Sprecher:
Oh, oh, Post von der BGW
Sprecherin:
Und was steht drin?
Sprecher:
Hier steht irgendwas von Gefahrklasse und Gefahrtarif.
Sprecherin:
Ah, das klingt teuer.
Sprecher:
Oder gefährlich?
Sprecherin:
Oder beides.
Sprecher:
Moment mal, das ist gar keine Rechnung.
Sprecherin:
Gib mal her, lass mal sehen. Also da steht Einstufung unseres Betriebs, also, da geht es um unser Risiko, also wie hoch das Risiko in unserer Branche ist.
Moderator:
Vielleicht kommt der einen oder dem anderen diese Situation bekannt vor: Ein Brief der BGW und Worte wie Gefahrtarif und Gefahrklasse. In dieser Wissen-to-go-Folge schauen wir uns an, was es mit diesen Begriffen auf sich hat, warum es überhaupt unterschiedliche Gefahrklassen gibt und wie das Ganze am Ende berechnet wird. Jetzt keine Angst, den Taschenrechner, den könnt ihr erst mal zur Seite legen und, ja, ein bisschen Verwaltungssprache ist dabei. Ich werd euch jedoch immer genau erklären, was damit gemeint ist.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.
Moderator:
Jedes versicherte Unternehmen zahlt Beiträge an die gesetzliche Unfallversicherung. Wie hoch diese Beiträge sind, das hängt von mehreren Faktoren ab.
Einspieler:
Bei der Beitragsberechnung spielt die Höhe der Arbeitsentgelte eine Rolle, also die Löhne, die ein Unternehmen an die Mitarbeitenden zahlt. Die braucht es außerdem, um den sogenannten Beitragsfuß zu berechnen. Dabei werden im jeweiligen Beitragsjahr die Löhne ins Verhältnis zu den Ausgaben der BGW gesetzt. Für Unternehmen ist außerdem noch die Versicherungssumme relevant, also die Höhe der Geldleistungen im Versicherungsfall. Und dann gibt es noch die Gefahrklasse. Sie zeigt, wie hoch das Unfall- und Gesundheitsrisiko in einer bestimmten Branche ist.
Moderator:
Okay, also die Löhne spielen mit rein, die Ausgaben der BGW, die Versicherungssumme und die Gefahrklasse. Um zu verstehen, was es mit der Gefahrklasse auf sich hat, müssen wir uns den Gefahrtarif der BGW genauer anschauen.
Einspieler:
Der sogenannte Gefahrtarif hilft der BGW dabei, die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zu berechnen. Dafür werden Unternehmen aus Branchen mit vergleichbaren Risiken in Gruppen zusammengefasst, in sogenannte Gefahrtarifstellen. Jede dieser Gruppen erhält eine Gefahrklasse. Sie ergibt sich unter anderem daraus, wie viele und wie teure Versicherungsfälle es in dieser Branche gegeben hat, also zum Beispiel Arbeitsunfälle oder anerkannte Berufskrankheiten. Diese Kosten werden ins Verhältnis zu den gemeldeten Löhnen und Versicherungssummen gesetzt.
Moderator:
Vereinfacht gesagt zeigt die Gefahrklasse also, wie hoch das Versicherungsrisiko einer Branche ist. Je niedriger die Gefahrklasse, desto niedriger fällt bei gleichem Lohn oder Gehalt in der Regel auch der Beitrag aus. Hier sind mal so ein paar Beispiele für euch. Im aktuellen Gefahrtarif der BGW sind unter der Gefahrtarifstelle Nummer 5 die Bereiche Veterinärmedizin, Tierbehandlung, Schädlingsbekämpfung und Desinfektion zusammengefasst. Für diese Gruppe gilt die Gefahrklasse 7,23, ein vergleichsweise hoher Wert, weil es in diesen Branchen häufiger zu schweren Arbeitsunfällen und berufsbedingten Erkrankungen kommt und die damit verbundenen Versicherungsleistungen entsprechend höher ausfallen. Ja, da steigt die Kuh auf den Fuß der Tierärztin oder da stürzt ein Schädlingsbekämpfer in einen Schacht hinunter. Da gibt es einige potenzielle Gefahren im Job. Den niedrigsten Wert gibt es bei Gefahrtarifstelle Nummer 3. Das sind dann Einrichtungen der zahnärztlichen Versorgung. Und hier liegt die Gefahrklasse bei 1,80. Wer dort arbeitet, ist im Vergleich zu vielen anderen Branchen also ziemlich sicher unterwegs, zumindest solange man nicht selbst auf dem Behandlungsstuhl sitzt. Schaut gerne mal auf der Website der BGW vorbei, dort könnt ihr selbst einen Blick in die Tabelle zum aktuellen Gefahrtarif werfen. Auf der Website findet ihr übrigens auch einen Beitragsrechner. Dafür braucht ihr dann nur zwei Angaben: die Höhe der Versicherungssumme und eure Gefahrtarifstelle. Seit 2025 gilt der neue Gefahrtarif der BGW. Deshalb haben versicherte Unternehmen und auch freiwillig Versicherte in den Monaten zuvor einen sogenannten Veranlagungsbescheid bekommen. Darin steht, welcher Gefahrtarifstelle und welcher Gefahrklasse sie zugeordnet wurden, also welche Risikoeinstufung künftig für die Beitragsberechnung gilt.
Einspieler:
Ein Gefahrtarif gilt höchstens sechs Jahre und wird danach neu festgesetzt. So bleibt die Beitragsberechnung verlässlich, während aktuelle Risiken berücksichtigt werden können. Für den aktuellen Gefahrtarif wurden die Jahre 2017 bis 2022 ausgewertet. Dieser Zeitraum war stark von der Corona-Pandemie geprägt. Vor allem im Gesundheitsdienst stieg die Zahl der Versicherungsfälle deutlich an, unter anderem durch anerkannte COVID-19-Berufskrankheiten. Diese Kosten fließen nun in den neuen Gefahrtarif ein. Außerdem wurden die Zuordnungen einzelner Branchen überprüft und teilweise geändert.
Moderator:
Warum gibt es unterschiedliche Beiträge? Die gesetzliche Unfallversicherung funktioniert solidarisch. Gleichzeitig wäre es jedoch nicht fair, alle Branchen gleich einzustufen, ganz unabhängig davon, wie hoch ihr tatsächliches Risiko ist. Wichtig dabei: Die Gefahrklasse bewertet nicht den einzelnen Betrieb. Sie beschreibt immer das durchschnittliche Risiko einer ganzen Branche. Und genau deshalb lohnt sich Prävention. Wenn Arbeitsbedingungen sicherer werden, Unfälle zurückgehen und Berufskrankheiten vermieden werden, kann sich langfristig auch die Risikoeinstufung einer Branche verbessern. Ein gutes Beispiel ist das Friseurhandwerk. Dort haben bessere Schutzmaßnahmen geholfen, gesundheitliche Risiken wie Hauterkrankungen deutlich zu senken. Prävention schützt also nicht nur die Beschäftigten, sie kann langfristig auch einer ganzen Branche zugutekommen. Manche Gefahren am Arbeitsplatz sind allerdings kaum zu erkennen. In der nächsten Folge geht es deshalb um Gefahrstoffe in Innenräumen, also um Stoffe, die Beschäftigte oft weder sehen noch riechen, die allerdings trotzdem die Gesundheit gefährden können. Unbedingt nächste Woche wieder reinhören beim dritten Teil der Wissen-to-go-Reihe.
Jingle:
Herzschlag! Für ein gesundes Berufsleben – der BGW-Podcast.