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Personenlifter im Test - Hilfe bei der Kaufentscheidung

BGW magazin, Ausgabe 4/2019

Mit mobilen Personenliftern lassen sich Menschen mit eingeschränkter Mobilität einfacher bewegen. Das entlastet den Rücken der Beschäftigten in Kliniken und Pflege. Das Personal akzeptiert am schnellsten leicht nutzbare und sichere Lifter. Doch welche Geräte sind besonders gebrauchstauglich?

Ein Prüfinstitut hat im Auftrag der BGW einen vergleichenden Test von zwölf rollbaren Personenliftern durchgeführt. Das Ziel: Gesundheitseinrichtungen detaillierte und praxisnahe Informationen über gängige Angebote zu geben und die Anschaffung besonders gebrauchstauglicher Geräte zu fördern.

Heben ohne Kraftaufwand

Personenlifter im Test - Hilfe bei der Kaufentscheidung

Einige der getesteten Geräte stehen für den Praxistest bereit.
(Foto: BGW)

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Die per Akku betriebenen Geräte bestehen aus einer Hebevorrichtung und einer Aufnahmehilfe, in der eine Person sitzen oder liegen kann. In jedem Fall ist die richtige Auswahl unter den Liftertüchern zu treffen, die von der Herstellungsfirma angeboten werden. 

Im Test liegen die Höchstlasten beim Aufnehmen zwischen 150 und 227 Kilogramm. Das Schieben des beladenen Lifters erfolgte im BGW-Praxistest mit einer 120 Kilogramm schweren Puppe. Sie ist allerdings weniger geschmeidig als ein Mensch und "lernunwillig". Außerdem entfällt beim Test-Szenario die wichtige Interaktion zwischen der Pflegekraft, die den Lifter bedient, und dem zu bewegenden Menschen.

Unterschiede im Testergebnis zeigten sich beim Befestigen der Tücher am Transportbügel des Personenlifters. Das Einhängen in die Sicherheitsösen erfordert bei allen Produkten große Sorgfalt und war zum Teil knifflig.

Die drei Testfälle hatten die Teilnehmenden mit dem Liko AB Golvo 9000 nach knapp 20 Minuten bewältigt, mit dem Meyra Sito brauchten sie mit fast 29 Minuten am längsten. Beim Ziehen und Schieben schnitten alle Personenlifter hervorragend ab.

Akzeptanz variiert, doch alle Geräte sind tauglich

Die Testpersonen erhielten nach dem Praxistest einen Katalog mit 16 Feststellungen, zu denen sie sich anhand einer 5-Punkte-Skala zur Akzeptanz des Lifters äußern sollten. Die Note "sehr gut" gaben sie den Liftern Guldmann GL5 und Invacare Birdie EVO. Weniger begeistert sprachen sie sich für Arjo Huntleigh Maxi Twin, Drive Medical Samsoft 175 und Horcher Lexa Comfort aus. Mit einem "mangelhaft" in der Akzeptanz ging Horcher Diana Standard durchs Ziel. Die übrigen erreichten schwache "gute" beziehungsweise "befriedigende" Akzeptanzurteile.

Personenlifter im Test - Hilfe bei der Kaufentscheidung

Alles im Blick: Das Geschehen im simulierten Pflegezimmer war vom Beobachtungsraum aus gut zu sehen – auch aus mehreren Kameraperspektiven.
(Foto: BGW)

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Das Gesamturteil reicht vom "sehr gut" für Guldmann GL5 und Invacare Birdie EVO bis zu einem "befriedigend" für Drive Medical Samsoft 175, Horcher Lexa Comfort und Horcher Diana Standard. Alle Personenlifter erwiesen sich im BGW-Test als tauglich für den Praxisalltag.

Sechs kosten nach den unverbindlichen Preisempfehlungen der Herstellungsfirmen unter 2.000 Euro, vier mehr als 4.000 Euro. Guldmann GL5 mit dem besten Gesamturteil wird für 2.490 Euro angeboten. Der zweite "sehr gute" Lifter, Invacare Birdie EVO, ist bereits für 1.650 Euro erhältlich.

Neben dem "sehr guten" Guldmann zeigen der "gute" AKS Foldy und der "befriedigende" Drive Medical Samsoft 175 keinerlei Schwachstellen in der Sicherheitstechnik.

Die übrigen weisen kleinere Auffälligkeiten auf, die aber in keinem Fall die Gerätesicherheit und das Gesamturteil negativ beeinflussen und das Umsetzen des Patienten oder der Patientin gefährden könnten.

Gute Wahl für gesunde Beschäftigte

Es gibt damit keinen Grund, auf mobile Personenlifter zu verzichten – im Gegenteil: Ihr konsequenter Einsatz ist ein wesentlicher Baustein dafür, dass Pflegekräfte sicher und gesund arbeiten können. Klar ist aber auch: Die in der jeweiligen Bedienungsanleitung beschriebenen Arbeitsabläufe und Gefahrenhinweise sind unbedingt zu beachten. Unverzichtbar ist deshalb eine ausreichende Einweisung (nach Medizinproduktebetreiberverordnung).

Wer darüber hinaus die Testergebnisse gezielt nutzt, um besonders gebrauchstaugliche Geräte zu identifizieren, kann Fehlkäufe vermeiden.

Was beim Auswahlprozess zu beachten ist

  • Einsatzgebiet des mobilen Lifters und der Liftertücher klären
  • Mitarbeitende einbinden
  • Wenn möglich: Testgeräte ausleihen
  • Auch andere Liftersysteme, zum Beispiel Deckenschienensysteme, in die Prüfung einbeziehen
  • Angaben der Herstellungsfirmen mit Gegebenheiten vor Ort abgleichen
  • Befestigungs- und Bedienelemente im Detail prüfen
  • Alle Arbeitsabläufe durchspielen – bis hin zu Warnsignalen, Notabsenkung oder Ladevorgängen
  • Geräte auf scharfe Ränder oder hervorstehende Elemente überprüfen
  • Einweisungs- und Serviceangebote der anbietenden Unternehmen bei der Ermittlung des Preis-Leistungs-Verhältnisses berücksichtigen
  • Pflegekräfte an der Auswahl der Personenlifter beteiligen und offen kommunizieren, zum Beispiel Testergebnisse publik machen

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Autor(en): Lothar Beckmann, Jan Gruber

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