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Hände brauchen Schutz und Pflege

BGW magazin, Ausgabe 2/2020

Händehygiene schützt vor Infektionen. In Zeiten von Corona ist Händewaschen und -desinfizieren wichtiger denn je – kann aber die Haut strapazieren. Hintergründe und Tipps speziell auch für Pflegeberufe.

Hände brauchen Schutz und Pflege

Waschen, desinfizieren, Feuchtarbeit - Hände brauchen Pflege, damit die Haut gesund bleibt.
(Foto: stock.adobe.com/Fiedels)

Handekzeme, also Entzündungen der äußeren Hautschichten, gehören zu den häufigsten berufsbedingten Erkrankungen in Pflegeberufen. Tückisch ist, dass die ersten Anzeichen wie trockene oder rissige Haut relativ harmlos wirken.

Ursachen kennen

Es klingt paradox: Die Hauptursache für Hauterkrankungen an den Händen ist zu viel Feuchtigkeit, die die Haut austrocknet: Sie greift den schützenden Wasser-Fett-Film der Haut und die darunterliegende Hornschicht an. Diese wird rissig und durchlässig für Fremdstoffe, die Entzündungen auslösen können – sogenannte Abnutzungsekzeme. Seife, Shampoo, Spül- und Reinigungsmittel verstärken die Austrocknung noch.

Die Hände leiden besonders, wenn sie …

  • häufigen Kontakt mit Wasser oder feuchten Gegenständen haben.
  • mehr als zwei Stunden pro Tag Feuchtigkeit ausgesetzt sind.
  • oft gewaschen werden.
  • häufig in flüssigkeitsdichten Handschuhen stecken.
  • stark verschmutzen und häufig intensiv gereinigt werden müssen.
  • Kontakt mit hautreizenden, aggressiven Stoffen oder chemischen Substanzen haben (etwa mit Flächendesinfektionsmitteln, Lösemitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln, Chemikalien).

Durch die geschädigte Hautbarriere können sensibilisierende Stoffe leichter in den Körper eindringen und eine Allergie auslösen. Allergien sind nicht heilbar. Wer auf bestimmte Stoffe allergisch reagiert, muss diese in Beruf und Freizeit konsequent meiden.

Auf welche Warnsignale zu achten ist:

  • trockene, gespannte Haut
  • Rötungen
  • schuppige Haut
  • rissige Haut
  • Brennen nach der Händedesinfektion
  • Juckreiz
  • Bläschen

Solche Symptome können erste Zeichen eines Abnutzungsekzems sein und sollten betriebs- oder hautärztlich untersucht werden. Werden Hautekzeme frühzeitig erkannt und behandelt, heilen die Hautschäden in der Regel schnell ab. Andernfalls riskiert man eine chronische Hauterkrankung mit schwerwiegenderen Symptomen.

Schutzmaßnahmen ergreifen

Bereits einfache Schutzmaßnahmen helfen, Hautbeschwerden zu verringern oder zu vermeiden. Dabei gilt die TOP-Regel: technische vor organisatorischen vor personenbezogenen Maßnahmen. Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen müssen beispielsweise allergenarme Produkte und Dosierhilfen bereitstellen (technisch), einen Hautschutz- und Hygieneplan erstellen und Feuchtarbeiten auf mehrere Beschäftigte verteilen (organisatorisch). Personenbezogene Schutzmaßnahmen können Beschäftigte selbst umsetzen, wenn sie entsprechend unterwiesen wurden.

Geeignete Handschuhe schützen die Haut vor Feuchtigkeit wie vor sensibilisierenden und schädigenden Stoffen und verhindern das Verbreiten von Krankheitserregern. Unter dem luft- und flüssigkeitsdichten Material der Handschuhe können sich jedoch Feuchtigkeit und Wärme stauen, die die Hornschicht der Haut aufquellen lassen. Dies schädigt aber deutlich weniger als das ungeschützte Hantieren mit Wasser.

Regeln beim Tragen von Handschuhen:

  • Handschuhe nur über saubere und trockene Hände ziehen
  • Hautschutzcremes erst vollständig einziehen lassen
  • Handschuhe nur so oft und lange wie nötig tragen
  • bei längerem Tragen nahtfreie Baumwollhandschuhe unterziehen, die den Schweiß aufsaugen
  • Handschuhe wechseln, wenn sie innen feucht sind

Hautschutzmittel unterstützen die Barrierefunktion der Haut und sollten vor der Arbeit und regelmäßig zwischendurch aufgetragen werden. Dabei sind möglichst Produkte ohne Duft- und bedenkliche Konservierungsstoffe zu verwenden. Am Arbeitsplatz sind die Hautmittel vom Betrieb zur Verfügung zu stellen.

Cremen, cremen, cremen!

  • Hautschutzcreme vor Arbeitsbeginn und regelmäßig während der Arbeitszeit
  • Hautpflegecreme nach Arbeitsende und in der Freizeit

Im Berufsalltag Händedesinfektion bevorzugen

Sorgfältige Händehygiene ist in Pflegeberufen unverzichtbar. Dort gilt in der Regel, die Hände dann zu waschen – und sorgfältig abzutrocknen –, wenn sie sichtbar verschmutzt sind. Krankheitserreger lassen sich durch eine Händedesinfektion effektiver und hautschonender beseitigen.

Bei geschädigter Haut kann der im Desinfektionsmittel enthaltene Alkohol in tiefere Hautschichten gelangen und einen brennenden Schmerz verursachen. Dann auf häufigeres Händewaschen umzusteigen, wäre für Haut wie Hygiene fatal. Stattdessen braucht die Haut eine intensivierte Pflege und gegebenenfalls eine Heilbehandlung. Außerdem gilt es, die Ursachen zu beheben – meist Mängel beim Schutz oder bei der Pflege der Haut. Viele Betroffene denken, es handle sich um eine Allergie, doch Allergien auf Händedesinfektionsmittel kommen nur sehr selten vor. Wenn doch, sind sie in der Regel auf verzichtbare Zusatzstoffe zurückzuführen.

Die Haut pflegen

Feuchtarbeit geht nie ganz spurlos an den Händen vorbei. Um dauerhafte Schädigungen zu verhindern, braucht die Haut konsequente Pflege. Nach Arbeitsende und in der Freizeit unterstützt eine rückfettende Creme die Regeneration. Auch hier beugt der Verzicht auf Duft- und bedenkliche Konservierungsstoffe Allergien vor.

Hilfe von der Berufsgenossenschaft

Anlaufstelle bei berufsbedingten Hautreizungen ist neben Betriebsärztin oder Betriebsarzt sowie der hautärztlichen Praxis auch die BGW. Sie unterstützt Versicherte mit einem Präventionsprogramm, das Behandlung und Vorbeugung effektiv miteinander verbindet. Für Beschäftigte in Pflegeberufen, die erste Beschwerden an den Händen feststellen, gibt es Hautsprechstunden und Seminarangebote in den Schulungs- und Beratungszentren (schu.ber.z) der BGW.

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Autor(en): Mareike Berger

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