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Reinigungsdienst im Krankenhaus: Gut geschützt

BGW mitteilungen, Ausgabe 2/2019

In Krankenhäusern wird viel dafür getan, dass Menschen gesund werden – und bleiben. Doch mit den Menschen kommen Infektionserreger ins Haus. Grund genug, die Rolle der Reinigungskräfte an der Schnittstelle zwischen Hygiene und Arbeitssicherheit zu beleuchten.

Das Ansehen von Reinigungskräften wird ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit oft nicht gerecht. Wer ihre Aufgaben aus Managementsicht genauer betrachtet, stellt fest: Sie müssen nicht nur andere schützen, sondern auch sich selbst. Verfügen sie über das nötige Wissen, um Gefährdungen zu vermeiden? Handeln sie entsprechend?

Fragen wie diese interessieren Prof. Dr. Monika Eigenstetter vom Institut für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsförderung und Ethik (A.U.G.E.) der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Auch wenn das Thema noch nicht ausreichend erforscht ist, hat sie erste Antworten. Nach einer Online-Befragung von 212 Reinigungskräften aus 25 Krankenhäusern sagt Eigenstetter: "Auffällig oft gibt es Wissenslücken oder zumindest Verständnisprobleme."

Krankenhausinfektionen verhindern

In einem so sensiblen Bereich wie der Krankenhaushygiene kann das unter Umständen dramatische Folgen haben. Jedes Jahr ziehen sich 400.000 bis 600.000 Personen nosokomiale Infektionen zu – also solche, die direkt mit dem Krankenhausaufenthalt in Verbindung stehen. Dabei kommt es zu rund 10.000 bis 15.000 Todesfällen. Auch wenn diese Zahlen (hier nach Robert-Koch-Institut) nur als Anhaltspunkte gelten können: Ein bedeutender Anteil der Infektionen dürfte vermeidbar sein – bis zu 30 Prozent, schätzen manche Quellen. Meist steht in diesem Zusammenhang das medizinische und pflegerische Personal im Fokus, doch genauso wichtig ist die Beachtung der Hygieneanforderungen durch den Reinigungsdienst.

Wie groß die Herausforderung ist, zeigt die Erfahrung von Prof. Dr. Monika Eigenstetter bei der von ihr geleiteten Studie: "Wir wussten vorher, dass Reinigungskräfte oft angelernte Mitarbeitende ohne formale Ausbildung in der Gebäudereinigung sind. Viele sind teilzeitbeschäftigt und haben einen Migrationshintergrund. Doch auch ein einfacher Online-Fragebogen mit vielen Bildern, Tonunterstützung und fremdsprachlichen Versionen hat einige Befragte überfordert. Und das wohl nicht nur aufgrund der ungewohnten Situation." Weniger als die Hälfte der Befragten konnten die Wirkung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln richtig beschreiben. Nur etwa die Hälfte ordnete Gefahrensymbole richtig zu. Und rund ein Viertel beantwortete die Wissensfragen gar nicht, was auf Wissensdefizite oder zumindest Unsicherheit hinweist.

Eigen- und Fremdschutz nicht optimal

Prof. Dr. Monika Eigenstetter

Prof. Dr. Monika Eigenstetter, Institut für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsförderung und Ethik (A.U.G.E), Hochschule Niederrhein
(Foto: Hochschule Niederrhein)

Die Auswirkungen betreffen zum einen die Beschäftigten selbst. Zum Beispiel im Hinblick auf den Hautschutz: So werden vielfach anstelle von chemikalienbeständigen Schutzhandschuhen mit langem Schaft Handschuhe genutzt, die für Reinigungs- und Desinfektionszwecke nicht geeignet sind. "Bei Beobachtungen stellten wir fest, dass Reinigungskräfte einfach zu den Untersuchungshandschuhen griffen, die auf der Station auslagen", berichtet Eigenstetter.

Zugleich gab rund ein Drittel der Befragten an, dass sie keine Aufforderungen ihrer Vorgesetzten erhalten hätten, die richtigen Handschuhe zu tragen. Hautmittel wurden zwar meist gestellt, selten aber durchgängig genutzt. Solche und ähnliche Ergebnisse der Studie zeigen, dass beim Thema Hautschutz und Hautpflege der Beschäftigten Handlungsbedarf besteht. Immerhin 15 Prozent der Befragten berichteten von Hautproblemen.

Zum anderen zeichneten sich kritische Punkte ab, die nicht nur den Eigenschutz des Personals, sondern auch die allgemeine Hygiene im Krankenhaus betreffen: Zum Beispiel wurde die empfohlene Reihenfolge der Reinigung oft nicht eingehalten. Längst nicht alle Personen führten regelmäßige und regelgerechte Händedesinfektionen durch oder wussten sicher mit Verunreinigungen durch Urin oder Blut umzugehen. Auch beim Reinigen von Isolierzimmern gab es Auffälligkeiten.

In der Studie des A.U.G.E.-Instituts ließen sich dabei kaum Unterschiede zwischen klinikeigenen Servicegesellschaften und externen Firmen feststellen. Auch persönliche Faktoren der Reinigungskräfte spielten keine oder, wie das Sprachverständnis, nur eine punktuelle Rolle.

Was also führt dazu, dass Standards für Hygiene und Arbeitssicherheit nicht eingehalten werden? An welchen Stellschrauben können die Krankenhäuser beziehungsweise deren Reinigungsdienste drehen?

Bessere Qualifikation nötig

Prof. Dr. Monika Eigenstetter verweist auf das Schweizer-Käse-Modell nach Reason, manchmal auch Multibarrierenmodell genannt: Barrieren gegen Hygieneprobleme sind zum Beispiel richtige Reinigungsabfolgen oder gutes Equipment. Barrieren haben immer mehr oder weniger große Löcher, wie ein Schweizer Käse. Überlappen sich Löcher so, dass alle Barrieren gleichzeitig durchbrochen werden, entsteht aus einer Gefährdung ein Schaden, also ein Unfall oder eine Erkrankung.

Bezogen auf den Reinigungsdienst sagt Eigenstetter: "Große Löcher sehe ich bei der Qualifizierung der Reinigungskräfte." Tatsächlich wurden nach Aussagen der befragten Reinigungskräfte oft die richtigen Schutzhandschuhe ausgegeben. Genutzt aber wurden sie nicht. Ähnlich sah es bei den Reinigungsabläufen aus: Praxisbeobachtungen zeigten weniger korrekte Abläufe, als nach der Befragung zu erwarten waren.

"Je besser Reinigungskräfte die Zusammenhänge verstehen, desto eher werden sie ihr eigenes Handeln danach ausrichten", glaubt Eigenstetter. Ihr Rat für Krankenhäuser: mehr Wert auf Ausbildung und Qualifizierung legen. "Am besten wäre zukünftig eine standardisierte Ausbildung. Reinigung im Krankenhaus ist keine triviale Aufgabe, sondern erfordert fachliches Können und Sorgfalt. Aber auch so können die Einrichtungen einiges tun, angefangen bei der Auftragsvergabe oder der Personalauswahl."

Feedback zahlt sich aus

Regelmäßige Schulungen und Unterweisungen seien unverzichtbar, reichten aber nicht. So müsse auch immer wieder vor Ort überprüft werden, wie die Reinigungskräfte arbeiten. Prof. Dr. Monika Eigenstetter betont: "Mängel müssen zurückgemeldet werden, damit sich etwas ändert. Es zahlt sich aus, wenn beim Reinigungsdienst Wert auf Führung und Feedback gelegt wird." Der Aufwand ist gut investiert – in die Gesundheit der Reinigungskräfte und in die Verhinderung von Krankenhausinfektionen.

Lesen Sie mehr zum Thema: "Hautschutz und Händehygiene im Reinigungsdienst"

Autor(en): Anja Hanssen

Ein Artikel zur Studie, die von der BGW gefördert wurde, ist in der Zeitschrift "ASU – Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin" erschienen:

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02.05.2019

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