wer nachher in welcher Situation jetzt den Verbandkasten holt und wer das Notfalldatenblatt holt und wer bei dem betroffenen Kind bleibt, das müsste man jeden Tag aufs Neue festlegen. Ja, das ist schwierig, das ergibt sich dann spontan, aber wenn jeder weiß, wo was zu holen ist und damit jeder jede Aufgabe erfüllen kann, damit ist man schon wirklich gut vorbereitet.
Moderator:
Wie immer ist Kommunikation wichtig. Das sage ich ganz oft hier im Podcast. Die Kommunikation mit Kindern ist natürlich eine andere als mit Erwachsenen. Du hast es ja vorhin auch schon mal anklingen lassen. Ein Erwachsener, der kann meist besser beschreiben, was passiert ist oder wo es weh tut. Wie sollte man das jetzt noch mal ganz konkret bei Kindern am besten machen?
Dominik Köpple:
Bei Kindern sollte man besonders bedenken, dass sie natürlich auch einfach gefragt werden können, was weh tut und einem das auch sagen. Nur je nach Alter der Kinder müssen wir drauf achten, dass es sein kann, dass sie vielleicht noch nicht so jeden Schmerz hatten oder kennen und dass dann vielleicht auch Rückenschmerzen als Bauchschmerzen als Kopfschmerzen bezeichnet werden, weil sie eben nur diese Schmerzen kennen. Also da darf man sich nicht immer so 100 Prozent drauf verlassen.
Moderator:
Natürlich, ganz interessant, ne, da ist ganz viel Erstschmerz in jedem Bereich dabei, mhm.
Dominik Köpple:
Ja, man kann da nicht davon ausgehen, dass das Kind sagt, ja, es hat Schmerzen und weiß jetzt, es nimmt eine Tablette oder wie auch immer, das ist alles ganz viel Neues.
Moderator:
Es hat noch niemals das Wort Blinddarm gehört, ne? Oh, ich glaube, ich hab hier ein bisschen was mit dem Wurmfortsatz, das ist wohl jetzt hier, zum Beispiel, zum Beispiel. Es gibt in diesem Zusammenhang zum Beispiel das KASPERLE-Schema, das hatte ich jetzt vorhin noch überhaupt gar nicht gehört, kannst du das mal erklären, was damit gemeint ist?
Dominik Köpple:
Ja, also das ist so ein Schema, was auch der Rettungsdienst nutzt, woran man sich so ein bisschen entlanghangeln kann.
Moderator:
Das ist jetzt wieder so eine Abkürzung, jeder Buchstabe steht für irgendein Wort, ich hab es befürchtet.
Dominik Köpple:
Ja, ja, tatsächlich, man darf so was auch nicht falsch verstehen und auswendig lernen, das ist nicht das Ziel der Sache, man kann ein Plakat in den Aufenthaltsraum hängen, dass man sich das immer mal wieder vor Augen hält, aber das sind einfach so ein paar wichtige Punkte, wenn man die immer zur Mittagspause mal so beiläufig liest, dann hat man das so ein bisschen im Kopf und das kann einem dann doch schon helfen. Wir können das KASPERLE-Schema ja mal Stück für Stück durchgehen. Dann hat man es ein bisschen deutlicher vor Augen. Also, wir fangen an mit dem K, die Kontaktaufnahme. Klar, wir wollen erst mal mit dem Kind sprechen, dann können wir es versuchen, ein bisschen abzulenken. Wir können die Situation und Maßnahmen kindgerecht erklären. Ja, dafür steht das S. Wir können mit dem P Personen einbeziehen. Also meistens haben die Kinder ja irgendeinen besten Freund, 'ne beste Freundin oder vielleicht 'ne Lieblingserzieherin. So was hilft dann natürlich immer. Das E steht für Entscheidungsfreiheit lassen, also auch Kinder können Entscheidungen treffen. Wir sollten nur drauf achten, dass wir auch nur Dinge anbieten, die wir auch nachher erfüllen können. Also, wenn wir zwei Sachen anbieten und das Kind entscheidet sich dann für die, die wir gar nicht erfüllen können … Also ja, oft so, also da muss man feinfühlig sein. Kinder sollte man auch tatsächlich nie belügen, also die Kinder kriegen das raus, die merken das auch, da ein bisschen drauf achten. Das R steht dann für Ruhe bewahren, auch wenn es nicht immer einfach ist. Das L ist dann das Lieblingsstofftier, wenn es denn hoffentlich gerade auch greifbar ist …
Moderator:
… und das E ist dann hoffentlich für endlich alles fertig, jetzt endlich Eis essen gehen.
Dominik Köpple:
Tatsächlich nicht, ich hab es schon ein bisschen vorgezogen, gerade. Das E ist dann für ehrlich sein. Ja, tatsächlich richtig, man verliert sonst vielleicht auch einfach das Vertrauen von dem Kind. Ja, die Kinder merken sich das, das ist ein Ereignis, was im Kopf bleibt und wenn die Kinder dann auch zwei Wochen später einem immer noch nicht vertrauen. Oder nicht wieder vertrauen, das wär dann ärgerlich. Also, man muss da wirklich feinfühlig sein.
Moderator:
Ja, schön, das kann man da wirklich sehr gut ableiten, alles wichtig. Hast du konkrete Sätze oder kleine Tricks, die gut funktionieren, um Kinder zu beruhigen, jetzt ohne zu flunkern? Und was sollte man eher vermeiden, weil es Kinder noch mehr verunsichern kann?
Dominik Köpple:
Also, es wär schön, wenn es da so genaue Sätze gibt, die man einfach anwenden kann, leider nicht. Was ich immer sag, ist die Körpersprache. Ja, also man kann einfach keine festen Sätze definieren, aber die Körpersprache macht da schon viel aus und wirkt sich auch auf die Kinder aus. Also, wenn man selber ruhig und kontrolliert handelt, ja, innerlich kann es anders aussehen in einem. Das ist auch okay, völlig normal. Aber wenn man es schafft, äußerlich ruhig mit dem Kind zu sprechen, ruhig zu handeln, dann überträgt sich das doch auch aufs Kind. Wenn jetzt wild durcheinander gerufen wird oder gelaufen wird und diese Unsicherheit wird von dem Kind dann gespürt, das wäre eher negativ, dann ja.
Moderator:
Ja und ruhig bleiben, Kinder beruhigen, das ist wirklich ganz wichtig, da kann ich auch noch mal wieder was erzählen, was ich erlebt hab. Einem Freund ist das passiert, der war auf dem Kindergeburtstag und das war ein paar Stockwerke hoch und die Kinder haben halt alleine im Kinderzimmer gespielt; war irgendwie auch ein warmer Tag, Fenster wohl irgendwie angelehnt und er ist dann einfach mal ins Kinderzimmer reingegangen, weil er mal nachgucken wollte und da war kein Kind mehr im Zimmer. Sie waren draußen, auf der Außenseite der Fensterbank alle und da ging es dann irgendwie drei, vier Stockwerke runter. Das hat ja kein Kind realisiert, weil die alle noch super jung waren, wie gefährlich und maximal tödlich diese ganze Geschichte war. Da hätte der jetzt natürlich auch sofort, „Ach du liebe Zeit“ oder so und schon alleine vom Schreck hopst das erste versehentlich runter. Er war die Ruhe komplett und hat nur gesagt, Kinder, wir spielen jetzt bla bla bla, oder wir gehen Eis essen. Ich, er hatte irgendwas gehabt, was sie richtig toll fanden. Ich glaube, in Klammern: Hier hat er knallhart gelogen, auch wenn man das nicht machen soll, aber sie waren alle extrem angefixt, dass sie jetzt sofort wieder reingehen und sind im Gänsemarsch, hat auch gesagt, alle nacheinander und sind dann reingekommen und das ging dann gut. Aber so eine Situation, Kinder kommen auf die blödesten Ideen und kein Fenster irgendwie offen lassen, wenn Kinder alleine im Raum sind, ne. Aber hier war Ruhe, das absolute Zauberwort und alle haben sich bedankt, wie besonnen er hier reagiert hat.
Dominik Köpple:
Ja, tatsächlich.
Moderator:
Manche Erste-Hilfe-Situationen, die sind ja nicht nur medizinisch heikel, sondern auch menschlich sensibel. Zum Beispiel, wenn Schamgrenzen eine Rolle spielen oder auch kulturelle oder religiöse Hintergründe wichtig sind. Nehmen wir mal 2 Situationen, eine Kopfverletzung unter einem Kopftuch oder eine Zecke an einer intimen Stelle. Wie geht man da jetzt am besten vor?
Dominik Köpple:
Bei einer Verletzung unter einem Kopftuch, würde ich sagen, das kriegt man noch ganz gut gehandhabt, wenn man tatsächlich das betroffene Kind einfach mal von der Gruppe trennt und vielleicht durch eine weibliche Erzieherin, ist ja meistens mindestens eine da, wenn nicht nur weibliche Erzieherinnen da sind, dann einfach mit dem Kind sprechen. Ja, ich denk, das ist da mit Frauen untereinander weniger ein Problem, dass das versorgt wird, ansonsten so gut wie es geht. Die Wunde von außen versorgen, dann müssen die Eltern dazu kommen, da einfach ganz viel mit Kommunikation arbeiten, da würde ich ganz viel einfach das Kind fragen und natürlich nichts machen, was das Kind eigentlich nicht möchte.
Moderator:
Und wenn’s jetzt bockt „Nein, nicht dahin, nein, nein, nein“, weil erkennt die Gefahr nicht, Zecke will sich weiter reinbohren, man kann es ja nicht mit dem Kind immer logisch besprechen, hast du vorhin ja auch gesagt.
Dominik Köpple:
Ja, bei der Zecke, das ist natürlich anders, die sollten natürlich schnellstmöglich entfernt werden, an einer intimen Stelle natürlich immer blöd, auch da dann mit den Eltern kommunizieren, die Eltern anrufen. Wenn die Eltern nicht erreichbar sind und das Kind gar nicht mit sich reden lassen möchte, dann ist das natürlich schwierig.
Moderator:
Ja, es ist ja dann tatsächlich auch lebensbedrohlich, kann es jedenfalls werden. Warum kann man nicht jetzt selbst als Erzieherin, als Erzieher die Zecke da rausziehen, denn da kommt es ja auf Schnelligkeit an, wenn man jetzt erst die Eltern anruft oder die dann jetzt noch in die Einrichtung fahren müssen, da können ja schon zehn Zecken in den Körper geschlüpft sein oder ihre Bakterien verteilt haben, besser gesagt.
Dominik Köpple:
Also die Unfallkasse regelt das ganz klar, die sagen, eine Zecke soll schnellstmöglich entfernt werden, das darf auch durch die Erzieher gemacht werden, so ganz pauschal gesagt, aber wir weisen auch darauf hin, also es gibt da extra ein Schreiben, kann man sich online runterladen, sie sagen auch, dass der Wunsch der Eltern respektiert werden muss. Also wenn bei der Anmeldung am besten schon das geregelt wird, sollen Zecken entfernt werden oder nicht und die Eltern sagen nein, die Zecke soll durch die Erzieher nicht entfernt werden, dann bleibt die Zecke auch da, wo sie ist, bis die Eltern tatsächlich da sind. Dann haben die Eltern dafür unterschrieben. Wenn die Eltern dann über eine halbe Stunde, über eine Stunde nicht erreichbar sind, ja, finde ich dann auch schwierig. Aber das muss dann respektiert werden, wenn die Eltern das explizit so gesagt hätten.
Moderator:
Bürokratisieren wir uns hier nicht, weil das Kindeswohl hinten ansteht? Also es gibt auch Eltern, die meinen, dass man sich nicht gegen Masern impfen müsste. Das muss man, wenn man in eine Einrichtung geht, wie in einen Kindergarten oder eine Kita, und bei der Zecke muss schnell gehandelt werden. Es gibt ja auch Beispiele, das Kind fällt hin und blutet und jetzt dürfen die Erzieherinnen und Erzieher nicht desinfizieren. Was aber sehr wichtig ist, diese Verordnung kapiere ich persönlich nicht, weil es ist wichtig, stattdessen blutet es dann einfach mal so weiter oder wird dann zwar bepflastert, verbunden, aber eben nicht vorher desinfiziert. Hier ist ja am Ende die größere Gefahr mit einer Infektion und mit schlimmen Dingen, die dann passieren können, da. Warum sind diese Regeln so? Weil es verschlechtert ja eigentlich das Kindeswohl, diese Bürokratie. Jetzt darf nicht die Erzieherin desinfizieren oder der Erzieher.
Dominik Köpple:
Ja, im ersten Moment sieht das nämlich so aus, dass man da sich selbst im Weg steht, tut man mit Sicherheit auch zum Teil auf jeden Fall. Bei Desinfektionsmitteln ist es einfach schwierig, weil es sehr viele unterschiedliche gibt und wenn man jetzt einfach sagt: Ja, desinfizieren, es soll desinfiziert werden und die Erzieherinnen bringen dann halt beim nächsten Mal ein eigenes mit, weil das, was im Verbandkasten war, leer ist, dann kann es natürlich mal sein, dass ein Desinfektionsmittel, was nicht in eine Wunde gehört, da trotzdem landet, was dann auch nicht unbedingt förderlich wäre. So hat man das versucht einfach zu entschärfen und sagt jetzt mit klarem Wasser die Wunde ausspülen, wenn sie grob verunreinigt ist, dann abdecken, verbinden und wenn nötig, von einem Arzt versorgen lassen. Da geht es einfach um Unverträglichkeit.
Moderator:
Da sind wir mittendrin dabei, was dürfen Erzieherinnen und Erzieher im Notfall eigentlich tun und was müssen sie tun?
Dominik Köpple:
Das ist im Prinzip recht einfach beantwortet. Sie dürfen alles tun, was sie im Erste-Hilfe-Kurs gelernt haben. Was wir dort unterrichten, da kann ich natürlich nur für meine Kurse sprechen. Da lege ich meine Hand auch nicht für andere Kurse ins Feuer. Aber was wir unterrichten im Erste-Hilfe-Kurs, das ist ganz genau das, was die Berufsgenossenschaft vorgibt, was getan werden darf und was auch getan werden soll. Und wenn man sich daran hält, muss man überhaupt nichts befürchten, dass man am Ende irgendwie was falsch macht. Das heißt nicht, dass das alles dann perfekt laufen muss, aber das sind einfach die grundlegenden Dinge, an die man sich halten sollte.
Moderator:
Und dann gibt es natürlich auch einen Punkt, der viele beschäftigt: die Eltern. Also die Sorge, dass hinterher Fragen kommen, wie warum habt ihr das so gemacht oder im schlimmsten Fall sogar das hat Konsequenzen. Das gibt natürlich auch dann diese Verordnungen, nicht alles gleich zu machen, weil man hat ein bisschen Angst, was könnte da jetzt juristisch draus entstehen. Hörst du solche Bedenken auch in deinen Kursen, nimmt das mittlerweile zu, weil Torben-Jerome etwas anders behandelt werden soll als die Leonie nebendran?
Dominik Köpple:
Denk ich auf jeden Fall, dass das zunimmt. Jeder will dann doch noch was Spezielles haben und das nicht und der will das nicht. Auf jeden Fall, da sag ich immer, muss man einfach bei der Aufnahme, bei der Anmeldung der Kinder, das Ganze ein bisschen ausweiten und da möglichst viel vorweg schon definieren, dokumentieren, ganz wichtig auch bei jedem Notfall, gerade wenn wir es vorher von den Zecken hatten an ungünstigen Stellen. Ja, immer dokumentieren, dokumentieren, dokumentieren, dass auch nachher ganz klar ist, weil man ja auch nicht weiß, was das Kind erzählt oder wie das Kind das aufgenommen hat. Viel, viel dokumentieren, Zecken entfernen, Medikamentengaben, ganz wichtig. Um Gottes Willen, keine Medikamente geben, wenn man nicht von einem Arzt – und das ist gar nicht darum, dass man den Eltern irgendwie nicht traut. Aber ich würde mich da doppelt absichern und wirklich vom Arzt, der das verordnet hat, eine Verordnung geben lassen, welches Kind wann, warum welches Medikament verabreicht bekommen soll, in welcher Dosierung, in welcher Form das eingenommen wird, dass man da auf der sicheren Seite ist. Auch wichtig, wenn es dann doch mal zu einem Rettungsdiensteinsatz kommen muss, dann muss der Rettungsdienst natürlich auch wissen, was für 'ne Vorerkrankung hat das Kind, welches Medikament hat es heute schon denn eingenommen. Solche Sachen sind dann natürlich wichtig, ja, und vor allem müssen sie dokumentiert sein, wenn man das mit den Eltern mal am Telefon besprochen hat, ist das natürlich nachher haltlos.
Moderator:
Wie kann man jetzt Kinder altersgerecht auf mögliche Notfälle vorbereiten, also zum Beispiel die Notrufnummer wählen, Hilfe holen oder W-Fragen üben, ohne ihnen jetzt Angst zu machen.
Dominik Köpple:
Durch Geschichten würd ich das machen. Ich würd tatsächlich, es gibt ja immer die ganzen Bilderbücher in den Kitas, in den Kindergärten und dort hat man ja auch mal so Feuerwehr-, Polizei- oder Rettungsdienstbücher und einfach in dem Zusammenhang würd ich sagen: Ja, aber wo rufen wir denn überhaupt dann den Rettungsdienst an, wenn was passiert? Ja, so kann man ganz einfach auf die Notrufnummer überleiten und dann sind wir auch schon ganz schnell da. Ja, und wenn wir jetzt da anrufen, was sollen wir denn dann sagen und so weiter und so kann man da schon auch die Kinder langsam ranführen. Und da bezüglich der W-Fragen sage ich immer ganz klar, auch bei den Erwachsenen, das Allerwichtigste ist mal, dass wir wissen, wo wir sind. Ne, also je früher ein Kind sagen kann, wo es wohnt oder beschreiben kann, wo es sich denn befindet …
Moderator:
… zack kann die Hilfe schon losfahren, das ist das Wichtigste.
Dominik Köpple:
Genau, alles andere kommt dann danach und ob das Kind dann beschreiben kann, was hier genau passiert ist, ganz egal, wenn der Leitstellendisponent weiß, wo sich das Kind befindet und das Kind sagt dann, Mama hat ein schweres Aua und redet nicht mehr oder irgendwie, dann wird auf jeden Fall Hilfe geschickt, auch wenn sonst gar nichts außer dem Ort aus dem Kind rauszukriegen ist.
Moderator:
Alle zwei Jahre sollte ein Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt werden. Das hast du vorhin als Empfehlung ausgesprochen. Wie sieht es denn mit den Kosten für eine Erste-Hilfe-Aus- und
-Fortbildung aus?
Dominik Köpple:
Das empfehle ich nicht nur, das gibt sogar die Berufsgenossenschaft vor, dass alle zwei Jahre die Schulung wiederholt werden muss, damit man seinen Status als betrieblicher Ersthelfer überhaupt behalten kann. Und das Schöne ist, die Kosten werden von der Berufsgenossenschaft getragen, ja, man bezahlt ja ohnehin seinen Beitrag, dadurch werden die Kosten gedeckt, die Abrechnung erfolgt direkt über uns. Ja, also wer einen Erste-Hilfe-Kurs bucht, macht mit uns einfach nur einen Termin aus. Wir kommen mit sämtlichem Material in die Einrichtung, führen den Erste-Hilfe-Kurs durch, machen die Abrechnung danach direkt mit der Berufsgenossenschaft. Es gibt keine Kosten für die Einrichtung selbst und ja, damit ist man geschult und hat alles erfüllt, was man haben muss und was einem natürlich auch selber hilft.
Moderator:
Und noch mehr Infos dazu findet ihr dann auch speziell noch mal wegen der Kostenübernahme in den Shownotes dieser Podcast-Folge. Was würdest du Kita-Leitungen raten, wie kann man Erste Hilfe dauerhaft im Team präsent halten und jetzt nicht nur alle paar Jahre im Kurs? Also ich vergess ja auch immer schon, was ich heute Morgen gemacht hab oder wenn ich jedes Jahr mein Auto winterfit machen muss, weiß ich auch schon nicht mehr, wo muss ich das reingießen, was muss ich da überhaupt reingießen? Also ich vergesse das ja schon viel früher als alle zwei Jahre.
Dominik Köpple:
Man kann für die verschiedenen Themen oft bei der Berufsgenossenschaft kostenlos so Infoplakate anfordern. Ja, die kann man sich so ein bisschen an die Türen in den Aufenthaltsräumen hängen, da hat man immer so ein bisschen Reminder, die man einfach regelmäßig lesen kann, gerade wie das KASPERLE-Schema. Oder wenn einem das nicht reicht, wenn man doch ein bisschen mehr praktisch üben möchte, bieten wir zum Beispiel auch einfach Notfalltrainings an. Die dauern dann nur zwei, drei Stunden, die kann man einfach mal unterm Jahr machen, dann ist man da so ein bisschen wieder aufgefrischt und hat das wieder präsenter im Kopf. Weil man es auch selber wieder gemacht hat, praktisch.
Moderator:
Das ist wie beim Besuch beim Friseur, bei der Friseurin, man kommt noch mal zum Konturenschneiden, ja, nicht die komplett neue Frisur, sondern mach das mal so zwischendurch immer mal wieder, dass man dann wieder aufgefrischt, aufgehübscht ist und so kann man es ja vielleicht auch ein bisschen mit einem Erste-Hilfe-Kurs machen, da muss man ja nicht wieder 2 Jahre warten, wieder alles vergessen, man fängt von vorne an, sondern dann hat man noch das Wissen und es muss nur so ein bisschen fein nachjustiert werden. Dominik, vielen Dank für deine Auffrischung und für die vielen praktischen Tipps und für die klare Botschaft. Erste Hilfe in der Kita oder im Kindergarten heißt nicht perfekt zu sein, es heißt vorbereitet zu sein. Prävention ist ja alles, ruhig bleiben und in einem entscheidenden Moment ins Handeln kommen. Schön, dass du wieder bei mir warst. Vielen Dank für deine Zeit.
Dominik Köpple:
Sehr gerne, danke, dass ich wieder dabei sein durfte.
Moderator:
Ja, ja, und euch vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch die Folge geholfen hat, empfehlt sie gerne weiter, besonders an Menschen, die mit Kindern arbeiten oder auch Verantwortung in Betreuungseinrichtungen tragen. Hilfreiche Links zum Thema Erste Hilfe, zu den ganzen gesetzlichen Pflichten und zur anderen Folge mit Dominik findet ihr in den Shownotes dieser Podcast-Folge. Bis zum nächsten Mal und bleibt gesund!
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Interviewgast
Dominik Köpple
Notfallsanitäter und Erste-Hilfe-Ausbilder
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