Coronaviren hinter einer gläsernen Trennscheibe - auf der anderen Seite eine Wiese im Sonnenschein.

Corona-Pandemie: Wie Betriebe weiter Schutz gewährleisten BGW magazin - 3/2022

Seit Ende Mai sind zentrale Regelwerke außer Kraft, die rund zwei Jahre lang den Arbeitsschutz in Corona-Zeiten prägten. Nun kommt es noch stärker als bisher auf die Betriebe an: Sie müssen auch weiterhin mithilfe des bewährten Instruments der Gefährdungsbeurteilung Risiken er­mitteln und minimieren. Die gute Nachricht: Die in der Pandemie viel genutzten Schutzmaßnahmen sind wirksam und können die Basis für das weitere, situationsgerechte Vorgehen sein.

  • 67-mal musste die BGW von Pandemiebeginn bis Mai 2022 branchenspezifische Arbeitsschutzstandards nach erster Erstellung an die gesetzlichen Vorgaben sowie den wissenschaftlichen Kenntnisstand anpassen. Aus anfangs 16 wurden schließlich 8 "Branchenstandards". Die meisten Versionen – nämlich 9 – gab es für das Friseurhandwerk.
  • 1,4 Millionen Mal wurden die branchenspezifischen Arbeitsschutzstandards auf der BGW-Website von Pandemiebeginn bis Mai 2022 heruntergeladen.
  • Rund 22 Millionen Seitenaufrufe verzeichneten die Corona-Infos bis Mai 2022.
  • 2,5 Millionen Mal wurden die FAQs zum Tragen von Masken allein im Januar 2021 aufgerufen.

Was sagt die Forschung zur Bedeutung von Schutzmaßnahmen?

Grundsätzlich ist das Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion für Beschäftigte im Gesundheitsdienst in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern erfreulich niedrig, wie wir in mehreren Studien feststellen konnten. Das liegt auch daran, dass die Arbeitsschutzstandards gut umgesetzt wurden. Es ist aber unter anderem auf Risikofaktoren wie engen Kontakt mit Menschen zu achten. So ergab eine Studie im Krankenhaus ein erhöhtes Infek­tionsrisiko bei Tätigkeiten in Intensivbereichen oder mit engem Kontakt zu Patientinnen und Patienten. Schutzmaßnahmen sind unerlässlich. Vor allem, da viele Infizierte auch nach einiger Zeit noch von gesundheitlichen Beeinträchtigungen berichten. Sie klagen unter anderem über starke Erschöpfung und Atemnot – typische Post-Covid-Symptome.

Begehungen der BGW-Präventionsdienste und eine Studie in Friseursalons haben gezeigt, dass Maßnahmen wie räumliche Trennung, Lüftung, Abstands- und Hygieneregeln sowie Maskentragen bisher gut eingehalten wurden. Betriebe und Beschäftigte sind also bereit, etwas für den Schutz der Menschen vor Ort zu tun. Darauf kann auch im weiteren Verlauf der Corona-Pandemie aufgebaut werden.


Welche Erfahrungen aus der Pandemie sollten für die zukünftige Gestaltung des Arbeitsschutzes in Betrieben genutzt werden?

Viele Betriebe wollen pandemiebedingt eingeführte technische beziehungsweise verhältnisbezogene Schutzmaßnahmen längerfristig beibehalten, auch das zeigen unsere Studien. So sollen beispielsweise installierte Luftfilter weiterbetrieben werden und auch eine räumliche Trennung, zum Beispiel durch Schutzscheiben, will etwa die Hälfte der betroffenen Betriebe aufrechterhalten.

Auch personen- und verhaltensbezogene Maßnahmen bleiben in den Betrieben weiterhin relevant. Die Mehrzahl der befragten Betriebe möchte beispielsweise künftig Schutzmasken kurzfristig bereitstellen können. Genauso wollen viele Betriebe fortsetzen, was in der Pandemie konsequenter eingeübt wurde: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Für die eigene Gesundheit und für die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen. 

Die Pandemie hat insgesamt zu einer stärkeren Wahrnehmung und Wertschätzung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes in den Betrieben geführt. Nahezu zwei Drittel der Betriebe geben an, dass sie den Arbeitsschutz bei künftigen Entscheidungen stärker berücksichtigen wollen und die Führungskräfte vermehrt für Fragen des Arbeitsschutzes qualifiziert werden sollen. Besonders häufig wird herausgestellt, dass die Mitwirkung der Beschäftigten im Arbeitsschutz an Bedeutung gewinnt.

Reflektiert man diese Befunde und auch die aktuellen und künftigen Herausforderungen, so ist es sehr wichtig, den betrieblichen Arbeitsschutz auf hohem Niveau zu halten. Die Pandemie ist noch nicht vorüber und auch langfristige Auswirkungen, wie etwa der Umgang mit Erkrankungen, werden die Betriebe sehr fordern. Aber auch generell sind die Gestaltungsherausforderungen für die Betriebe im Wandel der Arbeit sehr groß, etwa durch technologische Innovation, neue Geschäftsmodelle und flexible Arbeitsformen. Daher plädiert der Rat der Arbeitswelt dafür, das außerordentliche Engagement aller Beteiligten für den Arbeitsschutz der vergangenen Jahre für eine differenzierte und sachgerechte Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes zu nutzen. (Quelle: DGUV Forum, Ausgabe 6, 2022)

Von: Dr. Wiebke Schmitz und Dr. Sascha Schmidt