Patientin auf einer Liege, die in ein MRT einfährt.

Elektromagnetische Felder: Neue Technische Regeln BGW magazin - 3/2021

Seit 26. Mai 2021 gelten neue nationale und europäische Rechtsgrundlagen für alle, die mit Medizinprodukten zu tun haben. Eine Reihe von Verordnungen und Gesetzen traten in Kraft oder sind entfallen.

Worum geht es?

Menschen können elektromagnetische Felder (EMF) nicht wahrnehmen. Sie entstehen überall dort, wo elektrische Energie erzeugt, übertragen oder genutzt wird. Zudem werden sie für die mobile Datenübertragung eingesetzt. 

Im Jahr 2016 trat mit der Arbeitsschutzverordnung zu elektromagnetischen Feldern (EMFV) erstmals eine staatliche Regelung zum Schutz der Beschäftigten in Kraft. Sie gilt, wenn elektromagnetische Felder am Arbeitsplatz auftreten. Für viele Betriebe stellt sich jedoch die Frage, wie die Vorgaben dieser Verordnung erfüllt werden können und der Arbeitsschutz gewährleistet wird.

Mit den Technischen Regeln zu elektromagnetischen Feldern steht jetzt eine neue Handlungshilfe zur Verfügung. Wie alle Technischen Regeln lösen sie Vermutungswirkung aus. Betriebe, die diese Regeln umsetzen, können somit davon ausgehen, dass sie die EMFV erfüllen. Mit Hintergrundinformationen und Beispielen wird die Problematik verständlich erläutert.

Die Technischen Regeln (TR) gliedern sich in drei Dokumente:

  • TREMF NF (statische und niederfrequente EMF)
  • TREMF HF (hochfrequente EMF)
  • TREMF MR (Magnetresonanzverfahren)

Technische Regel: TREMF NF

  • statische und niederfrequente EMF
  • nicht-thermische Wirkungen (Frequenzen bis 10 MHz).

In den Anhängen zu Teil 1 finden sich unter anderem Listen zur Bewertung verschiedener Expositionssituationen für Beschäftigte sowie Empfehlungen zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung.

Teil 2 beschreibt Mess- und Berechnungsverfahren, Teil 3 Maßnahmen wie beispielsweise Betriebsanweisungen und Kennzeichnungen.

Technische Regel: TRMF HF

  • für hochfrequente EMF
  • thermische Wirkungen (Frequenz ab 100 kHz).

In den Anhängen zu Teil 1 finden sich unter anderem Listen zur Bewertung verschiedener Expositionssituationen für Beschäftigte sowie Empfehlungen zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung.

Teil 2 beschreibt Mess- und Berechnungsverfahren, Teil 3 Maßnahmen wie beispielsweise Betriebsanweisungen und Kennzeichnungen.

Technische Regel: TRMF MR

  • Magnetresonanzverfahren
  • Beschreibung der speziellen Situation an Magnetresonanz-Anlagen

Die Anhänge 1 und 2 geben Hintergrundinformationen zu MR-Verfahren, die Anhänge 3 und 4 praxisnahe Hilfestellungen in Form von Vorlagen und Checklisten.

Was ist in der Praxis wichtig?

Auch wenn das Regelwerk umfangreich ist, kommt in Betrieben meist nur ein Teil zur Anwendung. Zum Beispiel ist die TREMF MR nur für Einrichtungen interessant, bei denen Magnetresonanzverfahren in der Humanmedizin eingesetzt werden. Außerdem sind die allgemeinen Informationen in den TREMF NF und HF nahezu identisch.

Betriebe profitieren vor allem von der Möglichkeit zur Durchführung einer vereinfachten Gefährdungsbeurteilung nach EMFV. Sie wird in Teil 1 des Anhangs der TREMF NF und HF beschrieben – und macht es oft überflüssig, elektromagnetische Felder zu messen oder mithilfe von Herstellerinformationen ausführlich zu bewerten. Kernstück ist die Auflistung typischer elek­trischer Betriebsmittel oder Anlagen. In vielen Fällen müssen beispielsweise Mobiltelefone, Bürogeräte mit drahtloser Kommunikation, Schilder mit Magnethalterung, Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder auch Ultraschallgeräte der medizinischen Diagnostik nicht einzeln bewertet werden.

Spezialfall: Implantate

Ein wichtiges Thema für Betriebe ist auch, was sie im Hinblick auf besonders schutzbedürftige Beschäftigte beachten müssen. Zu diesem Kreis zählen alle, die Implantate tragen. Insbesondere bei aktiven Implantaten – wie Herzschrittmachern, ICDs (Defibrillatoren) oder Insulin­pumpen – ist es notwendig, eine Beeinflussung durch elektromagnetische Felder zu verhindern. Bislang gab es jedoch keine in Regelwerken verankerten Vorgaben oder Grenzwerte. Die TREMF schließen diese Lücke. Vergleichbar mit der vereinfachten Gefährdungsbeurteilung ist es nun mithilfe einer Liste möglich, eine erste Bewertung durchzuführen, bei welchen Geräten oder Anlagen grundsätzlich eine Beeinflussung auftreten könnte. Dabei wird zwischen aktiven und passiven Implantaten unterschieden – zu Letzteren zählen künstliche Gelenke, Schrauben und Platten. Betriebe können so die Bereiche identifizieren, in denen sich Personen mit Implantaten gefahrlos aufhalten können, sowie geeignete Schutzmaßnahmen für andere Bereiche treffen. Auch hierzu gibt es Hilfestellungen.

Spezialfall: Magnetresonanzanlagen

Magnetresonanzverfahren sind ein elementarer Baustein der medizinischen Diagnostik. Da an diesen Anlagen verfahrensbedingt extrem starke EMF auftreten, stehen sie besonders im Fokus des Arbeitsschutzes. Damit sie in der Humanmedizin zum Einsatz kommen können, gelten Ausnahmeregelungen. Allerdings müssen zusätzliche Anforderungen und Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden (§ 18 EMFV). Die TREMF MR erläutern, wie sich diese umsetzen lassen – mit Vorlagen und Checklisten unter anderem zur Arbeitsschutzorganisation und zur Dokumentation.

Die Technischen Regeln zu elektromagnetischen Feldern helfen damit, an allen Arbeitsplätzen Sicherheit zu schaffen. Auch dort, wo sich eine Einwirkung auf den Menschen kaum vermeiden lässt.

Von: Dr. Stephan Joosten