Transkript #44: Personalgewinnung in der Pflege durch junge Nachwuchskräfte #44 "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"

Block 01: Einleitung und Begrüßung

Stimme 1 aus dem Off: Für mich das Schönste am Pflegeberuf ist seine Vielseitigkeit. Dass ich jeden Tag den kranken und leidenden Menschen tatsächlich helfen kann. Betonung auf tatsächlich. Dass man den Menschen, die Probleme haben, ein bisschen Erleichterung schenkt. Und besonders für meinen Job ist, dass ich jeden Tag, das lächelnde Gesicht als Belohnung sehe. Und das macht mir viel Spaß. Und ich fühle, dass ich gebraucht werde. 

Stimme 2 aus dem Off: Also, am schönsten ist auf jeden Fall die Vielfältigkeit. Der Pflegeberuf bietet ganz viele Möglichkeiten und Nischen. Es werden ständig neue Berufsfelder erschlossen. Und den meisten in der Bevölkerung, aber auch in dem Beruf selber, ist das noch gar nicht so bewusst. Gerade durch die neuen Studiengänge kann man sich auf vieles spezialisieren oder sich was in der Pflege aussuchen, von dem man noch gar nicht weiß, dass es das jetzt gibt. Was ich besonders liebe an meinem Beruf sind die Auswirkungen. Gerade die jüngeren Generationen und auch ich möchten natürlich mit unserer Arbeit einen Impact haben. Also, wir möchten gerne was bewegen. Und in der Pflege und auch in anderen sozialen Berufen kann man das, weil es ist nicht so leicht, die Welt zu verändern. Aber die Welt eines einzelnen Menschen kann man durch ganz viele Kleinigkeiten einfach schon verändern.

Moderator: Auszubildende, Studierende und Berufseinsteige in der Pflege haben alle eins gemeinsam: Einen großartigen, jedoch auch verantwortungsvollen Beruf. Teilweise ist den Menschen immer noch nicht ganz bewusst, dass die Pflege mehr ist als Waschen und Händchenhalten. Für eine gute Pflege werden auch gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen benötigt. Und ja, da besteht nach wie vor Handlungsbedarf.

Stimme aus dem Off: Also, wünschen tue ich mir auf jeden Fall mehr Empowerment. Ich wünsche mir eine Stärkung der Pflege, eine Kompetenzerweiterung, dass wir das, was wir auch wirklich schon können, auch politisch dürfen. Klarere Strukturen, mehr Mitsprache, auch da vor allen Dingen auf politischer Ebene. Und mehr Zeit natürlich für die Patientinnen, dass man dem Beruf wirklich nachgehen kann, den man so liebt. Also, in den vergangenen zwei Jahren ist der Fokus ja mehr auf die Pflege gerichtet worden. Und diese Aufmerksamkeit muss positiv genutzt werden. Einmal für uns selber, für das Selbstbild der Pflege, um das zu gestalten, aber auch die Außenwahrnehmung. Denn wenn die Außenwahrnehmung uns als attraktiveren Job wahrnimmt, glaube ich, haben wir schon ein ganzes Stück geschafft.

Stimme 1 aus dem Off: Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung unseren Beruf mehr anerkennt und wertschätzt, weil ich beobachte die Menschen, die haben wenig Ahnung, was wir täglich zu leisten haben. Und auch mehr Stabilität in dem Beruf, dass man halt jeden Tag, wenn man zur Arbeit kommt, nicht mit diesem Stress kommt, wie viele Stunden ich muss bleiben. Und wenn man immer einspringen muss – und außerdem geht es um Ausbildung zur Pflegefachfrau, Fachmann. Das übersichtlicher wird und auch Qualität soll sich verbessern.

Block 02: Interview mit Lina Gürtler und Johannes Wünscher

Moderator: Die Junge Pflege AG Nordost hat es sich zur Aufgabe gemacht diese Verbesserungswünsche gemeinsam mit der BGW umzusetzen. Gleich spreche ich mit Lina Gürtler und Johannes Wünscher darüber, wie diese Zusammenarbeit ausschaut. Ich bin Ralf Podszus und ich begrüße sie zu einer neuen Folge

(Podcast-Opener)

Moderator: Einen attraktiven Arbeitsplatz für den Nachwuchs schaffen und die Personalbindung erhöhen. Dafür setzt sich die Junge Pflege AG ein. Nina Gürtler, Johannes Wünscher ich grüße Sie und freue mich, dass Sie uns heute etwas über dieses Vorhaben erzählen.

Lina Gürtler: Hallo. Schön, dass wir da sein können.

Johannes Wünscher: Hallo. 

Moderator: Was ist genau Ihre Tätigkeit? Was machen Sie und wie und wann sind Sie zur Jungen Pflege AG gekommen?

Lina Gürtler: Ich bin jetzt 24, habe 2018 meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht und arbeite jetzt auf einer internistischen Intensivstation und bin dann auch direkt nach der Ausbildung zum Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe und in die AG Junge Pflege gekommen.

Johannes Wünscher: Ja, ich bin 31 Jahre alt. Ich habe 2009 meine Ausbildung begonnen zum Gesundheits- und Krankenpfleger, bin dann schon in der Ausbildung selbst Mitglied beim DWFK geworden. Und genau in der AG Junge Pflege habe ich mich dann 2018 verstärkt engagiert. 

Moderator: Was genau ist denn eigentlich auch die Aufgabe der Jungen Pflege AG?

Lina Gürtler: Als AG Junge Pflege setzen wir uns eigentlich für alle Themen ein, die uns als junge Pflegende interessieren. Also, sowohl Auszubildende, Studierende als auch Berufseinsteigerinnen. Und das sind ganz unterschiedliche Aspekte, die sehr politisch auch geprägt werden, aber die auch einfach unternehmensintern auch schon geklärt werden können. Wo wir uns zu positionieren und wo wir sagen, das ist uns als junge Pflege wichtig.

Moderator: Sie treffen sich in der Regel zweimal im Monat. Wie können wir uns so ein Treffen vorstellen? Also, was wird diskutiert und wie setzen Sie letztendlich dann auch das um, was Sie ändern wollen? 

Johannes Wünscher: Ja. Also, vor der Pandemie war das so, dass wir uns einmal im Monat getroffen haben für ein längeres Treffen tatsächlich in unserer Geschäftsstelle in Berlin. Das ist in Alt-Moabit, ein schönes Gebäude, relativ zentral, gut erreichbar. Das war ein nettes Zusammensein. Da hat jeder so erzählt, was gerade im Arbeitsbereich gerade so vorgefallen ist, was da ansteht für große Herausforderungen auch. Oder auch persönliche Geschichten, die einem im Arbeitsalltag passiert. Es ist halt schön, weil das ein geschützter Rahmen ist, wo man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Aber häufig ist es dann eben so, dass man aus diesen persönlichen Erfahrungen relativ schnell sieht, dass es eben nicht nur ein Einzelfall ist, dass es eben nicht nur eine individuelle Situation ist, sondern dass es eben Umstände sind, die dazu führen, die immer wieder dazu führen. Und dann überlegen wir, was wir machen, um solche Probleme zu vermeiden. Also, sei es nun ein Positionspapier, was man verfasst um dann den politischen Entscheidungsträgern es zuzuschicken, oder auch mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. Oder eben, dass man sich an kreativen Demonstrationen wie dem Walk of Care in Berlin beteiligt. Also, das ist sehr unterschiedlich und je nachdem, worauf die Junge Pflege AG und die Mitglieder eben Lust haben. Jetzt in der Pandemie sind wir dazu übergegangen, zweimal im Monat ein Treffen zu machen. Eins ist es eher so ein Kennenlernentreffen. Wir kriegen auch sehr viele Anfragen über Instagram beispielsweise, wo wir in einen Account haben, wo Leute uns kennenlernen wollen. Für die ist immer das erste Treffen ganz gut. Und im zweiten Treffen versuchen wir tatsächlich dann, stärker an Inhalten zu arbeiten, wie beispielsweise auch unseren Jungen-Pflege-Kongress. 

Moderator: Wir haben eingangs schon ein paar Wünsche von jungen Pflegekräften gehört. Wie ist das bei Ihnen? Was war bei Ihnen der Auslöser, dass Sie gesagt haben: Da muss sich jetzt mal was ändern? 

Johannes Wünscher: Ja, bei mir war das tatsächlich so, als im Frühjahr 2018 in der 19. Legislaturperiode ein gewisser Bankkaufmann zum Gesundheitsminister ernannt wurde, dass ich so ja aus diesem passiven, zahlendem DBFK-Mitglied in eine aktive Rolle übergegangen bin, wo ich gesagt habe: Nee, das kann nicht sein, wir brauchen endlich jemanden mit Expertise, der die Pflegepolitik in Deutschland steuert und voranbringt. Und da habe ich mich dann tatsächlich in der jungen Pflege engagiert, weil ich eben möchte, dass Pflege sichtbar wird, dass professionell Pflegende an wichtigen Entscheidungen in unserem Gesundheitswesen, in unserem System beteiligt werden und die Stimme hörbar gemacht wird.

Lina Gürtler: Und bei mir war es so, dass ich eigentlich genau das auch festgestellt habe, dass diese tatsächliche Vertretung der professionellen Pflege fehlt. Ich selber festgestellt habe, dass mein berufspolitischer Unterricht in der Ausbildung auch viel zu kurz kam und mir gar nicht ausreichend Wissen vermitteln konnte. Wo kann ich mich denn für meinen Beruf engagieren? So, dass ich erst nach der Ausbildung mit dem Berufsverband tatsächlich in Kontakt gekommen bin und aktiv geworden bin. Und dann ja auch selber festgestellt habe, dass das einfach ein zentrales Problem ist bei uns in der Pflege, dass wir uns auch selber viel zu wenig engagieren in Berufsverbänden, in Gewerkschaften. Und, dass wir daran noch ganz viel arbeiten und leisten müssen. Deswegen es für mich einfach auch eine super wichtige Sache ist, wenn kein engagiertes Mitglied, dann auf jeden Fall überhaupt Mitglied im Berufsverband zu sein.

Moderator: Wie schaut die Zusammenarbeit mit der BGW aus?

Lina Gürtler: Also, Projekte die wir mit der BGW schon gemacht haben, war natürlich unser Junge-Pflege-Kongress. Das war eine großartige Zusammenarbeit, wo wir gemeinsam auch Themen gestaltet haben, weil wir natürlich gemeinsam dieses Ziel haben, gesund im Beruf zu bleiben. Also, auch für uns junge Pflegende ist das einfach wichtig, wenn man aus der Schule kommt und in einem Beruf rein, der einfach sehr viele Schwierigkeiten mit sich bringt, mit Schichtdienst, mit körperlicher, anstrengender Arbeit, mit Überstunden, die dann irgendwann dazukommen. Dieses: Wie schaffen wir da trotzdem gesund zu bleiben und schon im jungen Alter Ressourcen und Skills für sich zu entwickeln, um weiterzukommen. Und da ist es natürlich super, mit der BGW gemeinsam daran zu arbeiten. Und das haben wir bei unserem Jungen-Pflege-Kongress gemacht und das hat viel Spaß gemacht und ja heute sind wir auch hier und das ist auch super, dass wir hier beim BGW-Podcast dabei sein können.

Moderator: Herr Wünscher, ganz allgemein: Wie finden Unternehmen branchenübergreifend am besten Personal? 

Johannes Wünscher: Ja, das ist eine Frage. Wenn ich die vollumfänglich beantworten könnte, glaube ich, müsste ich jetzt hier nicht hier sitzen und einen Podcast aufnehmen, sondern hätte wahrscheinlich eine andere Verantwortung. Nein, Spaß beiseite.

Moderator: Ich dann vielleicht auch am Ende. (beide lachen) 

Johannes Wünsher: Der wichtigste Punkt ist wahrscheinlich, Zeit und Ressourcen in gute Ausbildung zu investieren. Also, das sieht man und da verlasse ich tatsächlich das allgemeine Level und gehe schon in die Pflege. Konkret das Unternehmen, die da mehr machen als das Nötigste, sage ich mal, dass das denen gelingt, die Auszubildenden auch zu halten in einem Unternehmen, was natürlich auch Punkte sind, die in der Pflege über Jahrzehnte vernachlässigt worden sind, Sachen wie Karriereplanung. Also, diese Vorstellung, dass man als Gesundheits- und Krankenpfleger seine Ausbildung macht, als Pflegefachmann oder Pflegefachfrau, wie das ja nun nach der neuen Ausbildungsreform heißt und dann 40 Jahre, 50 Jahre auf derselben Stelle im selben Unternehmen arbeitet. Das sind, glaube ich, Gedanken wo man sich mit den neuen Generationen, Generation Z, Generation Y vielleicht nicht weit kommt. Also, die Leute wollen sich heute weiterentwickeln und da gibt es auch Möglichkeiten in der Pflege. Man muss sich halt eben nur als Unternehmen darum kümmern, solche Perspektiven auch anbieten zu können. Und was natürlich gerade jetzt in der Pandemie ein wichtiges Thema ist, ernsthafte Wertschätzung, also unabhängig jetzt auch von der Branche. Eine ernsthafte Wertschätzung, die sich auch zum Beispiel darin zeigen kann, dass man Pflegende viel stärker mit in unternehmerische Entscheidungen einbezieht. Also, eben nicht nur das Glas Senf oder der Lavendelstrauch. Sondern, dass man tatsächlich die Expertise und die Arbeitserfahrungen von Menschen, vor allem eben auch von Pflegenden wahrnimmt und sie an Entscheidungen beteiligt. 

Moderator: Das sind ja schon sehr viele und sehr wichtige und gute Punkte. Also, da geht ja schon einiges in Bezug auf, wie Unternehmen am besten branchenübergreifend Personal finden können, wenn diese Aspekte berücksichtigt werden. Speziell in der Pflegebranche, wie ist da momentan die Lage? Also, wie viele junge Pflegekräfte entscheiden sich am Ende wirklich für diesen Job? 

Johannes Wünsxher: Ja, das ist eine sehr, sehr spannende Frage. Wir haben in der letzten Legislaturperiode erlebt, dass viele Bundesländer ihre Ausbildungszahlen massivst erhöhen wollten. Hier in Berlin war die Rede davon, zehn Prozent mehr junge Leute in der Pflege auszubilden. Und tatsächlich mussten wir aber im vergangenen Ausbildungsjahr Abbruchquoten von 28 Prozent vermelden. Da kann man sich natürlich ausrechnen, wie viel dann tatsächlich übrigbleibt, wenn man zwar die Kapazitäten um zehn Prozent erhöht, aber die Ausbildungsabbruchquote auf einem Rekordstand ist. Anhand dieser Zahlen sieht man einfach, wie schwierig es ist, gerade jetzt in dieser pandemischen Situation Auszubildende in dem Beruf zu halten, beziehungsweise sie dann auch weiter zu qualifizieren. Wie gesagt, ich hatte ja meine Ausbildung 2009 begonnen und habe auch noch Kontakt zu vielen meinen damaligen Mitschülern. Viele von denen sind zwar noch in der Pflege, aber man würde das tatsächlich eher als so Nischenjobs in der Pflege betrachten. Also, entweder haben sie sich weiter qualifiziert, sind jetzt als Hauptpraxisanleiterin beispielsweise freigestellt und arbeiten nicht mehr am Patienten, sondern für die Ausbildung. Oder haben Pflegepädagogik studiert, haben Pflegewissenschaft oder Pflegemanagement studiert. Das sind alles Sachen, die ich tatsächlich noch zur Pflege zählen würde. Aber das sind nicht die Sachen, an die man als erstes denkt, wenn man von der Pflege spricht. Und das wird eben die Herausforderung sein, eben die allgemeinen Jobs in der Pflege attraktiver zu gestalten. Damit eben ja junge Leute nach der Ausbildung da eine Perspektive finden. Und da sind wir wieder bei den Themen, die ich eben schon nannte, nämlich Karriereplanung und auch Entlastung. 

Moderator: Und gerade in der Pandemie schauen jetzt Auszubildende und auch die, die eventuell mit dem Gedanken spielen, in der Pflege eine Ausbildung zu beginnen, genau hin, wie die Rahmenbedingungen sind und wie dieser Beruf wertgeschätzt wird. Frau Gürtler, was raten Sie jungen Menschen, die gerne im Pflegeberuf arbeiten würden, aufgrund der Umstände und Bedingungen jedoch Zweifel haben?

Lina Gürtler: Ich würde empfehlen, dass Sie sich den Beruf trotzdem einmal anschauen und auch in der Vielfalt anschauen. Also, ich glaube, die meisten, die vorhaben, eine Pflegeausbildung zu machen, schauen immer zuerst ins Krankenhaus oder in eine Langzeitpflegeeinrichtung und machen dort ihr Praktika. Aber Pflege ist ja so viel vielfältiger und wir haben ja jetzt auch das Glück, was - Wir haben es eben schon angesprochen hatte, dass es schon in Deutschland erste Projekte gibt, wo geschaut wird, wie können Pflegende noch eingesetzt werden, dass es Bachelor-Studiengänge gibt, dass es die ersten Master für Pflege in Deutschland gibt. Und, dass wir da wirklich auch schauen können, welche Kompetenzen können Pflegende noch übernehmen? Auch das alles gehört zum Berufsspektrum dazu. So, dass junge Menschen, die sagen, Pflege klingt total spannend für sie. Und es ist ein wahnsinnig toller Beruf, eben durch so viele Beratungskompetenzen und Unterstützungsmöglichkeiten, die man Menschen bieten kann. Dass man dann halt sagt: Okay, ich schaue mal in die ambulante Pflege, oder ich schaue auch mal, was ist denn eigentlich Pflegeforschung? Weil auch so was gibt es, dafür gibt es ja auch Institute. Auch das sind alles Möglichkeiten, wo man reinschauen kann. Damit man dann auch verstehen kann, wie komplex man ist. Und, dass man nicht nur im Krankenhaus ein Arbeitsfeld hat.

Moderator: Warum lohnt es sich denn Ihrer Meinung nach, eine Ausbildung in der Pflege zu machen? Und welche Möglichkeiten haben junge Menschen, abgesehen von Praktika und dem FSJ vorher schon in den Beruf reinzuschnuppern? Sie haben auch schon so ein paar Dinge erwähnt.

Lina Gürtler: Also, dass es lohnt eine Pflegeausbildung zu machen, das weiß ich an mir selber. Ich habe halt für mich selber einfach gemerkt, dass es mir persönlich auch viel gebracht hat. Ich würde sagen, dass Pflege einer der Berufe ist, wo man am meisten über sich selbst lernen kann, weil man sehr viel reflektieren muss, weil man lernt, wie man mit anderen Menschen interagiert. Es gibt ja in vielen Bundesländern auch inzwischen den Boys Day, der da, glaube ich, eine gute Möglichkeit ist, in den Beruf schauen, oder auch Speed-Dating. Was Schulen hier noch mal angeraten werden kann, dass so was gemacht wird, wo wirklich Schüler sich mit Leuten, die den Beruf schon machen, ins Gespräch kommen können. In ganz kurzen Sessions in der Schule, um zu erfahren, was ist das für ein Beruf.

Moderator: Auch die BGW leistet einen wichtigen Beitrag zu mehr Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz und fördert somit gesunde Unternehmen. 

Stimme aus dem Off: Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hilft bei den ersten Schritten. Mit verschiedenen Angeboten unterstützt sie Arbeitgebende auf dem Weg zu einem gesunden und sicheren Arbeitsplatz für Praktikantinnen und Praktikanten, Auszubildende, Studierende und Berufseinsteigende. Zum Beispiel mit den Online-Unterweisungshilfen können junge Menschen den Arbeits- und Gesundheitsschutz selbstständig durcharbeiten und alles erfahren, was wichtig für die Branche ist. Auch das Unterrichtsmaterial Take Care für Lehrkräfte in pflegenden Berufen ist eine wertvolle Hilfe. So wurden mehrere individuell einsetzbare Koffer mit Unterrichtsmaterialien entwickelt, die in der pflegepädagogischen Arbeit unterstützen. Darin zu finden sind verschiedene Ideen, um mehr über die Themen Rücken, Gesundheit, Stressprävention, Haut und Hautschutz, sowie Infektionsschutz zu erfahren. 

Moderator: Alle Links und Infos zu den Angeboten der BGW und der Jungen Pflege AG finden Sie in den Shownotes dieser Podcastfolge. Frau Gürtler, Herr Wünscher, welche Tipps haben Sie für Arbeitgebende? Was können Unternehmen also leisten, um die Personalbindung zu stärken und den Personalmangel zu beseitigen? Dass wir bei den Auszubildenden nicht mehr diese Quote von 28 Prozent Abbruch haben.

Lina Gürtler: Ja, es ist immer wieder so wichtig, dass diese Wertschätzung angesprochen wird und oft wird diese Wertschätzung nur mit Geld ausgesprochen. Aber für mich ist es auch wichtig, dass ich in einem Unternehmen bin, wo ich ernst genommen werde und mit meiner Expertise ernst genommen werde. Und es gibt Beauftragte in der Pflege, in einem Team für Sicherheit, es gibt Wundbeauftragte, es gibt Hygienebeauftragte. All diese Kompetenzen, die ich im Team habe, die sollten in den Krankenhäusern, in den Pflegeeinrichtungen gestärkt werden, damit ich als Pflegende tatsächlich sehe, ich rede hier mit und das, was ich weiß und das, was ich kann, wird auch genutzt. Also, das wäre für mich etwas Wichtiges, dass ich auch sage, ich bleibe bei einem Unternehmen.

Johannes Wünscher: Also, für mich sind zwei Hauptpunkte relevant. Einmal das Thema Authentizität und Professionalität. Also, auf der einen Seite: Wie werbe ich um Pflegefachpersonen? Ist es die Pflege mit Herz, die auf der Annonce prangt oder bin ich eine Einrichtung? Oder arbeite ich für eine Einrichtung, die ein sehr professionelles Pflegeverständnis hat, wo Mitarbeitende dazu aufgefordert werden, am professionellen Pflegeleitbild mitzuwirken, es mitzugestalten, es tatsächlich mit Leben zu füllen. Und nicht nur an einem goldenen Rahmen in die Eingangshalle zu hängen. Also, dieses Verständnis von professioneller Pflege und auch einer Kongruenz von „was gibt unsere Unternehmens-Policy her?“ und „wie kommunizieren wir Pflege zu unseren Patienten, zu unseren Angehörigen der Patienten, aber auch zu unseren Mitarbeitenden?“. Und das ist ein Punkt, der, glaube ich, viel zu lange unterschätzt wurde. Junge Leute checken das relativ schnell, ob das, was in der vorgefertigten Annonce steht, mit dem, was ich dann in den ersten Wochen auf Station erlebe, tatsächlich vereinbar ist. Und bei dem aktuellen Arbeitsmarkt ist es überhaupt gar kein Problem, da sich kurzfristig umzuentscheiden. Das wäre vielleicht noch ein Tipp für die Arbeitnehmer. Nutzt doch einfach mal die Möglichkeit, Probe zu arbeiten. Also, nicht nur einen Tag, sondern vielleicht mal zwei, drei. Dann seht ihr relativ schnell, um was für eine Einrichtung es sich da handelt, wo ihr zum Bewerbungsgespräch eingeladen seid. 

Moderator: Ein guter Tipp zum Ende. Da sind wir auch wieder bei der Wertschätzung. Einfach alle ernst nehmen. Vielen Dank, dass Sie beide heute hier waren und ich drücke die Daumen, dass sich in der Pflege in naher Zukunft noch ein bisschen was tut. Das wäre für uns alle sehr wichtig.

Lina Gürtler: Vielen Dank.

Johannes Wünser: Schön, dass wir hier sein durften. 

Block 03: Verabschiedung

Moderator: Wenn Sie sich für die Junge Pflege AG interessieren und auch einen Teil dazu beitragen wollen, die Pflegebranche noch attraktiver für junge Menschen zu machen, dann finden Sie die passenden Links in den Podcast Shownotes oder auf der Webseite der BGW. Www.bgw-online.de/podcasts. Das war es für heute. Schön, dass Sie wieder mit dabei waren. Ich freue mich auf das nächste Mal bis dahin: Machen Sie es gut.

(Outro – Herzschlag. Für ein gesundes Berufsleben, der BGW Podcast)