Training für die Integration: Das interkulturelle Team BGW magazin - 4/2021

Porträt einer jungen Frau mit asiatischen Gesichtszügen - sie lächelt.

Der Fachkräftemangel macht sich vielerorts in der Alten- und Krankenpflege bemerkbar. Abhilfe verspricht die Anwerbung im Ausland. Doch wie wird die Integration internationaler Fachkräfte zum Erfolg? Mit dem Training "Das interkulturelle Team – Pflege" bietet die BGW Unterstützung.

Bei dem neuen BGW-Training geht es in drei jeweils eintägigen Modulen um einen kultursensiblen Umgang miteinander. Was müssen die Beteiligten wissen? Wie können sie handeln? Worauf sollten sie achten? Ziel ist es, Konfliktpotenziale und Stresserleben zu verringern. Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sichere und gesunde Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

  • Modul 1 "Grundlagen interkultureller Sensibilisierung" richtet sich an Führungskräfte und Beschäftigte mit und ohne Migrationshintergrund, die bereits seit längerer Zeit in der Einrichtung arbeiten.
  • Modul 2 "Gut im neuen Betrieb ankommen" richtet sich an Pflegekräfte aus dem Ausland, die neu in der Einrichtung sind.
  • Modul 3 "Der Weg zum integrationsfreundlichen Betrieb" richtet sich an Multiplikatoren und Multiplikatorinnen im Unternehmen. Dazu gehören zum Beispiel die Pflegedienstleitung, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsärztin oder -arzt, Mentoren und Mentorinnen sowie Integrationsbeauftragte.

Das Angebot richtet sich zunächst an Einrichtungen in der stationären Krankenpflege. Es beinhaltet ein Vorgespräch mit der Leitung und eine optionale Unterstützung beim Transfer der Trainingsinhalte – auf Wunsch bis hin zu einem umfassenden Integrationskonzept. Betriebe, die am BGW-Training teilnehmen und ein besonderes Engagement für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zeigen, können zudem eine Auszeichnung als integrationsfreundlicher Betrieb erhalten.

Weitere Informationen

Das BGW-Training "Das interkulturelle Team – Pflege" mit drei Modulen kann zu günstigen Konditionen gebucht werden. Optional sind weitere Beratungs- und Unterstützungsleistungen verfügbar.


Aus der Praxis 

Torsten Weiner ist Pflegedirektor im BG Klinikum Hamburg. Dort hat man das BGW-Training in der Entwicklungsphase getestet.



Herr Weiner, Ihr Haus hat durchwachsene Erfahrungen mit der Anwerbung von internationalen Fachkräften gemacht.

Ja, wir hatten uns auf zwanzig philippinische Fachkräfte vorbereitet, leider konnten wir die Akquise pandemiebedingt nicht zum Abschluss bringen. Wir haben aber auch gute Erfahrungen gemacht. Zuletzt kamen fünf Pflegekräfte aus Kolumbien, weitere werden folgen.

Was ist bei der Integration besonders zu beachten?

Es sind drei Punkte. Natürlich ist einer davon die Sprache. Es liegt nahe, dass Kommunikation eine große Bedeutung hat. Deshalb braucht es ein stimmiges Konzept. Das Thema Sprache ist nicht mit einem Kurs oder einem Zertifikat abgehakt, sondern fortlaufend wichtig.

Auch die Haltung des vorhandenen Personals ist entscheidend für den Erfolg von Integrationsprozessen. Manche im Team fragen sich, warum für die Neuen so viel getan wird – für sie aber scheinbar nicht. Vielleicht kamen sie sogar selbst aus dem Ausland und haben wenig Unterstützung erfahren. Andere verstehen nicht, warum die Anwerbung im Ausland nötig ist, oder lehnen sie prinzipiell ab. Führungskräfte müssen vermitteln, dass es keine Alternative gibt. Beim Thema Haltung geht es aber auch darum, dass Integrationsprozesse nicht an der Stationstür aufhören. Bisweilen erstrecken sie sich über die Schmerzgrenze hinaus bis ins Private. Auch dort müssen die Neulinge ins Team eingebunden werden.

Der dritte und wichtigste Punkt ist dem übergeordnet: ein schlüssiges Konzept für die Integration. Berufsgruppenübergreifend müssen alle im Haus wissen, welche Aufgaben sie selbst übernehmen sollen. Sie sollten auch die Risiken kennen. Es braucht ein Verständnis dafür, dass der Integrationsprozess der interna­tionalen Fachkräfte eine ganz andere Qualität hat als sonstige Einarbeitungen. Um ein Beispiel zu nennen: Private Aspekte spielen eine weitaus größere Rolle, zum Beispiel wie die Familie in Deutschland zurechtkommt. Das Umfeld und die besondere Situation der Neuankömmlinge sind also zu berücksichtigen. Ein Integrationskonzept gibt den Rahmen, die Schritte und die Beteiligten vor und ordnet Themen wie Sprache und Haltung in einen Gesamtkontext ein.

Welchen Beitrag kann das BGW-Training leisten?

Natürlich lässt sich im eigenen Haus vieles erreichen; wir können qualifizieren und unterstützen. Doch das Training vermittelt einen neuen Blickwinkel, sensibilisiert für die Herausforderungen und sorgt für Methodenkompetenz. Unseren Mitarbeitenden – den "alten" und den neuen – sowie den Führungskräften wird sozusagen ein Werkzeugkoffer an die Hand gegeben. Wenn wir die Integration schaffen wollen, ist ein Training wie das von der BGW unerlässlich.

Haben Sie noch einen Tipp für andere Einrichtungen?

Ein gemeinsamer Kick-off hilft, die Menschen im Unternehmen auf das Thema Integration einzuschwören – über alle Disziplinen und Professionen hinweg. Dabei sein sollten alle, die auch später, zum Beispiel bei der Einarbeitung, beteiligt sein werden. Dazu gehören auch die für Arbeitsschutz Zuständigen. Denn dieser Aspekt darf beim Integrationsprozess nicht vergessen werden. Viele Neuankömmlinge haben zwar großes Fachwissen, bringen aber nicht das gleiche Verständnis für Arbeitsschutz mit, wie wir es kennen.

Vor allem soll der gemeinsame Kick-off für Akzeptanz sorgen. Der Zeitpunkt muss dafür gut gewählt sein. Wir waren leider etwas zu früh dran beim letzten Anwerbeversuch. Daraus haben wir aber gelernt. Denn natürlich soll es kurz danach losgehen, sodass man sich auf die neuen Fachkräfte freuen kann.

Von: Anja Hanssen