Navigation und Service

Gesundes Berufsleben auf Rezept

BGW mitteilungen, Ausgabe 3/2018

Der Alltag in Apotheken ist mehr denn je vom Wettbewerb geprägt – und die Beschäftigten leisten ihren Beitrag, damit die Betriebe gut laufen. Der Gesundheitsschutz ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wie sich die Branche verändert und worauf Verantwortliche jetzt besonders achten sollten.

Apothekerinnen und Apotheker mussten in den vergangenen Jahren mehrere bittere Pillen schlucken. Der Fachkräftemangel und das Erstarken des Versandhandels machen sich bemerkbar. Immerhin: Nach dem Motto "erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier" dürfen Inhaberinnen und Inhaber außer ihrer Hauptapotheke bis zu drei Filialapotheken betreiben. Das bietet beispielsweise Vorteile beim Einkauf.

BGW-Expertin Karin Gruber

BGW-Expertin Karin Gruber
(Foto: BGW/Jan Haeselich)

"Es ist verständlich, dass sich die Unternehmerinnen und Unternehmer auf das Wirtschaftliche fokussieren", sagt Karin Gruber, die den Wandel der Apothekenlandschaft als Präventionsexpertin der BGW begleitet. "Die Apothekenleitung sollte dabei aber den Aufwand nicht scheuen, den Gesundheitsschutz einzubeziehen. Denn gesunde, zufriedene Teammitglieder fallen seltener aus, sind motivierter und eher bereit, sich für ihren Betrieb einzusetzen." Die Beraterin weiß, wovon sie spricht: Karin Gruber ist selbst approbierte Apothekerin.

Wandel bringt neue Themen im Gesundheitsschutz

In einer Apotheke zu arbeiten ist relativ sicher: Die BGW-Statistik weist für diesen Berufszweig im Verhältnis zur Beschäftigtenzahl weniger Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten aus als für viele andere bei der BGW versicherte Branchen.

Sich darauf auszuruhen, wäre jedoch zu kurz gedacht. Denn zum einen ist jeder Unfall einer zu viel. Zum anderen wandelt sich die Arbeit. Damit ändern sich die Risiken und die Themen, die im Gesundheitsschutz eine besondere Rolle spielen.

BGW-Daten zu Apotheken

  • BESCHÄFTIGTE: Rund 262.000 Beschäftigte aus dem Bereich Pharmazie sind bei der BGW gegen Berufskrankheiten, Arbeits- und Wegeunfälle versichert. Unternehmerinnen und Unternehmer können sich freiwillig versichern.
  • APOTHEKEN: Rund 262.000 Beschäftigte aus dem Bereich Pharmazie sind bei der BGW gegen Berufskrankheiten, Arbeits- und Wegeunfälle versichert. Unternehmerinnen und Unternehmer können sich freiwillig versichern.
  • UNFÄLLE: 2017 wurden der BGW insgesamt 982 Arbeits- und 777 Wegeunfälle gemeldet, die eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens drei Tagen nach sich zogen (meldepflichtige Fälle).
  • BERUFSKRANKHEITEN: Von den insgesamt 55 Verdachtsfällen auf eine Berufskrankheit (meldepflichtige Fälle) im Jahr 2017 betrafen rund 70 Prozent die Haut. Der Rest verteilte sich auf Wirbelsäulen-, Atemwegs- und sonstige Erkrankungen.

In Apotheken werden auch Arzneimittel neu verpackt - das darf nicht zulasten der Gesundheit der Beschäftigten gehen.

In Apotheken werden auch Arzneimittel neu verpackt - das darf nicht zulasten der Gesundheit der Beschäftigten gehen.
(Foto: Fotolia/yenneris)

Foto vergrößern

So bieten beispielsweise immer mehr Apotheken an, Arzneimittel für Patientinnen und Patienten individuell neu zu verpacken. Das führt dazu, dass einige Beschäftigte zunehmend Zeit damit verbringen, Tabletten, Kapseln und Weiteres zu ent- oder verblistern.

Dabei können jedoch wirkstoffhaltige Stäube in geringer Menge freigesetzt und schließlich über die Haut oder Atemwege aufgenommen werden. Insbesondere bei größerem Durchsatz kann es daher erforderlich sein, mit Lokalabsaugung oder unter dem Abzug zu arbeiten. Das Tragen einer Atemschutzmaske darf immer nur als letzte Möglichkeit genutzt werden.

Aus Gründen der Hygiene schreibt das Apothekenrecht einen separaten Raum für das Neuverpacken vor. Dort können Beschäftigte auch mal länger am Stück konzentriert arbeiten. Zu lange sollte die Tätigkeit aber nicht ausgeübt werden.

Hier hilft das Rotationsprinzip, demzufolge Beschäftigte möglichst nicht länger als zwei Stunden täglich Arzneimittel verpacken und sich deshalb abwechseln sollten. Eine Maßnahme, um das Personal nicht übermäßig zu beanspruchen.

Ebenfalls abdecken: Themen Psyche, Gefahrstoffe, Infektion

Apropos psychische Gesundheit: Die ist bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer Apotheke besonders gefährdet, wenn Gewalt angedroht oder ausgeübt wird, etwa bei einem Überfall. BGW-Expertin Karin Gruber rät: "Zur Vorbeugung können Arbeitgeberinnen und Chefs zum Beispiel die Polizei um Rat fragen. Kameras und viel Licht am Nachtdienstfenster können mögliche Täter abschrecken. Gegensprechanlagen minimieren den direkten Kontakt; auch Notrufknöpfe können eine große Hilfe sein. Auf jeden Fall ist eine Schulung der Beschäftigten für Überfallsituationen angezeigt."

Auch in der Apotheke wichtig: gesunde Beschäftigte

Auch in der Apotheke wichtig: gesunde Beschäftigte
(Foto: Fotolia/Halfpoint)

Foto vergrößern

Aber was, wenn doch etwas passiert? Dann geht es darum, den Betroffenen schnell zu helfen. Zum Beispiel mit Auffanggesprächen nach einem psychisch belastenden Ereignis.

Wichtig ist zudem die kompetente Unterstützung von außen: Neben den Durchgangsärztinnen und Durchgangsärzten als ersten Anlaufstellen steht auch die BGW Betroffenen ebenso wie deren Betrieben zur Seite: Die Ansprechpersonen in den regional zuständigen Bezirksverwaltungen initiieren und begleiten bei Bedarf alle Maßnahmen bis hin zu einer psychotherapeutischen Behandlung.

Auch beim Thema Gefahrstoffe lässt sich der Gesundheitsschutz ausweiten. Potenziell gesundheitsgefährdende Substanzen gibt es im Labor, in der Rezeptur oder im Lager.

Erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Umgang damit gut geschult; entsprechend wenig passiert. Doch was ist mit Auszubildenden oder dem Reinigungspersonal? Auch sie müssen mögliche Risiken ken­nen – und passende Maßnahmen für den Fall der Fälle. Deshalb spielt die regelmäßige Unterweisung eine große Rolle.

An den Infektionsschutz zu denken ist wichtig, wenn eine Apotheke die Cholesterinwertbestimmung oder Blutzuckermessung anbietet und Blutentnahmen durchführt. Der unmittelbare Kontakt mit infektiösem Material muss durch entsprechende Präventionsmaßnahmen vermieden werden. Insbesondere heißt das: nur sichere Instrumente zur Blutentnahme verwenden, Handschuhe tragen und dichte, durchstichsichere Abfallbehälter für Lanzetten, Tupfer, Teststreifen und Ähnliches bereithalten.

Gefährdungsbeurteilung – jetzt auch online möglich

Die zahlreichen Facetten des Gesundheitsschutzes unter einen Hut zu bringen, ist herausfordernd. Doch es gibt ein Mittel, das Verantwortliche zielgerichtet voranbringt: die Gefährdungsbeurteilung. Sie ist das gängige Instrument, um alle Gefährdungen systematisch zu erfassen, zu bewerten, geeignete Maßnahmen festzulegen – und das Ganze, wie gesetzlich gefordert, zu dokumentieren. "Apothekerinnen und Apotheker sind vor allem im Gefahrstoffbereich mit der Gefährdungsbeurteilung vertraut. Diesen Erfahrungsschatz können sie nutzen, um auch weniger beachtete Bereiche zu durchleuchten und sicherer zu machen", sagt BGW-Expertin Karin Gruber.

Speziell für Apotheken bietet die BGW seit Neuestem eine Online-Gefährdungsbeurteilung an. Interessierte können das Angebot kostenlos nutzen. Erforderlich ist dafür nur die Registrierung mit einer E-Mail-Adresse und einem Passwort. Den Kern des Angebots bildet ein Fragenkatalog, der alle Aspekte einer typischen Apotheke abdeckt. Zum einen geht es um allgemeine Gefährdungen wie Stolpern, Stürzen, Ausrutschen oder elektrischen Strom. Zum anderen sind Arbeitsfelder aufgeführt: von der Beratung über die Lagerung bis zu speziellen Bereichen wie der Zytostatikaherstellung.

Vorhandene Ansprechpersonen und Unterlagen nutzen

Auch wenn die neue Online-Gefährdungsbeurteilung die Arbeit erleichtert, bietet es sich an, den Rat von Fachleuten einzuholen. So können Apotheker und Apothekerinnen ihre jeweilige Fachkraft für Arbeitssicherheit oder die Betriebsärztin, den Betriebsarzt um Unterstützung bitten.

Oft fallen dadurch nicht einmal zusätzliche Kosten an, weil ohnehin Verträge zur betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung bestehen müssen.

Als weitere Hilfe beim Erstellen der Gefährdungsbeurteilung dienen vorhandene Unterlagen: So sind mittlerweile alle Betriebe verpflichtet, ein System für das Qualitätsmanagement zu haben. Sind darin auch Aspekte des Gesundheitsschutzes thematisiert, lassen sich diese Daten weiterverwenden.

Eine Spezialistin hat den Abzug für die Arbeit mit Gefahrstoffen geprüft? Die Feuerlöscher wurden untersucht? Dann sollte dies dokumentiert werden.

Natürlich sind Zeit und Geld zu investieren, wenn der Gesundheitsschutz verbessert werden soll. Karin Gruber ist jedoch davon überzeugt, dass sich das Engagement letztlich auszahlt: "Ein Pluspunkt besteht darin, dass sich das Apotheken-Team wohler fühlt, wenn die Maßnahmen für gesündere Arbeitsverhältnisse greifen. Dies kann auch im Wettbewerb um neue Fachkräfte ein wichtiger Vorteil sein."

Weniger Fehlzeiten durch gesündere Beschäftigte tragen dazu bei, die Servicequalität einer Apotheke zu verbessern. Das spüren wiederum die Kundinnen und Kunden. So zahlt sich aktiver Gesundheitsschutz über eine lange Verkettung von Ursache und Wirkung auch in Form einer gesunden Geschäftsentwicklung aus – und die wünschen sich Apothekerinnen und Apotheker mehr denn je.

Autor(en): Hermann Bach

Weitere Artikel aus unserem Kundenmagazin:

31.07.2018

Diese Seite

BGW online (Link zur Startseite)

Start­sei­te