Sprecherin 1:
Mist, das Zimmer muss noch schnell fertig werden. Wo ist denn der Reiniger? Ah, da.
Sprecherin 2:
Vergiss die Maske nicht und die Handschuhe.
Sprecherin 1:
Ah, passt schon, das ist doch nur 'n Reiniger.
Sprecherin 2:
Ja, ja, nur Reiniger.
Sprecherin 1:
Ah, passt schon, ich muss das doch nur schnell sauber machen.
Moderator:
In vielen Berufen gehören Gefahrstoffe zum Arbeitsalltag. In Kliniken sind es zum Beispiel Reinigungs- und Desinfektionsmittel, im Friseurhandwerk kommen Haarfarben und Blondiermittel zum Einsatz und auch in der Schädlingsbekämpfung wird mit chemischen Mitteln gearbeitet. Beim Umgang mit diesen Stoffen müssen wir natürlich auf unsere Gesundheit achten, auch Kolleginnen und Kollegen, andere Personen und die Umwelt müssen geschützt werden. Was genau ist ein Gefahrstoff, woran erkennt man ihn und was müssen Betriebe und Beschäftigte beachten? Genau darum geht es in dieser Wissen-To-Go-Folge. Kurz und knackig auf den Punkt.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Was haben wir denn da? Ich sehe viele rote Warnhinweise, sogenannte Piktogramme. Eine Flamme, ein Totenkopf und zwei Reagenzgläser. Und aus denen tropft Flüssigkeit. Das scheint also ätzend zu sein. Und hier, in diesem großen Kanister, da haben wir Didecyldimethylammoniumchlorid. Ja, Entschuldigung, Chemie war nie meine Stärke. Das Etikett hier verrät aber, das ist ein Desinfektionsmittel für Oberflächen. Das sind alles Gefahrstoffe, doch die Gefahr, die geht nicht allein vom Stoff selbst aus. Entscheidend ist auch der Umgang damit. Gerade unter Zeitdruck werden Regeln schnell mal übergangen. Ja, das Fenster bleibt geschlossen, die Handschuhe werden nur kurz weggelassen oder ein Konzentrat wird falsch dosiert. Dadurch können Gefahrstoffe eingeatmet werden oder auch über die Haut in den Körper gelangen und durch verunreinigte Hände in den Mund kommen. Auch Augen und Schleimhäute können betroffen sein. Wer sorgt dafür, dass Beschäftigte beim Umgang mit Gefahrstoffen geschützt sind? Die grundlegenden Regeln dazu, stehen in der Gefahrstoffverordnung.
Einspieler:
Die Gefahrstoffverordnung soll Menschen und Umwelt vor gefährlichen Stoffen schützen. Arbeitgebende müssen deshalb eine Gefährdungsbeurteilung durchführen: Welche Gefahrstoffe gibt es im Betrieb? Welche können bei der Arbeit entstehen oder freigesetzt werden? Und wie können Beschäftigte damit in Kontakt kommen? Anschließend werden passende Schutzmaßnahmen festgelegt. Am besten ist es, einen gefährlichen Stoff durch einen weniger gefährlichen zu ersetzen. Geht das nicht, kommen zuerst technische Maßnahmen zum Einsatz, zum Beispiel eine Absaugung oder eine gute Lüftung. Danach folgen organisatorische Maßnahmen, zum Beispiel klare Arbeitsabläufe. Und ergänzt wird das Ganze durch persönliche Schutzausrüstung wie Handschuhe oder Schutzbrillen.
Moderator:
Bei der Gefährdungsbeurteilung geht es übrigens nicht nur um körperliche Risiken. Der Umgang mit gefährlichen Stoffen kann auch zur psychischen Belastung werden. Zum Beispiel, wenn Beschäftigte Angst um ihre Gesundheit haben oder ständig unter dem Druck stehen, bei einer gefährlichen Tätigkeit bloß keinen Fehler zu machen. Doch was zählt genau als Gefahrstoff? Auch das regelt die Gefahrstoffverordnung.
Einspieler:
Gefahrstoffe werden danach eingeteilt, welche Gefahr von ihnen ausgeht und wie groß diese Gefahr ist. Dafür gibt es verschiedene Gefahrenklassen und verschiedene Gefahrenkategorien, zum Beispiel für entzündliche, ätzende, akut giftige oder krebserzeugende Stoffe. Erfasst werden aber auch Stoffe, die erst bei der Arbeit entstehen oder freigesetzt werden, zum Beispiel Schweißrauch, Gase oder Holzstaub. Es gibt außerdem Arbeitsplatzgrenzwerte. Sie legen fest, wie hoch die Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz höchstens sein darf. So können auch Stoffe als Gefahrstoffe gelten, die nicht sofort an einem Warnsymbol zu erkennen sind.
Moderator:
Es müssen also nicht immer gleich die offensichtlich gefährlichen Stoffe sein. Auch Arzneimittel, Kosmetika oder häufiges Händewaschen können die Haut belasten. Und manchmal kommt die Gefahr sogar von etwas, das eigentlich schützen soll. Schutzhandschuhe aus Naturlatex zum Beispiel. Sie können durch bestimmte Latexproteine selbst Allergien auslösen. Deshalb ist es auch bei der Schutzausrüstung wichtig, das passende Material auszuwählen. Zum Schluss noch einmal ganz praktisch: Was braucht es, damit der Umgang mit Gefahrstoffen im Arbeitsalltag sicher bleibt?
Einspieler:
Die Hauptverantwortung liegt bei der Unternehmensleitung. Sie muss sichere Bedingungen schaffen, klare Zuständigkeiten festlegen und für verständliche Betriebsanweisungen und Unterweisungen sorgen. Im Alltag gilt: Gefahrstoffe nur nach Vorgabe verwenden, nicht eigenmächtig mischen oder stärker dosieren und ausschließlich in geeigneten eindeutig beschrifteten Behältern aufbewahren. Essen, Trinken und Rauchen sind in den betroffenen Arbeitsbereichen tabu. Verschüttete Stoffe, beschädigte Verpackungen oder Beschwerden müssen sofort gemeldet werden.
Moderator:
Am besten funktioniert Prävention also dann, wenn der Betrieb gute Rahmenbedingungen schafft und alle gemeinsam auf sichere Abläufe achten. Das war sie, unsere dritte Wissen-To-Go-Folge zum Thema Gefahren. Wir haben über Gefahrenabwehr und Prävention gesprochen. Dann haben wir uns den Gefahrtarif genauer angeschaut, was er aussagt und welche Rolle er bei der Beitragsberechnung spielt. Und heute waren die Gefahrstoffe dran und der richtige Umgang damit. Falls ihr die anderen beiden Folgen verpasst habt, unbedingt mal reinhören. Am besten gleich im Anschluss an diese Podcastfolge. Falls ihr Fragen zu den einzelnen Themen habt, dann schaut gerne mal auf die Website der BGW bgw-online.de. Ihr könnt euch auch immer gerne vor Ort bei eurer BGW-Bezirksstelle mit Fragen melden. In zwei Wochen geht es dann weiter mit den regulären Herzschlag-Podcastfolgen und den Anfang macht Dr. Viola Andresen von den Ernährungs-Docs, kennt ihr bestimmt. Mit ihr bin ich dem einen oder anderen Ernährungsmythos auf den Grund gegangen. Einschalten lohnt sich.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.