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BGW forum 2017 – Wie Roboter Menschen mit Handicap im Berufsalltag helfen

Kann Robotertechnik ein Schlüssel zur Teilhabe am Arbeitsleben sein? Auf dem Fachkongress für die Behindertenhilfe werden Projekte und Möglichkeiten vorgestellt.

Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Integrationsfirmen stehen seit einigen Jahren vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Aufträge für einfache Tätigkeiten, etwa in der Montage, sind immer weniger zu bekommen. Komplexere Aufgaben wiederum überfordern viele Beschäftigte in diesen Betrieben.

Helfen können möglicherweise kollaborierende Roboter, die direkt mit den Beschäftigten zusammenarbeiten und sie individuell beim Erledigen von Aufgaben unterstützen. Das Ziel: Menschen mit Handicap neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnen und damit ihre Teilhabe am Arbeitsleben verbessern. Erste Projekte laufen - mit Unterstützung durch die BGW.

Roboter vor Ort live erleben

Auf dem BGW forum 2017 wird insbesondere das Projekt AQUIAS vorgestellt: Hierbei erprobt die ISAK gGmbH in Sachseinheim bei Stuttgart gemeinsam mit der Firma Bosch und zwei Fraunhofer-Instituten den Robotereinsatz mit schwerbehinderten Beschäftigten in der Düsenmontage. Der dort eingesetzte Roboter zieht mit seinem Greifer die Werkteile zu sich und schiebt sie nach Bearbeitung wieder zurück. In Zusammenarbeit mit diesem automatischen Produktionsassistenten können die Beschäftigen sogar einarmig Düsenteile montieren. Der Roboter lässt sich live auf der Ausstellungsfläche erleben!

Mehr über den Einsatz kollaborativer Robototer erfahren Sie außerdem in zwei Beiträgen im Kongressprogramm - einem Vortrag sowie - NEU - einem ergänzenden Workshop!

Vortrag: Sind kollaborative Roboter geeignet für Menschen mit Handicap?

(Montag, 4. September, 16.15 bis 17.45 Uhr: Vortrag im Plenum B1 "Arbeitsschutz II")

Das Schlagwort Industrie 4.0 hat inzwischen Werkstätten und Integrationsbetriebe erreicht. Die Gedanken der Inklusion führen zu der Frage, inwieweit mithilfe von Robotern höherwertige Tätigkeiten in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen realisierbar sind beziehungsweise durch sie Arbeit für Menschen mit Handicap überhaupt erst möglich wird. Auch bei der Rehabilitation von Unfallopfern und Berufserkrankten könnten Roboter eine tragende Rolle übernehmen. Doch ist das so einfach realisierbar? Welche Schwierigkeiten ergeben sich im Alltag?

Der Präventionsdienst der BGW begleitet verschiedene Projekte, in denen der Einsatz kollaborativer Roboter, also die direkte Zusammenarbeit zwischen Roboter und Mensch ohne trennenden Schutzzaun, erprobt wird – in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Integrationsbetrieben. Im Vordergrund stehen hierbei Gedanken zu Sicherheit, Ergonomie, Inklusion und Wirtschaftlichkeit. Längst nicht alles, was bedenkenlos in Industrie und Handwerk angewandt wird und reibungslos funktioniert, ist problemlos auf nicht "normgerechte" Menschen übertragbar. Bereits jetzt ist feststellbar, dass beispielsweise für die Sensorik der Roboterarme und der montierten Arbeitswerkzeuge noch viele Parameter zu dem besonderen Verhalten der Menschen mit Handicap nicht genau bekannt sind. Aber auch die Bewegung und Nähe des Roboterarmes vor den Augen und dem Kopf des Menschen stellt aus psychischer Sicht eine Herausforderung dar.

Inhalte des Vortrags sind: Welche Besonderheiten sind zu beachten? Wo sind technische Schwierigkeiten zu erwarten? Wo gibt es sinnvolle Grenzen in der Anwendung? Der Vortrag richtet sich an Werkstätten und Integrationsbetriebe, in denen über den Einsatz von Robotern nachgedacht wird, um die qualitative Arbeit zu erleichtern oder überhaupt erst möglich zu machen.

Neuer Workshop: Kollaborative Roboter im Einsatz bei Menschen mit Behinderung

(Mittwoch, 6. September, 11 bis 12.30 Uhr: Workshop H1)

In diesem Workshop werden neben Aspekten der Förderung des Inklusionsgedankens auch arbeitswissenschaftliche Fragestellungen zur Zusammenarbeit von Menschen mit Behinderung und Robotern erörtert. Zusätzlich erfolgt eine Live-Demonstration eines kollaborativen Roboters.

Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) und Intergrationsfirmen stehen seit einigen Jahren vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Kundenstruktur, Produktionsaufträge und Produktionsanforderungen verändern sich inzwischen genauso schnell wie für Unternehmen, deren Belegschaft nicht überwiegend aus schwerbehinderten Beschäftigten besteht. Einfache Montage- und Kommissioniertätigkeiten sind zunehmend nur noch in einem geringen Maß verfügbar. Eine Verbesserung der Situation kann durch den Einsatz von Leichtbaurobotern erfolgen, welche die Menschen mit Behinderung in ihren Arbeitstätigkeiten unterstützen.

Ziel des Robotereinsatzes ist, den Roboter so spezifisch auf die Unterstützungsbedarfe der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszurichten, dass diese höherwertige Aufgaben bewältigen können. Damit Menschen mit Handicap von den Zukunftschancen der neuen Robotiklösungen profitieren können, muss die Schnittstelle zwischen Roboter und Mensch angepasst werden. Werkzeuge, Datenanzeige und Arbeitsabläufe müssen genauso überdacht werden wie Fragen des Nutzerverhaltens und der Arbeitssicherheit.

Die aktuelle Forschung beschäftigt sich derzeit unter anderem mit Fragen wie:

  • Welche Berührungskräfte und Bewegungsgeschwindigkeiten sind akzeptabel beziehungsweise günstig?
  • Gibt es spezielle Anforderungen an die Maschinensicherheit (Maschinenrichtlinie, Normung, Betriebssicherheitsverordnung)?
  • Können Tätigkeiten ausgeführt werden, die der Verbesserung der Leistungsfähigkeit dienen, und können Arbeitsplätze geschaffen werden für Menschen, die sonst keine manuelle Tätigkeiten ausführen könnten?

Informieren Sie sich über alle Programmpunkte des BGW forums 2017 und buchen Sie anschließend direkt online – die Programm- und Buchungsseite öffnen Sie hier:

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17.07.2017

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