KI im Klinikalltag: Entlastung oder neue Belastung? BGW magazin 2/2026
Wie wirkt sich der Einsatz von künstlicher Intelligenz auf Beschäftigte im Gesundheitswesen aus? Eine neue Studie gibt Einblicke. Dr. Maren Kersten von der BGW war Teil des Forschungsteams.
Worum ging es bei der Studie?
Dr. Maren Kersten: Fachkräftemangel, Zeitnot und steigende psychische Belastungen prägen den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter, gerade auch in Kliniken. KI gilt als vielversprechender Hebel, um Entlastung zu schaffen – doch wie erleben Ärztinnen, Ärzte und beratende Fachpersonen den KI-Einsatz tatsächlich? Das haben wir in unserer qualitativen Studie untersucht. Wir haben 30 leitfadengestützte Interviews durchgeführt und dabei vor allem den Klinikalltag in den Blick genommen.
Und was kam dabei heraus?
Kersten: KI wird überwiegend als entlastend erlebt, insbesondere durch weniger administrative Aufgaben, geringeren Zeitdruck und Unterstützung bei Entscheidungen. Gleichzeitig entstehen jedoch auch neue Herausforderungen, etwa durch höhere kognitive Anforderungen, notwendige Lernprozesse und eine teils eingeschränkte technische Verlässlichkeit. Unser Fazit ist, dass KI einen wichtigen Beitrag zu gesünderer Arbeit im Gesundheitswesen leisten kann – vorausgesetzt, ihr Einsatz wird aktiv, menschenzentriert und reflektiert gestaltet.
Wie profitieren Unternehmen von den Forschungsergebnissen?
Kersten: Ein zentrales Ergebnis der Studie ist eine praxisnahe Checkliste, die Organisationen dabei unterstützt, den Einsatz von KI gesundheitsförderlich zu gestalten. Sie hilft, Entlastungs- und Belastungspotenziale systematisch zu erkennen – zum Beispiel im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen.
Eine Studie der Medical School Hamburg mit Prof. Dr. Sylvie Vincent-Höper (MSH).