Hilfen für die Gefährdungsbeurteilung bei der Schädlingsbekämpfung

Zur Unterstützung der Gefährdungsbeurteilung beim Umgang mit Schädlingsbekämpfungsmitteln wurden Produktinformationen zu 443 Biozidprodukten gesammelt, nach arbeitsschutzrelevanten Aspekten ausgewertet und in einer Datenbank zusammengestellt. Dabei erwies sich der Dialog mit den Herstellern der Schädlingsbekämpfungsmittel zum Teil als schwierig, die 330 zur Verfügung gestellten Sicherheitsdatenblätter sind qualitativ unterschiedlich zu bewerten.

Ein Schwachpunkt liegt hier in der korrekten Bezeichnung der Inhaltsstoffe mit Angabe der zugehörigen CAS-Nummer (Registriernummern des Chemical Abstract Service). Die anschließende Auswertung der Produktdaten nach der Häufigkeit der vorkommenden Kennzeichnungen mit Gefahrenpiktogrammen und Risiko-Sätzen (R-Sätzen) in Abhängigkeit von den Zielorganismen (Gliedertiere oder Wirbeltiere) zeigt eine klare Tendenz: Produkte für den Einsatz gegen Gliedertiere sind im Vergleich deutlich stärker mit Gefahren behaftet und damit häufiger gekennzeichnet als Produkte zur Bekämpfung von Wirbeltieren.

Neben belastbaren Stoffdaten zu allen Inhaltsstoffen eines Produktes ist die angewendete Arbeitstechnik und damit das Ausbringungsverfahren grundlegend für die Expositionsbewertung. Daher sind für die Produkte alle verfügbaren Informationen über die zur Anwendung kommenden Ausbringungsverfahren ebenfalls in der Datenbank hinterlegt. Die anschließende Auswertung nach der Häufigkeit auftretender Gefährdungen zeigt auch hier eine klare Tendenz: Sprühprodukte sind nicht nur am häufigsten in der Datenbank vertreten, sie weisen auch ein höheres Gefährdungspotential auf und sind daher in größerem Umfang gekennzeichnet als Produkte für andere Ausbringungsverfahren (zum Beispiel Köder). Ursächlich hierfür sind neben der Wirkstoffzusammensetzung unter anderem die enthaltenen Wirkstoffkonzentrationen, die bei Sprühprodukten größer sind als zum Beispiel bei den Ködern. Bei Ködern zeigt sich zusätzlich eine Abhängigkeit der Wirkstoffkonzentration von den Zielorganismen.

Ergänzend zur Erstellung einer Datenbank wurden im Rahmen einer Literaturrecherche Angaben zu Expositionen in der Schädlingsbekämpfung, sortiert nach Expositionspfad, Anwendungsbereich und Anwendungsverfahren, zusammengetragen. Die Auswertung der Daten zeigt, dass das Sprühverfahren am intensivsten untersucht ist. Es wird deutlich, dass bei diesem Anwendungsverfahren die dermale Exposition den wesentlichen Expositionspfad darstellt.

Abschließend wird exemplarisch an einem praktischen Beispiel unter der Anwendung des Einfachen Maßnahmenkonzeptes für Gefahrstoffe EMKG [12] der Einstieg in die Gefährdungsbeurteilung dargestellt. Es zeigt sich, dass das EMKG für den Bereich der Schädlingsbekämpfung nur begrenzt geeignet ist. Problematisch ist vor allem die Einstufung und Kennzeichnung von verdünnten Produktlösungen, die in der Praxis häufig eingesetzt werden. Eine Anwendung des EMKG ist ohne Kenntnis dieser Angaben nicht möglich. Im Regelfall stehen dem Anwender aber zunächst nur die für die Produktkonzentrate geltenden Daten zur Verfügung. Darüber hinaus finden sowohl stoffbedingte Brand- und Explosionsgefahren als auch Umweltgefährdungen im EMKG keine Berücksichtigung.

Der Beitrag steht Ihnen als Download zur Verfügung.