Sommer, Sonne... Schwitzen? BGW magazin 2/2026
Unverhofft kommt immer wieder ... Plötzlich ist es Sommer und die Frage steht im Raum: Was können wir gegen Hitze tun? In der Kita kann das eine besondere Herausforderung sein, schließlich sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu bedenken.
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Kathleen Bösing ist als Präventionsberaterin viel in Kitas unterwegs. Auch Aufsichtsperson Dr. Eberhard Munz kennt sich mit der Theorie und Praxis von Hitzeschutz aus. Für das BGW magazin haben sie mögliche Maßnahmen betrachtet.
Die Sonne kann durch UV-Strahlung langfristige gesundheitliche Schäden verursachen. Angesichts von Infokampagnen und der medialen Präsenz des Themas haben viele Kindertagesstätten mittlerweile wirksame Schutzmaßnahmen etabliert. Anders beim Hitzeschutz: Dort lässt sich oft noch einiges optimieren.
Kinder reagieren anders
Kinder und Erwachsene sind von Hitze unterschiedlich betroffen. Erwachsene können – trotz unbestrittener gesundheitlicher Folgen – insgesamt etwas besser mit ihr umgehen. Kinder neigen eher zur Dehydration und Überhitzung. Sie schwitzen weniger und geben damit weniger Körperwärme ab. Zudem fehlt ihnen oft der Impuls, regelmäßig etwas zu trinken. Beim Schutz der Kinder ist deshalb auch das pädagogische Personal gefragt, zum Beispiel indem es häufigere Trinkpausen einplant.
Gehört auch dazu: Kinder zum Trinken animieren.
Hitzeschutz in der Kita muss grundsätzlich auf alle Beteiligten ausgerichtet sein. Das braucht Planung sowie einen guten Maßnahmenmix. Die sommerliche Hitze lässt sich nicht einfach "abschalten". Aber im besten Fall bleibt sie draußen oder ihre Folgen werden stark abgemildert.
Alle Ebenen einbeziehen
Das bewährte TOP-Prinzip im Arbeitsschutz weist den Weg: Vorrang haben stets technisch-bauliche Maßnahmen (T), gefolgt von organisatorischen (O) und personenbezogenen (P). Allerdings kann nicht jede Einrichtung mal eben bauliche Maßnahmen umsetzen, beispielsweise eine Wärmedämmung oder eine raumlufttechnische Anlage installieren. Genauso wachsen schattenspendende Bäume nicht über Nacht.
Doch auch weitere Maßnahmen wirken der Aufheizung der Räume entgegen oder minimieren deren Folgen für die Menschen vor Ort. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 "Raumtemperatur" beschreibt einige Möglichkeiten. Nicht alles davon passt zum Kitaalltag.
Praxistipps
Manches hilft Erwachsenen, führt aber bei Kindern zu unerwünschten Effekten: Sie können nicht einfach den ganzen Tag in (zu) kühlen Räumen verharren, sondern brauchen Abwechslung und Bewegung. Genauso wenig sind Homeoffice fürs Kita-Personal oder spontan in die frühen Morgenstunden verlegte Arbeitszeiten möglich.
Träger und Leitung bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Gesundheitsschutz, pädagogischem Auftrag und Betreuungspflicht. Welche Maßnahmen infrage kommen und was dabei zu bedenken ist, zeigt die folgende Übersicht. Die Beispiele stammen aus der langjährigen Beratungspraxis von Kathleen Bösing und Dr. Eberhard Munz.
Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip
Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip
Technisch-bauliche Maßnahmen (T)
- Raumlufttechnische Anlage Einbau erfordert Planung und finanzielle Mittel
- Mobile Klimageräte Abluft muss nach außen geführt werden
- Außenbeschattung der Fenster und Türen Fluchtwege beachten
- Ventilatoren im Dauerbetrieb Nur Umwälzung der Luft, keine Kühlung
- Sonnensegel, Markisen Wetterfeste Anbringung, Auf- und Abbau
- Bodengestaltung, Bepflanzung Außenbereich Planung
- Innenbeschattung Geringere Wirksamkeit als Außenbeschattung
Organisatorische Maßnahmen (O)
- Querlüftung über Nacht oder in den frühen Morgenstunden Arbeitszeitverlagerung der Beschäftigten nur beschränkt möglich
- Im Tagesverlauf kühlere Räume aufsuchen, heiße Räume meiden Nicht in jeder Einrichtung möglich
- Hol- und Bringzeiten anpassen Setzt Gestaltungsmöglichkeiten und Bereitschaft der Eltern voraus
- Fenster geschlossen halten Frischluftzufuhr gewährleisten
- Tagesablauf anpassen, Pausen einplanen Kreativität, Planung und Flexibilität
- Schattenplätze nutzen Kinder müssen mitspielen, Aufsicht
Personenbezogene Maßnahmen (P)
- Ausreichend Getränke Kinder müssen erinnert werden
Gut planen und kombinieren
UV- und Hitzeschutz müssen spätestens bei einem Um- oder Neubau mitbedacht werden. Schon in der Planungsphase sollten dann – neben funktionalen und ästhetischen – auch klimatische Aspekte einfließen.
Wie fast überall im Arbeitsschutz gilt beim Thema Hitze: Am wirksamsten ist das Zusammenspiel vieler Einzelmaßnahmen. Die "eine" Musterlösung gibt es nicht. Von den Einrichtungen sind daher Flexibilität und Mitdenken gefordert. Hilfe kommt von der jeweiligen Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt – und von der BGW. Neben online verfügbaren Handlungshilfen und Branchenveranstaltungen wie dem "BGW forum" für die pädagogische Arbeit beraten Präventionsfachleute Kitas auch individuell.