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FAQ: Fragen und Antworten für Helfende in der Flüchtlingsarbeit

Von der Ersten Hilfe bis zur Therapie

Die Leitung beziehungsweise die Betreiberin oder der Betreiber hat dafür zu sorgen, dass zur Ersten Hilfe die erforderlichen Einrichtungen sowie Sachmittel verfügbar sind. Das Personal ist entsprechend den staatlichen Arbeitsschutzvorschriften in Verbindung mit den Grundsätzen der Prävention (DGUV Regel 100-001) vor Beginn der Tätigkeit und danach mindestens jährlich zu Gefahren und Maßnahmen zum Schutz einschließlich der Ersten Hilfe zu unterweisen.

Folgende Notrufnummern sind offen auszuhängen:

  • Notarzt/Rettungsdienst:
  • Polizei:
  • Feuerwehr:
  • Kinderarzt:
  • Gesundheitsamt:
  • Giftinformationszentrum:
  • Drogenberatungsstelle:

Quelle: Rahmenhygieneplan Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose, Stand Oktober 2015

  • Über geeignetes Erste-Hilfe-Material informieren die Grundsätze der Prävention (DGUV Regel 100-001):

    • Großer Verbandkasten nach DIN 13169 „Erste-Hilfe-Material - Verbandkasten E“
    • Kleiner Verbandkasten nach DIN 13157 „Erste-Hilfe-Material - Verbandkasten C“
  • Zusätzlich ist der Verbandkasten mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel zur Händedesinfektion auszustatten. Art und Anzahl der Verbandkästen sind abhängig von der Art und Belegung der Einrichtung.
  • Verbrauchtes Material (zum Beispiel Einmalhandschuhe oder Pflaster) sind umgehend zu ersetzen, regelmäßige Bestandskontrollen und Kontrollen der Verwendbarkeit des Inhaltes der Erste-Hilfe-Kästen sind durchzuführen. Insbesondere sind die Ablaufdaten zu überprüfen und verfallenes Material zu ersetzen.

Quelle: Rahmenhygieneplan Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose, Stand Oktober 2015

  • Wer Erste Hilfe leistet, hat bei der Versorgung von Wunden oder bei anderweitigem Kontakt zu Körperflüssigkeiten Schutzhandschuhe zum einmaligen Gebrauch zu tragen. Nach dem Ablegen der Handschuhe muss eine Händedesinfektion durchgeführt werden.
  • Parallel zur Erstversorgung ist zu entscheiden, ob sofortige ärztliche Hilfe zur weiteren Versorgung der Verletzten hinzuzuziehen ist.
  • Bei Fremdblutkontamination der Ersthelferin oder des Ersthelfers (Wunde, Haut, Schleimhaut) ist eine Desinfektion der Haut beziehungsweise der Wunde mit einem alkoholischen Haut- oder Händedesinfektionsmittel oder Spülungen von Schleimhäuten notwendig. Bei Stich- oder Schnittverletzungen ist vorher durch Drücken auf die Umgebung der Wunde Blut zur Selbstreinigung auszudrücken (länger als 1 Minute).
  • Das weitere Vorgehen ist vorab festzulegen, gegebenenfalls ist eine intensive antiseptische Spülung der Stich- oder Schnittstelle mit einem gelisteten alkoholischen oder einem iodophorhaltigen Hautdesinfektionsmittel vorzunehmen und die Wunde mit einer mit einem Antiseptikum getränkten Kompresse abzudecken.
  • Eine Vorstellung beim Durchgangsarzt ist zu veranlassen, und der Unfall ist zu dokumentieren. Vom Durchgangsarzt werden weitere Maßnahmen veranlasst beziehungsweise durchgeführt (gegebenenfalls eine postexpositionelle Prophylaxe).

Quelle: Rahmenhygieneplan Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose, Stand Oktober 2015

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verlangt von der Arbeitgeberin oder vom Arbeitgeber, die am Arbeitsplatz auftretenden Gefährdungen fachkundig zu ermitteln und die notwendigen Schutzmaßnahmen festzulegen. Betriebe sollten sich hierbei zum Beispiel von der Fachkraft für Arbeitssicherheit und/ oder vom Betriebsarzt beraten lassen.

Durch den Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern der Gemeinschaftseinrichtung besteht die Möglichkeit, dass Beschäftigte der Einrichtung Infektionserregern (Biostoffe - Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten) ausgesetzt sein können. Tätigkeiten der allgemeinen Betreuung und Aufsicht (Verwaltung) sind aber keine Tätigkeiten im Sinne der Biostoffverordnung (BioStoffV). Unter Maßgabe der im Rahmenhygieneplan festgelegten Hygienemaßnahmen ist bei diesen Tätigkeiten in der Regel das Infektionsrisiko nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung.

Bei bestimmten Tätigkeiten (zum Beispiel Beseitigen von Verschmutzungen, Erstversorgung von Verletzten) kann das Infektionsrisiko durch den Kontakt zu Körperflüssigkeiten oder -ausscheidungen höher sein. Dies sind Tätigkeiten im Sinn der Biostoffverordnung. In diesem Fall sind Schutzmaßnahmen entsprechend der Technischen Regel Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen 500 (TRBA 500) zu treffen. Neben Maßnahmen der allgemeinen Hygiene gehören die Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung (Schutzkittel, Einmalhandschuhe) in ausreichender Anzahl und entsprechender Größe sowie Festlegungen zu Desinfektionsmaßnahmen dazu.

Sofern in der Einrichtung auch eine medizinische Versorgung erfolgt oder eine vorschulische Betreuung von Kindern stattfindet, sind diese Tätigkeiten gesondert zu betrachten. Dann ist die Technische Regel biologische Arbeitsstoffe 250 (TRBA 250) zu beachten.

Quelle: Rahmenhygieneplan Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose, Stand Oktober 2015

Bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen haben die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber in Abhängigkeit von der Gefährdungsbeurteilung für eine angemessene arbeitsmedizinische Vorsorge zu sorgen (§ 3 in Verbindung mit Anhang Teil 2 Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)). Dies gilt auch für Schüler, Studierende und sonstige Personen, die Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in diesen Einrichtungen ausführen (§ 12 Biostoffverordung (BioStoffV)). Hierzu gehört eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung im Rahmen der Unterweisung (§14 Abs. 2 BioStoffV).

Bei Tätigkeiten nach Anhang Teil 2 ArbMedVV mit beruflicher Exposition gegenüber bestimmten Mikroorganismen kann eine spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge (Pflichtvorsorge) oder eine Angebotsvorsorge erforderlich sein. Ist eine Pflichtvorsorge erforderlich, ist diese Voraussetzung für die Tätigkeit. Die arbeitsmedizinische Vorsorge führt ein arbeitsmedizinisch qualifizierter Arzt/Ärztin (Arbeitsmediziner, Betriebsmediziner) durch. Der Arbeitgeber hat eine Vorsorgekartei zu führen und nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses dem Beschäftigten eine Kopie der ihn betreffenden Angaben auszuhändigen.

Quelle: Rahmenhygieneplan Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose, Stand Oktober 2015

Für Tätigkeiten in Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose ist nach Anhang Teil 2 Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) in der Regel keine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge zu veranlassen. Für Beschäftigte in speziellen Teilbereichen der Gemeinschaftsunterkunft (zum Beispiel ein zur Unterkunft gehöriger Kindergarten, eine medizinische Einrichtung zur Behandlung und Pflege oder eine Einrichtung zum Gartenbau oder Pflege der zur Unterkunft gehörenden Grünanlagen) kann die Indikation für eine Pflichtvorsorge gegeben sein.

Sollten Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft für Arbeiten dort herangezogen werden, so gelten für sie die Arbeitsschutzregeln ebenfalls in vollem Umfang, wenn sie Versicherte im Sinne des § 2 SGB VII sind (siehe Grundsätze der Prävention (DGUV Regel 100-001)). Die Wahrnehmung der Pflichtvorsorge ist Pflicht für den Beschäftigten.

Die Notwendigkeit einer Angebotsvorsorge ergibt sich aus dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung. Ist keine Pflichtvorsorge zu veranlassen und besteht trotz getroffener Schutzmaßnahmen bei bestimmten Tätigkeiten durch Kontakt zu Körperflüssigkeiten oder Körperausscheidungen eine Infektionsgefährdung, ist den Beschäftigten eine Vorsorge anzubieten. Die Beschäftigten entscheiden, ob sie das Angebot wahrnehmen.

Quelle: Rahmenhygieneplan Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose, Stand Oktober 2015

Impfungen sind nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Sie sind den Beschäftigten anzubieten, wenn nach dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ein erhöhtes tätigkeitsbedingtes Risiko für eine Infektion im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung besteht und nicht bereits ein ausreichender Immunschutz vorliegt (§ 6 Abs.2 ArbMedVV).

Das Angebot einer Impfung ist entsprechend der Gefährdungsbeurteilung für die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber obligatorisch und sie tragen die Kosten. Beschäftigte können davon Gebrauch machen. Unabhängig von einer durch den Betrieb anzubietenden Impfung sollte im Interesse des öffentlichen Gesundheitsschutzes entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) ein vollständiger, altersgemäßer und ausreichender Impfschutz gegeben sein.

Quelle: Rahmenhygieneplan Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge, Asylbewerber, Spätaussiedler und Obdachlose, Stand Oktober 2015

Die Tuberkulose ist eine Tröpfcheninfektion und wird von Personen über die Atemwege übertragen, die unter offener Tuberkulose mit Husten leiden: Deshalb sollten die Personen mit Verdacht auf Tuberkulose im Kontakt mit Beschäftigten einen Mund-Nasen-Schutz tragen, solange der Verdacht besteht. Ein generelles Tragen von Mundschutz in der Erstaufnahme wird weder den Beschäftigten noch den Flüchtlingen empfohlen.

Weitere FAQ zum Thema Tuberkulose

Es ist nicht notwendig, einen Test vor Aufnahme der Tätigkeit durchzuführen, da die Erkrankung in Deutschland so selten geworden ist. Nach einem beruflichen Kontakt mit einem infektiösen Tuberkulose-Erkrankten muss der Betrieb eine Angebotsvorsorge mit einem Tuberkulosetest anbieten. Gleichzeitig wird das Gesundheitsamt bei den Kontaktpersonen Umgebungsuntersuchungen nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) einfordern.

Ein positiver Tuberkulinhauttests oder Quantiferontest bei Beschäftigten nach einem beruflichen Kontakt ist ausreichend, um den Verdacht auf eine Berufskrankheit im Bereich des Gesundheitsdienstes zu rechtfertigen. Ob auch in Gemeinschaftseinrichtungen für Flüchtlinge regelmäßig ein erhöhtes Tuberkuloserisiko besteht, ist noch offen und bleibt bislang eine Einzelfallentscheidung.

Ein Tuberkulosetest muss nur bei akutem Verdacht auf eine Infektion erfolgen. Ein positiver Tuberkulinhauttest muss immer durch einen Quantiferontest überprüft werden. Deshalb empfiehlt die BGW bei der arbeitsmedizinischen Vorsorge nicht mehr den Tuberkulinhauttest sondern sofort den Quantiferontest einzusetzen.

Liegt ein regelwidriger Gesundheitszustand vor (positiver Tuberkulinhauttest oder Quantiferontest) und ein begründeter Verdacht, dass dieser Zustand beruflich verursacht wurde, können im Rahmen eines Berufskrankheitenverfahrens die Kosten für die weitere Abklärung und gegebenenfalls Therapie von der Berufsgenossenschaft übernommen werden.

Im Einzelnen sind das die Kosten für die Röntgenaufnahme zum Ausschluss einer aktiven Tuberkulose, die Beratung durch einen Lungenfacharzt, die präventive Chemotherapie und die regelmäßigen Blutkontrollen, die während der Therapie notwendig sind. Die Kosten für die arbeitsmedizinische Vorsorge trägt der Betrieb.

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