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BGW forum 2017: Gesundheit der Mitarbeitenden als Chance für die Behindertenhilfe nutzen – Teilhabe fördern

Wer sich dem Gesundheitsschutz in der Behindertenhilfe widmet, muss sich genauso mit Arbeitsbedingungen beschäftigen wie mit Teilhabe und Inklusion. Das zeigte der Fachkongress BGW forum 2017 der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Rund 1.000 Teilnehmende diskutierten vom 4. bis 6. September in Hamburg über die Entwicklungschancen von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Sie konnten dabei auch neue Unterstützungsangebote der BGW für die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz kennenlernen.

Wie kaum ein anderer Bereich ist die Behindertenhilfe von Vielfalt geprägt: Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Inklusionsbetriebe, Wohnheime, ambulante Leistungen – das Angebot ist breit gefächert. Mit dem Bundesteilhabegesetz wird die Vielfalt noch steigen, machte die Diskussion in rund 180 Einzelveranstaltungen deutlich. So rücken insbesondere individuelle Wahlmöglichkeiten der Menschen mit Behinderungen in den Fokus. Wie können Einrichtungen sich in dieser Umbruchsituation weiterentwickeln?

Rückhalt bieten – Gesundheit am Arbeitsplatz systematisch entwickeln

Einen roten Faden der Kongressbeiträge bildete die Erkenntnis, dass es unerlässlich ist, das Personal zu unterstützen und Gesundheit zielgerichtet zu fördern. Dazu gehört unter anderem, psychische Belastungen systematisch zu verringern und beispielsweise Aggressionen und Gewalt gegen Mitarbeitende entgegenzuwirken. Handlungsgrundlage für Unternehmen ist dabei die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung, die mit einem neuen Instrument der BGW nun auch in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen online durchgeführt werden kann (www.bgw-online.de/gefaehrdungsbeurteilung-werkstaetten).

Was sich erreichen lässt, wenn Betriebe über die Grundanforderungen für sichere und gesunde Arbeit hinausgehen, veranschaulichten viele Beispiele guter Praxis. Dazu zählten insbesondere die Unternehmen, die auf dem Kongress mit dem BGW-Gesundheitspreis 2017 ausgezeichnet wurden: die AWO Werkstatt Grimma (1. Preis), das Fritz-Felsenstein-Haus in Königsbrunn (2. Preis), das Josefsheim Bigge aus Olsberg und die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung (jeweils 3. Preis). Trotz vielfältiger Konzepte verbindet diese Einrichtungen, dass sie alle konsequent die Menschen vor Ort einbinden – speziell auch die in Werkstätten beschäftigten Menschen mit Behinderungen. Sie sind, wie das weitere Personal in Einrichtungen der Behindertenhilfe, bei der BGW unfallversichert.

Beschäftigte Menschen mit Behinderungen in den betrieblichen Gesundheitsschutz einbinden

BGW-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Stephan Brandenburg hob die besondere Bedeutung von Partizipation für alle Beteiligten hervor: "Die aktive Gestaltung von Arbeitssicherheit und die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz bieten hervorragende Möglichkeiten, dadurch auch Teilhabe zu verwirklichen." Chancen sah er vor allem in den jeweiligen Rollen im Betrieb sowie in der Förderung von Kommunikation und Miteinander.

Wie das konkret aussehen kann, machten auf dem Kongress vorgestellte Unterstützungsangebote der BGW deutlich: Ob als Sicherheitsbeauftragte oder im Werkstattrat können in Werkstätten beschäftigte Menschen mit Behinderungen selbst für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz tätig werden. Hilfe bietet unter anderem die neue BGW-Broschüre "Werkstatt-Rat und Arbeits-Schutz" (www.bgw-online.de, Suchbegriff: BGW 20-00-005). Sie ist zugleich ein Beispiel für die steigende Anzahl an BGW-Medien in Leichter Sprache, die Menschen mit kognitiven Einschränkungen Zugang zu Themen des Gesundheitsschutzes ermöglichen. Darüber hinaus präsentierte die BGW ihre umfassenden Unterweisungshilfen für Werkstätten, zu denen ab sofort der Film "Nils erklärt den Brandschutz" gehört (www.bgw-online.de/nils-brandschutz).

Gemeinsam mit den Werkstätten neue Wege zur Teilhabe im Arbeitsleben gehen

Teilhabe war aber auch über den unmittelbaren Gesundheitsschutz hinaus zentrales Thema auf dem BGW forum 2017. So widmeten sich mehrere Teilveranstaltungen dem Weg zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und dem Bundesteilhabegesetz. Die Zielsetzung verdeutlichte die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Gabriele Lösekrug-Möller: "Es ist die gemeinsame Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen sowie das Wissen und Können und das Engagement besser zu nutzen, das Menschen mit Behinderungen mitbringen."

Angesichts der Forderung der UN-BRK, vollständige Inklusion im Arbeitsleben zu verwirklichen, bewegte viele Einrichtungen die Frage nach der Zukunft der Werkstätten. Als Antwort ergab sich in intensiven Diskussionen klar: Werkstätten sind auch zukünftig kein Auslaufmodell – im Gegenteil, sie leisten einen wichtigen Beitrag zu Teilhabe und Inklusion. Viele neue Konzepte und Weiterentwicklungen der Leistungsangebote wurden auf dem BGW forum vorgestellt. Zentrales Element ist dabei die Öffnung zum allgemeinen Arbeitsmarkt und eine stärkere Individualisierung der Förderangebote.

Inklusion im Beruf in allen Facetten zeigen

Wie Menschen mit Behinderungen im Beruf sichtbar werden, spielte auch eine Rolle bei zwei weiteren Programmpunkten des Fachkongresses. Zum einen wurden Fotoarbeiten prämiert, die unter dem Motto "Mensch – Arbeit – Handicap" die Facetten von Inklusion im Arbeitsleben beleuchten. Zum anderen wurden die Ergebnisse einer Medienanalyse präsentiert, die der Berichterstattung zu diesem Themenfeld auf den Grund ging. Fazit dort: Wenn über Menschen mit Behinderungen berichtet wird, geschieht dies bislang am ehesten mit Blick auf Behindertenpolitik, Sport oder Gesundheit – nicht jedoch die Teilhabe am Berufsleben. Insgesamt wird die Wahrnehmungsschwelle weit verfehlt, sodass die tatsächliche Situation von Menschen mit Behinderungen der Öffentlichkeit kaum vermittelt werden kann. BGW-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Stephan Brandenburg wünschte sich vor diesem Hintergrund ein differenziertes und kraftvolles Bild in den Medien – auch um den Weg zur Teilhabe weiter zu unterstützen.

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Über uns

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist die gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. Sie ist für über 8 Millionen Versicherte in rund 630.000 Unternehmen zuständig. Die BGW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe beim Arbeitsschutz und beim betrieblichen Gesundheitsschutz. Nach einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall sowie bei einer Berufskrankheit gewährleistet sie optimale medizinische Behandlung sowie angemessene Entschädigung und sorgt dafür, dass ihre Versicherten wieder am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

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Pressefotos: Eindrücke vom BGW forum 2017

07.09.2017

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