Desinfektion in der Altenpflege - Belastung für Haut und Atemwege

Welche Gefährdungen treten beim Umgang mit Desinfektionsmitteln auf?

In der Pflege müssen Haut und Hände sehr häufig desinfiziert und gereinigt werden. Händedesinfektionsmittel beinhalten unter anderem Ethanol oder 2-Propanol, bei Flächendesinfektionsmitteln sind es Aldehyde (Formaldehyd, Glutaraldehyd, Glyoxal) quartäre Ammoniumverbindungen, Biguanide und ähnliches. Diese Wirkstoffe sollen lebende Zellen schädigen und sind daher bei unsachgemäßem Gebrauch gesundheitsschädlich.

Die Desinfektionsmittel können

  • die Haut und Atemwege verätzen oder zumindest reizen. Dies gilt vor allem für konzentrierte Lösungen.
  • allergische Reaktionen der Haut und Atemwege auslösen. So sind etwa Formaldehyd und Glyoxal als hautsensibilisierend eingestuft, Glutaraldehyd ist haut- und atemwegssensibilisierend.
  • die Haut entfetten und folglich schädigen, zum Beispiel Alkohole wie Ethanol oder Propanol.
  • den Menschen auf andere Weise chronisch schädigen. Formaldehyd gilt als potenziell karzinogen, Glyoxal als eventuell erbgutverändernd.

Hersteller und Importeure von Desinfektionsmitteln sind verpflichtet, Informationen über die Gefährdung durch die Mittel und über entsprechende Schutzmaßnahmen zu geben, zum Beispiel in Form eines Sicherheitsdatenblattes. Die Gefahrstoffverordnung verlangt zusätzlich, die Desinfektionsmittelbehältnisse zu kennzeichnen und auf Risiken beim Umgang hinzuweisen sowie Sicherheitsratschläge zu geben. Sofern die Desinfektionsmittel Arzneimittel oder Medizinprodukte sind (Hände- und Hautdesinfektionsmittel), muss der Hersteller auf Anfrage mindestens die Informationen zur Verfügung stellen, die in einem Sicherheitsdatenblatt stehen würden.

Wie lassen sich gute und weniger gute Desinfektionsmittel unterscheiden?

Die Qualität eines Desinfektionsmittels wird von verschiedenen, teilweise widersprüchlichen Anforderungen bestimmt: Es soll hygienisch wirksam, verträglich für den Anwender (und für den Patienten), preiswert und ökologisch unbedenklich sein. Optimale Desinfektionsmittel lassen sich daher nur im Zusammenwirken von Hygienefachleuten, Anwendern und den wirtschaftlich Verantwortlichen herausfinden.

Wenn sich bei der Planung der Hygienemaßnahmen herausgestellt hat, dass Desinfektionsmittel eingesetzt werden müssen, kann anhand eines einfachen Verfahrens das für den Anwendungsfall sicherste Desinfektionsmittel herausgesucht werden. Das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitssicherheit (BIA) hat zu diesem Zweck eine Beurteilungsmethode, das sogenannte "Spaltenmodell", entwickelt. Dabei kann der Anwender Informationen zur Gefährdung aus der Produktenkennzeichnung und aus dem Sicherheitsdatenblatt entnehmen und in ein Formular eintragen. So wird ein Vergleich der Gefährdung verschiedener Desinfektionsmittel- und verfahren möglich.

Das Spaltenmodell nennt sechs Kriterien, die zur Beurteilung herangezogen werden sollen:

  • akute Gesundheitsgefahren (bei einmaliger Anwendung, zum Beispiel reizend, ätzend, giftig, sehr giftig)
  • chronische Gesundheitsgefahren (bei wiederholter Einwirkung, fortpflanzungsgefährdend, erbgutverändernd und ähnliches)
  • Umweltgefahren (wassergefährdende Produkte)
  • Brand- und Explosionsgefahren (entzündliche oder hochentzündliche Stoffe)
  • Gefahren durch das Freisetzungsverhalten 8leicht flüchtige Wirkstoffe, zum Beispiel Ethanol, Propanol)
  • Gefahren durch das Verhalten (großflächige, offene Verarbeitung, Möglichkeit des direkten Hautkontaktes)

Durch den Vergleich der ausgefüllten Formulare kann der Anwender leichter herausfinden, welches Produkt für die vorgesehene Anwendung ein geringes Gesundheitsrisiko darstellt.

Welches Desinfektionsmittel ist das richtige?

Die Desinfektionsverfahren hängen von der Art der Desinfektionsaufgabe ab. Bei Flächendesinfektion werden die Flaschen offen mit einer desinfizierenden Anwendungslösung behandelt. Die Desinfektion von Geräten kann dagegen in geschlossenen Waschmaschinen oder manuell in offenen Verfahren erfolgen. Generell müssen die Desinfektionsverfahren bevorzugt werden, bei denen der Beschäftigte möglichst wenig Hautkontakt mit dem Desinfektionsmittel hat und bei denen möglichst wenige Wirkstoffdämpfe- und aerosole eingeatmet werden müssen.

Erfahrungsgemäß kann der offene Umgang mit aldehydhaltigen Produkten (insbesondere Formaldehyd und Glutaraldehyd) zu einer Belastung der Raumluft bis hin zur Überschreitung der gültigen Luftgrenzwerte führen. Bei Produkten mit anderen Wirkstoffen (Benzalkoniumchlorid, anderen quartären Ammoniumverbindungen, Biguaniden und ähnliche) ist dies nicht der Fall.

Sprühende Verfahren führen allerdings zu einer Tröpfchenbildung und können so die Beschäftigten schädigen. Bei der alkoholischen Hände- und Hautdesinfektion entstehen zwar deutliche Mengen an Ethanol- und Propanoldämpfen, die Luftgrenzwerte dieser Stoffe werden allerdings in den meisten Fällen nicht überschritten.

Welche Schutzmaßnahmen stehen zur Verfügung?

Schon bei der Festlegung der notwendigen Desinfektionsverfahren in der Altenpflege müssen die für einen sicheren Umgang mit Desinfektionsmitteln erforderlichen Schutzmaßnahmen geklärt werden:

  • bei einem möglichen ungewollten Hautkontakt mit Desinfektionsmitteln Schutzhandschuhe tragen,
  • beim Umgang mit Desinfektionsmittelkonzentraten eine Schutzbrille tragen, sofern die Gefahr des Verspritzens besteht,
  • Behältnisse mit Desinfektionsmittellösungen stets verschließen,
  • Zur Händedesinfektion nur geeignete rückfettende Produkte zur Hautdesinfektion, die Patienten nur einmalig eingesetzt werden, sind nicht für die Händedesinfektion der Beschäftigen geeignet. Sie können bei regelmäßiger Verwendung die Haut durch die Entfettung schädigen.

Weitere Informationen zu den Gefährdungen und notwendigen Schutzmaßnahmen bei Desinfektionsarbeiten enthalten die tätigkeitsbezogenen Bausteine Gefahrstoffe sowie die Factsheets bzw. der Broschüre "Prävention chemischer Risiken beim Umgang mit Desinfektionsmitteln". Sie geben detailliert Auskunft zum Arbeitsschutz bei diversen Desinfektionsverfahren.

Sie können als Grundlage für die Erstellung einer Betriebsanweisung für Desinfektionstätigkeiten dienen. Informationen zur Gefährdung durch einzelne Produkte und die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen sowie zum Verhalten bei Störungen/Unfällen und zur Entsorgung muss der Arbeitgeber schriftlich in einer Betriebsanweisung festlegen und die Beschäftigten anhand der Betriebsanweisung unterweisen.

Literatur