Navigation und Service

Gemeinsam die Krise meistern

BGW magazin, Ausgabe 3/2020

Eine gute Präventionskultur hilft beim Umgang mit der Corona-Pandemie, berichtet Gerd Palm, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste aus Hückelhoven.

"Unsere Einrichtung liegt im Kreis Heinsberg, im Epizentrum der ersten Coronaphase in Deutschland. Das Thema begleitet uns seitdem: Quarantäne, Kontaktpersonen und damit verbundene Einschränkungen. Es handelt sich bislang eher um einen Schwelbrand, die wenigen Erkrankten bei uns sind wieder genesen. Am Anfang gab es Ängste bei den 630 Mitarbeitenden, sie ließen sich jedoch relativ schnell zerstreuen.

Gute Präventionskultur bedeutet für uns, dass wir individuell, unkompliziert und unbürokratisch auf die Sorgen und Nöte der Mitarbeitenden eingehen. Wir pflegen das seit rund zehn Jahren. Durch Corona hat es noch eine neue Bedeutung bekommen. Wir hatten schon ein gutes Fundament, zum Beispiel bei der Kommunikationskultur. Darauf konnten wir aufbauen und schnell reagieren.

Der ständige Wechsel der Rahmenbedingungen ist natürlich schwer zu vermitteln. Unsere Arbeitswelt wurde komplett auf den Kopf gestellt. Die Mitarbeitenden müssen immer wieder neu gebrieft werden. Mittlerweile machen wir das meiste virtuell und nutzen Austauschplattformen und soziale Netzwerke. So hat sich eine neue virtuelle Realität entwickelt, die zwar das Reale nicht ersetzen kann, aber uns ein Stück weit wieder zusammenbringt. Wichtig ist auch Wertschätzung. Wir sind großzügig bei den Arbeitszeiten, machen jeden Dienstag kleine Events wie Frozen Joghurt oder Pizza, das stellt wieder Verbundenheit her.

Insgesamt ging es einen großen Schritt voran für die Digitalisierung – auch für die Bewohnerinnen und Bewohner. Wir haben einen Kommunikationsroboter, der eine Art Tablet durch die Gegend fährt. So können sie Kontakt halten mit ihren Angehörigen, manchmal sogar intensiver als vorher. Wir haben uns gefragt, warum wir das nicht schon früher gemacht haben, so tolle Momente haben wir erlebt. Auch ärztliche Visiten und Therapien laufen vielfach virtuell.

Wir hatten bereits eine flache Hierarchie, aber jetzt mussten die Mitarbeitenden noch mehr Verantwortung übernehmen. Die Führungskräfte haben ihnen das Vertrauen und die Kompetenz dafür zugesprochen und sie haben es angenommen. Das war ein Kulturwandel, den wir schon immer wollten und der sich jetzt zwangsläufig eingestellt hat.

Neben den rationalen Lösungen, die gefunden werden müssen, dürfen Führungskräfte die Mitarbeitenden nicht vergessen. Wichtig ist es, sie mitzunehmen und zu beteiligen. Es geht darum, auch emotional zu führen – und nicht nur organisationale Bedürfnisse zu berücksichtigen."

>> Hier geht's zum ausführlichen Videointerview mit Gerd Palm.

Feedback: Wie finden Sie diesen Artikel?

Geben Sie uns eine Rückmeldung und tragen Sie dazu bei, weitere Ausgaben des BGW magazins zu gestalten!

Autor(en): BGW

Weitere Artikel aus unserem Kundenmagazin:

31.07.2020

Diese Seite

BGW online (Link zur Startseite)

Start­sei­te