Dürfen Handschuhe zum einmaligen Gebrauch desinfiziert werden?

Behandschuhte Hände sollten nur in speziellen Fällen desinfiziert werden, z. B. in Situationen, in denen ein häufiger Handschuhwechsel erforderlich, aber erfahrungsgemäß schwierig realisierbar ist bzw. der Wechsel zu einer Unterbrechung des Arbeitsflusses führt. Hierzu hat das RKI auf seiner Homepage eine Stellungnahme veröffentlicht. Weitere Informationen geben das Positionspapier der "Aktion saubere Hände" und eine Stellungnahme durch den Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.).

Für die Desinfektion des Handschuhes müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Handschuh muss chemikalienbeständig gemäß EN 374 sein, wobei die Prüfung der sog. Durchbruchzeit von 30 min (Schutzindex Klasse 2) mindestens einen Alkohol einschließen soll.
  • Vom Hersteller der Handschuhe und vom Hersteller des Händedesinfektionsmittels darf es keine Angaben geben, die einer Desinfizierbarkeit des Handschuhs entgegenstehen.
  • Der Handschuh soll nur während der Versorgung an ein und demselben Patienten verwendet werden und ist nach Beendigung der jeweiligen Tätigkeit abzulegen.
  • Sofern es der Arbeitsablauf zulässt, sollte der Wechsel von Einmalhandschuhen parallel zu den Indikationen der Händedesinfektion erfolgen, d. h. immer dann, wenn die Indikation für eine Händedesinfektion gegeben ist, aber Handschuhe getragen werden. Im Ausnahmefall können behandschuhte Hände anstelle eines Handschuhwechsels desinfiziert werden, wenn andernfalls der Arbeitsablauf nicht gewährleistet werden kann, z. B. bei Tätigkeiten an derselben Patientin aber zwischenzeitlichem Kontakt mit unterschiedlich kontaminierten Körperbereichen.
  • Werden bei unterschiedlichen Patientinnen oder Patienten lediglich Blutentnahmen durchgeführt, so dass es zu keiner weiteren Kontamination der Handschuhe kommt, kann ebenfalls auf einen Handschuhwechsel verzichtet und stattdessen eine Desinfektion vorgenommen werden.
  • Der Handschuh darf keine sichtbare Perforation aufweisen und nicht mit Blut, Sekreten oder Exkreten erkennbar kontaminiert sein.

Kriterium für die Entscheidung ist, dass der spezifische Arbeitsablauf keine Zeitspanne für die Lufttrocknung der desinfizierten Hände nach der Desinfektion vor dem Anlegen der neuen Handschuhe gewährt.

Aktualisiert: 14.04.2020