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Gewalt richtet sich oft gegen Pflegekräfte

Das Thema "Gewalt in der Pflege" wird meist als Gewalt gegen alte und betreute Menschen in Einrichtungen verstanden. Dabei gibt es ebenso Vorfälle, bei denen Pflegekräfte Opfer von verbalen oder körperlichen Attacken werden. Nach einer Studie der BGW und des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg fühlt sich jede dritte befragte Fachkraft in Kliniken, in der stationären und ambulanten Altenpflege sowie in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen durch Gewalterlebnisse stark belastet. 56 Prozent hatten innerhalb eines Jahres körperliche, 78 Prozent verbale Gewalt erlebt. Am stärksten betroffen von körperlicher Gewalt waren Beschäftigte der stationären Altenpflege. Weitere relevante Berufsfelder sind die Jugendhilfe, die Psychiatrie, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sowie ganz allgemein Not- und Bereitschaftsdienste, Nachtschichten und Einzelarbeitsplätze.

Weil aggressives Verhalten Teil des Krankheitsbildes der Patienten und betreuten Personen sein kann, werden Übergriffe in helfenden und pflegenden Berufen oft als hinzunehmendes Berufsrisiko angesehen. Aber jeder Beschäftigte hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Niemand muss Angriffe auf seine Person als berufliches Risiko hinnehmen. Doch häufig sind Gewalterlebnisse mit Scham verbunden und mit einem Tabu belegt, weil die Meinung vorherrscht, dass Profis diese Übergriffe "aushalten" können. Dabei können sich dadurch langfristige Gesundheitsstörungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit herausbilden – etwa in Form von posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen oder psychosomatischen Erkrankungen. Echte Profis hingegen gehen deshalb achtsam mit ihrer Gesundheit um und versuchen nicht den Helden oder die Heldin zu spielen.

Arbeitgeber in gefährdeten Branchen tun gut daran, dem Thema nicht erst Beachtung zu schenken, wenn es zu einem Vorfall gekommen ist, sondern es bereits präventiv aufzugreifen. Ohne eine angemessene Gefährdungsbeurteilung, die gesetzlich vorgeschrieben ist, kann der Arbeitgeber für die Folgen eines Gewaltvorfalls haftbar gemacht werden. Eine gute Prävention von Gewaltvorfällen beginnt bereits damit, dass jeder Vorfall dokumentiert wird und in den Teams offen darüber gesprochen wird. So können Geschehnisse ausgewertet werden, Schlussfolgerungen für Sicherheitsmaßnahmen gezogen und weitere Vorfälle verhindert werden. Führungskräfte tragen besondere Verantwortung dafür, dass mit Gewaltereignissen konstruktiv umgangen wird und die Betroffenen die notwendige Unterstützung bekommen. Idealerweise ist der professionelle Umgang mit Gewalt Teil des betrieblichen Managements für Sicherheit und Gesundheit. Die BGW bietet ihren versicherten Unternehmen und Einrichtungen hierfür eine Vielzahl an branchenspezifischen Informationsmaterialien, Beratungen und Seminaren an. Weiterführende Informationen finden sich unter www.bgw-online.de/gewalt.

Wichtig ist, dass Beschäftigte in den durch Gewalt gefährdeten Bereichen gut darin trainiert sind, mit aggressiver Klientel umzugehen. Da diese Trainings, um wirksam zu sein, regelmäßig wiederholt werden müssen, empfiehlt es sich, Beschäftigte zum Deeskalationstrainer ausbilden zu lassen. Diese lernen Methoden, wie kritische Situationen deeskaliert und körperliche Attacken abgewehrt werden können ohne die betreute Person zu verletzen und geben sie an Kollegen weiter. Die BGW stellt Kontakt zu geeigneten Ausbildungsstätten her.

Falls trotz guter Prävention doch etwas passiert, ist ein geeignetes Alarmierungssystem und eine funktionierende Rettungskette, die innerhalb von 15 Minuten Erste Hilfe ermöglicht, unabdingbar. Gute Erfahrungen gibt es in Unternehmen mit speziell ausgebildeten psychologischen Erstbetreuerinnen und Erstbetreuern, die in solchen Situationen dem Gewaltopfer sofort beistehen.

Für den Fall, dass ein Gewaltereignis stattgefunden hat, gibt die BGW Hinweise, wie den Betroffenen unmittelbar geholfen werden kann. Ein Gewalterlebnis ist ein versicherter Arbeitsunfall auch wenn es ausschließlich psychische Folgen und keine körperliche Schäden gab. Die Betroffenen haben Anspruch auf ärztliche Behandlung und psychologische Betreuung sowie gegebenenfalls auf Rehabilitation. Die BGW koordiniert den Behandlungsprozess und trägt die Kosten. Daher ist es wichtig, dass Arbeitgeber ein Gewaltereignis, das mehr als drei Tage Arbeitsunfähigkeit nach sich zieht, der BGW als Arbeitsunfall melden, damit diese tätig werden kann.

01.12.2015

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