„Ich dachte, ich schaff das nicht.“ – Was inklusives Klettern bewirken kann #146 BGW-Podcast "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"
Beim Kletteraktionstag der Baunataler Diakonie Kassel (bdks) wird schnell klar: Klettern ist weit mehr als Bewegung. In der Kletterhalle erleben Beschäftigte und Fachkräfte, wie viel Kraft, Konzentration, Vertrauen und Selbstüberwindung in dieser Sportart stecken. Genau darum geht es bei der BGW-Kletterinitiative für Werkstätten für behinderte Menschen: gemeinsam aktiv sein, Gesundheit fördern und im besten Fall ein Angebot schaffen, das langfristig bleibt.
In dieser Folge begleiten wir den Auftakt in Kassel, hören bewegende Momente an der Wand und erfahren, warum Klettern Menschen auf körperlicher, mentaler und sozialer Ebene stärkt. Vorstand Michael Conzelmann berichtet, welche Rolle Sport bei der bdks spielt und wie es nach dem Aktionstag weitergehen könnte. Außerdem zeigt uns das Team von Climb High! wie inklusives Klettern in der Praxis funktioniert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Beschäftigten der bdks, die ihre Eindrücke, Emotionen und persönlichen Erfolgserlebnisse mit uns teilen.
Hier kommen Sie zum Transkript dieser Folge
O-Ton:
Gut, sehr gut, anderer Fuß.
O-Ton:
So, jetzt kannst du dich noch mal hinstellen und den Gurt festhalten und über deine Hüfte ziehen. Nimm dir mal den Gurt hier in die Hand und zieh mal nach oben, wie ’ne Hose anziehen.
O-Ton:
Super.
O-Ton:
Und Christina, kannst du dir vorstellen, da drin zu klettern?
O-Ton:
Ja, gut.
Moderator:
Das Klicken der Karabinerhaken erkenne ich sofort, es wird geklettert. Und zwar in Kassel. Dort haben wir das Team der Baunataler Diakonie Kassel begleitet bei ihrem bdks-Aktionstag. Der Aktionstag ist Teil der BGW-Kletterinitiative für Werkstätten für behinderte Menschen. Es geht darum, gemeinsam Spaß zu haben und gleichzeitig etwas für die Gesundheit und den Körper zu tun, egal ob mit oder ohne Behinderung. Und wenn das Ganze gut ankommt, dann wird das Klettern im besten Fall langfristig ein fester Teil in der Einrichtung.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Michael Conzelmann:
Also Sport spielt generell schon immer eine sehr große Rolle. Wir haben ganz viele Gruppen, Fußballgruppen inklusiv, auch nicht inklusiv. Frauenrudervereine haben wir lange mitgemacht. Es gibt jetzt schon eine Klettergruppe mit psychisch erkrankten Menschen, Tischtennis, Blasrohrschießen, auch ganz originelle Dinge. Halloweenlauf. Und wir machen auch immer mit bei den Firmenläufen und beim Kassel-Marathon und bei Special Olympics sind wir sogar auch beteiligt.
Moderator:
Sehr sportlich, was Michael Conzelmann hier sagt. Michael ist Vorstand bei der bdks, er ist selbst begeisterter Kletterer und für ihn hat Klettern den großen Vorteil, dass es nicht jede und jeder gleich gut können muss. Egal wie sportlich man ist, wie schnell oder weit man kommt, der Spaß, der steht im Vordergrund und alle können mitmachen.
Michael Conzelmann:
Nach diesem Tag heute werden wir uns sicherlich mit den hauptamtlichen Mitarbeitern, die auch hier dabei sind, zusammensetzen und überlegen, ob es Menschen gab, die so einen Spaß daran hatten, dass wir eine Klettergruppe anbieten können. Im Idealfall gäbe es einmal die Woche eine Klettergruppe. Wir haben schon eine, wir fänden es schön, wenn es eine zweite gäbe. Und es haben extra Leute von uns, hauptamtliche Mitarbeiter, einen Trainerschein gemacht, um so was auch begleiten zu können. Von daher wäre es toll, es würde weitergehen.
Moderator:
Falls ihr mehr zur Kletterinitiative wissen wollt, warum es die überhaupt gibt und wie das Ganze aufgebaut ist, hört euch gerne mal die Herzschlag-Folge an: „Mehr als nur Sport – Start der BGW-Kletterinitiative“. Ja, da gibt es dann noch mal alle Details und natürlich findet ihr auch sämtliche Infos auf der Website der BGW.
Jetzt zurück nach Kassel in die Kletterhalle. Dort stehen an verschiedenen Stationen Kletterprofis bereit, von CLIMB HIGH!. Sie setzen den Aktionstag gemeinsam mit der BGW um. Unterstützt werden sie außerdem von Profis vor Ort aus dem Kletterzentrum Nordhessen. An der Station von Inka Steuber steht gerade Sascha. Er bekommt letzte Instruktionen, bevor er gleich an der Wand nach oben klettert.
Inka Steuber:
Ich binde mich jetzt hier erst mal in mein Sicherungsgerät ein. So, das kommt hier an meine Anbindeschlaufe. Jetzt kannst du schon einmal sehen, Sascha, dass das Seil hier oben rausführt und dass, wenn ich jetzt ziehe, dass das Sicherungsgerät dich greift, ne, wenn du da an dem anderen Ende hängst, genau. Das heißt, dir kann nichts passieren und wir binden dich jetzt hier auch noch in die andere Seite ein vom Seil mit einem sogenannten Achterknoten, den hatten wir eben auch schon mal gemacht. So, dann schauen wir uns das jetzt mal an, Sascha, guck mal, wir zählen die Enden, ne.
Sascha:
Einmal zwei, da zwei, da zwei, da zwei, da zwei.
Inka Steuber:
Das sieht sehr gut aus, oder?
Sascha:
Auf jeden Fall.
Inka Steuber:
Sehr schön. Dann sind wir startklar, dein Gurt sitzt auch noch gut. Dann würde ich sagen, gehen wir beide an die Wand beziehungsweise du und du flatterst wieder, so weit du kommst und so weit du möchtest. Und vielleicht geht es ein Stück höher als eben.
Sascha:
Wollen wir hoffen.
Inka Steuber:
Super, dann viel Spaß. Gut, der Sascha geht da wieder mit einer Energie rein, seiner Motivation, das sieht man schon seinem ganzen Körper an. Sehr schön. Und Sascha, was du auch richtig gut schon machst, du guckst immer schön auf Füße und Hände, das ist ganz wichtig beim Klettern, dass man die Füße gut setzt. Das machst du auch schon sehr gut, genau, der rechte Fuß wäre als Nächstes dran. Jawoll, genau, wunderbar. Und dann wieder einen höher. Jawoll, gut.
Moderator:
Ein Stückchen weiter steht Marius Eiling mit Valentin an der Kletterwand. Er hat sich die grüne Kletterroute ausgesucht.
Marius Eiling:
Leg das Seil einmal bei mir ins Sicherungsgerät.
Valentin:
Immer auf die grüne, ja.
Marius Eiling:
Und jetzt checken wir, dass das wirklich sicher funktioniert.
Valentin:
Stimmt, dass es sicher ist, das darf man nicht vergessen.
Marius Eiling:
Genau. So. Jetzt ist meine Frage an dich, Valentin.
Valentin:
Ja.
Marius Eiling:
Was glaubst du denn, wie hoch möchtest du hier klettern?
Valentin:
Ich schätze mal bis da, aber ich schätze nur, ob ich es wirklich schaffe, weiß man natürlich nicht.
Marius Eiling:
Wir lassen uns überraschen, ne. Aber Valentin möchte die halbe Wand auf jeden Fall hochklettern.
Valentin:
Also ich schätze, ich kann es, aber ich kann nicht versprechen, dass ich es wirklich so hoch schaffe.
Marius Eiling:
Ist überhaupt nicht schlimm, du kletterst so hoch, wie du dich wohlfühlst.
Valentin:
Alles klar, gut.
Marius Eiling:
Die Route ist einfacher als die, die wir eben hatten, ne. Viele schöne Tritte, gute Griffe und jetzt geht es auch relativ schnell nach oben. Valentin ist schon gut auf einem Viertel. Ja, ja. Und fühlst du dich noch wohl?
Valentin:
Ja, noch da.
Marius Eiling:
Sehr gut. Hoch geht’s. So, jetzt wird es gleich ein bisschen schwieriger, denn dann ist die Wand nämlich nicht mehr positiv geneigt, sondern geht geradeaus hoch. Da muss man dann ein bisschen mehr noch gucken, dass man einen vernünftigen Stand hat und sich gut festhält. Ja, super, Valentin. Du bist jetzt schon auf halber Höhe, mindestens.
Moderator:
Klettern macht stark. Zusammen Spaß haben, Gesundheit stärken, Selbstvertrauen bekommen. Das ist das Motto der Kletterinitiative. Und genau darum geht es auch in Kassel. Warum eigentlich Klettern und jetzt nicht Fußball oder Badminton?
Katrin Degenhardt:
Inklusives Klettern fördert Menschen auf ganz verschiedenen Ebenen. Also es ist eine Ganzkörpersportart, die sowohl die Muskulatur fördert als auch das Herz-Kreislauf-System. Der ganze Körper wird wirklich gefordert. Das ist die körperliche Ebene, aber es geht eben noch ganz weit darüber hinaus. Es werden Skills gefordert wie Koordinationsfähigkeit, Gleichgewichtsgefühl, Vorausplanung, Konzentrationsfähigkeit. Und all diese Dinge, die gehen ja weit über das Sportliche hinaus. Das sind Dinge, die man auch im Alltag braucht. Und das ist natürlich gerade, wir klettern ja mit Menschen mit Beeinträchtigungen, das ist das, was letztendlich im Alltag so wichtig ist und was die Menschen auch ganz weit vorwärts bringt.
Moderator:
Katrin Degenhardt muss es wissen. Sie klettert schon seit knapp 20 Jahren und seit 13 Jahren inklusiv mit dem Team von CLIMB HIGH!. Da hat sie sich zur Aufgabe gemacht, dass alle, die möchten, klettern können, egal ob mit oder ohne Behinderung. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die BGW-Podcast-Folgen zu den Special Olympics in Berlin. Dort war Katrin mit ihrem Team ebenfalls mit dabei und hat für viele emotionale Momente am Kletterturm gesorgt.
Wir sind zurück beim inklusiven Kletterturm. Wie viele andere Sportlerinnen und Sportler hier bei den Special Olympics World Games war ich heute auch schon sportlich aktiv und bin hier diesen Turm hochgekraxelt. Mit Handicap, ohne Handicap. Und hier ist auch Party rundherum. Alle Nationen kommen hierher und haben viel Freude. Jetzt aktuell sind gerade die Italiener am Start, Südkorea und Uruguay. Für alle ein herrliches Erlebnis, einfach diese fünf Meter mal hochzukraxeln. Coole Nummer. Genau auf der anderen Seite des Turms wird gerade eine Rollstuhlfahrerin nach oben begleitet und alle flippen vor Freude aus, inklusive sie. Sehr, sehr schön.
Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis in Berlin. Die Verlinkung zu diesen Folgen, die findet ihr auch in den Shownotes dieser Podcast-Folge. Dann könnt ihr gerne noch mal reinhören und akustisch mit hochklettern.
Das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport hat Menschen mit Behinderung zum Thema Sport befragt. Über 60 Prozent haben gesagt, dass sie sportlich aktiv sind. Besonders beliebt sind vor allem Fahrradfahren, Fitness oder einfach Spazierengehen. Das Problem: Es gibt nicht immer genug Möglichkeiten oder Sportangebote. Deshalb müssen viele selbst aktiv werden. Wir wollen von den Beschäftigten der bdks wissen, welche Rolle Sport in ihrem Leben spielt und welche Sportart sie am liebsten machen.
Beschäftigte der bdks:
Ich hab ’n Crosstrainer zu Hause, da geh ich regelmäßig drauf. Ich laufe gerne, ich fahr Radfahren, morgen joggen und rutschen. Genau, und rutschen. Also ich laufe sehr gerne draußen und zu Hause mach ich auch Sport, Liegestütze oder halt was anderes, das mach ich halt sehr gerne.
Sascha:
Ja, ich hab so ein paar Hanteln zum Trainieren und fahre auch mal zwischendurch, wenn das Wetter mitmacht, auch mal ein bisschen Fahrrad.
Valentin:
Also, ich mache auch Tischtennis und ich war letztes Jahr, da war ich bei den Olympics. Ja, Tischtennis ist meine Sportart, ne.
Beschäftigte der bdks:
Laufen und Sportübungen.
Beschäftigte der bdks:
Ich gehe Fußball spielen, vor allem in Kassel. Ich spiele schon seit Jahren Fußball, seit klein hab ich angefangen zu spielen. Und auch laufen gehe ich gerne, ein bisschen raus in der frischen Luft, mit meinen Bewohnern und so mache ich Spaziergänge, mit dem Hund spazieren. Und dann geht es mir da gut. Und fit wie ein Turnschuh.
Moderator:
Laufen gehen und Fahrrad fahren, ja, waren also auch hier die Top-Antworten. Wichtig sind Sport und Bewegung, jetzt nicht nur in der Freizeit, sondern natürlich auch im Arbeitsalltag. Immerhin verbringen wir rund ein Drittel unserer Lebenszeit mit Arbeit. Genau deshalb soll es bei der bdks auch nicht bei einer einmaligen Kletteraktion bleiben, wenn es nach Vorstand Michael Conzelmann geht. Voraussetzung ist allerdings eine gute Planung.
Michael Conzelmann:
Ach so, eine einmalige Aktion ist gar nicht so schwierig. Tatsächlich so schwierig ist, wenn man dauerhafte Aktionen macht, weil wir oft die Erfahrung haben, dass die Gruppen schwanken. Plötzlich haben die Leute keine Lust mehr. Und wir hatten auch mal ’ne Gruppe mit körperlich behinderten und geistig behinderten Menschen und da muss ich zugeben, das hat nicht so gut zusammengepasst, weil die Unterstützungsbedarfe doch sehr unterschiedlich sind. Und unsere Leute brauchen ja doch viel Begleitung, Unterstützung bei allen Dingen, die sie machen. Und man muss halt immer auch die hauptamtlichen Mitarbeiter finden, die ’ne pädagogische Ausbildung haben und klettern können. Aber ein paar haben wir davon.
Moderator:
Zurück an die Kletterwand mit Inka und Sascha. Sascha hatte sich vorgenommen, ein Stückchen weiter nach oben zu klettern als die Runde davor. Wie läuft es?
Inka Steuber:
Weiter geht es jetzt nicht? Okay, dann mach ich einmal zu. Okay, ist zu und jetzt darfst du das wie eben machen, genau, Hände ans Seil, jawoll, schön wie auf den Stuhl setzen, Füße wieder an die Wand, wunderbar. Und dann lass ich dich ab. Jawoll, sehr gut. Hey, gut gemacht, da wird die Siegerpose gemacht.
Sascha:
Ja, aber richtig gut.
Inka Steuber:
Ja, auf jeden Fall war es höher.
Sascha:
Auf jeden Fall. Das hab ich auch am Anfang ja ... Ja, ich musste zwar erst mal gucken, wo ich genau hintrete, aber es hat geklappt.
Inka Steuber:
Ja, das hab ich gesehen, ne, du hast es sehr bedacht gemacht. Und das ist ja beim Klettern auch ganz wichtig, ne. Das geht gar nicht unbedingt um Schnelligkeit, sondern es geht ja darum, dass man gut guckt: Ah, wo trete ich als Nächstes hin, ne, wo kann ich als Nächstes hingreifen. Und das hast du richtig gut gemacht.
Sascha:
Und das Köpfchen muss ja auch mitarbeiten dann.
Inka Steuber:
Das Köpfchen gehört dazu, ne, nicht nur die Muckis.
Sascha:
Nee, alles gehört dazu. Die Motivation, die Kraft, das Köpfchen und alles.
Inka Steuber:
Dann mach mal Päuschen und wir sehen uns bestimmt noch mal an der Wand.
Sascha:
Auf jeden Fall.
Moderator:
Auch Valentin ist in der Zwischenzeit richtig weit nach oben geklettert. Marius steht unten und sichert ihn.
Marius Eiling:
Ja, darfst du. Setzt du dich rein, wie eben geübt. Im Seil sitzen, ja. Super, sehr schön. Und jetzt lass ich dich langsam runter. So, und jetzt auf den Füßen landen. Ja. Wahnsinn, jetzt bist du aber richtig hochgekommen, ne?
Valentin:
Ich hab ungefähr bis da geschafft.
Marius Eiling:
Klasse. So, ich helfe dir einmal mit dem Knoten, löse den ein bisschen an und jetzt darfst du ihn selber lösen.
Valentin:
Jap, löse ihn. Ja, so, geschafft.
Marius Eiling:
So, Valentin, wie war es denn für dich? Hat es dir Spaß gemacht?
Valentin:
Ja, hat es.
Marius Eiling:
Sehr gut. Hast du dein Ziel erreicht? Bist du so hoch gekommen, wie du wolltest?
Valentin:
Ja, hab ich.
Marius Eiling:
Sehr gut.
Valentin:
Also, ich wäre vielleicht immer noch ganz, ganz hoch gekommen, aber das hab ich nicht geschafft gegen die Angst. Okay, aber ich hätte es geschafft, gerne, wenn ich wollte, weil ich hab bisschen nach unten geguckt erst, das war eine Herausforderung für mich, die Höhenangst. Wenn ich nach unten gucke. Also, ich muss eher nach oben gucken, damit die Angst nicht so richtig auffällt. Ja, deswegen hab ich dann nicht mehr nach oben geguckt.
Marius Eiling:
Okay, das heißt, du möchtest noch mal wiederkommen und noch mal probieren, dass es bis ganz oben geht?
Valentin:
Richtig, sehr gut, ja klasse, aber nicht heute, wie gesagt, heute nicht. Okay, muss mich jetzt mal erholen, nächstes Mal dann mit frischer Kraft wieder.
Marius Eiling:
War das anstrengend?
Valentin:
Ja, war sehr anstrengend, aber war ein guter Mitarbeiter gewesen, der Marius. Oder ein guter, wie soll ich sagen, ein guter Klettertrainer hier, Klettertrainer, richtig. Ich bedanke mich.
Marius Eiling:
Gerne.
Moderator:
Sascha und Valentin sind über sich hinausgewachsen, wie viele andere auch an diesem Tag, die am Anfang gar nicht so richtig an sich geglaubt hatten. Es wurde übrigens nicht nur geklettert. Für die Fachkräfte der bdks gab es ein extra Meeting mit Infos zur BGW-Kletterinitiative. Dort konnten dann auch noch offene Fragen geklärt werden, wie es zum Beispiel nach dem Aktionstag weitergeht oder wie genau die BGW eigentlich das Klettern in den Werkstätten fördert. Mit dabei war auch Klaus Adler. Er ist Gruppenleiter bei der Baunataler Werkstatt Harzweg.
Klaus Adler:
Es ist ein sehr interessanter Tag. Ich finde auch, die Klienten sind über sich hinausgewachsen. Also es war eine schöne Erfahrung, einmal für mich, das zu sehen, und auch für die Klienten an und für sich, dass sie diese Erfahrung machen konnten. Der beeindruckendste Moment war für mich eine Klientin, die anfangs hier gesessen hat, gezittert hat wie Espenlaub, sich kaum getraut hat und dann zum guten Schluss die Wand halbhoch alleine geklettert ist.
Moderator:
Kathrin Pole ist Gruppenverantwortliche in der Werkstatt für behinderte Menschen in Malsfeld. Sie ist selbst auch einmal an der Kletterwand nach oben geklettert und extrem beeindruckt von der Leistung der Beschäftigten.
Kathrin Pole:
Ja, man merkt dann schon auch, was es für ’ne Anstrengung ist, wie viel Kraft es eigentlich braucht. Und wenn man sich dann vorstellt, man hat ’ne Beeinträchtigung, dann braucht man vielleicht noch mehr Kraft. Und dann die Überwindung, das zu machen, fand ich natürlich auch sehr beeindruckend. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wir das irgendwie etablieren können und dass ich auch Teil davon bin. Man müsste dann halt sehen, wie sind so die Faktoren, die Entfernungen, dass man dann jedes Mal hierher fährt oder ja, wie kann man das halt etablieren, das wär noch mal so ’n Punkt. Aber an sich, glaub ich, gibt es ’n gutes Gruppengefühl und auch so ’n gutes Selbstwirksamkeitsgefühl für die Menschen.
Moderator:
Katrin Degenhardt und ihr Team von CLIMB HIGH! packen die Ausrüstung zusammen. Noch sieben weitere Aktionstage stehen dieses Jahr an. Kassel war der Auftakt. Und was für einer.
Katrin Degenhardt:
Also, erster Kletteraktionstag. Ich muss sagen, ich bin mal wieder total begeistert. Es war eine große Gruppe, die gekommen ist. Sie war sehr erwartungsfroh, aber auch teilweise erst mal sehr ein bisschen respektvoll und eingeschüchtert und was kommt da auf uns zu. Es war mal wieder fantastisch zu sehen, wie es anfing, nämlich mit sehr viel Vorsicht, auch eher mal nicht so viel zutrauen. Und innerhalb von ein bis zwei Stunden haben sich die Menschen sowas von entwickelt. Es sind immer mehr bis ganz nach oben geklettert, es war eine Mega-Stimmung. Auch gerade so schüchterne, zurückhaltende Mädchen sind total über sich hinausgewachsen. Jungs haben sich selbst total überrascht, also haben Dinge gemacht, von denen sie nie gedacht haben, dass sie das schaffen würden. Und es war eine Riesenstimmung und alle waren total begeistert und wollen auch unbedingt weitermachen. Also das heißt, wir müssen jetzt auch liefern, ne.
Moderator:
Wir, das sind die BGW und CLIMB HIGH! und natürlich auch die bdks selbst.
Katrin Degenhardt:
Es ist natürlich jetzt wichtig, dass das Ganze auch in der Einrichtung weitergemacht wird, ne. Wir haben ja dann diese unterstützenden Module, wo wir noch mal ganz viel auch den Mitarbeitenden, den Betreuenden, den Führungskräften auch beibringen, so dass sie dann eben selbstständig auch so eine Gruppe leiten und führen können und das Klettern durchführen können. Und da ist natürlich jetzt wichtig, dass man diesen Schwung und diese Begeisterung jetzt einfach auch mitnimmt.
Bei unserem Meeting war es eigentlich so, dass sie sich erst mal interessiert angehört haben, was es denn jetzt noch für Unterstützungsangebote der BGW gibt. Das war ihnen gar nicht so klar in dem Sinne und da waren sie sehr begeistert, dass sie also noch so viel weiterführende Unterstützung bekommen. Und ja, Fragen gab es eigentlich gar nicht so viele, aber es war so großes Interesse und ich hab so ein „gespürt, ja, wenn das so ist, ja dann machen wir das“.
Moderator:
In den nächsten Wochen wird sich dann zeigen, wie es bei der Baunataler Diakonie tatsächlich weitergeht. Und wer weiß, vielleicht gibt es Einrichtungen da draußen, die wir jetzt mit dieser Folge inspirieren konnten und die künftig auch sportlicher unterwegs sein wollen.
Katrin Degenhardt:
Also, ich kann nur sagen, jeder Einrichtung oder jeder Werkstatt: Versucht es mal, probiert es mal aus, meldet euch bei der BGW für einen Kletteraktionstag, lernt das Ganze mal kennen und überlegt euch, was habt ihr für Potenzial auch bei den Mitarbeitenden. Fast in jeder Einrichtung gibt es ein, zwei Leute, die klettern gehen, die aber noch nie daran gedacht haben, das jetzt eben mit den Beschäftigten zu machen. Und die werden ja entsprechend unterstützt durch die Kletterinitiative und können das dann entsprechend auch mit ihren Leuten in der Arbeitszeit ja machen. Und das ist ja ’ne tolle Sache und das sollte man unbedingt mitnehmen, finde ich, wenn es schon so ’n tolles Angebot von der BGW gibt.
Moderator:
Das war es aus der Kletterhalle in Kassel. Der Aktionstag bei der bdks hat gezeigt, wie viel im Klettern steckt: Bewegung, Gemeinschaft und Vertrauen. Die eine oder der andere ist auf jeden Fall über sich hinausgewachsen und genau dafür hat die BGW die Kletterinitiative gestartet. Passend dazu will ich euch noch eine Podcast-Folge empfehlen. Ja, noch eine. Philipp Rossek hat durch sein jahrelanges Training an der Kletterwand einen schweren Autounfall überlebt und sich dank seiner mentalen Stärke wieder zurück ins Leben gekämpft. Heute klettert Philipp für die deutsche Paraclimbing-Nationalmannschaft. Eine unglaubliche Geschichte, die ihr mit einem Klick direkt jetzt anhören könnt, wenn ihr mögt. Den Link findet ihr in den Shownotes dieser Podcast-Folge.
Gutes Klettern euch und danke fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Interviewgäste
Michael Conzelmann
Vorstand, Baunataler Diakonie Kassel (bdks)
Inka Steuber
CLIMB HIGH!
Marius Eiling
CLIMB HIGH!
Katrin Degenhardt
CLIMB HIGH!
Beschäftigte der Baunataler Diakonie Kassel (bdks)
u.a. Sascha und Valentin
Klaus Adler
Gruppenleiter bei der der Baunataler Werkstatt Harzweg
Kathrin Pole
Gruppenverantwortliche in der der Werkstatt für behinderte Menschen in Malsfeld
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