Moderator:
Autos in den Sechzigerjahren hatten keine Airbags, keine Assistenzsysteme, oft nicht mal Sicherheitsgurte. Ja, und nicht, dass ich schon so alt bin. Allerdings hatte ich als Kind im Auto noch keinen Kindersitz. Ja, es gab keine Pflicht dazu und kaum jemand hatte das für seine Kids. Damals normal, heute undenkbar und vor allem ziemlich riskant. Mittlerweile ist Autofahren deutlich sicherer, weil wir aus Unfällen gelernt haben, die Technik immer besser wird und natürlich auch Regeln und Gesetze immer wieder angepasst werden. Vielleicht gibt es dann ja auch irgendwann in Deutschland, wie fast überall auf der Welt, ein Tempolimit. Später schütteln wir vielleicht auch darüber den Kopf, warum wir das Jahrzehnte nicht gemacht haben. Ganz ähnlich sieht es auch in der Arbeitswelt aus. Auch dort hat sich viel verändert. Arbeit ist sicherer geworden. Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre kamen auf 1.000 Vollzeitbeschäftigte noch mehr als 50 Arbeitsunfälle. Ganz schön viel. Heute sind es nur knapp 17, also knapp zwei Drittel weniger. Und das ist natürlich kein Zufall, sondern das Ergebnis von guter Prävention. Wir wissen heute viel mehr. In dieser Wissen-to-go-Folge erfahrt ihr, wie sich Prävention von Hautbelastung und Rückenerkrankungen verändert hat und woran man gute präventive Maßnahmen erkennt. Beim Rücken, können wir nämlich auch noch mal in die Nachhilfe gehen.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Pflegekraft:
So, Frau Müller, wir drehen Sie jetzt mal kurz auf die Seite.
Patientin:
Ja, gerne, aber bitte langsam.
Pflegekraft:
Ich unterstütze Sie.
Patientin:
Keine Ahnung, ich habe ein bisschen Bedenken.
Pflegekraft:
Ich hab Sie.
Patientin:
Bitte langsam.
Pflegekraft:
Ich hab Sie. Alles gut, alles gut, alles gut, ich hab Sie. Gleich geschafft.
Patientin:
Ja, danke. Huch.
Moderator:
Was hier nach einem kurzen Handgriff klingt, gehört in der Pflege zum Alltag. Menschen werden gehoben, gestützt, umgelagert oder beim Transfer begleitet. Früher wurde das häufig ohne technische Hilfsmittel erledigt, mit reiner Körperkraft. Kenne ich auch noch. Was haben wir beim Zivildienst ältere Menschen hin- und hergetragen. Das hat man dann abends gespürt. Heute wissen wir: Genau solche Tätigkeiten können auf Dauer zu Rückenbeschwerden führen.
Einspieler:
Es gibt zahlreiche Studien und Untersuchungen, die zeigen, welche Tätigkeiten in der Pflege das Muskel-Skelett-System besonders stark belasten. Zu den sogenannten sicherheitsgefährdenden Tätigkeiten zählt zum Beispiel, wenn ein Mensch in die Badewanne gehoben wird oder wieder heraus. Aber auch scheinbar leichte Bewegungen gehören dazu. Wenn eine Person im Bett aufgesetzt oder zurückgelegt wird oder wenn beim Waschen, Anziehen oder Lagern ein Bein angehoben werden muss.
Moderator:
Wusstet ihr, dass schon Gewichte von mehr als 40 Kilogramm bei Männern und mehr als 25 Kilogramm bei Frauen als Risiko eingestuft werden? Es kommt nicht nur auf das Gewicht an. Auch die Körperhaltung spielt eine Rolle, wie oft man eine Tätigkeit ausführt und die konkrete Bewegungssituation. Mit all dem Wissen und den Ergebnissen aus der Forschung wurden Konzepte entwickelt, die Pflegekräfte entlasten sollen und dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten sicherer bewegt werden können.
Einspieler:
Technische Hilfsmittel nehmen Pflegekräften einen großen Teil der körperlichen Belastung ab, besonders dann, wenn Menschen kaum mithelfen können oder ein höheres Körpergewicht haben. Dazu zählen zum Beispiel höhenverstellbare Pflegebetten, mobile oder deckengeführte Lifter, Aufstehhilfen sowie Dusch- und Toilettenstühle. Außerdem gibt es kleine Hilfsmittel für einzelne Bewegungen und Transfers, zum Beispiel Gleitmatten, Rutschbretter, Drehscheiben, Halte- und Transfergurte, Antirutschmatten oder Lagerungshilfen wie Kissen und Keile. Sie verringern Reibungen und machen Bewegungen kontrollierbarer. Und auch die Kinästhetik spielt eine wichtige Rolle. Sie hilft Pflegekräften dabei, Bewegungen bewusst wahrzunehmen und so rückenschonender, kraftsparender und sicherer zu arbeiten.
Moderator:
Zum Thema Kinästhetik gibt es übrigens auch eine eigene Podcastfolge. Die Verlinkung dazu findet ihr in den Shownotes dieser Podcastfolge. Ja, dann könnt ihr im Anschluss direkt reinhören. Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt immer von der Situation ab, Wie beweglich ist die Person, wie viel kann sie selbst mitmachen und wie viel Hilfe ist beim Transfer nötig. Hat man zum Beispiel einen Patienten oder eine Patientin mit einem Körpergewicht von mehr als 90 Kilogramm, dann reicht eine gute Arbeitstechnik nicht aus und selbst zu zweit kommt man schnell an körperliche Grenzen. In so einer Situation, da braucht man dann vor allem technische Lösungen, wie zum Beispiel Lifter. Hilfreiche Tipps zu diesem Thema gibt es jetzt.
Einspieler:
Die DGUV Information 207-033 unterstützt im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, Muskel-Skelett-Belastungen beim Bewegen von Menschen zu zu erkennen, einzuschätzen und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Praktische Unterstützung bietet auch die BGW-App „Bewegen von Menschen“. Mit ihr lassen sich mögliche Risiken direkt im Arbeitsalltag erfassen und bewerten. Außerdem gibt sie Hinweise, wie Belastungen reduziert und Tätigkeiten gesundheitsgerechter gestaltet werden können. Die App kann ganz einfach in den gängigen App-Stores heruntergeladen werden. Außerdem unterstützt die BGW Einrichtungen mit verschiedenen Angeboten, zum Beispiel mit der Rückensprechstunde, dem Rückenkolleg und Seminaren zu Muskel-Skelett-Belastungen.
Moderator:
Die Links zur App, Seminare und Informationen rund um das Thema Rückengesundheit findet ihr natürlich auch in den Shownotes dieser Podcastfolge. Wer im Gesundheitsdienst arbeitet, desinfiziert und wäscht sich häufig die Hände. Dazu kommt das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe und der Umgang mit Feuchtigkeit, Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Alles wichtig, alles notwendig. Aber für die Haut kann das eine enorme Belastung sein. Früher wurden trockene, rissige oder auch entzündete Hände oft als persönliches Problem gesehen, so nach dem Motto: Empfindliche Haut, falsche Creme, Pech gehabt! Heute wissen wir: Hautschutz ist Arbeitsschutz. Und die Zahlen zeigen, wie wichtig das Thema ist.
Einspieler:
In Gesundheits- und Wohlfahrtsberufen ist jede zweite Berufskrankheit eine Hauterkrankung. Besonders häufig betroffen sind dabei die Hände, zum Beispiel durch Handekzeme. Das heißt, die Haut wird trocken, rissig, juckt, brennt oder entzündet sich. Aus kleinen Reizungen können auch chronische Hautprobleme werden, vor allem wenn häufiges Händewaschen, Desinfizieren, Feuchtigkeit und tägliches Handschuhtragen zusammenkommen. Genau deshalb ist Hautschutz heute ein fester Teil der Prävention im Gesundheitsdienst mit klaren Hautschutz- und Händehygieneplänen, geeigneten Schutz- und Pflegeprodukten, Schulungen und Beratungen direkt am Arbeitsplatz.
Moderator:
Auch hier geht es also darum, Belastungen zu erkennen, Schutzmaßnahmen abzuleiten und die Umsetzung im Alltag begleiten. Welche Handschuhe passen zu welcher Tätigkeit? Wann braucht es Hautschutz? Wann Hautpflege? Und wissen alle im Team, worauf sie achten müssen? Die BGW bietet dafür Hautsprechstunden an, Hautschutzseminare, individuelle Hautschutz- und Handschuhpläne und Arbeitsplatzbegleitung zur Umsetzung im Betrieb. Jetzt könnte man sagen, okay, Rückenprävention, Hautschutz, Infektionsschutz, ja, das sind alles viele einzelne Themen, aber dahinter steckt ein gemeinsames Prinzip.
Einspieler:
Der vielleicht wichtigste Meilenstein im modernen Arbeitsschutz kam 1996 mit dem Arbeitsschutzgesetz. Seitdem müssen Betriebe Gefährdungen systematisch beurteilen und Schutzmaßnahmen ableiten. Das heißt, Arbeitsschutz beginnt nicht erst, wenn etwas passiert ist. Betriebe sollen vorher hinschauen, welche Tätigkeiten können belasten oder gefährlich werden, Wie wahrscheinlich ist das? Wie schwer können die Folgen sein? Und was lässt sich tun, damit Beschäftigte sicher und gesund arbeiten können? Genau dafür gibt es die Gefährdungsbeurteilung. Sie macht Risiken sichtbar, zum Beispiel bei körperlicher Belastung, Gefahrstoffen, Infektionsrisiken, Hautbelastungen, Arbeitsorganisation oder psychischer Belastung.
Moderator:
Gefährdungsbeurteilung, das klingt trocken, ne? So ein bisschen nach Formular oder Aktenordner und Pflichtprogramm. Dahinter steckt eine ziemlich starke Idee. Betriebe sollen nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist. Sie sollen vorher hinschauen. Die BGW unterstützt das Ganze mit Schulungs- und Beratungszentren, Rücken- und Hautsprechstunden, Präventionsangeboten und jedes Jahr rund 1200 Seminaren, Weiter- und Fortbildungsangeboten. Entscheidend ist, was daraus im Alltag entsteht, wenn zum Beispiel eine Pflegefachkraft nicht irgendwann sagen muss: 'Mein Rücken ist kaputt.' Beschäftigte, die ihren Beruf nicht wegen chronischer Hautprobleme aufgeben müssen und Teams, die Risiken nicht einfach hinnehmen, nur weil es immer schon so war. Genau darin zeigt sich der Wert von Präventionsmaßnahmen. Denn der größte Erfolg ist oft der, den man gar nicht sieht. Also der Unfall, der nicht passiert, die Berufskrankheit, die verhindert wird. Oder der Schmerz, der gar nicht erst entsteht. Das war die erste von drei Wissen-to-go-Folgen. Nächstes Mal geht es um den Gefahrtarif. Auch wieder so ein Wort, ne, klingt erst mal spröde. Also es geht darum, warum Risiken auch Beiträge beeinflussen. Ganz wichtig also. Danach schauen wir auf Gefahrstoffe und auf Risiken, die man nicht immer sofort erkennt. Also am besten diesen Podcast abonnieren, damit ihr keine Folge verpasst.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.