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Neuer Gefahrtarif

BGW mitteilungen, Ausgabe 4/2018

Alle sechs Jahre geben die Berufsgenossenschaften ihren Beitragssystemen eine neue Berechnungsgrundlage – den Gefahrtarif. So schreibt es das Sozialgesetzbuch vor. Der neue Tarif der BGW gilt ab 1. Januar 2019 und wird erstmals im Frühjahr 2020 bei der Berechnung der Beiträge angewandt.

Jetzt haben Unternehmen ihren Veranlagungsbescheid erhalten, das heißt Informationen über ihre zukünftig geltende Gefahrklasse.

In der gesetzlichen Unfallversicherung gibt es keinen einheitlichen Beitrag. Und das hat einen Grund: Die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Branchen sind sehr unterschiedlich. Bei der BGW sind rund 640.000 Unternehmen mit über 8,4 Millionen Beschäftigten versichert – sie arbeiten in Kliniken, Altenheimen und Friseursalons genauso wie in therapeutischen Praxen, Apotheken oder in der Fußpflege. Die Einstufung in Gefahrklassen spiegelt das spezifische Risiko eines Tätigkeitsfelds wider, einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zu erleiden: Je höher das Risiko, desto höher die Gefahrklasse.

Was ist ein Gefahrtarif?

Die BGW erwirtschaftet keine Gewinne. Die Gesamtkosten, die der BGW für ihre Leistungen, also für Prävention, Rehabilitation und Renten, entstehen, werden auf die versicherten Unternehmen umgelegt. Um die Ausgaben so gerecht wie möglich zu verteilen, analysiert die BGW die Kosten der gemeldeten Unfälle und Berufskrankheiten.

Zunächst werden in einem Gefahrtarif aus den Mitgliedsunternehmen "Gefahrengemeinschaften" gebildet – die Gefahrtarifstellen. Sie fassen Gewerbezweige mit ähnlichem Unfall- und Erkrankungsrisiko zusammen. Für jede Gefahrtarifstelle stellt die BGW ihre Leistungsausgaben den Entgelten der Versicherten gegenüber und ermittelt so die Gefahrklasse. Sie ist später ein Faktor in der Beitragsberechnung.

Beitragsformel

Der Beitrag errechnet sich als Produkt der Entgelte der Beschäftigten (bzw. der Versicherungssumme), der Gefahrklasse und des Beitragsfußes, geteilt durch 1.000.

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Gut zu wissen: Eine Erhöhung der Gefahrklasse bedeutet nicht unmittelbar, dass die Beitragslast steigt. Erst in Verbindung mit dem jährlich neu berechneten Beitragsfuß der BGW ergibt sich die individuelle Beitragslast.

Warum ändern sich Gefahrklassen?

Da sich die Arbeitswelt weiterentwickelt und sich damit neben den Beschäftigtenzahlen und dem Lohnniveau auch die Sicherheit bei der Arbeit ändert, werden die Gefahrklassen alle sechs Jahre von der BGW neu berechnet. Der neue, fünfte Gefahrtarif der BGW wird nun vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2024 gelten (hier zum Download als PDF: Übersicht 5. Gefahrtarif).

Bei fast allen Gefahrtarifstellen haben sich geringfügige Anpassungen in den Gefahrklassen ergeben – das spiegelt die Entwicklung der jeweiligen Gewerbezweige und der dortigen Belastungen wider. Geringere Gefahrklassen werden sich vor allem im Bereich der ärztlichen Praxen, des Friseurhandwerks, der Verwaltung sowie der beruflichen Bildung bemerkbar machen. Von Steigerungen betroffen sind Tageseinrichtungen für Kinder, Heime und Wohneinrichtungen sowie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

Eine auffällige Änderung betrifft die bisherigen Gefahrtarifstellen 6, 7 und 8: Sie wurden jetzt in zwei Gefahrtarifstellen (6 und 7) zusammengefasst. Solche Umstrukturierungen können sich durch den Wandel in einzelnen Gewerbezweigen ergeben: Sinkt zum Beispiel die Zahl der Betriebe und Versicherten, kann womöglich die Belastungsziffer als Indikator der Unfallgefahr nicht mehr verlässlich berechnet werden. Denn je kleiner die betrachtete Gruppe ist, desto mehr spielen Zufallsfaktoren eine Rolle. Für einen tragfähigen Gefahrtarif ist es außerdem wichtig, dass die in einer Gefahrtarifstelle zusammengefassten Gewerbezweige ausreichend homogen sind.

Vor diesem Hintergrund hat die BGW im fünften Gefahrtarif Praxen der Physiotherapie, Kosmetikbetriebe, Solarien und Tätowierstudios sowie Unternehmen aus dem Bereich Massage und medizinische Bäder neu in der Tarifstelle 7 zusammengeführt. Durch die Umstrukturierung gilt für die Bereiche Physiotherapie, Kosmetik, Solarien und Tätowierstudios nunmehr eine höhere Gefahrklasse; für Massagebetriebe ist dagegen eine deutlich niedrigere Gefahrklasse zu verzeichnen. Auch die in der Gefahrtarifstelle 6 verbliebenen Einrichtungen – zum Beispiel Hebammen und Entbindungspfleger, Logopädiepraxen oder Frühförderzentren – kommen auf eine deutlich niedrigere Gefahrklasse.

Tipp: Ausführliche Informationen zum Gefahrtarif und zum Veranlagungsbescheid bieten unsere FAQ.

Wo erfahren Sie mehr über Ihre Gefahrklasse?

Die konkret für das jeweilige Unternehmen geltende Gefahrklasse wird in einem Veranlagungsbescheid bekannt gegeben. Der Versand hat Ende Oktober 2018 stattgefunden – die entsprechenden Schreiben sollten inzwischen in den Unternehmen eingetroffen sein.

Die Beitragserhebung erfolgt bei den Berufsgenossenschaften im Wege einer nachträglichen Bedarfsdeckung. Daher wirkt sich die neue Gefahrklasse erst im Frühjahr 2020 aus, wenn die Bescheide für das Beitragsjahr 2019 verschickt werden. Den im Frühjahr 2019 ergehenden Beitragsbescheiden für 2018 liegt dagegen noch der alte Gefahrtarif zugrunde. Die neuen Gefahrklassen werden aber bereits bei der Vorschusserhebung für die freiwilligen Versicherungen (Vorschussbescheide 2019) berücksichtigt.

Achtung: Durch den neuen Gefahrtarif ändern sich gegebenenfalls auch die Meldedaten zur Sozialversicherung – dort ist die jeweilige Gefahrtarifstelle hinterlegt. In der Regel müssen die Unternehmen selbst keine weiteren Maßnahmen ergreifen: Beim digitalen Lohnnachweis erfolgt eine Aktualisierung der Datenbasis über den jährlichen Stammdatenabruf. Dabei werden die aktuellen BGW-Daten in die Entgeltabrechnungsprogramme übertragen.

Unternehmen sollten aber dennoch überprüfen, ob es in ihrem Fall Änderungen im Gefahrtarif gab, und gegebenenfalls ihre Abrechnungsstelle oder Steuerberatung informieren. So ist sichergestellt, dass die korrekten Daten hinterlegt sind. Das gilt auch im Hinblick auf die UV-Jahresmeldung, die unabhängig vom digitalen Lohnnachweis an die Einzugsstellen für den Gesamtversicherungsbeitrag (DEÜV-Verfahren) geht.

Beispielrechnung: Wie wirkt sich die Gefahrklasse aus?

Im Folgenden finden Sie eine Musterberechnung auf Basis der Beiträge für das Jahr 2017 (BGW-Beitragsfuß für nicht gemeinnützige Unternehmen: 2,09), umgerechnet auf 1.000 Euro Entgelt der Versicherten:

Praxis der Physiotherapie

Friseursalon

(Gefahrtarifstelle alt: 6, neu: 7)(Gefahrtarifstelle alt/neu: 9)
Nach altem Gefahrtarif:
1.000 Euro x 3,74 x 2,09 : 1.000 = 7,82 Euro
Nach altem Gefahrtarif:
1.000 Euro x 4,29 x 2,09 : 1.000 = 8,97 Euro
Nach neuem Gefahrtarif:
1.000 Euro x 4,38 x 2,09 : 1.000 = 9,15 Euro
Nach neuem Gefahrtarif:
1.000 Euro x 3,80 x 2,09 : 1.000 = 7,94 Euro

Autor(en): Andreas Dietzel

Mehr wissen: Fragen und Antworten zum Gefahrtarif und zum Veranlagungsbescheid

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01.11.2018

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