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Konzertierte Aktion Pflege: BGW setzt sich für sicheres und gesundes Arbeiten ein

BGW magazin, Ausgabe 4/2019

Den Berufsalltag und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften verbessern – das hat sich die Konzertierte Aktion Pflege (KAP) vorgenommen. Jetzt geht es an die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen. Auch die BGW ist mit im Boot – mit Initiativen für gesundes und sicheres Arbeiten. In diesem Zusammenhang stellte sie ein neues Qualifizierungsangebot für Praxisanleitungen vor.

Die Bundesregierung hat viele Kräfte in der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) gebündelt, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Mehr Ausbildung, mehr Personal, mehr Geld – mit diesem Versprechen wurden die Ergebnisse der KAP im Sommer 2019 vorgelegt. Zu den fünfzig beteiligten Akteurinnen und Akteuren der Pflege gehörte auch die BGW. Sie sensibilisierte als Vertreterin der Berufsgenossenschaften in verschiedenen Arbeitsgruppen erfolgreich für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

Ausbildungsoffensive Pflege

Konzertierte Aktion Pflege

Mehr Ausbildung, mehr Personal, mehr Geld - so soll Pflege wieder attraktiv werden.
(Foto: iStock/Tempura)

Schon 2017 wurde das Pflegeberufegesetz beschlossen. Die "Ausbildungsoffensive Pflege" der KAP hat nun weitere konkrete Maßnahmen entwickelt, die die Aus- und Weiterbildung der Pflegekräfte stärken sollen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Praxisanleiterinnen und -anleiter, die Auszubildende im Betrieb an ihre beruflichen Aufgaben heranführen. Deshalb wurde zum einen die Zahl der erforderlichen Weiterbildungsstunden von Praxisanleitungen deutlich erhöht. Zum anderen müssen sie zukünftig 24 Stunden im Jahr für Qualifizierungen freigestellt werden.

Neues BGW-Seminar für Praxisanleitungen

Praxisanleitungen sind das Bindeglied zwischen Berufsschule und Praxislernort. Sie zeigen Auszubildenden auch, was sicheres und gesundes Arbeiten im Berufsalltag bedeutet und wie es konsequent umgesetzt wird. Für diese Aufgabe sollten sie gut vorbereitet sein.

Das neue BGW-Seminar "Qualifizierung für Praxisanleitungen" vermittelt, wie Sicherheit und Gesundheit systematisch in Anleitungs- und Ausbildungssituationen integriert werden können. Das dreitägige Seminar, das ab 2020 angeboten wird, richtet sich an alle Beschäftigten, die eine Weiterbildung zur Praxisanleitung durchlaufen haben und Auszubildende anleiten. Es bietet außerdem Raum für den Erfahrungsaustausch und hilft, die Anleitungseinheiten konkret zu planen.

Eine Befragung im Rahmen der Offensive Gesund ­Pflegen, der auch die BGW angehört, hatte schon vor Längerem deutlich gemacht, dass in der Weiterbildung von Praxisanleitungen noch Defizite bestehen. Das anschließende Forschungsprojekt "DemoPrax Pflege" (2014–2016) ermittelte, zu welchen Themen die Praxisanleitungen und Auszubildenden Handlungs- und Wissenslücken haben. Daraufhin entwickelte und erprobte die BGW in Kooperation mit dem Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) ein Se­minarangebot. Das Ergebnis fließt jetzt in das BGW-Seminarprogramm ein.

Konzertierte Aktion Pflege: Ergebnisse im Überblick

Um Pflegefachkräfte zu entlasten, wurde beschlossen:

  • verbindlichere Regeln für die Besetzung von Pflegeheimen und Krankenhäusern mit Pflegekräften einzuführen
  • die Gewinnung von Pflegefachkräften aus dem Ausland zu erleichtern
  • die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften zu verbessern

Um finanzielle Anreize für Pflegefachkräfte zu schaffen, wurde beschlossen:

  • die Entlohnungsbedingungen in der Altenpflege zu verbessern
  • nach Qualifikation differenzierte Mindestlöhne zu entwickeln
  • die Ost-West-Differenzierung beim Pflegemindestlohn aufzugeben

Um die neuen Pflegeausbildungen zu stärken, wurde beschlossen:

  • die Zahlen der Auszubildenden und der ausbildenden Einrichtungen bis 2023 im Bundesdurchschnitt um jeweils 10 Prozent zu steigern
  • mit einer Informations- und Öffentlichkeitskampagne für die neuen Pflegeausbildungen zu werben
  • mindestens 5.000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung von Pflegehelferinnen und Pflegehelfern einzurichten
  • die Pflegeschulen für die neuen Herausforderungen der Digitalisierung fit zu machen

Um den Pflegefachkräften mehr Entscheidungsbefugnisse zu geben, wurde beschlossen:

  • den Verantwortungsbereich von Pflegekräften auszuweiten
  • die bestehenden Möglichkeiten, Heilkunde auf Pflegefachkräfte zu übertragen, besser zu ­nutzen und bestehende Hürden abzubauen

Um die Arbeit von Pflegefachkräften zu erleichtern, wurde beschlossen:

  • die Kommunikation zwischen der Pflege und anderen Gesundheitsberufen mittelfristig ­komplett auf elektronische Datenverarbeitung umzustellen (elektronische Pflegeakte, ­Entlassungsmanagement, Verordnungen)
  • vermehrt technische Systeme zu Kontroll-, Routine- und logistischen Tätigkeiten als Unterstützung einzusetzen
  • Pflegekräfte bei der Einführung digitaler Techniken von Beginn an einzubinden

Arbeitsschutz braucht Zeit

Konzertierte Aktion Pflege

Mehr Personal - das bedeutet auch die Integration von Pflegekräften aus dem Ausland.
(Foto: stock.adobe.com/Photographee.eu)

Die Konzertierte Aktion Pflege geht noch weitere Handlungsfelder an, um Pflege attraktiver zu machen. Ziel ist unter anderem eine bessere Personalausstattung. Die Universität Bremen wurde beauftragt, ein Personalbemessungsverfahren für Pflegeeinrichtungen umzusetzen. Die BGW berät dahingehend, wie die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen angemessen in den Bemessungsalgorithmus integriert werden können.

"Die Rolle als Beraterin sehen wir als Durchbruch", sagt die Leiterin der BGW-Präventionsdienste Jutta Lamers, die selbst in einer Arbeitsgruppe der KAP mitwirkte. "Arbeitsschutz braucht auch Zeit. Daher ist es von großer Bedeutung, wenn dies auch in einem Personalbemessungsverfahren verankert wird."

Integration erfolgreich gestalten

Wie gelingt die Integration von Pflegekräften aus dem Ausland? Eine Frage, mit der sich die KAP ebenfalls beschäftigt hat – und die auch Mitgliedsbetriebe der BGW bewegt. Die BGW wird sich mit eigenen Angeboten an der Unterstützung von Führungskräften und Pflegeteams beteiligen. Geplant ist beispielsweise, ein Trainingsmodul zur interkulturellen Kompetenz zu entwickeln.

Daneben wird geprüft, ob eine Zertifizierung als "integrationsfreundlicher Betrieb" angeboten werden kann. Das Thema wird zudem auf zahlreichen Veranstaltungen aufgegriffen – zum Beispiel in der Reihe "BGW forum". Klar ist: Mangelnde Integration sorgt für Belastungen – bei allen Beschäftigten. Wird dagegen die gute Zusammenarbeit gezielt gefördert, stärkt dies insgesamt die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz und trägt zu einer guten Pflege bei.

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Autor(en): Tanja Rieckmann

Sicher und gesund in der Pflege - zwei Veranstaltungen im nächsten Jahr:

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