Navigation und Service

Gefährdungsbeurteilung Psyche: Das passende Analyseinstrument finden

BGW magazin, Ausgabe 1/2021

Im Oktober 2020 hat die Bundesregierung die "Offensive Psychische Gesundheit" gestartet. Denn noch immer wird psychische Belastung zu selten thematisiert. Am Arbeitsplatz ist eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung schon länger Pflicht. Mit welchen Instrumenten lässt sich die betriebliche Ausgangssituation analysieren?

Eine Hand setzt Spielsteine aufeinander - je drei Steine in je drei Reihen. Der oberste linke Stein zeigt einen traurigen Smiley, die anderen acht zeigen lächelnde Smileys.

Keine einfache Frage: Welches Instrument eignet sich für den eigenen Betrieb?
(Foto: stock.adobe.com/Kenishirotie)

Die Gefährdungsbeurteilung folgt einem festen Ablauf in sieben Schritten – auch beim Thema psychische Belastung. Bevor es an das Auswählen und Umsetzen von Maßnahmen gehen kann, müssen zunächst (1.) Arbeitsbereiche und Tätigkeiten festgelegt und (2.) Gefährdungen ermittelt werden. Schon hier tun sich vielfach Fragen auf. Wie kommt man psychischer Belastung auf die Spur? Grundsätzlich werden verschiedene Methoden empfohlen – einzeln oder in Kombination:

  • standardisierte schriftliche Mitarbeiterbefragung
  • Beobachtung/Beobachtungsinterview
  • moderierte Gruppendiskussion

Alle drei Methoden decken nur den zweiten Schritt einer Gefährdungsbeurteilung ab – sie sind also nur ein Teil des Gesamtprozesses. Auf dem Markt sind diverse Analyseinstrumente verfügbar, die sich dieser Methoden bedienen – einige kostenfrei, andere kostenpflichtig. Manche lassen sich überall einsetzen, andere sind auf spezifische Branchen zugeschnitten.

Übersicht und Steckbriefe verschiedener Instrumente

Eine Arbeitsgruppe der BGW hat in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Versorgungsforschung bei Pflegeberufen (CVcare) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine Übersicht erarbeitet, die Unternehmen unterstützen soll. Sie umfasst eine Reihe qualitätsgesicherter Analyseinstrumente, zu denen auch Steckbriefe vorliegen. Alle Instrumente ermöglichen es, Schlüsselfaktoren der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung zu betrachten: Arbeitsintensität, Arbeitszeit, Handlungsspielraum, soziale Beziehungen – insbesondere zu Vorgesetzten – und Bedingungen der Arbeitsumgebung, zum Beispiel Lärm.

Direkt zur Übersicht der Analyseinstrumente.

Analyseinstrumente bieten keine Rechtssicherheit

Wer ein geeignetes Instrument einsetzt, kann damit einen wichtigen Schritt der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung bearbeiten. Doch aus der Anwendung allein ergibt sich noch keine Rechtssicherheit; vielmehr kommt es auf das "Wie" an – und darauf, auch alle weiteren Prozessschritte einzuhalten.

Gibt es bereits andere Informationsquellen?

Vor der Auswahl eines Instruments steht der Blick auf vorhandene Informationen. Gab es schon Personalbefragungen? Liegen Anhaltspunkte für psychische Belastungsfaktoren vor? Je weniger bekannt ist, desto eher empfiehlt sich ein orientierendes Instrument für den Einstieg.

Überblick oder Vertiefung?

Ein orientierendes Verfahren wie eine standardisierte schriftliche Mitarbeiterbefragung mit einer überschaubaren Zahl von Fragen kann einen Überblick vermitteln, ob und wo es Belastungsschwerpunkte gibt. Werden Problembereiche identifiziert, sollte ein vertiefendes Verfahren, zum Beispiel ein moderierter Analyseworkshop, eingesetzt werden.

Branchenübergreifend oder branchenspezifisch? Für wie viele Personen?

Die Auswahl eines Instruments hängt auch von den betrieblichen Rahmenbedingungen ab. Wie viele Mitarbeitende sind zu berücksichtigen? Welche Ressourcen stehen für die Analyse zur Verfügung? In größeren Einrichtungen könnte zunächst ein Instrument genutzt werden, das sich für alle Branchen und Tätigkeitsfelder eignet und möglichst viele Beschäftigte erfasst. Zeichnen sich Belastungsschwerpunkte beispielsweise bei einer Berufsgruppe ab, bietet sich eher ein spezifisches Instrument an.

Welche Form der Beratung und Begleitung?

Es ist sinnvoll, Vor- und Nachteile einer externen oder internen Beratung abzuwägen. Mit externer Unterstützung lässt sich sowohl der Gesamtprozess als auch der Einsatz eines Analyseinstruments planen und umsetzen. Wo die Kosten eine große Rolle spielen, kann beispielsweise auf frei zugängliche Instrumente zurückgegriffen werden, die eigenständig einsetzbar sind. Dann ist jedoch die interne Begleitung, zum Beispiel durch Qualitätsmanagementbeauftragte, besonders wichtig.

Was bei der Gefährdungsbeurteilung Psyche immer wichtig ist

  • Gute Vorbereitung: Vorgehen planen, Voraussetzungen schaffen (z. B. Verantwortlichkeiten festlegen, betriebliche Interessenvertretung einbeziehen, Ressourcen bereitstellen)
  • Sicherstellen, dass Beschäftigte einbezogen werden (z. B. Verständnisprobleme vermeiden, Schichtarbeitende berücksichtigen, zur aktiven Teilnahme anregen)
  • Datenschutz sicherstellen (z. B. Mindestzahl an Fragebögen, vertrauensvolle Atmosphäre) und Urheberrecht von Befragungsinstrumenten berücksichtigen
  • Tätigkeitsbereiche (z. B. Hauswirtschaft, Verwaltung, Pflege) und Merkmalsbereiche (z. B. Arbeitsorganisation, soziale Beziehungen) festlegen
  • Interne oder externe Prozessbegleitung sicherstellen
  • Ergebnisse, festgelegte Maßnahmen und Überprüfung der durchgeführten Maßnahmen schriftlich dokumentieren

Feedback: Wie finden Sie diesen Artikel?

Geben Sie uns eine Rückmeldung und tragen Sie dazu bei, weitere Ausgaben des BGW magazins zu gestalten!

Autor(en): Dr. Sabine Gregersen und Anja Hanssen

Weitere Artikel aus unserem Kundenmagazin:

01.02.2021

Diese Seite

BGW online (Link zur Startseite)

Start­sei­te