Navigation und Service

Infektionsschutz: TRBA 250 jetzt noch klarer

BGW mitteilungen, Ausgabe 2/2014

Die "Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege (TRBA 250)" hilft beim Infektionsschutz im Betrieb. Sie ist jetzt überarbeitet worden.

Zahnarzt und zahnmedizinische Fachangestellt bei der Behandlung einer Patientin

Die TRBA 250 zeigt die wichtigsten Maßnahmen des Infektionsschutzes auf.
(Foto: BGW/Werner Bartsch)

In vielen Bereichen des Gesundheitsdienstes und der Wohlfahrtspflege können Beschäftigte mit infektiösen Biostoffen wie Viren oder Bakterien in Kontakt kommen. Welche Anforderungen sich daraus an den Arbeitsschutz ergeben, regelt die Biostoffverordnung (BioStoffV). Als Handlungshilfen gibt es dazu die sogenannten Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe, kurz TRBA: Sie zeigen auf, wie die Anforderungen der Biostoffverordnung an den Arbeitsschutz konkret erfüllt werden.

Wo die TRBA 250 gilt

Eine dieser Regeln ist die TRBA 250. Sie betrifft infektionsgefährdende Tätigkeiten im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege. Dabei geht es nicht nur um den direkten Umgang mit Menschen oder Tieren. Auch der Kontakt mit möglicherweise kontaminierten Produkten, Gegenständen oder Materialien spielt hier eine Rolle. So ist die TRBA 250 für verschiedenste Mitgliedsunternehmen der BGW relevant, unter anderem für:

  • Krankenhäuser und Pflegebetriebe
  • Arzt- und Zahnarztpraxen
  • Apotheken
  • therapeutische Praxen
  • Einrichtungen der Behindertenhilfe
  • Praxen der medizinischen Fußpflege und Kosmetik
  • Kleintierpraxen

Nicht anzuwenden ist sie dagegen in Großtierpraxen, in der Versuchstierhaltung und in Laboratorien. Dort gelten stattdessen die TRBA 230, die TRBA 120 beziehungsweise die TRBA 100.

Was neu ist

Im Sommer 2013 wurde die BioStoffV aktualisiert – vor allem, um Beschäftigte im Gesundheitsdienst besser vor Nadelstichverletzungen zu schützen. Aber auch andere Anforderungen an den Infektionsschutz wurden in diesem Zuge überarbeitet. Die BGW mitteilungen berichteten darüber in Ausgabe 4/2013.

Inzwischen wurde die TRBA 250 an die aktuelle Fassung der BioStoffV angepasst. Auch ansonsten wurde sie auf den aktuellen Stand von Wissenschaft, Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene gebracht. Durch eine neue Gliederung und Konkretisierungen lässt sie sich nun noch komfortabler nutzen. Parallel entfällt im Rahmen der Vereinfachung des Regelwerks die gleichlautende BGR 250. Die neue TRBA 250 ist seit dem 1. April 2014 zu berücksichtigen.

Wesentliche Änderungen im Überblick:

  • Zur Prävention von Nadelstichverletzungen sind nun möglichst Arbeitsverfahren und -mittel zu wählen, die den Einsatz spitzer und scharfer medizinischer Instrumente überflüssig machen. Falls das nicht möglich ist, nennt die TRBA 250 aktualisierte Anforderungen an die Auswahl, den Umgang und die Entsorgung der entsprechenden Geräte. Gefordert ist zudem eine ausreichende Anzahl fachlich geeigneter Beschäftigter. Dadurch sollen unter anderem Fehlbedienungen in hektischen Arbeitssituationen vermieden werden.
  • In der ambulanten Pflege sowie in Tierkliniken und Kleintierpraxen brauchen die relevanten Tätigkeiten nicht mehr in sogenannte Schutzstufen eingeordnet zu werden. Stattdessen listet die TRBA 250 für diese Arbeitsbereiche nun konkrete spezifische Schutzmaßnahmen auf.
  • Im Anhang findet sich erstmals eine „Handlungsanleitung zum Einsatz von Praktikantinnen und Praktikanten“.

Was die Regel umfasst

Grafik: Berufsbedingte Infektionen (BK 3101 - 3104) in Zahlen

Berufsbedingte Infektionen in Zahlen (2013)

Foto vergrößern

Die TRBA 250 beginnt mit einleitenden Informationen zum Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen. Danach informiert sie über die erforderliche Beurteilung der Arbeitsbedingungen, einschließlich der Zuordnung von Tätigkeiten in Schutzstufen. Den Kern der Regel bilden die konkreten Maßnahmen zum Infektionsschutz. Diese gliedern sich in:

  • Mindestschutzmaßnahmen für den gesamten Anwendungsbereich der TRBA 250
  • zusätzliche Maßnahmen für die verschiedenen Schutzstufen
  • besondere und zusätzliche Maßnahmen für spezifische Arbeitsbereiche und Tätigkeiten.

In weiteren Kapiteln geht es unter anderem um das Verhalten bei Unfällen, die Unterweisung der Beschäftigten und die arbeitsmedizinische Vorsorge. Angehängt sind ergänzende Informationen und Musterdokumente.

Häufig gestellte Fragen

Müssen sich Arbeitgeber an die TRBA halten?
Im Prinzip ja. Nach der Biostoffverordnung müssen Arbeitgeber, in deren Betrieben Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen stattfinden, die für ihren Betrieb zutreffenden TRBA beim Festlegen und Ergreifen ihrer Schutzmaßnahmen grundsätzlich berücksichtigen.

Die TRBA geben den Stand von Wissenschaft, Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene wieder. Wenn der Arbeitgeber sie anwendet, kann er davon ausgehen, dass er die Anforderungen der Biostoffverordnung in den entsprechenden Punkten erfüllt.

Ausnahme: Wählt der Arbeitgeber Lösungen jenseits der TRBA, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für seine Beschäftigten erreichen. Die Gleichwertigkeit dieser alternativen Schutzmaßnahmen ist in der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung zu begründen.

Wer hilft dabei?
Der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Wo bekommt man die TRBA?
(Update 2.7.2014) Mittlerweile liegt die Fassung für die bei der BGW versicherten Betriebe vor und kann bestellt werden.

Beispiele für infektiöse Biostoffe:

Material

Infektionserreger

Übertragungswege

BlutHepatitis-B-Virus, Hepatitis-C-Virus, HIVVerletzungsbedingt, ggf. Kontakt zu Schleimhaut oder vorgeschädigter Haut
Wundsekret, DrainageflüssigkeitStaphylokokkenKontakt
AtemwegssekretGrippeviren, verschiedene Bakterienluftübertragen, Kontakt
Mageninhalt, ErbrochenesNoroviren, Rotavirenluftübertragen, Kontakt
StuhlNoroviren, Rotaviren, Salmonellen und weitere Bakterien, Hepatitis-A-Virus, Hepatitis-E-VirusKontakt

Autor(en): Sandra Bieler, Dr.Christoph Deininger

01.04.2014

Diese Seite

BGW online (Link zur Startseite)

Start­sei­te