Transkript #19: Arbeitsschutz Basics: Die Dinge einfach machen #20 "Herzschlag - Für ein gesundes Berufsleben"

Block 01: Begrüßung und Einleitung

Moderator: Wie steht es um den Arbeitsschutz in Ihrem Betrieb? Bei einer Umfrage der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften wurde genau diese Frage gestellt. 50 Prozent der Beschäftigten sagten, dass es bei der Sicherheit und Gesundheit in ihrem Betrieb noch Verbesserungspotential gibt. Ja, da guckt mal beim Fußboden ein Kabel raus oder die Kollegentasche wird zur Stolpergefahr. Denken Sie mal kurz an Ihren Betrieb, fallen ihnen vielleicht auch Dinge ein, die besser laufen könnten?

(Podcast-Opener)

Block02: Interview mit Oliver Reim und Dr. Turgay Göksu

Moderator: Wie sieht gut gelebter Arbeitsschutz aus? Was genau ist das eigentlich und auf was muss ich als Beschäftigter, Führungskraft und Arbeitgebender eigentlich achten? Darüber spreche ich heute mit Fachleuten, die sich mit den Themen Arbeitssicherheit und Gesundheit bestens auskennen. Wir erfahren unter anderem, wie Arbeitsschutz im Gesundheitsdienst nachhaltig verbessert werden kann. Und wir geben Ihnen Tipps an die Hand, wie man dadurch für gute Laune sorgen kann. ich bin Ralf Podszus und ich freue mich, dass Sie heute mit dabei sind.

Moderator: Nadelstichverletzungen gehören zu den häufigsten Arbeitsunfällen im Gesundheitsdienst. Eine große Gefahr, denn durch eine Nadelstichverletzung können schwere Krankheiten übertragen werden. Durch gezielte Arbeitsschutzmaßnahmen kann diese Gefahr reduziert werden. Wie genau funktioniert das? Darüber spreche ich mit zwei Fachleuten Oliver Reim ist von der BGW. Er leitet die Bezirksstelle Bochum und arbeitet am Projekt Kommmitmensch der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften mit. Dabei geht es darum, Menschen dafür zu begeistern, Sicherheit und Gesundheit als zentrale Werte bei ihren Entscheidungen und Aktivitäten zu berücksichtigen. Schön, dass Sie mit dabei sind. Hallo.

Oliver Reim: Hallo.

Moderator: Und ich spreche mit Dr. Turgay Göksu, ärztlicher Leiter am Betriebsarzt Zentrum Rhein Neckar. Als Betriebsarzt ist er eine wichtige Säule des Arbeitsschutzes, denn seine Aufgaben sind die Förderung und der Erhalt der Gesundheit der Beschäftigten. Und natürlich auch die Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit, wenn diese durch eine Krankheit längere Zeit nicht möglich war. Ja, auch schön, dass Sie dabei sind. Hallo.

Dr. Turgay Göksu: Hallo.

Moderator: Arbeitsschutz in einer Werkstatt oder in einem Industriebetrieb ist überhaupt nicht wegzudenken. Stahlkappenschuhe, Schutzbrillen und Arbeitshandschuhe, die schützen dort die Mitarbeiter vor Gefahren. Aber wie ist das in der Pflege? Oliver Reim von der BGW, was genau bedeutet Arbeitsschutz im Gesundheitsdienst für Beschäftigte, Führungskräfte und Arbeitgebende?

Oliver Reim: Es bewirkt vor allem, dass jede Person sicher und gesund arbeiten kann, egal ob es Beschäftigte, Führungskräfte oder die Arbeitgebenden sind. Das wiederum bedeutet, dass es nachweislich weniger Unfälle gibt und die Gesundheit gefördert wird. Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen tragen darüber hinaus zur Motivation und Arbeitszufriedenheit bei. Das bindet die Beschäftigten langfristig an die Organisation. Nicht zuletzt können sich die Arbeitsabläufe und Prozesse verbessern. Kosten können durch die höhere Effizienz reduziert werden.  

Moderator: Was sind die wichtigsten Punkte, auf die beim Arbeitsschutz in Pflegeberufen geachtet werden sollte?

Oliver Reim: Dies ist eine gesunde Haut, ein gesunder Rücken, Schutz vor schädigenden psychischen Belastungen und der Schutz vor Infektionen. Diese Themenbereiche sehen wir zum Teil an denm Berufskrankheitengeschehen, aber auch an Unfallanzeigen, wenn es zum Beispiel um Gewaltübergriffe geht, aber auch an den allgemeinen Gesundheitsberichten, wie sie zum Beispiel von den Krankenkassen erstellt werden. Hauterkrankungen da sind die Ursachen, nicht nur Seifen, Reinigungs- und Desinfektionsmittel und vor allem Wasser, sondern Pflegekräfte, die einen großen Teil ihrer Arbeitszeit damit verbringen, Patienten zu waschen, gefährden ihre Haut. Zu den Rückenerkrankungen ist zu sagen, das die Pflege von Menschen in vielen Fällen körperlich anstrengend ist. Hier ist der Einsatz von technischen und nicht technischen Hilfsmitteln erforderlich. Psychische Belastungen durch Stress also Zeitdruck, Hektik, Schichtarbeit und Konflikte oder Übergriffe durch aggressive Patienten beziehungsweise Bewohner oder Angehörige und manchmal auch ein erdrückendes Arbeitspensum. Zu dem letzten Punkt, zu Infektionsgefährdung ist zu sagen, dass in Pflegeberufen Beschäftigte ja in engem Kontakt mit Patienten oder Bewohnern kommen, dort können dann ansteckende Krankheiten übertragen werden.

Moderator: Der Arbeitsschutz wird in verschiedenen Vorschriften und Gesetzen geregelt. Das sieht kompliziert aus und klingt oft auch so. Sie sagen aber guter Arbeitsschutz ist kein Hexenwerk.

Oliver Rem: In der Tat ist das Regelwerk sehr komplex. Die Gesetz- und Vorschriftgebenden Institutionen waren hier sehr, sehr fleißig, obgleich es schon eine Deregulierung gegeben hat, kennen selbst Fachleute nicht jedes Detail des Regelwerks. Expertinnen und Experten sind einfach notwendig, um es branchenspezifisch zu übersetzen. Dies machen die Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand für die Branchen für die sie jeweils zuständig sind. Bei der BGW ist dies die Branche Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, worunter auch Krankenhäuser und Pflegekräfte fallen. Ein Hexenwerk ist es deshalb AUCH NICHT, weil es sehr viele Hilfsangebote gibt. Sei es durch eine persönliche Beratung, durch Seminare oder durch Schriften, wie auch immer die dort jeweils vorgestellten Maßnahmen helfen, die Haut und den Rücken gesund zu halten. Psychische Belastungen auf ein gesundes Maß zu begrenzen und vor Infektionen zu schützen. Ein Hexenwerk ist auch deshalb nicht, weil Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte- und ärztinnen die Unternehmen unterstützen, für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen zu sorgen. Es ist sehr sinnvoll, dieses Expertenwissen zu nutzen, weil es so sinnvoll ist, fordert auch das Arbeitssicherheitsgesetz diese Expertise hinzuzuziehen.

Moderator: Dr. Turgay Göksu, was ist Ihre Aufgabe als Betriebsarzt im Hinblick auf den Arbeitsschutz? Was machen Sie da?

Dr. Turgay Göksu: Ja, die Aufgaben des Betriebsarztes und im Übrigen auch der Fachkraft für Arbeitssicherheit ist in verschiedenen Rechtsgrundlagen geregelt. Hier sei das Arbeitssicherheitsgesetz an allererster Stelle zu erwähnen. Es handelt sich hierbei um ein sehr altes Gesetz aus den 70er Jahren, aber meines Erachtens, waren die damaligen Väter dieses Gesetzes schon sehr weitsichtig und haben in diesem Gesetzestext festgelegt, was die Aufgaben des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit sind. Ich verstehe mich als vertrauensvoller Berater, der sowohl den Unternehmer berät, um eben alle Rechtsvorschriften, die es ja in Deutschland zu Genüge gibt, umzusetzen, um rechtssicher zu sein, aber auf der anderen Seite auch als Berater für den Mitarbeiter, damit er oder sie möglichst lange und gesund am Arbeitsleben partizipieren kann.

Moderator: Ich habe es vorhin ja schon gesagt, Nadelstichverletzungen gehören zu den häufigsten Arbeitsunfällen im Gesundheitsdienst. Wie kann der Arbeitsschutz hier helfen?

Dr. Turgay Göksu: Bei diesem sehr wichtigen Thema kann der Arbeitsschutz enorm helfen, nämlich durch Aufklärungsarbeit. In meiner täglichen betriebsärztlichen Praxis erlebe ich es immer wieder, dass Mitarbeiter, Führungskräfte gar nicht allzu viel Wissen zu diesem Thema haben und irgendwann auch die Macht der Gewohnheiten um sich greift und man sagt: Nein, bitte nicht nochmal das Thema Nadelstichverletzungen. Ich glaube, unsere Aufgabe als Arbeitsschützer besteht darin, dieses Thema mit einer Engelsgeduld immer wieder zu vergegenwärtigen und die Bedeutung dieses Themas immer wieder in Erinnerung zu rufen.

Moderator: Schauen wir jetzt gemeinsam mal in die Praxis. Wo überall finden wir denn Arbeitsschutz im Alltag? Herr Reim, Arbeitsschutz ist ja nicht etwas, das ich freiwillig als Arbeitgeber machen kann, ich MUSS meine Beschäftigten vor Gefahren schützen. Wie kann ich diese Gefahren erkennen?

Oliver Reim: Ja, also erst einmal möchte ich aus der Erfahrung sagen, dass Arbeitgebende in der Regel um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten besorgt sind und es keine Frage für sie ist, die Beschäftigten vor Gefahren zu schützen. Allerdings das WIE stellt die Führungskräfte häufig vor Fragen. Beim Erkennen der Gefahren und beim Ableiten von Maßnahmen hilft hier die häufig in dem Zusammenhang erwähnte Gefährdungsbeurteilung.

Moderator: Und reicht es, die Gefährdungsbeurteilung EINMAL zu machen und dann ist gut oder muss ich hier regelmäßig nachschauen?

Oliver Reim: Also es ist sinnvoll und auch nachvollziehbar, dass die Gefährdungsbeurteilung immer dann zu aktualisieren ist, wenn neue Gefährdungen aufgetreten sind oder auftreten könnten. Ein aktuelles Beispiel ist jetzt die Corona Pandemie. Hier müssen fast immer neue Maßnahmen getroffen werden, die vorher nicht in der Gefährdungsbeurteilung standen, zum Beispiel Abstandsregelungen oder regelmäßiges Lüften.

Moderator: Arbeitsschutz ist Chefsache, weil er so wichtig ist. Es gibt trotzdem verschiedene Personen in einem Betrieb, die für den Arbeitsschutz zuständig sind. Welche sind das und gibt es die in allen Betrieben?

Oliver Reim: Ja Sicherheit und Gesundheit fordern gemeinsames Engagement vieler Beteiligter. Natürlich haben die Führungskräfte aufgrund der herausgehobenen Stellung auch eine besondere Verantwortung. Sie sind es, die zuständig sind, kraft Amt beziehungsweise kraft übernommener Führungsaufgabe. Aber die Beschäftigten als Experten oder Experteninnen in eigener Sache können beim Erkennen von Gefährdungen, beim Überlegen, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind, sowie beim Ausführen der Maßnahmen maßgeblich unterstützen. Auch aus dem Kreise der Beschäftigten kommen die Sicherheitsbeauftragten, die ja in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten die Führungskräfte unterstützen. Ebenfalls den innerbetrieblichen Experten und Expertinnen zugeordnet werden können die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte und Betriebsärztinnen. Auch wenn diese Dienstleistungen in der Regel häufig auf dem freien Markt eingekauft wird, weil es keine internen Fachkräfte oder Betriebsärzte und Betriebsärztinnen gibt, gerade wenn der Betrieb halt kleiner ist.

Moderator: Und wie sieht das mit ganz kleinen Betrieben aus dann? Sie haben es ja eben schon angesprochen zum Beispiel mobile Pflegedienste, bekommen die auch Hilfe?

Oliver Reim: Ja, also auch bei den kleinen Betrieben leisten Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte und Betriebsärztinnen Hilfe, weil wie gesagt, die Hilfe von Experten und Expertinnen zur Sicherheit im Gesundheit sinnvoll ist und zum Teil auch notwendig ist, weil die Aufgaben von den Betriebsinhabern und -inhaberinnen gar nicht alleine gelöst werden können. Denken Sie zum Beispiel an die Dienstleistung der Steuerberatung. Die wird häufig auch von den Betrieben eingekauft. Da Sicherheit und Gesundheit so wichtig sind, ist das hier aber nicht freiwillig, sondern verpflichtend sich Hilfe zu holen. Grob lässt sich sagen, dass der Umfang der Hilfe von der Größe des Betriebes abhängt. Ein größerer Betrieb braucht einfach etwas mehr Zeit von Expertinnen und Experten als ein kleiner Betrieb.

Moderator: Dr. Turgay Göksu, wie läuft so eine betriebsärztliche Untersuchung ab? Geht es nur um den Beschäftigten oder auch um solche Dinge wie den Arbeitsplatz oder Hilfsmittel?

Dr. Turgay Göksu: Eine sehr wichtige Frage. Weil wir immer wieder merken, dass gerade im Kontext der arbeitsmedizinischen Untersuchungen oder besser gesagt Vorsorgen bei den Beschäftigten sehr, sehr viele Ängste und Ressentiments vorherrschend sind. Prinzipiell muss ich sagen, dass alles was UNS als Betriebsärzten anvertraut wird, der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt und wir sprechen mittlerweile auch nicht mehr von Untersuchungen. Untersuchungen impliziert, man geht zum Arzt man wird gebeten den Arm freizumachen und irgendeiner nimmt Blut ab. Man muss sich entkleiden. Man wird abgehört, deshalb wurde 2013 die Begrifflichkeit "Untersuchung" durch den Begriff der "Vorsorge" abgelöst. Das heißt der Vorsorgecharakter überwiegt und steht im Vordergrund. Der Mitarbeiter ist nicht verpflichtet, sich Blut abnehmen zu lassen. Der Mitarbeiter ist nicht verpflichtet, sich zu entblößen. Es ist wirklich der Beratungsaspekt, der vom Gesetzgeber gewollt ist. Das heißt: Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit unter dem Schutz der ärztlichen Schweigepflicht sich individuell beraten zu lassen und das geht bei Vorsorgen auch nicht um Bestehen oder Durchfallen. Das werde ich ganz oft gefragt von Mitarbeitern: Und, Herr Dr. Göksu, habe ich bestanden? Nein, es geht nicht ums Bestehen oder Durchfallen. Die Erkenntnisse, die wir aus diesen Vorsorgen gewinnen, sind für den Arbeitsschutz, enorm wichtig. Denn ich bin verpflichtet, die Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, anonymisiert an den Arbeitgeber weiterzuleiten, dass ich zum Beispiel sage: Lieber Unternehmer, bei Ihnen im Betrieb in der Pflegeeinrichtung haben wir ein Thema mit Nadelstichverletzungen. Die Mitarbeiter piksen sich ständig. Wir müssen da etwas unternehmen. Das machen wir natürlich anonymisiert und sagen nicht, die Frau Müller sticht sich ständig in den Finger. Es dürfen zu keinem Zeitpunkt Rückschlüsse auf Personen gemacht werden.

Moderator: Ganz wichtig also, es ist anonym und man muss auch keine Angst haben, was man da jetzt genau sagt und offenbart von sich oder von seinen möglichen Krankheiten. Welche Rolle spielen denn Führungskräfte beim Thema Arbeitsschutz?

Dr. Turgay Göksu: Führungskräfte sind die Schlüsselfiguren im Schutz. Wenn die Führungskraft nicht überzeugt ist, werden wir niemals eine Chance haben, an die Arbeitnehmer ranzukommen. Wenn die Führungskraft mitmacht, mitzieht, die Sinnhaftigkeit des Arbeitsschutzes erkennt und nicht nur als eine lästige Führungsaufgabe sieht, dann können wir wirklich Berge versetzen sozusagen. Das wiederum ist aber auch die Aufgabe des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit, Führungskräfte abzuholen. Oft bemerke ich, dass Führungskräfte einfach Ängste haben, wenn wir zum Beispiel im Kontext der psychischen Gefährdungsbeurteilung eine Umfrage durchführen möchten bei den Mitarbeitern, höre ich immer wieder oder man hört zwischen den Zeilen: Oh, jetzt geht es um mich. Jetzt wird meine Führungskultur hinterfragt und befragt. Eventuell könnte da etwas Nachteiliges für mich rauskommt. Nein, das ist nicht der Fall. Das heißt, wir müssen im Arbeitsschutz immer als allererstes die Führungskräfte abholen, sodass sie uns in unserem Tun unterstützen.

Moderator: Welchen positiven Einfluss hat Arbeitsschutz auf die Beschäftigten, Führungskräfte und Arbeitgebenden? Sie haben schon gesagt, Berge versetzen?

Dr. Turgay Göksu: Ja, es ist aus meiner Sicht eine Win-win-Situation. Der Mitarbeiter bekommt eine individuelle Beratung, die Arbeitsbedingungen werden optimiert durch Experten wie zum Beispiel Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit aber auch die Berufsgenossenschaften haben hier sehr, sehr viele Angebote. Das heißt, ein direkter Profit für den Mitarbeiter. Wenn man das gut macht und wertschätzend macht, dann kommt das auch als etwas Positives, als Return on Invest, dem Unternehmen zugute, weil die Mitarbeiter sagen, einfach ausgedrückt: Mensch, mein Chef hat mir jetzt einen guten Betriebsarzt gegönnt oder eine gute Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die Beratung, die Vorsorge war richtig gut. Ich fühle mich gewertschätzt. Das ist einfach eine tolle Sache. Insofern profitieren auch die Unternehmen von einem guten Arbeitsschutz.

Moderator: Also nicht nur als  Führungskraft nen Apfel hinlegen und gut ist. Da muss ein bisschen mehr passieren. Jetzt mal Tacheles aus ihrer Praxiserfahrung heraus, was sind die häufigsten Dinge, die Sie als Betriebsarzt als verbesserungsbedürftig betrachten?

Dr. Turgay Göksu: Ich würde an allererster Stelle die Kommunikation nennen. Oft haben wir Betriebsärzte, ja wie soll ich sagen, einen nicht sehr positiven Ruf. Wir sind zwar Ärzte, aber davor steht Betrieb. Das Thema Vertrauen ist oft ein Thema. Mitarbeiter denken, dass wir ja Informationen weiterleiten könnten, an den Arbeitgeber. Das was ich für immer sehr wichtig erachte, ist Vertrauen zu schaffen über eine gute Kommunikation. Der Betriebsarzt muss sichtbar sein. Er muss sich zeigen. Er muss sich kümmern, damit Mitarbeiter auch sagen: Er beißt nicht, sondern er ist sozusagen für mich da und unterstützt mich.

Moderator: Zum Schluss unserer heutigen Podcast Folge wollen wir uns noch anschauen, wo Beschäftigte, Führungskräfte und Arbeitgebende weitere Informationen zum Thema erhalten und welche Tipps unsere Fachleute haben, damit wir alle sicherer in unserem Job sind. Oliver Reim, können oder sollten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mithelfen, den Arbeitsschutz in ihrem Betrieb zu verbessern?

Oliver Reim: Auf jeden Fall! Beschäftigte haben, wie ich von bereits sagte, Fachwissen und Wissen um die Arbeitsabläufe und deshalb ist es umso wichtiger, dass Führungskräfte und Beschäftigte regelmäßig ins Gespräch über Sicherheit und Gesundheit kommen. Dr. Göksu sprach auch gerade an, dass Kommunikation wichtig ist. Also durch Ideentreffen beispielsweise, durch Gesundheitszirkel am Arbeitsplatz und über andere Gesprächskreise kommen Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten. Nicht nur für Sicherheit und Gesundheit, sondern auch für andere im Betrieb wichtige Aufgaben.

Moderator: Welche Angebote der BGW gibt es, um sich als Beschäftigter, Führungskraft oder Arbeitgebender näher mit dem Thema Arbeitsschutz zu beschäftigen?

Oliver Reim: Der einfachste und zeitgemäße Weg sich den vielfältigen Angeboten zu nähern, die ja bis auf wenige Ausnahmen sogar kostenfrei sind, ist das Internet. Also ich empfehle gerne auf www.bgw-online.de zu schauen und sich mithilfe der Suche alle Angebote für das gewünschte Thema anzeigen zu lassen. Für Nadelstichverletzungen gibt es zum Beispiel Hinweise was zu tun ist, um Nadelstichverletzungen zu vermeiden oder wenn was passiert ist, ein Leitfaden zum Vorgehen bei potenziell infektiösen Verletzungen. Je nach Thema stößt man auf einfache Hilfsangebote wie zum Beispiel Handlungsleitfäden, aber auch auf komplexere Hilfsangebote wie zum Beispiel eine Organisationsberatung.

Moderator: Und was ist aus Ihrer Sicht wichtig, um die Gesundheit und Sicherheit in Unternehmen zu fördern?

Oliver Reim: Generell heißt es, den Schritt vom reinen regelorientierten Umgang mit Sicherheit und Gesundheit zu machen hin zu einem aktiven und wertschöpfenden Umgang mit Sicherheit und Gesundheit. Also die Perspektive zu wechseln vom "wir müssen etwas machen" zum "wir wollen wirklich etwas machen". Operativ könnte es heißen, gemeinsam mit Beschäftigten den Stellenwert von Sicherheit und Gesundheit zu thematisieren, Gefährdungen gemeinsam zu analysieren und Maßnahmen zu vereinbaren, den Verantwortlichen aber auch zeitliche und finanzielle Ressourcen zu geben, um etwas auf den Weg zu bringen, um Maßnahmen umzusetzen. Aber auch um Unterstützung von Experten und Expertinnen zu bitten, insbesondere bei den Fachkräften für Arbeitssicherheit und bei den Betriebsärzten und Betriebsärztinnen.

Moderator: Und diese Frage gebe ich auch nochmal weiter an Dr. Göksu. Wir haben ja eben schon von Ihnen noch gehört, wie wichtig das ist, wenn Menschen Angst haben zum Betriebsarzt zu gehen. Was ist aus Ihrer Sicht wichtig, um die Gesundheit und Sicherheit in Unternehmen zu fördern?

Dr. Turgay Göksu: Vertrauen schaffen, Kommunikation und ein gutes internes Marketing gegenüber den Arbeitnehmern, das so wie Herr Reim es gesagt hat, weg von Formalismen und Checklisten, die es zu Genüge gibt, die man einfach ausfüllt, hin zu einer Sicherheitskultur wo jeder idealerweise die Sinnhaftigkeit des Arbeitsschutzes und den Mehrwert des Arbeitsschutzes erkennt. An allererster Stelle die Führungskräfte. Das ist ein Prozess. Das geht nicht von heute auf morgen und ich glaube, was auch sehr wichtig ist, ist Geduld. Geduld auf Seiten der Betriebsärzte der Fachkraft für Arbeitssicherheit, aber auch auf der Seite des Unternehmers, der Firmen. Wir haben es letzten Endes mit Menschen zu tun und es darf "menscheln" auch im Arbeitsschutz. Und ich sehe auch unsere Aufgabe darin, dass wir ein Stück weit Pädagogen sind, dass wir Menschen abholen müssen mit ihren Ängsten und Befürchtungen, sie begleiten müssen hin zu einem optimalen Arbeitsschutz. Also das sind so die wichtigen Dinge mit sehr vielen Soft Skills und weg vom mit erhobenem Zeigefinger durch die Station laufen und alles bemängeln und kritisieren. Bis zum nächsten Mal möchte ich, dass das und das erledigt wird. Das ist nicht mehr der Zeitgeist. Wichtig ist auch, dass die Akteure im Arbeitsschutz sich als Dienstleister verstehen. Bei der BGW spürt man das ganz eindeutig, dass sie sich als Dienstleister verstehen. Einen Blick auf ihre exzellente Homepage herein www.bgw-online.de Schleichwerbung aus, (lacht) genügt und man wird erschlagen von der Fülle der hochwertigen Inhalte. Also die BGW macht das gut und wenn wir Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit auch einen sehr ausgeprägten Dienstleistungsgedanken haben gepaart mit Soft Skills, dann ist das eine runde Sache.

Moderator: Vielen Dank an Oliver Reim von der BGW und Dr. Turgay Göksu vom Betriebsarztzentrum Rhein-Neckar.

Oliver Reim: Danke sehr.

Dr. Turgay Göksu: Vielen Dank auch.

Block 0: Verabschiedung

Moderator: Welche Erfahrungen haben Sie bei sich im Unternehmen mit dem Thema Arbeitsschutz gemacht? Gibt es positive oder auch negative Erfahrungen? Wir freuen uns auf Ihr Feedback dazu und auch über weitere inspirierende Tipps aus Ihrem Pflegealltag. Schreiben Sie uns gerne www.bgw-online.de/podcast. Auf dieser Seite finden Sie auch alle weiteren Podcast Folgen zum Nachhören und weitere Tipps und Tricks für Ihren sicheren und gesunden Pflegealltag. Ich hoffe, Sie sind auch in der nächsten Folge wieder mit dabei. Bis dahin, bleiben Sie gesund.

(Outro -  Herzschlag, für ein gesundes Berufsleben. Der BGW-Podcast)