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Gut beraten durch die Arbeitsschutzprofis

BGW magazin, Ausgabe 3/2020

Die Corona-Pandemie wirft viele Fragen zum Schutz der Beschäftigten auf. Aber wer hilft Betrieben, passende Antworten zu finden? Unterstützung steht oft längst bereit. Die Rede ist von Fachkräften für Arbeitssicherheit sowie Betriebsärztinnen und -ärzten. Ein Plädoyer für die Profis, die sich um sichere, gesunde und damit störungsfreie Arbeitsbedingungen kümmern.

Guter Rat sollte nicht schwer zu finden sein. Diesem Gedanken folgt das gesetzlich vorgeschriebene System der Arbeitsschutzbetreuung: Jedes Unternehmen, das Personal beschäftigt, muss sich von einem Betriebsarzt oder einer Betriebsärztin und von einer Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen. Grundlage dafür ist das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG). Konkret umgesetzt wird es in einer berufsgenossenschaftlichen Vorschrift – der DGUV Vorschrift 2.

Diese Pflicht kann auch in besonderen Situationen Rückhalt geben, das zeigt die aktuelle Corona-Pandemie. Denn selten zuvor stellten sich auf einen Schlag so viele Fragen zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Umso besser, wenn nicht überall neu nach Antworten gesucht werden muss – und jemand weiß, wie man am besten vorgeht.

Hier kommen die Arbeitsschutzprofis ins Spiel: Sie haben das nötige Fachwissen genauso wie Beratungserfahrung – und kennen im besten Fall bereits die Abläufe im jeweiligen Betrieb. Viele Themen können beide bearbeiten – Fachkraft wie Betriebsarzt/-ärztin. Für bestimmte Fragestellungen sind sie zudem einzeln spezialisiert.

Die betriebsärztliche Betreuung

Zugelassen für die betriebsärztliche Betreuung sind nur Fachärztinnen und -ärzte für Arbeitsmedizin oder mit der Zusatzbezeichnung "Betriebsmedizin". Sie helfen unter anderem bei der Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb und beurteilen, wie belastend bestimmte Arbeiten für Rücken, Haut oder Psyche sind. Sie beraten außerdem zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, zum Beispiel bei möglichen Gesundheitsgefahren durch gefährliche Stoffe, Lärm oder Infektionen, sowie bei Fragen zur Ergonomie.

Die sicherheitstechnische Betreuung

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) kennt sich in sicherheitsrelevanten Fragen aus und berät unter anderem, wenn Arbeitsplätze neu geschaffen oder umgestaltet oder Arbeitsweisen erheblich verändert werden. Sifas durchlaufen eine umfassende sicherheitstechnische Ausbildung, beispielsweise an der BGW Akademie Dresden.

Meist werden externe Fachleute beauftragt

Egal ob Groß- oder Kleinbetrieb: Eine Arbeitsschutzbetreuung muss es überall geben. In der Regel werden selbstständige Expertinnen und Experten oder überbetriebliche Dienste mit der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung beauftragt. Nur in großen Unternehmen lohnt sich die Beschäftigung einer internen Fachkraft für Arbeitssicherheit beziehungsweise einer eigenen Betriebsärztin oder eines eigenen Betriebsarztes.

Für die bei der BGW versicherten Betriebe stehen verschiedene Modelle der Arbeitsschutzbetreuung zur Verfügung, abhängig von der Zahl der Beschäftigten. Eine Rolle spielt in kleinen Betrieben auch, wie sehr die Unternehmerin, der Unternehmer selbst in das Thema einsteigen und sich Fachwissen aneignen will. Kleinbetriebe können aber auch umfassend das Know-how externer Fachleute nutzen.

Wie läuft die Arbeitsschutzbetreuung ab?

Je nach Betriebsgröße und gewählter Betreuungsform variiert der Umfang der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung. Die Expertinnen und Experten kommen regelmäßig und/oder zu bestimmten Anlässen in den Betrieb. Sie weisen auf die Anforderungen an den Arbeitsschutz hin, gehen auf spezifische Fragestellungen ein und hinterfragen Arbeitsabläufe, um passende Lösungen zu finden – immer im engen Austausch mit den Beteiligten vor Ort.

Die Arbeitsschutzprofis helfen vor allem, systematisch vorzugehen – auch bei so unterschiedlichen Themen wie Geräte und Arbeitsmittel, Lärm, Hautschutz oder psychischer Belastung. Das zentrale Instrument dafür ist die Gefährdungsbeurteilung. Mit ihr lässt sich herausfinden, was getan werden muss, damit Unfälle am Arbeitsplatz vermieden werden und Beschäftigte dort langfristig gesund tätig sein können. Die Gefährdungsbeurteilung dient dazu, Risiken zu erkennen sowie die nötigen Schutzmaßnahmen zu planen, zu steuern und zu überprüfen.

Eine Gefährdungsbeurteilung müssen alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber vornehmen, sobald sie eine Person beschäftigen. Vorgeschrieben ist das in § 5 Arbeitsschutzgesetz. Die Unternehmen werden damit aber nicht allein gelassen: Eine der wesentlichen Aufgaben der Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte ist es, bei der Gefährdungsbeurteilung zu beraten und zu unterstützen. Wie dies im Einzelnen umgesetzt wird, vereinbart der Betrieb individuell mit den Expertinnen und Experten.

Typische Fragen an die Arbeitsschutzprofis

"Wie darf ich jetzt während der Corona-Pandemie Personen aus Risikogruppen einsetzen?"

Hier kann die Betriebsärztin beziehungsweise der Betriebsarzt beraten. Sie setzen aktuelle Vorgaben und Empfehlungen in Bezug zum konkreten Tätigkeitsfeld und zu den Gegebenheiten vor Ort. Alle Personen, die Vorerkrankungen haben und deshalb einer Risikogruppe angehören, können im Übrigen unabhängig vom Alter eine betriebsärztliche Beratung beanspruchen (Wunschvorsorge nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge).

"Welcher Bodenbelag soll am Arbeitsplatz verlegt werden?"

Ein Thema, bei dem Sifas weiterhelfen können. Sie kennen die Anforderungen und Standards. Mit Blick auf die geplante Raumnutzung geben sie zum Beispiel Hinweise zur Rutschfestigkeit, zu hygienischen Aspekten oder anderen Materialeigenschaften. Das kann dann bei der Beschaffung beziehungsweise beim Einbau berücksichtigt werden – und verhindert, dass es später zu Unfällen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt.

"Wir haben doch schon eine Gefährdungsbeurteilung. Die reicht ja erstmal, nicht wahr?"

Das kommt darauf an. Betriebe müssen in regelmäßigen Abständen und bei allen wesentlichen Änderungen der Arbeitsbedingungen die Gefährdungsbeurteilung fortschreiben. Gutes Beispiel ist die aktuelle Corona-Situation, bei der in jedem Fall eine Anpassung der Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von Schutzmaßnahmen erfolgen muss. Hier können Sie Ihre Arbeitsschutzprofis fragen, was Sie tun müssen und wie Sie vorgehen können. Wie viel Unterstützung Sie benötigen, entscheiden Sie selbst.

Was bringt das alles?

Der Vorteil für die Betriebe liegt auf der Hand: Werden gesundheitliche Risiken für die Beschäftigten rechtzeitig erkannt und Maßnahmen ergriffen, verhindert das Störungen im Betriebsablauf. Die Folge: weniger unfall- und krankheitsbedingte Ausfälle, bessere Arbeitsbedingungen, kontinuierlich gute Arbeitsergebnisse. Die Gefährdungsbeurteilung trägt außerdem dazu bei, etwaige rechtliche Folgen oder Regressforderungen abzuwenden, falls doch einmal etwas passiert.

Klar ist auch: Wenn es den Beschäftigten gut geht und sie sich am Arbeitsplatz keinen Hindernissen gegenübersehen, fällt es ihnen leichter, sich engagiert auf die Tätigkeit zu konzentrieren – und es macht oft auch mehr Spaß. Solche Faktoren spielen wiederum eine große Rolle, wenn das Personal möglichst lange an das eigene Unternehmen gebunden werden soll. Oder wenn es darum geht, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen.

Arbeitsschutzprofis finden

Einige Berufsverbände, Innungen und Kammern haben für ihre Mitgliedsunternehmen Rahmenverträge für eine sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung ausgehandelt. Sie sind also erste Anlaufstellen. Wichtig bei der Auswahl von Dienstleistern ist, sich über den gewünschten Umfang der Betreuung klar zu werden und dies vertraglich genau zu regeln. Da die Preisgestaltung sehr unterschiedlich ausfallen kann, lohnt sich in jedem Fall der Vergleich mehrerer Angebote.

So geht es: Arbeitsschutzbetreuung organisieren

Unternehmerinnen und Unternehmer müssen von sich aus tätig werden und die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung regeln:

  • Schritt 1: Betreuungformen prüfen und Auswahl treffen
  • Schritt 2: Dienstleister aussuchen und Betreuungsvertrag schließen – der Vertrag sollte die Art und den Umfang der Unterstützungsleistung festlegen. Angebote vergleichen.
  • Schritt 3: BGW über die Betreuung informieren.

Gut zu wissen: Alle Betriebe müssen der BGW bekanntgeben, welche Betreuungsform sie ausgewählt haben und mit wem sie den entsprechenden Betreuungsvertrag geschlossen haben. In regelmäßigen Nachweisaktionen schreibt die BGW dazu auch Unternehmen an.

Top 5 Handlungshilfen der BGW für den Arbeitsschutz

  1. Basiswissen – Regeln, Vorschriften, Handlungsanleitungen, die schon bei der Unternehmensgründung bekannt sein sollten.
  2. Suchassistent Betreuungsformen – Hilfe für die Auswahl der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung.
  3. Online-Instrumente für die Gefährdungsbeurteilung.
  4. Sichere Seiten – Handlungshilfen zu Arbeitsschutzthemen in Kleinbetrieben.
  5. BGW Orga-Check – Online-Instrument, mit dem sich überprüfen lässt, wie gut das eigene Unternehmen in Sachen Arbeitsschutz aufgestellt ist.

Tipp: Gerade in Kleinbetrieben stellen sich viele Fragen: Wie ist das mit den Betreuungsformen? Worauf ist bei der Auswahl der Fachleute zu achten? Ist bei uns der Arbeitsschutz auf einem guten Weg? Wie läuft das mit der Gefährdungsbeurteilung? Die BGW bietet dazu viele Handlungshilfen. Zudem unterstützt die Präventionsberatung der BGW. Der Kontakt erfolgt über die regional zuständige Bezirksstelle der BGW.

Interview

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Autor(en): Anja Hanssen

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