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Auch ein Gewaltereignis ist ein Arbeitsunfall

BGW mitteilungen, Ausgabe 1/2016

Kommt es am Arbeitsplatz oder auf dem Hin- und Rückweg zu einem gewalttätigen Übergriff, handelt es sich dabei um einen Arbeitsunfall. Betroffene und Betriebe können auf die Unterstützung der BGW zählen.

Ein tätlicher Angriff im Nachtdienst, Schläge durch eine pflegebedürftige Person, ein Raubüberfall im Parkhaus – Situationen wie diese gibt es immer wieder. Unternehmen sind gefordert, solche Risiken für ihre Beschäftigten mithilfe der Gefährdungsbeurteilung zu erkennen und zu minimieren. Sollte dennoch etwas passieren, greift der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung – egal ob der Übergriff durch betreute Personen, Kundinnen und Kunden, andere Beschäftigte oder "von außen" erfolgte.

Was zu tun ist

An erster Stelle steht die unmittelbare Hilfe für die Betroffenen: eine angstfreie Atmosphäre, die Versorgung von Verletzungen und "erste Hilfe für die Seele" durch erlebte Anteilnahme oder ein Auffanggespräch. Ist eine ärztliche Behandlung erforderlich, erfolgt diese bei einer Durchgangsärztin oder einem Durchgangsarzt (D-Arzt) – wie bei Arbeitsunfällen generell üblich. Doch auch wenn es nicht zu einem körperlichen Schaden gekommen ist, sollte nach einem traumatischen Ereignis möglichst eine durchgangsärztliche Konsultation in Anspruch genommen werden, denn psychische Spätfolgen sind immer möglich.

Ein Gewaltereignis sollte deshalb grundsätzlich vom Arbeitgeber oder von der Arbeitgeberin mit einer Unfallanzeige der BGW gemeldet werden, selbst wenn keine unmittelbare Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Die von der betrieblichen Interessenvertretung mitunterzeichnete Unfallanzeige ist an die regional zuständige Bezirksverwaltung der BGW zu senden. Von dort wird dann Kontakt mit der betroffenen Person oder alternativ mit einer in der Unfallanzeige genannten Vertrauensperson aufgenommen – je schneller das möglich ist, desto besser: So kann frühzeitig eine Beratung stattfinden und die Rehabilitation eingeleitet werden.

Jeder Übergriff muss im Betrieb dokumentiert werden – auch bei scheinbaren "Bagatellunfällen" ist die Dokumentation ratsam: Sie dient einerseits der rechtlichen Absicherung beteiligter Personen – besonders wichtig ist das, wenn auch Betreute verletzt wurden –, andererseits bildet sie eine Grundlage für die Anpassung der hausinternen Gefährdungsbeurteilung. Denn die Dokumentation ermöglicht es, Problembereiche zu identifizieren und die Wirksamkeit bisheriger Schutzmaßnahmen zu überprüfen.

Was die BGW leistet

Wie bei allen Arbeitsunfällen sorgt die BGW auch nach Gewaltereignissen für die bestmögliche medizinische Behandlung und stellt sicher, dass ihre Versicherten wieder am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das gilt auch für psychische Folgen: Besteht der Bedarf für eine professionelle Unterstützung, übernehmen speziell zugelassene ärztliche oder psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten die Behandlung. Die BGW-Bezirksverwaltung nennt entsprechende Adressen in Wohnortnähe.

Mit dem Behandlungsauftrag wird auch die Kostenübernahme erklärt – deshalb ist es sinnvoll, nach einem Vorfall grundsätzlich den D-Arzt oder die D-Ärztin aufzusuchen; die Kostenübernahme kann aber auch im direkten Kontakt mit der BGW abgestimmt werden. Unbürokratisch und schnell sind zunächst fünf so genannte probatorische Sitzungen möglich, unter Umständen auch mehr. Der weitere Ablauf und Unterstützungsbedarf bis hin zur beruflichen Wiedereingliederung – sofern Arbeitsunfähigkeit nach einem tätlichen Übergriff bestehen sollte – wird danach mit der betroffenen Person individuell abgestimmt.

Da es normal ist, dass Betroffene sich nach Extremerlebnissen zurückziehen und nicht von sich aus Hilfe suchen, sollten Personen aus dem beruflichen oder familiären Umfeld, die Hinweise auf psychische Beeinträchtigungen bei jemandem wahrnehmen, Betroffene ansprechen und gegebenenfalls auf die Angebote der BGW aufmerksam machen. Der Kontakt zur BGW kann auch gemeinsam aufgenommen werden. Alle Gespräche sind vertraulich.

Betriebe können sich von der BGW ebenfalls beraten lassen – insbesondere zu Präventionsmöglichkeiten von Gewaltereignissen, aber beispielsweise auch zur Gestaltung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements. Ein solches "BEM" müssen Betriebe Beschäftigten anbieten, die innerhalb eines Jahres insgesamt länger als sechs Wochen krank sind.

Vor allem wenn es im Unternehmen häufiger zu Gewaltereignissen kommen sollte, lohnt es sich in jedem Fall, die Beratungs- und Schulungsangebote der BGW zu nutzen. Außerdem können gegebenenfalls mit der für Rehabilitationsfragen zuständigen Bezirksverwaltung Absprachen zu Meldewegen und zum Vorgehen nach solchen Vorfällen getroffen werden.

Autor(en): Anja Hanssen

29.01.2016

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