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Eine Frau mit Fotokamera

BGW-Fotowettbewerb "Mensch – Arbeit – Alter": Was Pflegende leisten

Im Rahmen von "Mensch – Arbeit – Alter" hat die BGW im März 2020 Beiträge von 16 Künstlerinnen und Künstlern ausgezeichnet. Die Werke beschäftigen sich mit der Arbeit in der Pflege älterer Menschen.

Die BGW setzt sich damit für gesunde Arbeitsbedingungen im Zukunftsberuf Pflege und für mehr Wertschätzung dieser wichtigen Profession ein.

"Mensch – Arbeit – Alter" 2020 auf Deutschlandtour

Die preisgekrönten Fotoarbeiten werden auf Tour geschickt und sind an verschiedenen Standorten in Deutschland zu sehen. Hier finden Sie die Terminübersicht der Wanderausstellung "Mensch – Arbeit – Alter". Leider mussten coronabedingt alle Termine bis September 2020 abgesagt werden.

 

Ausstellung

Licht und Schatten in der Pflege

Profis wie Newcomer in der Fotografie haben sich taktvoll und mitfühlend der Aufgabe genähert, Menschen in – teilweise intimen – Pflegesituationen zu fotografieren. Manche von ihnen arbeiten selbst in der Pflege, andere fotografierten Angehörige, wieder andere erschlossen sich das Thema als Außenstehende.

Die Preisträgerinnen und Preisträger haben dabei ihren persönlichen Blickwinkel und ihre eigene Bildsprache gefunden. Gleichzeitig beeindruckt die gestalterische Qualität und Vielfalt ihrer Werke: sorgsam gewählte Farben und Bildkompositionen, mal künstlerisch, mal sachlich, mit Blick aufs Detail und auf das große Ganze.

 

Plätze 1-3

Im Rahmen eines Fotoprojekts habe ich sechs Monate lang ein Altenpflegeheim besucht und am Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner teilgenommen. Am meisten berührt hat mich die Leere, die dieser Alltag mit sich bringt. Die Bewohner fühlen sich zwar gut betreut, aber sie haben mir auch erzählt, dass sie das Gefühl des Nicht-mehr-gebraucht-Werdens bedrückt. Durch die tägliche Routine und die damit einhergehende Langeweile fühlen sich die Bewohner ohnmächtig. Ich musste lernen, dass sie sich der Ausweglosigkeit ihrer Situation schmerzhaft bewusst sind. Ich denke, neben einer liebevollen Pflege und Erinnerungsstücken, die uns bis zum Ende unseres Lebens begleiten, ist es vor allem wichtig, bis zum Schluss eine Aufgabe zu haben.

Ein ältere Frau liegt auf einem Bett und schaut an die Decke


(Foto: Marlene Hoberger)

Fotos eines Paars in jungen und älteren Jahren stehen nebeneinander auf einer Kommode


(Foto: Marlene Hoberger)

Getränkeflaschen und Weintrauben stehen auf einem Tisch im Pflegeheim


(Foto: Marlene Hoberger)

Eine Sammluing bunter Teller hängt über einem Bett, in dem eine ältere Frau liegt


(Foto: Marlene Hoberger)

Ein ältere Frau liegt in einem pinken Pullover schaut an der Kamera vorbei


(Foto: Marlene Hoberger)

Keine Berührungsängste und ein starker Rücken gehörten zu den Qualifikationen, die ich für die Ferienjobs in der Sozialstation der Caritas als Hauspflegehelferin mitbrachte. Ein Jahr lang arbeitete ich in meinen Semesterferien in der ambulanten Altenpflege. Und obwohl dieser Job fachlich so rein gar nichts mit meinem Fotografie-Studium zu tun hatte, fühlte es sich wie eine kleine Ausbildung für das „echte Leben“ an. Hier lernte ich Lektionen, die in keinem Vorlesungssaal der Welt unterrichtet werden.

Im Eiltempo ging es von Haushalt zu Haushalt, ich wusch Haare, cremte Körper ein, rasierte Bärte, reinigte Gebisse oder half beim Anziehen. Wie schnell man Zugang zu Menschen in den intimsten Situationen findet, das hat mich berührt. Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit gesammelt habe, haben mich immer wieder auf den Boden zurückgeholt und gelehrt, worum es doch letztendlich geht: Menschlichkeit. Dieses Gefühl und meine Eindrücke halte ich in dieser Fotoreportage fest: eine Hommage an den Beruf der Altenpflege.

Eine Pflegerin wäscht einem Mann in einer Badewanne die Haare

Zwei Mal in der Woche kommt die Caritas zu Herrn B. Obwohl er altersbedingt noch keine Hilfe benötigt, bekommt er mit diesen zwei Terminen etwas Struktur in sein Leben. Die Pflege seiner langen Haare ist ihm besonders wichtig. In dem kleinen Bad wirkt Herr B. noch größer, als er schon ist, und so muss man sich mit dem bisschen Platz irgendwie arrangieren.
(Foto: Livia Kappler)

Eine Pflegerin duscht einen Patienten und hat einen Katheterbeutel am Kittel hängen

Auch beim Duschen bleibt ein Dauerkatheter an Ort und Stelle. So lernt man als Pflegekraft, kreativ zu werden. Schon die kleinsten Tricks und Kniffe erleichtern die Arbeit enorm.
(Foto: Livia Kappler)

Eine Pflegerin hilft einer Frau in die Dusche

Der Weg aus der und in die Dusche ist oftmals kein leichter. Kleine Schwellen und rutschige Fliesen können ganz schnell zum Verhängnis werden. Deshalb muss man in dieser Situation besonders vorsichtig sein. Antirutschmatten, Duschstühle und Griffe minimieren das Risiko zu stürzen. Doch Frau M. wehrt sich gegen einen Duschstuhl und hält tapfer die Balance.
(Foto: Livia Kappler)

Eine Patientin sitzt auf der Toilette, ein Pflegrin kniet Ihr gegenüber

Was gibt es Intimeres als den Gang ins Badezimmer? Vor einer anderen Person sein Geschäft zu verrichten oder sich zu waschen kostet sehr viel Überwindung. Es braucht als PflegerIn viel Feingefühl, um in dieser Situation dem Patienten/der PatientIn richtig zu begegnen und ihm/ihr das Schamgefühl zu nehmen. Nur wenn man als Team agiert, schafft man eine Basis, auf der man sich vertraut und respektiert.
(Foto: Livia Kappler)

Ein älterer Mann trocknet sich mit einem Handtuch ab

Wie in allen Pflegeberufen gilt es, den Patienten/die Patientin lediglich zu unterstützen, nichts abzunehmen, was er/sie selbst noch kann. Dieser Grundsatz ist sehr wichtig, da zum einen motorische Fähigkeiten erhalten bleiben und zum anderen die Würde des Patienten/der Patientin bewahrt wird. Es geht um Selbstbestimmung, diese steht immer an erster Stelle.
(Foto: Livia Kappler)

Walter stirbt. Seine Tochter Marie ist mit ihm im Krankenhaus. Nach Jahren der Sorge und Unsicherheit dringt die Gewissheit des Abschieds in ihr Leben. Sie warten, gefangen und geschützt zugleich, im Raum des Karitativen, wo das Verschwinden sich surreal in Gefühle und Gesichter schleicht.

Die Rollen ihres Lebens sind wortbrüchig geworden. Die Sprache ist gewichen und die Strukturen, die sie im Leben trugen, zerfallen, als würde ein Faden gelöst. Wo Wege von Pflegerinnen und Patienten sich am Tage kreuzen, krümmt nun abends die drohende Leere das Licht.

Die Arbeit entstand in den Wochen, in denen der 93-jährige Walter, der in den vorherigen zehn Jahren bereits mehrere Schlaganfälle erlitten hatte, zum letzten Mal im Hospital auf verschiedene altersbedingte Symptome hin behandelt wurde.

Ein älterer Mann liegt in einem Krankenhausbett

Walter Paul im Krankenhaus
(Foto: Tomas Engel)

Eine Frau steht vor einem Badezimmerspiegel

Marie
(Foto: Tomas Engel)

Eine Frau und ein älterer Mann im Rollstuhl befinden sich im Fahrstuhl

Im Fahrstuhl
(Foto: Tomas Engel)

Ein leeres Bett steht auf einem Krankenhausflur

Leeres Bett
(Foto: Tomas Engel)

Ein älterer Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch

Vater und Tochter abends
(Foto: Tomas Engel)


Sonderpreis

Im Juni und Juli 2019 durfte ich im Seniorenheim Ehehaltenhaus/St.Nikolaus der Stiftung Bürgerspital im Würzburger Stadtteil Sanderau den Beruf der Altenpflege kennenlernen. Dabei konnte ich viele intime persönliche Momente miterleben und mit meiner Kamera festhalten; es herrschte stets eine freundliche, vertraute Atmosphäre, die mir bei meiner Arbeit sehr geholfen hat und die ich in meiner Serie widerspiegeln möchte. Mein Anliegen war es, zu verstehen, was Pflege, insbesondere Altenpflege, bedeutet und mit sich bringt. Auch wenn ich in dieser kurzen Zeit vielleicht nur einen Bruchteil all dessen, was diese Arbeit ausmacht, kennenlernen konnte, so habe ich auf jeden Fall die Herzlichkeit und Menschlichkeit zwischen Pflegern und Bewohnern, aber auch der Pflegekräfte untereinander gespürt und konnte in persönlichen Gesprächen zudem heraushören, wie viel Freude den meisten Pflegern ihre Arbeit bereitet.

Der Titel "Berührungspunkte" verrät schon, dass es um Berührungen geht – sowohl körperlich als auch emotional.

Ein Lama steht am Bett einer älteren Frau

An diesem Tag waren zwei Lamas zu Besuch auf dem Gelände des Pflegeheims. Zu zwei bettlägerigen Bewohnerinnen kamen sie sogar ins Zimmer.
(Foto: Lisa-Marie Kaspar)


Weitere Gewinner – Plätze 4-15

Das Caritas-Altenzentrum St. Maternus in Köln verfolgt seit 2018 ein erweitertes digitales Betreuungskonzept, bei dem Virtual-Reality-Brillen, Gaming-Stationen und Tablets eingesetzt werden. Der Einsatz innovativer Technologien wird von den Bewohnern und Mitarbeitern als eine Bereicherung und durch die außergewöhnlichen Inhalte als eine willkommene Abwechslung zum Alltag empfunden. Mithilfe der VR-Brillen können Bewohner wie Frau Bertels Orte der Erinnerung wie Städte, Museen oder Unterwasserwelten aufsuchen und auf diesen Erlebnisreisen ihre Koordinations- und Konzentrationsfähigkeit spielerisch trainieren. Frau Kasper, Mitarbeiterin der Sozialen Betreuung, begleitet Frau Bertels auf ihren Reisen. Sie sieht im Einsatz moderner Technologien ein zukunftsfähiges Modell, das sowohl die Fähigkeiten der alten Menschen fördern als auch die Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen kann.

Ein ältere Frau hält lächelnd eine VR-Brille auf dem Schoß

Frau Bertels, Bewohnerin des Caritas-Altenzentrums St. Maternus, freut sich auf die virtuellen Reisen.
(Foto: Andrea Vollmer)

Ein ältere Frau hat eine VR-Brille aufgesetzt

Frau Kasper, Mitarbeiterin der Sozialen Betreuung im Caritas-Altenzentrum St. Maternus, hilft Frau Bertels beim Aufsetzen der VR-Brille.
(Foto: Andrea Vollmer)

Ein ältere Frau mit VR-Brille sitzt neben einer jüngeren Frau vor einem Computer

Durch den Einsatz der VR-Brille kann Frau Bertels Erinnerungen, etwa an eine Reise nach New York, wieder aufleben lassen. Frau Kasper ist bei diesen Reisen an ihrer Seite.
(Foto: Andrea Vollmer)

Eine Hand fährt mit einem elektrischen Gerät über einen Monitor

Gemeinsam mit Frau Kasper folgt Frau Bertels den Unterwassertieren.
(Foto: Andrea Vollmer)

Eine junge Frau lächelt in die Kamera

Frau Kasper empfindet den Einsatz digitaler Technik als Bereicherung für Mitarbeiter und Bewohner.
(Foto: Andrea Vollmer)

Die Zahl der Höchstaltrigen in Deutschland hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt, und auch in Zukunft dürfte diese Zahl rapide steigen. Jedes dritte im Jahr 2019 geborene Mädchen wird nach neuesten Studien über 100 Jahre alt werden: ein Blick in unsere Gegenwart und Zukunft. Viele dieser Hochbetagten leben heute noch selbstständig in ihrem Zuhause und blicken auf fast 100 Jahre deutsche Geschichte zurück. „±100“ erzählt von Menschen im Alter zwischen 90 und 100 Jahren aus Ost-, West-, Nord- und Süddeutschland. Und vom stetigen Erleben der Welt um sich herum, von Glück und Unglück, von Krieg und Frieden innerhalb unterschiedlichster Lebenswirklichkeiten und Lebensräume.

Ein älterer Mann sitzt vor einem alten Computermonitor

99 Jahre
(Foto: Magdalena Stengel)

Ein älterer Mann steht mit Stock zwischen Pflanzen vor einer grauen Wand

Herr Viefhaus
(Foto: Magdalena Stengel)

Ein älterer Mann schaut durch einen Schlitz in einem orangenen Vorhang

In Leipzig
(Foto: Magdalena Stengel)

Ein älterer Mann in Anzug tanzt

WiPe tanzt.
(Foto: Magdalena Stengel)

Eins ältere Frau wird von Mädchen geschminkt

Hermine
(Foto: Magdalena Stengel)

In der dokumentarischen Serie "Sorgearbeit" habe ich mich mit dem Thema der 24-Stunden-Betreuung in der häuslichen Altenpflege auseinandergesetzt. Die aus Polen stammende Danuta Banasiak arbeitet seit vielen Jahren als Altenpflegerin in Deutschland. Sie kümmert sich um eine Frau, die schwer an Demenz erkrankt ist. Im Gegensatz zu anderen Pflegekräften lebt Danuta Banasiak im selben Haushalt wie die von ihr betreute Person und ist rund um die Uhr für sie verantwortlich.

Die Perspektive der Serie "Sorgearbeit" stellt die Arbeit der Pflegerin in den Mittelpunkt, die neben (körper-)pflegerischen Tätigkeiten auch Einkaufen, Kochen, Putzen, Tag- und Nachtbetreuung und Beziehungsarbeit beinhaltet. Ihre eigene Familie und ihre Enkelkinder leben in Polen. Danuta besucht sie in den zwei Monaten im Jahr, in denen sie von ihrer Arbeit als Pflegekraft freigestellt ist.

Eine ältere Frau wird vor einer großen Hecke in ihrem Rollstuhl geschoben

Spaziergang
(Foto: Marlene Pfau)

Ein älterer Mann hält sich ein Handtuch vor das Gesicht, währen seine Haare gewaschen werden

Duschen
(Foto: Marlene Pfau)

Eins ältere Frau entstaubt Bilderrahmen

Putzen
(Foto: Marlene Pfau)

Ein Teller mit in Häppchen geschnittenem Käsebrot

Abendbrot
(Foto: Marlene Pfau)

Eine Frau in Winterkleidung

Danuta Banasiak
(Foto: Marlene Pfau)

Pflege muss mit Taktgefühl ausgeführt werden. Die Wehrlosigkeit des zu Pflegenden kann demütigend sein. Der Abgebildete ist mein Vater, der bereits vor neun Jahren verstorben ist. Die anderen Personen sind unkenntlich gemacht.

Ein älterer Mann mit Hemd und Krawatte bekommt einen Kuchen mit einer 100 drauf überreicht

Eine übermäßige Pflege kann Widerstand hervorrufen. Manchmal dient sie eher dem Bedürfnis der Pflegenden als dem zu Pflegenden selbst.
(Foto: Ellen R. Dornhaus)

Ob Hirnblutung, Unfall oder Tumor – die Gründe für Pflegebedürftigkeit sind vielfältig. Über 3,5 Millionen Menschen sind in Deutschland auf Pflege angewiesen. Zwei Drittel davon werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt.

Klaus (Name geändert) ist einer von ihnen. Seit einem Reitsturz ist er querschnittsgelähmt. Er kann seinen Kopf nicht drehen, nicht selbstständig atmen, nicht schlucken. Klaus kommuniziert hauptsächlich über Mimik oder seine Augen. Seine Partnerin Julia (Name geändert) hat sich entschlossen, ihn zu Hause zu versorgen. Die finanzielle Situation von Klaus erlaubt es, einen 24-Stunden-Pflegedienst zu engagieren. Das entlastet Julia ungemein. Außerdem wurde ein Fahrstuhl an das Haus gebaut. So kann das Paar in der gemeinsamen Dachgeschosswohnung weiterleben.

Viele pflegende Angehörige leiden unter ständiger Belastung und sozialer Isolation. Einen Angehörigen zu pflegen, bedeutet, durchgängig verfügbar sein zu müssen. Finanzielle Engpässe und Probleme mit Pflegediensten kommen hinzu. Vieles davon trifft auf dieses Paar nicht zu. Dieser Fall ist nicht typisch für die Lage pflegender Angehöriger. Aber er ist ein Beispiel für einen gelungenen Umgang mit einer schweren Situation.

Ein älterer Mann liegt in einem Bett umgeben von medizinischen Geräten

Vor seinem Unfall im Jahr 2010 war Klaus als selbstständiger Kunstbedarfshändler tätig. Seit dem Sturz muss er nun ständig an eine Beatmungsmaschine angeschlossen sein. Um für den Notfall gewappnet zu sein, hält Julia immer eine spezielle Handpumpe bereit. Mit ihr kann man die Lungenfunktion manuell aufrechterhalten.
(Foto: Finn Winkler)

Eine Frau beugt über einem Mann im Bett

Seit 23 Jahren ist das Paar zusammen. Zwei Jahre nach dem Unfall haben sie geheiratet. Nur noch selten öffnet Klaus seine Augen. Doch manchmal spricht aus ihnen eine ungemeine Lebensfreude.
(Foto: Finn Winkler)

Durch eine geöffnete Tür erkennt man einen Rollstuhl und einen Personenlifter

Julia versucht häufig, mit Klaus an die frische Luft zu gehen. Selbst kleine Spaziergänge bedeuten einen großen Aufwand. Sie sind nur möglich, wenn die Temperatur nicht zu niedrig ist. Sonst wird die Funktion der Beatmungsmaschine beeinträchtigt.
(Foto: Finn Winkler)

Eine Frau kämmt einem Mann die Haare

Jemand hat Klaus einmal die Frage gestellt, ob er weiterleben oder sterben möchte. Klaus wollte weiterleben.
(Foto: Finn Winkler)

Ein Mann sitzt in einem Rollstuhl im Wohnzimmer

Julia betont häufig, wie wenig sie Mitleid mag. Wenn sie von dem Unfall spricht, klingt ihre Stimme fest.
(Foto: Finn Winkler)

Die Fotoserie "Daniel und Gertrud", beinhaltet mit dem Motiv Nr. 3 "Festhalten und Vertrauen", ein Bild im Zentrum der Reihung, welches für mich auch ein Symbol für die gelungene Pflege älterer Menschen darstellt. Die Individualität von Gertrud (Bewohnerin des Albert-Schweitzer-Hauses) und Daniel (Pfleger des Albert- Schweitzer-Hauses) ist neben der Handlung im Bild – dem Festhalten und der Stärke von Daniels Arm – ein Zeichen von Glaubwürdigkeit für den fürsorglichen Umgang miteinander. Der Einzelne prägt die menschliche und fachliche Qualität von Pflege.

In meiner Serie gehe ich der Beziehung zwischen Pfleger und gepflegter Person nach. Einer Beziehung, die zuerst auf einer Vereinbarung aufbaut, die auch wirtschaftliche Aspekte beinhaltet. Welche Räume und Zeitfenster öffnen sich für die Entwicklung einer persönlichen Beziehung, damit sich in intimen und bedürftigen Situationen der Pflege älterer Menschen Vertrauen, Verbundenheit und Sympathie entwickeln können? Räume, Situationen und Handlungen spielen in meinen Fotos eine wichtige Rolle, sie bilden den Rahmen, um den zugewandten Umgang und den positiven emotionalen Austausch, den Daniel und Gertrud miteinander haben, zu zeigen.

Ein Pfleger geht mit einer älteren Frau am Rollator durch einen Flur

Reden und Zuhören
(Foto: Kurt Steinhausen)

Ein Pfleger kämmt einer älteren Frau die Haare

Pflegen und Helfen
(Foto: Kurt Steinhausen)

Eine ältere Frau hält sich am tätowierten Arm ihres Pflegers fest

Festhalten und Vertrauen
(Foto: Kurt Steinhausen)

Eine Frau guckt mit einem Pfleger in ein Fotoalbum und lacht

Zusammensein und Erinnern
(Foto: Kurt Steinhausen)

Eine ältere Frau tanzt mit einem Pfleger

Tanzen und Leben
(Foto: Kurt Steinhausen)

Pflege hat viele Gesichter, sie ist voller Bilder und Geschichten. Die hohe Arbeitsbelastung, der Stress, der Zeit- und Personalmangel sind schon lange ein großes Thema. Was spricht gerade für diesen Beruf?

Nirgendwo anders sind mir so viele berührende und spannende Lebensbiografien begegnet. Meine Bilderstrecke erzählt von Alltäglichem bis hin zu emotional-persönlichen Erfahrungen. Mit meinen Fotos habe ich versucht, das facettenreiche Thema Pflege so gut und authentisch wie möglich darzustellen. Besonders herausfordernd war, diesen sehr intimen Bereich würdevoll, aber dennoch unverfälscht bildlich wiederzugeben. Ich bin mit leeren Händen gekommen und mit vollem Herzen gegangen.

Ein ältere Mann liegt in einem Krankenbett

Robert Simpson (verstorben am 16.05.2019), ehemaliger schottischer Offizier
(Foto: Uta Gareis)

Ein ältere Mann liegt in einem Krankenbett in einer Kirche

Robert hat sich eine Segnung in unserer Kapelle im Beisein seiner Tochter Yvonne gewünscht. Unser Seelsorger, Pastoralreferent Jürgen Schmitz, liest ihm seine Lieblingsstelle vor und segnet ihn.
(Foto: Uta Gareis)

Eine Pflegerin steht mit einem Tablett in einem Krankenhausflur

Ohne persönliches Engagement und Überzeugung wäre die hohe Arbeitsbelastung nicht zu schaffen.
(Foto: Uta Gareis)

Mehrere Rollatoren stehen auf einem Krankenhausflur

Unentbehrliche Fahrzeuge in der Pflege
(Foto: Uta Gareis)

Mehrere Menschen sitzen um einen Tisch mit Kaffee und Kuchen

Immer donnerstags öffnet unser Café Zeit. Für unsere Patienten, deren Angehörige und Freunde ist es eine Rückzugsmöglichkeit, die zur Begegnung und zum Gespräch einlädt. Das Café Zeit wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern und professionellen Kräften aus dem Krankenhaus begleitet. Unsere unentbehrlichen Grünen Damen verwöhnen die Gäste mit selbst gebackenem Kuchen und Getränken
(Foto: Uta Gareis)

Seit über 30 Jahren arbeitet meine Ehefrau nun in Vollzeit als Lehrerin in der Grundschule. Sie ist also belastungserprobt und es durchaus gewohnt, sich um Menschen zu kümmern. Durch die Aufnahme ihrer pflegebedürftigen Mutter im Jahre 2010 (damals Pflegestufe 1) veränderte sich insbesondere das Leben meiner Frau jedoch radikal und sie wurde vor völlig neue Herausforderungen gestellt. Fortan brauchte sie viel Kraft und Unterstützer, die ihr Wege aufzeigten, das täglich neu entstehende Chaos in den Griff zu kriegen.

Ich begleite die beiden fotografisch und halte Momente der gegenseitigen Zuwendung in meinen Bildern fest. Die Entscheidung für Mutters Aufnahme hier bei uns in der Dreizimmerwohnung fiel spontan. Seit einem Schlaganfall 2014 hat sich der Pflegeaufwand extrem vergrößert. Mutter hat nun Pflegestufe 4, kann sich nicht allein drehen im Bett, nicht allein stehen oder eine Flasche öffnen. Sie ist halbseitig gelähmt und Tag und Nacht auf Hilfe und Zuwendung angewiesen. Die Veränderungen, die wir durch diese intensive Pflegesituation meistern mussten, haben uns noch enger zusammengeschweißt, als wir es ohnehin schon waren – das gilt insbesondere für das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter.

Eine ältere Frau im Rollstuhl sitzt mit einer jüngeren Frau am gedeckten Tisch

Zweisamkeit
(Foto: Axel Beyer)

Eine Frau hilft einer älteren Frau ins Bett

Transfer
(Foto: Axel Beyer)

Eine Frau streichelt einer älteren Frau im Bett über den Kopf

Berührtsein
(Foto: Axel Beyer)

Eine Frau trägt einer älteren Frau Lippenstift auf

Lippenstift
(Foto: Axel Beyer)

Eine ältere Frau sitzt im Rollstuhl und sieht ihrer Tochter in die Augen

Augenblick
(Foto: Axel Beyer)

Nach zahlreichen Schicksalsschlägen entschloss sich Opa Scharly schließlich, das Haus am Sommerberg zu verkaufen. Er quartierte sich bei meiner Tante und meinem Onkel ein – von 400 Quadratmetern auf knapp zehn. Seine Erinnerungen an sein Leben, sein Haus und sein Wirken bündelt er nun in einem Buch, von dem er sagt, es sei sein letztes Ziel. Seine Hommage an die Familie und an seine Liebe zu Omali. Wenn ich an das Haus am Sommerberg denke, schwelge ich in Erinnerungen – an meinen blau-weiß gestreiften Weihnachtspulli oder an meine Mutter an Omalis Klavier. Erinnerungen, die schwer mit einem konkreten Bild von meinem Großvater in Einklang zu bringen sind. Ich stelle dann unsicher fest, dass ich meinen Opa Scharly gar nicht zu kennen scheine. Die Angst, am Grab nichts zu denken und zu empfinden, macht mich zunehmend unruhig. Ich biete meiner Tante und meinem Onkel an, Großvater und das Haus ein paar Tage lang für sie zu hüten, sie brauchen dringend Urlaub. Opa Scharly vergisst oft den Wasserhahn und kann nicht mehr richtig laufen. Ich werde gebeten, ein Auge darauf zu haben. Dabei frage ich mich, was Pflege im Kreise der Familie bedeutet, und so verbringe ich Zeit damit, ein wenig genauer hinzuschauen.

Ein älterer Mann schläft in einem Bett vor einer Wand mit vielen Bilderrahmen

Mittagsschlaf
(Foto: Sebi Berens)

Ein mit Plastikfolie abgedeckter Teller mit Kuchenstücken

Pack es ein, für später!
(Foto: Sebi Berens)

Ein Grabstein auf einem Friedhof

Muss man für Grabpflege anwesend sein?
(Foto: Sebi Berens)

Ein älterer Mann in Seitenansicht

Digitales Licht
(Foto: Sebi Berens)

Hände notieren etwas auf einem Zettel, daneben eine Kaffeetasse

Epilog
(Foto: Sebi Berens)

25 Jahre Krankenschwester-Dasein – geliebt, gehasst, ausgelaugt.
Juni 2014: ausgebrannt, schwer erkrankt.
April 2016: auf dem Weg der Genesung – auch dank meiner fokussierten fotografischen Arbeit.
In dieser Zeit habe ich Susi kennengelernt. Krankenschwester. Bewundernswert?!

Bei Susi ist 2014 eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert worden. Sie bildet sich weiter, befasst sich intensiv mit dem Tod, macht eine Ausbildung zur Palliativpflegerin und bleibt weiter mit Begeisterung Krankenschwester im Bereich der Altenpflege. Ich durfte sie an zwei Tagen im Pflegewohnhaus Schloss Wasserleith fotografisch begleiten. Da erlebte ich wieder den Alltag. Diesmal als Betrachterin. Traurig, lustig, angestrengt, nachdenklich, mitfühlend, fokussiert, verständnisvoll, aufopfernd, unverstanden, an eigene Grenzen stoßend. Meine Bewunderung?!

Eine älter Frau sieht an der Kamera vorbei

Woher kenne ich Dich?
(Foto: Stanislava Schott)

Eine ältere Frau und eine Pflegerin umarmen sich vor einem Rollstuhl

Gib mir Halt
(Foto: Stanislava Schott)

Eine ältere Person hält die Hand einer jüngeren, die um ihre Schulter liegt

Bleib bei mir!
(Foto: Stanislava Schott)

Eine Pflegerin steht neben einem leeren Rollstuhl vor einem Fenster

Du fehlst!
(Foto: Stanislava Schott)

Eine Pflegerin sitzt erschöpft an einem Tisch im Freien

An der Grenze
(Foto: Stanislava Schott)

Das Leben mit Demenz wird für betroffene Personen vor allem durch den Einsatz und die Fürsorge der Pflegenden lebenswert. Sie sorgen jeden Tag dafür, dass sich die Menschen in einer durch Erinnerungsverlust entfremdeten Welt zurechtfinden und wohlfühlen können. Sie helfen, das Umfeld zu ordnen und sie aus dem Zustand der Isolation zu befreien. In einer schwindenden Welt bilden Pflegekräfte als wichtige Bezugspersonen einen Anker, führen immer wieder entfallendes Wissen und Erfahrungen zurück, helfen erinnern und erschaffen Inseln der Zufriedenheit.

Eine Pflegerin mit einem Blumentopf in der Hand steht vor einem älteren Mann in einem Sessel

Marcella (28) ist examinierte Altenpflegerin. Sie hilft Menschen wie Herrn A. (88), ihren Weg durch den Alltag zu finden.
(Foto: Henny Steffens)

Auf den Bildern sieht man die 81-jährige Bewohnerin Gisela mit ihrem Pfleger Serno und ihrer Pflegerin Lara. Gisela wohnt in einer Einrichtung, die insbesondere auf Menschen mit Behinderungen ausgerichtet ist. Gisela ist die älteste Bewohnerin und interessiert sich besonders für Schlagermusik, das Malen und die Natur. Deshalb besucht sie jährlich mindestens ein Schlagerevent, nimmt das kreative Angebot des Wohnheims gerne in Anspruch und ist so oft wie möglich in der Natur. Mit meinen Bildern möchte ich darauf aufmerksam machen, dass sich die Altenpflege nicht nur mit der "Pflege" beschäftigt, denn sie ist viel mehr als das. Sie bedeutet geschenktes Vertrauen, Dankbarkeit und Lebensfreude. Das "Schönste" an der Altenpflege ist aber das Lächeln, das man von den Bewohnern geschenkt bekommt.

Ein junger tätowierter Pfleger schiebt eine ältere Frau im Rollstuhl

Unkonventioneller Typ trifft auf konventionelle Seniorin. Auch wenn Serno eher ungewöhnlich aussieht, leistet er wertvolle Arbeit, und er wird von den Damen sehr geschätzt. Den Weg in die Pflege hat er über die Berufstätigkeit seiner Mutter gefunden. Er ist froh, etwas Erfüllendes und Wertvolles für die Menschen zu leisten, vor allem hat er Spaß während der Arbeit.
(Foto: Elisa Radzun)

Eine junge Frau und eine ältere Frau im Rollstuhl stehen Rücken an Rücken auf einer Straße

In der Nähe des Wohnheims befindet sich der Spreebogen, wo man vorbeikommende Schiffe und Wasservögel beobachten kann. Auf einigen Bildern sieht man Gisela auf dem Weg zum Flussufer, wo sie sich gerne aufhält.
(Foto: Elisa Radzun)

Eine Pflegerin pfückt Blumen für eine ältere Frau im Rollstuhl

Lara und Gisela – Flower-Power
(Foto: Elisa Radzun)

Eine Frau im Rollstuhl und ihre Pflegerin sutzen am Ufer eines Flusses

Lara und Gisela – gemeinsam
(Foto: Elisa Radzun)

Eine Frau sitzt im Rollstuhl, ihre Pflegerin lehnt sich lächelnd an

Lara und Gisela – der Blick in die Ferne
(Foto: Elisa Radzun)

19.03.2020

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