Transkript #30: Optimismus trotz Corona: Über Zuversicht in Pflegeberufen #29 "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"

Block 01: Begrüßung und Einleitung

Moderator: Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Das wird nicht erst seit der Coronapandemie gefordert, seit Jahren geht es immer wieder um Themen wie mangelnde Wertschätzung, zu wenig Gehalt, überlastete Pflegekräfte und fehlende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Herausforderungen, die sind längst bekannt, durch die Pandemie aber noch einmal mehr in den Mittelpunkt gerückt. Beinahe täglich waren Bilder aus Kliniken und Altenheimen in den Nachrichten zu sehen. In den sozialen Medien wurde der Hashtag Nichtselbstverständlich nach einer TV-Sendung tausendfach verbreitet, um den Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, mehr Respekt und Anerkennung entgegenzubringen. Hat sich in der Pflege durch die Pandemie tatsächlich etwas verändert? Können Pflegekräfte positiv in die Zukunft schauen? Ja, und wie schaffen es Arbeitgebende und Arbeitnehmende, die in Pflegeberufen arbeiten, optimistisch zu bleiben? Diese Fragen, die wollen wir heute beantworten. Außerdem sprechen wir darüber, wie die BGW Versicherte im Fall einer Coronaerkrankung unterstützt. Das alles in dieser neuen Podcast-Folge. Ich bin Ralf Podszus. Hallo.

(Podcast-Opener)

Moderator: Ich ziehe meinen Hut vor allen Menschen, die Tag für Tag hart arbeiten, viel Verantwortung tragen und für Menschen da sind, die krank, alt oder verletzt sind. Ihr macht einen klasse Job. Das kann man gar nicht oft genug sagen. Wir wissen aber auch, dass sich einiges ändern muss, damit auch weiterhin Menschen in diesem Beruf arbeiten wollen. Ob sich hier durch die Pandemie bereits etwas verändert hat und wie wichtig ein gesunder Optimismus ist, das wird mir jetzt Professor Bernd Riekemann beantworten. Der gelernte Krankenpfleger, der ist Vorstandsmitglied im Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Wesel und nebenberuflich Honorarprofessor und Lehrbeauftragter an Hochschulen und Akademien. Hallo, Herr Riekemann.

Block 02: Interview mit Prof. Dr. Bernd Riekemann

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Hallo, Herr Podszus. Ich grüße Sie.

Moderator: Herr Riekemann, was würden Sie sagen, hat sich durch die Pandemie etwas in der Pflege verändert?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Das ist eine gute Frage. Also ich würde sagen, ja und nein, weil die Pandemie gezeigt hat, dass wir die Qualität der pflegerischen Versorgung und in der sozialen Betreuung auch in äußerst schwierigen Situationen aufrechterhalten konnten. Denken Sie beispielsweise nur an die strikten Besuchsbeschränkungen am Anfang der Pandemie, bei denen der engste Kontakt der Bewohnerinnen und Bewohner ausschließlich zu den Pflege- und Betreuungskräften stattfand. Alle Abläufe mussten in der Pandemie neu entwickelt werden. Hier ist es unter anderem zu einer viel stärkeren Akzeptanz der Bezugspflege gekommen. Pflegende und Leitungskräfte sind selbstbewusster geworden im Aufzeigen von Grenzen und Durchsetzen von Regeln. Denken Sie hier nur an die Vielzahl von gesetzlichen Regelungen und Verordnungen, die teilweise bereits einen Tag nach Erscheinen umgesetzt werden mussten. Hier als Beispiel die plötzliche Aufhebung der Besuchsbeschränkung an Muttertag. Durch die Coronapandemie hat es meines Erachtens auch einen deutlichen Digitalisierungsschub im Bereich der Pflege gegeben. Es musste sich plötzlich mit Videokonferenzen auseinandergesetzt werden, es fanden plötzlich nur noch virtuelle Einrichtungsbesichtigungen statt, der Kontakt der Bewohnerinnen und Bewohner zu den Angehörigen fand nur noch virtuell über Tablets, Smartphones und Laptops statt. Wir haben diesen Schub unter anderem auch genutzt, um einen betreuungsunterstützenden sogenannten Pflegeroboter namens Pepper anzuschaffen. Nicht, um unsere Pflege- und Betreuungskräfte von ihren Aufgaben zu entbinden, sondern um die Betreuungsmöglichkeiten bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern auszudehnen und variieren zu können. Pepper kommt bisher ganz gut bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern an. Nicht verändert hat sich meines Erachtens die generelle Situation in der Pflege. Hier ist zwar, wie so oft, wieder einmal die Wichtigkeit der Pflegekräfte in der Krise von allen Seiten betont worden, aber Klatschen alleine vor dem Fenster bringt nichts, wenn nicht endlich weitere Maßnahmen folgen. Es ist meines Erachtens absolut wichtig für die ganze Branche, dass es sichtbare Fortschritte und Veränderungen gibt. Damit meine ich nicht alleine monetäre Anreize, die sind sicherlich auch wichtig, aber genauso wichtig ist eine verlässliche Dienstplanung mit einer guten Personalausstattung, wie sie auch bereits seit längerem gefordert wird und nun auch in dem aktuellen Gutachten meines Kollegen Professor Rothgang von der Uni Bremen pflegewissenschaftlich ermittelt wurde. Hier muss nun schnell Veränderung stattfinden, sonst wird sich die Situation in der Pflege weiterhin verschärfen. Aber das kostet natürlich auch Geld, und die Forderung nach einem einheitlichen Personalbemessungsverfahren höre ich persönlich bereits seit Beginn meiner Ausbildung zum Krankenpfleger im Jahre 1985.

Moderator: Und das ist schon sehr lange her. Und jetzt haben Sie mit Jein geantwortet, darum habe ich jetzt gleich zwei anschließende Fragen. Wie wichtig ist es denn für die ganze Branche, dass es jetzt endlich sichtbare Fortschritte und Veränderungen gibt, und warum sind wir immer noch nicht weiter als vorher? Sie haben selbst 1985 erwähnt.

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja, ich denke, das hat alles mehrere Gründe. Zum einen bräuchte die Pflege sicherlich eine bessere Lobby. Solange es Gewerkschaften, Berufsverbänden oder auch Pflegekammern nicht gelingt, die Notwendigkeit von Verbesserungen in die Politik zu bringen, ist es schwierig, hier Veränderungen zu initiieren. Grundsätzlich muss sich aber die Gesellschaft Gedanken machen, wie viel Geld uns die Pflege unserer älteren Menschen überhaupt wert ist. Und wir sollten dabei nicht vergessen, dass wir alle mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal in die Lage kommen werden, Pflege oder Betreuung zu benötigen. Je besser die Bedingungen dann sind, desto besser wird es jedem Einzelnen von uns dann auch gehen.

Moderator: Natürlich kann nicht jede Herausforderung der Pflegebranche von heute auf morgen gelöst werden, aber wie wichtig ist es, dass Pflegekräfte und auch Führungskräfte gerade deshalb optimistisch bleiben?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja, Optimisten haben verschiedene Lebensvorteile. Studien legen nahe, dass optimistische Menschen ihre Emotionen und ihr Verhalten besser regulieren können, und sie erholen sich besser von Stresssituationen und Schwierigkeiten. Auch sind Optimisten unter Umständen besser sozial integriert, was sich dann auf die Lebenserwartung auswirken könnte.

Moderator: Also ist Optimismus insgesamt auch ein sehr wichtiges Thema?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja, optimistisch in sein Leben zu blicken hat sehr viele Vorteile, das haben Forscher nun auch eindeutig belegen können. Optimisten haben beispielsweise größere Chancen, älter zu werden als Pessimisten. Das zeigten US-Forscher in einer aktuellen Studie der Boston University School of Medicine, nach der Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung besonders gute Aussichten haben, 85 Jahre oder älter zu werden. Optimismus ist einer der psychologischen Faktoren, die ein Menschenleben verlängern können. Bei ähnlicher Lebensführung leben Optimisten in der Regel länger als ihre pessimistischen Gegenüber, und das Wichtigste, Optimismus ist auch erlernbar. Man hat eben bestimmte Möglichkeiten auch in der Wissenschaft entdeckt, in verschiedenen Studien, auf die ich im Weiteren noch eingehen kann. Es gibt verschiedene Formen von Optimisten, und es gibt auch verschiedene hilfreiche Dinge, die man nutzen kann, um eben Optimismus auch zu lernen. Und das kann im Prinzip jeder von uns lernen.

Moderator: Sind Sie selbst auch ein Optimist?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja, ich würde mich durchaus selbst auch als Optimisten bezeichnen. Optimismus ist ein tolles Lebensgefühl, weil er auch Kolleginnen, Kollegen und Mitmenschen das Leben verschönert. Wer sich und die Welt positiv sieht, lebt einfach entspannter und auch erfolgreicher.

Moderator: Ich habe gehört, es gibt fünf zentrale Optimismusvarianten. Können Sie uns mal erklären, welche das sind, und, ja, welche ist davon vielleicht am besten?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja, gerne. In einer repräsentativen Studie des renommierten Kölner Rheingold Instituts im Auftrag des Deutschen Wirtschaftsclubs der Optimisten - ja, so was gibt es auch - fanden die Forscher bei der Auswertung von 236 Tiefeninterviews heraus, dass es in der Tat fünf zentrale Optimismusvarianten gibt. Denn Optimismus ist nicht gleich Optimist. Es gibt beispielsweise den Zweck-Optimisten, den naiven Optimisten, den heimlichen Optimisten, den altruistischen Optimisten und den Best-of-Optimisten. Auf alle Varianten nun einzugehen, würde sicherlich den Rahmen dieses Gespräches sprengen. Überhaupt optimistisch durch das Leben zu gehen ist auf jeden Fall schon mal besser als pessimistisch zu sein, aber wenn Sie mich nach der besten Variante fragen, ist das für mich der Best-of-Optimist, der am weitesten kommt. Warum? Der Best-of-Optimist sieht Chancen, ohne die Risiken zu ignorieren, er wägt ab, ob sich der Einsatz für ein Projekt überhaupt lohnt. Wenn ja, werden die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet, diese Entscheidungen werden mit einem Erfolgsglauben und einem beeindruckend langen Atem auch dann gegen Kritik durchgezogen.    

Moderator: Wir wollen den Rahmen tatsächlich nicht sprengen, aber ich bin ungeheuer neugierig, mich würde noch ein anderer Optimist interessieren. Zweck-Optimisten, das haben wir alle schon mal gehört, aber können Sie noch einen erklären?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Also dieser Optimist würde im Prinzip auch nicht seine Kritiker beherzigen. Das würde der Best-of-Optimist schon machen. Also es ist wichtig, pessimistische Menschen im Hintergrund zu haben, die einem auch sagen: "Okay, die Idee, die ist nichts", aus den und den Gründen, sodass dann der entsprechende Best-of-Optimist abwägen kann, wie sind die Erfolgschancen, liegen die eben halt über 50 Prozent, um überhaupt aktiv zu werden. Ansonsten wird er das lassen. Und altruistischer Optimist ist quasi krankhaft optimistisch, der zieht das durch, egal, ob irgendwelche Kritik da ist, egal, ob da eine Erfolgschance ist, das ist im Prinzip auch noch eine Form, der Optimist.

Moderator: Wie eigentlich immer, man soll halt nicht übertreiben. Es gibt verschiedene Strategien für eine positive und gelassene Grundhaltung. Können Sie uns mal gelassener machen? Haben Sie ein paar Beispiele?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja, es gibt gute Strategien für eine positive und gelassene Grundhaltung, von denen ich einfach beispielhaft mal drei aufzählen kann und möchte. Pflegende sollten einmal versuchen, sich positive Ereignisse so zu erklären, dass sie permanent bestehende Ursachen haben und demzufolge immer wieder eintreten können. Sie sollten sich sagen: "Bei mir lief es letzte Woche so gut, weil ich gute Gene habe." Das fördert das Gefühl, ein Glückskind zu sein. Oder sagen Sie sich, Misserfolge sind nicht Ihre Schuld, sondern haben temporäre und spezifische Ursachen. Nur heute und nur bei diesem einen Ding lief es so schief. Die Erfolgstrias der Optimisten lautet, Fehlentwicklungen sind vorübergehend, situationsbezogen und nicht selbstverschuldet. Und es gibt einen relativ bekannten sogenannten Above-Average-Effekt, den Überdurchschnittlichen-Effekt. Also den Effekt, sich im Beruflichen und Privaten für überdurchschnittlich toll zu halten. Beispielsweise können Sie sich eine Liste machen und-, mit Dingen, die Sie viel, viel besser als jeder andere können oder bei denen Sie sich für viel besser halten als andere. Das kann beispielsweise ein Lob von Bewohnern oder Patienten sein oder Ähnliches. Diese Liste legen Sie dann an einen sicheren geheimen Ort, und wenn dann mal wieder Ärger droht, dann holen Sie sich die Liste hervor, meine persönliche Liste hat übrigens aktuell 35 Dinge, bei denen ich mich für besser halte als jeder andere, (Moderator: Nicht schlecht.), wenn Sie dann Resümee ziehen, steht es vierunddreißig zu eins, das heißt, es gibt immer noch 34 Dinge, bei denen Sie unschlagbar, oder ich unschlagbar bin. Was macht dann noch dieser eine Punkt, bei dem es nicht so gut lief?

Moderator: Das ist der Best-of-Optimist.

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Das ist der Best-of-Optimist, und das ist der Above-Average-Effekt.

Moderator: Wie bei allem, wir haben ja auch eben schon kurz drüber gesprochen, ist das richtige Maß entscheidend, vor lauter Optimismus darf der Realismus jetzt nicht zu kurz kommen. Wie schaffen wir es, den richtigen Mittelweg zu finden? Also wenn zum Beispiel dieser eine Punkt eben jetzt halt nicht so gut war und die 34 anderen sind klasse, aber bei dem einen geht es gerade um Leben und Tod, dann ist es ja schon nicht so unwichtig, dass man diese Kritik vielleicht annimmt.

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja. Also ich will das mal so ausdrücken, der Best-of-Optimismus beginnt bei Projekten erstmal mit einer ernsthaften Machbarkeitsprüfung, und diese würde erst im zweiten Schritt in eine Erfolgseuphorie münden. Best-of-Optimisten sind deswegen hoffnungsvolle Chancensucher. Sie sehen das Leben positiv, selbst wenn gerade nicht alles optimal verläuft, sie verschwenden kaum Gedanken an Realitäten, die sich gegenwärtig überhaupt nicht ändern lassen, sie konzentrieren sich auf das, was Erfolg verspricht, auch wenn dazu viele kleine Schritte nötig sind. Und sie werden bevorzugt erst ab einer einundfünfzigprozentigen Erfolgschance aktiv. Das heißt beispielsweise auf die Coronapandemie bezogen: Der Best-of-Optimist weiß, dass er die Pandemie und die damit verbundenen Bedingungen nicht ändern kann. Er weiß aber auch, dass es in absehbarer Zeit wieder bessere Zeiten geben wird, und das macht ihn optimistisch.

Moderator: Das sind die Fakten. Und jetzt lassen Sie uns einmal in die Realität gehen. Wir haben vorhin darüber gesprochen, dass Pflegekräfte fehlen, die Pflegenden überlastet sind, wie kann das jetzt in der Praxis funktionieren? Also können Pflegende sich selbst motivieren? Welche äußeren Faktoren spielen eine Rolle, und wie kann ich es lernen, in meinem Job oder im Team wieder mehr Optimist zu sein?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Ja, ich habe Ihnen gerade schon verschiedene gute Strategien, es gibt noch ganz viele an der Zahl, die man nutzen kann, um eben diese positive und gelassene Grundhaltung zu bekommen und auch eben zu behalten. Natürlich gibt es Dinge, die im Pflegebereich nicht so einfach umzusetzen sind. Beispielsweise ein Tipp wäre, halten Sie sich von Pessimisten fern, ja, gehen Sie nicht zu pessimistischen Veranstaltungen, benutzen Sie keine Worte wie Aber, denn die lassen jedes Gespräch relativ schnell erliegen. Und natürlich, in einem Team ist es auch so, dass eine optimistische Grundhaltung vorherrschen sollte und eben das Glas Wasser als halbvoll und nicht als halbleer gesehen wird. Aber so was kann man wirklich lernen, wenn man sich da entsprechend reindenkt, reinbegibt, und diese Strategien für diese positive und gelassene Grundhaltung eben lernen und umsetzen.

Moderator: Wie können Arbeitgebende ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen motivieren?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Na ja, die Klassiker haben auch heute noch nicht ausgedient. Ehrliches Lob, finde ich, ist immer noch sehr, sehr wichtig, wir loben viel zu selten. Sich immer wieder für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen, beispielsweise, wo das möglich ist, bei Podiumsdiskussionen oder Gelegenheiten wie diesem Podcast, das sind Dinge, die wirken verbessernd. Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitenden werden auch immer noch viel zu selten ernst genommen, mal ein persönliches Gespräch über die Befindlichkeit. Ich denke, es gibt viele kleine Dinge, die Mitarbeitende motivieren können, grundsätzlich macht dieser Beruf so viel Spaß und ist so spannend.

Moderator: Positiv denken und optimistisch bleiben, das ist das Motto für alle, die im Gesundheitswesen arbeiten. Na, dann bleibe ich bei der abschließenden Frage auch optimistisch, Herr Riekemann, wenn Sie sich für den Pflegeberuf etwas wünschen könnten, was ab morgen anders sein sollte, was wäre das?

Prof. Dr. Bernd Riekemann: Genügend Personal. Das ist für mich das grundsätzlich erst mal Wichtigste, und das würde vieles vereinfachen. Ein vernünftiger Dienstplan, vernünftige Freizeiten auch geben zu können, ohne dass jemand das dritte oder vierte Wochenende in Folge einspringt. Und grundsätzlich auch mehr Wertschätzung für die Pflegeberufe, so dass Pflegende länger im Beruf bleiben und auch der Nachwuchs dauerhaft gesichert ist.

Moderator: Den Pessimismus, den haben wir heute mal getrost zur Seite geschoben und auch gelernt, was wir mit Optimismus alles schaffen können. Vielen Dank, Herr Professor Riekemann, für diese vielen Tipps.

B1: Ja, vielen Dank auch Ihnen für das spannende Gespräch.

(Musik)

Block 03: Angebote der BGW und Statement von Carsten Schafschetzy

Moderator: Zu Recht sprechen wir heute über den Optimismus im Gesundheitswesen. Es gibt nämlich auch jede Menge Punkte, die gut gelaufen sind in dieser Pandemie. "Moment mal", werden jetzt vielleicht einige sagen, "was soll da bitte gut gelaufen sein?" Ja, ich kann Ihnen ein paar Beispiele nennen. Weltweit haben Forscher in Rekordgeschwindigkeit verschiedene Impfstoffe entwickelt. Mit BioNTech war sogar ein deutsches Unternehmen ganz weit vorne mit dabei. Außerdem hat unser Gesundheitssystem durchgehalten, trotz vieler Erkrankungen und auch schwerer Verläufe. Das System, das war nicht überfordert. Optimistisch bleiben, das fällt sicher nicht immer leicht, vor allem, wenn das Virus einen selbst erwischt. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit Covid-19 anzustecken, ist im Gesundheitswesen wesentlich höher als in anderen Berufen. Laut einer britischen Studie haben Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte ein siebenmal höheres Risiko für eine schwere Erkrankung. Aber auch hier werden Pflegekräfte bis heute unterstützt. Die BGW, die unterstützt Pflegekräfte, die selbst an Covid-19 erkranken, mit allen verfügbaren Mitteln, von der optimalen Versorgung bis hin zur Überwindung der Krankheitsfolgen. Bei der BGW haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sogar extra eine Handlungsempfehlung erhalten, damit sie bei Fragen rund um die Themen Behandlung, Rehabilitation und Wiedereingliederung bestmöglich weiterhelfen können. Am Ende sollen nämlich alle Pflegekräfte, die sich Tag und Nacht für die Gesundheit ihrer PatientInnen einsetzen, selbst gesund wieder nach Hause gehen können.

(Musik)

Corona wird auch beim diesjährigen BGW-Forum eine Rolle spielen. Zwischen dem 6. und dem 8. September findet der Online-Kongress zum Thema Sicher und gesund in der Behindertenhilfe statt. TeilnehmerInnen, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe arbeiten, die können bei diesem Online-Kongress einiges für ihre tägliche Arbeit mitnehmen. Außerdem werden spannende Fragen mit Beteiligten aus Einrichtungen, Arbeitnehmer- sowie Arbeitgebervertretungen, Verbänden und Sozialversicherungsträgern diskutiert. Los geht es mit dem Satellitensymposium am 6. September. Hier geht es um die Frage, wie gut die Behindertenhilfe bisher durch die Pandemie gekommen ist, aber auch um die Frage, wie es weitergeht. Moderiert wird das Ganze von der Moderatorin Ninia LaGrande. Ganz interessant ist übrigens auch eine Kundenbefragung, welche die BGW im November 2020 durchgeführt hat. Erste Ergebnisse davon werden im Rahmen des Satellitensymposiums präsentiert. Der BGW ist es nämlich sehr wichtig, die Unternehmen in besonders herausfordernden Zeiten wie jetzt in der Pandemie nicht alleine zu lassen. Es gilt, das Geschehene aufzuarbeiten und daraus die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen. Kunden verschiedener Branchen sind deshalb befragt worden, angefangen bei der Behindertenhilfe. Die ersten Ergebnisse, die sind bereits ausgewertet, und werden dann auf dem BGW-Forum im September vorgestellt. Was man jetzt schon sagen kann, die Pandemie hat das Verhalten in Bezug auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz disruptiv und dauerhaft positiv verändert. Sie wirkt wie eine Art Beschleuniger, was Arbeitsformen und Informationsverhalten, ja, und auch die Erwartungen an die BGW betrifft. Prävention und Gesundheitsschutz, die haben noch mal einen größeren Stellenwert bekommen. Auch in dieser Branche, die bereits vor der Pandemie schon großen Wert auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gelegt hat. Es wurden aber auch Wünsche in Bezug auf Präventionsangebote geäußert, zum Beispiel eine einfache Übersetzbarkeit von Regeln und Vorgaben, ebenso hohe Praktikabilität und Alltagstauglichkeit. Außerdem wurde der Wunsch deutlich, dass die BGW ihre Rolle als Interessensvertretung bewusster einsetzen soll. Carsten Schafschetzy, BGW-Leiter des Bereichs Modellvorhaben und Kongresse Hamburg, organisiert mit seinem Team den dreitägigen Online-Kongress.

Carsten Schafschetzy: Auch die Einrichtungen der Behindertenhilfe standen und stehen in den Zeiten der Coronapandemie vor großen Herausforderungen. Ziel aller Maßnahmen ist es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Beschäftigte vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen. Mit kreativen und praxistauglichen Maßnahmen wurden Hygieneregeln, Abstandsgebote und Kontaktreduzierungen für alle Personen in den Einrichtungen umgesetzt.

Block 04: Verabschiedung

Moderator: In der nächsten Podcast-Folge gibt es noch mehr spannende Themen rund um das sichere und gesunde Arbeiten in der Behindertenhilfe. Mehr Infos zum BGW forum 2021 finden sie unter www.bgwforum.de\Behindertenhilfe. Ja, und natürlich auch auf der Webseite der BGW.

(Musik)

Keiner weiß, wie lange wir uns noch mit der Coronapandemie herumschlagen müssen. Den Kopf sollten vor allem Pflegekräfte deshalb aber nicht in den Sand stecken. Wie wir von Professor Riekemann gehört haben, müssen wir optimistisch bleiben. Unterstützung gibt es beim Thema Corona außerdem jederzeit von der BGW. Arbeitgebende und Arbeitnehmende, die erhalten hier Beratung zu den verschiedensten Themen. Wenn Sie dazu noch mehr Infos brauchen, ja, dann schauen Sie doch einfach auf folgender Webseite vorbei, www.bgw-online.de.\Corona. Ich freue mich, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder mit dabei sind. Bleiben Sie gesund.

(Outro, Melodie, Slogan: Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben. Der BGW-Podcast)