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Gefahrtarif der BGW – Unfallrisiken der Berufssparten

Alle sechs Jahre geben die Berufsgenossenschaften ihren Beitragssystemen eine neue Berechnungsgrundlage – den Gefahrtarif. So schreibt es das Sozialgesetzbuch vor.

Im Gefahrtarif sind die Gewerbezweige der beitragspflichtigen Unternehmen zu Gefahrtarifstellen zusammengefasst. Jeder Gefahrtarifstelle wird eine Gefahrklasse zugeordnet. Diese Gefahrklassen drücken das Unfallrisiko eines Unternehmens aus.

Verschiedene Gewerbe sind zu Klassen mit gleichartigen Risiken zusammengelegt. Als Faustregel gilt: je geringer die Gefahrklasse, desto niedriger die Beiträge bei gleichem Entgelt.

Im Januar 2019 löst der 5. Gefahrtarif der BGW den 4. Gefahrtarif (Veranlagungszeitraum 2013 – 2018) ab. Ende Oktober 2018 haben die Unternehmen dazu ihren Veranlagungsbescheid erhalten.

Der 5. Gefahrtarif wirkt sich erstmals im Frühjahr 2020 bei der Beitragsrechnung für das Jahr 2019 aus. Nur bei den freiwilligen Versicherungen sind sie bereits Basis für die Vorschusserhebung, die im April 2019 erfolgt.

Erste Informationen rund um den Gefahrtarif haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt.

Die gesetzliche Unfallversicherung erwirtschaftet keine Gewinne. Die Gesamtkosten, die der BGW für ihre Leistungen – also für Prävention, Rehabilitation und Renten – entstehen, werden auf die versicherten Unternehmen umgelegt. Doch nicht überall sind die Arbeitsbedingungen und damit die Unfall- und Erkrankungsrisiken gleich. Dies wird bei der Beitragsberechnung mit dem "Gefahrtarif" berücksichtigt. Er besteht aus zwei Elementen: Zum einen der Gefahrtarifstelle, die Gewerbezweige mit ähnlichem Risiko zusammenfasst. Zum anderen der Gefahrklasse, die das jeweilige Risiko innerhalb dieser Gefahrtarifstelle beziffert. Sie fließt dann in die individuelle Berechnung der Beiträge ein. So können die Ausgaben der BGW solidarisch (innerhalb der Gefahrtarifstellen) und gerecht (über die jeweilige Gefahrklasse) verteilt werden.

Letztlich handelt es sich um eine "Gefahrengemeinschaft": In den Gefahrtarifstellen werden Gewerbezweige oder Branchen mit ähnlichem Unfall- und Erkrankungsrisiko zusammengefasst. Der 5. Gefahrtarif der BGW umfasst 17 Gefahrtarifstellen, wobei die 8. und 13. Gefahrtarifstelle zurzeit nicht besetzt sind. Für einen tragfähigen Gefahrtarif ist es wichtig, dass die in einer Gefahrtarifstelle zusammengefassten Gewerbezweige ausreichend homogen sind und die Zahl der Unternehmen groß genug ist, um das Risiko verlässlich zu berechnen. Deshalb wird der Gefahrtarif alle sechs Jahre überprüft und auf eine neue Grundlage gestellt.

Im Gefahrtarif wird jeder Gefahrtarifstelle wird eine Gefahrklasse zugeordnet. Sie spiegelt das spezifische Risiko wider, im jeweiligen Tätigkeitsbereich einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zu erleiden: je höher das Risiko, desto höher die Gefahrklasse. Bei der Beitragsberechnung ist die Gefahrklasse ein wichtiger Faktor.

Beitragsformel

Der Beitrag errechnet sich als Produkt der Entgelte der Beschäftigten (bzw. der Versicherungssumme), der Gefahrklasse und des Beitragsfußes, geteilt durch 1.000.

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Ausgangspunkt ist jeweils der Finanzbedarf für das abgelaufene Kalenderjahr. Denn ein Jahr lang finanziert die Berufsgenossenschaft die Kosten für die Versicherungsleistungen und die Unfallverhütung vor. Diese Kosten werden dann auf die versicherten Unternehmen umgelegt. Gewinne werden im System der gesetzlichen Unfallversicherung nicht erzielt.

Nachdem der Finanzbedarf ermittelt ist, sind drei Faktoren für die Verteilung auf die beitragspflichtigen Unternehmen ausschlaggebend:

  • die Entgelte, das heißt die Löhne und Gehälter der Beschäftigten - sie sind der BGW jährlich mit dem digitalen Lohnnachweis zu melden; bei persönlichen Versicherungen zählt hier die Versicherungssumme
  • der Beitragsfuß, den die BGW anhand ihrer Ausgaben berechnet (Finanzbedarf)
  • die Gefahrklasse, die für den individuellen Gewerbezweig/die Gefahrtarifstelle gilt

Während die ersten beiden Faktoren jährlich variieren können, ist die Gefahrklasse mit dem Gefahrtarif jeweils für sechs Jahre festgelegt.

Bei fast allen Gefahrtarifstellen haben sich geringfügige Anpassungen in den Gefahrklassen ergeben – das spiegelt die Entwicklung der jeweiligen Gewerbezweige und der dortigen Belastungen wider. Geringere Gefahrklassen werden sich vor allem im Bereich der ärztlichen Praxen, des Friseurhandwerks, der Verwaltung sowie der beruflichen Bildung bemerkbar machen. Von Steigerungen betroffen sind Tageseinrichtungen für Kinder, Heime und Wohneinrichtungen sowie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Alle Gefahrtarifstellen und Gefahrklassen können in der Übersicht zum 5. Gefahrtarif eingesehen werden (zum Vergleich: 4. Gefahrtarif, gültig bis 31.12.2018).

Eine auffällige Änderung betrifft die bisherigen Gefahrtarifstellen 6, 7 und 8: Sie wurden jetzt in zwei Gefahrtarifstellen (6 und 7) zusammengefasst: Praxen der Physiotherapie, Kosmetikbetriebe, Solarien und Tätowierstudios sowie Unternehmen aus dem Bereich Massage und medizinische Bäder sind neu in der Tarifstelle 7 zusammengeführt. Durch die Umstrukturierung erhöht sich für die Bereiche Physiotherapie, Kosmetik, Solarien und Tätowierstudios die Gefahrklasse von 3,74 auf 4,38; für Massageunternehmen verringert sich dagegen die Gefahrklasse von 6,5 auf 4,38 deutlich. Auch die in der Gefahrtarifstelle 6 verbliebenen Einrichtungen – zum Beispiel Hebammen und Entbindungspfleger, Logopädiepraxen oder Frühförderzentren – kommen mit 2,41 auf eine deutlich niedrigere Gefahrklasse (zuvor 3,74).

Der Veranlagungsbescheid gehört zu Ihren Mitgliedsunterlagen. Bitte prüfen Sie, ob die über Ihr Unternehmen/über Ihre selbstständige Tätigkeit gemachten Angaben (Unternehmensgegenstand, Gewerbezweig, Adresse) zutreffen. Andernfalls melden Sie sich bitte bei uns.

In den Meldedaten zur Sozialversicherung sind die jeweils gültigen Gefahrtarifstellen hinterlegt. Basis für den digitalen Lohnnachweis ist der jährliche Stammdatenabruf: Dabei werden für das abgerufene Geschäftsjahr die für diesen Zeitraum geltenden Daten zur Veranlagung des Unternehmens an das Entgeltabrechnungsprogramm übertragen.

Unternehmen müssen dann überprüfen, ob es in ihrem Fall Änderungen in der Zuordnung zum Gefahrtarif gab, und sicherstellen, dass die Personalstammdaten für jede beschäftigte Person die richtige Gefahrtarifstelle (Strukturschlüssel) beinhalten. Ist dies der Fall, kann der digitale Lohnnachweis korrekt durch das Entgeltabrechnungsprogramm erstellt werden. Das gilt auch im Hinblick auf die UV-Jahresmeldung, die unabhängig vom digitalen Lohnnachweis an die Einzugsstellen für den Gesamtversicherungsbeitrag (DEÜV-Verfahren) geht.

Achtung: Soweit eine Abrechnungsstelle oder Steuerberatung mit der Lohnmeldung beauftragt ist, sind der Stammdatenabruf und dessen Überprüfung von dort zu veranlassen.

Sonderfall: Lohnnachweis bei Tätigkeit in mehreren Betriebsteilen

In größeren Unternehmen kann es vorkommen, dass Beschäftigte nicht nur in einem Betriebsteil, sondern dauerhaft in verschiedenen Betriebsteilen tätig sind. Der 5. Gefahrtarif der BGW regelt nun, wie mit den Entgelten dieser Beschäftigten umzugehen ist. Entscheidend ist, ob die Betriebsteile unterschiedlichen Gefahrtarifstellen zugeordnet sind – das lässt sich dem Veranlagungsbescheid entnehmen. Dann ist beim jährlichen Lohnnachweis Folgendes zu beachten:

  • Die gesamte Lohnsumme dieser Beschäftigten ist für das jeweilige Jahr in dem Betriebsteil zu verbuchen, in dem der zeitliche Schwerpunkt der Tätigkeit lag.
  • Lässt sich nicht eindeutig bestimmen, wo jemand die meiste Zeit tätig war, muss der Betriebsteil mit der höchsten Gefahrklasse herangezogen werden. Dort ist das gesamte Arbeitsentgelt zu verbuchen.

Sie haben die Möglichkeit, innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einzulegen. Die rechtlichen Hintergründe können Sie der Rechtsbehelfsbelehrung in Ihrem Veranlagungsbescheid entnehmen. Bitte begründen Sie Ihren Widerspruch ausführlich.

Gewerbezweig ist als Sammelbegriff zu verstehen und umfasst auch selbstständige beziehungsweise freiberufliche Tätigkeiten.

Derartige Anpassungen an die tatsächlichen Verhältnisse sind problemlos möglich. Teilen Sie uns die Änderungen bitte schriftlich mit.

Ausführlicher können Sie sich in den weiteren FAQ informieren. Oder wenden Sie sich direkt an uns!

Kontakt für Versicherungs- und Beitragsfragen
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Am Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 14.30 Uhr.
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