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Arbeitsschutz im Kleinbetrieb

BGW magazin, Ausgabe 4/2019

Gerade Kleinbetriebe tun sich oft schwer mit der Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung. BGW-Experte Christian Reinke berät seit Jahren zur Arbeitsschutzbetreuung – seine Antworten auf häufige Fragen.

Wie fängt man am besten mit der Gefährdungsbeurteilung an?
Christian Reinke: "Der erste Schritt ist immer, den betrieblichen Alltag unter die Lupe zu nehmen. Wo könnten Risiken für die Gesundheit der Beschäftigten bestehen? Viele Unternehmerinnen und Unternehmer übersehen, dass sie das nötige Wissen dafür längst vor Ort haben: durch ihre eigenen Mitarbeitenden. Die wichtigsten Handlungsfelder tauchen bei Gesprächen mit den Beteiligten sowieso auf. Wo sehen sie Probleme, wo fühlen sie sich belastet, wo haben sie Verbesserungsvorschläge? Gemeinsam lassen sich geeignete Maßnahmen finden und umsetzen."

Was kann ich als Unternehmerin oder Unternehmer im Kleinbetrieb selbst machen?
"Vor allem loslegen. Vieles lässt sich Schritt für Schritt erarbeiten, zum Beispiel mit den kostenlosen Handlungshilfen der BGW wie der Online-Gefährdungsbeurteilung, die es bereits für viele Branchen gibt. Bei Detailfragen oder bei der Auswahl besonderer Schutzmaßnahmen stößt man vielleicht an seine Grenzen.

Dann kommt es darauf an, wie tief man selbst einsteigen möchte. Entweder es wird weitergehende Unterstützung eingekauft – grundsätzlich ist die Betreuung durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und einen Betriebsarzt beziehungsweise eine Betriebsärztin sowieso gesetzlich vorgeschrieben. Wer vor allem auf die Hilfe dieser Profis setzt, bleibt bei der sogenannten Regelbetreuung (bis 10 Beschäftigte oder für mehr als 10 Beschäftigte).

Oder man eignet sich selbst Hintergrundwissen an. Dazu sind Schulungen nötig und die Bereitschaft, selbst im Betrieb tätig zu werden. Rückhalt bieten auch hier die Profis. Dieses Modell nennt sich alternative bedarfsorientierte Betreuung und steht Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten in bestimmten Branchen und Regionen offen. Für eine der Betreuungsformen – Regelbetreuung oder Alternativbetreuung – muss sich jeder Kleinbetrieb entscheiden."

Was sind die jeweiligen Vorteile dieser Betreuungsformen?
"Die Regelbetreuung setzt auf die Unterstützung von außen. Der Vorteil: Man ist fachlich abgesichert und der Blick von außen ist oft ein anderer. Das hilft, Schwachstellen zu erkennen oder innovative Lösungswege zu finden. Die alternative bedarfsorientierte Betreuung, bei der man selbst mehr Verantwortung übernimmt, ist gut geeignet für engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer. Sie können eigene Lösungen gestalten und haben trotzdem jederzeit Zugriff auf externe Hilfe."

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Autor(en): Interview: Anja Hanssen

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