Mobbing am Arbeitsplatz: Nicht wegschauen BGW magazin 2/2026
Mobbing zu verhindern, ist eine gemeinsame Aufgabe im Betrieb. Aber was können speziell Führungskräfte tun, um Anfeindungen, systematische Angriffe oder versteckte Schikanen zu verhindern? Sie haben eine Schlüsselrolle beim Gestalten gesunder Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz – zum Beispiel, indem sie sich für einen offenen und wertschätzenden Umgang miteinander einsetzen. Wichtig ist auch, dass sie Mobbing frühzeitig erkennen und einschreiten.
Mobbing am Arbeitsplatz ist kein Einzelfall. Das zeigt der Mobbing-Report 2024 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: Etwa 6,5 Prozent der Beschäftigten gaben in einer repräsentativen Umfrage an, Mobbing erlebt zu haben.
Mobbing erkennen
Bei der Zusammenarbeit von Menschen bleiben Meinungsverschiedenheiten nicht aus
, sagt Dr. Mareike Adler, Psychologin bei der BGW. Richtig ist aber auch: Nicht jeder Konflikt ist gleich Mobbing.
Mobbing sei nicht nur aktives Tun, sondern auch aktives Unterlassen – wegsehen, wegducken, geschehen lassen –, macht Adler deutlich. Die gemobbte Person ist dadurch isoliert und fühlt sich wehrlos.
- Systematisches Vorgehen gegen eine Person
- Regelmäßige Angriffe über einen längeren Zeitraum
- Mehr oder weniger versteckte Handlungen
- Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens
Wie kann es so weit kommen?
Mobbinghandlungen gehen von Personen aus. Doch es gibt Rahmenbedingungen bei der Arbeit, die Mobbing begünstigen. Dazu gehören beispielsweise eine hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck und geringer Handlungsspielraum bei der Arbeit. Wenn zu diesen Ursachen noch weitere Faktoren hinzukommen – etwa ein schlechtes Betriebsklima oder Unzufriedenheit der Mitarbeitenden –, wird Mobbing immer wahrscheinlicher.
Ungelöste, schwelende Konflikte treten dann häufiger auf und können der Beginn von Mobbing sein,
erklärt Adler. Ein ungelöster Konflikt setzt sich fest. Dabei gerät der Ursprung in den Hintergrund. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern um die Person.
Im Verlauf des Mobbingprozesses können dann aus untätig Zuschauenden aktiv Mitwirkende werden.
Gute Führung + systematische Prävention = weniger Mobbing
Was Führungskräfte tun können
Vorgesetzte können vorbeugen, indem sie für alle einen psychologisch sicheren Raum schaffen
, so Dr. Mareike Adler. Wenn gegenseitiges Feedbackgeben und -nehmen im Team gelernt ist, fällt es leichter, Konflikte offen anzusprechen.
Aufgabe der Führungskraft ist es auch, aufmerksam zu sein und einzuschreiten, wenn ein Konflikt zu eskalieren droht – je früher, desto besser. Anzeichen dafür, dass jemand gemobbt wird, können beispielsweise sein, dass die Person unkonzentriert wirkt, häufiger Fehler macht, sich zurückzieht oder aufbrausend reagiert.
- Schlechte Stimmung im Betrieb
- Reduzierte Produktivität
- Mitarbeitende öfter krank
- Kündigungen
Bei Anzeichen von Mobbing im Betrieb ist es geboten, dieses als Thema sozialer Konflikte in die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen aufzunehmen
, ergänzt Adler.
Aufgabe der Führungspersonen ist es dann, konkrete Maßnahmen gegen Mobbing umzusetzen.
Zu ihrer Unterstützung braucht es eine klare Haltung und Positionierung der Unternehmensleitung gegen Mobbing bei der Arbeit, die an alle im Betrieb kommuniziert wird.
Ein gutes Konfliktmanagement ist die beste Basis, Mobbing auf Dauer zu verhindern.
Das Handeln der Führungskräfte gegen Mobbing ist nur ein – wenn auch zentraler – Baustein. Gegen jede Form von Mobbing ist konsequent vorzugehen. Dafür braucht es insbesondere auch Anlaufstellen für Mitarbeitende. Nicht alle können oder wollen sich an ihre Führungskraft wenden. Weitere Anlaufstellen sind beispielsweise die betriebliche Interessenvertretung oder eine interne Konfliktberatungsstelle. Weit eskalierte Mobbingprozesse bedürfen womöglich externer Hilfe. Wichtig ist: Alle im Betrieb müssen wissen, dass Mobbing nicht geduldet wird und wo man Unterstützung erhält. Auch Konfliktlotsinnen und -lotsen aus dem Kreis der Mitarbeitenden können dabei eine Rolle spielen oder den Weg weisen.
Von: Mareike Berger